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G-BA ändert die sog. Kinder-Richtlinie zur Früherkennung


Die sog. Kinder-Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) regelt die Umsetzung der Früherkennungsuntersuchungen U1 bis U9. Kinder bis zur Vollendung des 6. Lebensjahres haben gemäß § 26 SGB V Anspruch auf Untersuchungen zur Früherkennung von Krankheiten, die ihre körperliche oder geistige Entwicklung in nicht geringfügigem Maße gefährden. Seit 2005 beschäftigt sich der G-BA mit einer Neufassung dieser Richtlinie, und hat bereits einige Punkte festgelegt. Aktuell wurde beschlossen, dass das „Gelbe Heft“, in dem der Kinderarzt die Untersuchungen und ihre Ergebnisse dokumentiert, eine herausnehmbare Teilnahmekarte beinhalten soll, mit der die Sorgeberechtigten die Möglichkeit erhalten, ihre gewissenhafte Fürsorge für das Kind gegenüber Dritten (z.B. Kindergärten, Jugendamt) nachzuweisen, ohne dabei die vertraulichen Informationen zu Entwicklungsständen und ärztlichen Befunden des Kindes weiterzugeben. Auch soll eine komplette Neustrukturierung der Richtlinie erfolgen. Insgesamt, so erklärt Dr. Harald Deister, unparteiisches Mitglied des G-BA und Vorsitzender des zuständigen Unterausschusses Methodenbewertung, laut Presseerklärung des G-BA, sollen die Früherkennungsuntersuchungen des Kinderarztes sich zukünftig stärker mit möglichen Störungen der Interaktion des Kindes mit der primären Bezugsperson beschäftigen: „Die Beobachtung solcher Auffälligkeiten durch den Kinderarzt in Kenntnis der Entwicklung des Kindes, der möglicherweise vorhandenen psychosozialen Belastungsfaktoren der Familie und der klinischen Interaktionsbeobachtung des Kindes im Beisein primärer Bezugspersonen kann von hohem präventiven Wert in Hinblick auf das Kindeswohl sein.“

Insgesamt ist die Hereinnahme psychosozialer Themen in die Früherkennungsuntersuchungen sicher eine wünschenswerte Weiterentwicklung der Kinderrichtlinie bzw. der U-Untersuchungen. Fraglich ist nur, ob Kinderärztinnen und Kinderärzte bereits aufgrund ihrer Lebens- und Berufserfahrungen hinreichend qualifiziert sind, um differenzierte Eltern-Kind-Interaktions-Beobach-tungen durchzuführen (in wenig standardisierten aber hochspezifischen Situationen) und ob die begrenzte Zeit der U-Untersuchungen ausreichend ist, um valide Aussagen über Interaktionsprobleme vornehmen zu können. Zu hoffen bleibt, dass in der abschließenden Fassung der Kinderrichtlinie in dieser Passage im Bedarfsfall auch eine entsprechende Schnittstelle für eine adäquate vertiefte Psychodiagnostik und qualifizierte Behandlung durch Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen vorgesehen wird.

Der G-BA hat am 18. Juni 2015 beschlossen, die Kinder-Richtlinie neu zu strukturieren. Der Beschluss soll jedoch erst dann in Kraft treten, wenn u.a. auch das Kinder-Untersuchungsheft („Gelbes Heft“) als Anlage der Richtlinie angepasst wurde.

Details zu der Änderung finden sich hier: https://www.g-ba.de/institution/presse/pressemitteilungen/580/

Kerstin Burgdorf, Heiner Vogel

Quelle: Rosa Beilage zur VPP 3/2015


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