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Verfolgung, Flucht und Migration[1]


von Martin Osinski

Die Zahl der Asylanträge in Deutschland steigt. Nach vorübergehendem Rückgang Anfang der 2000er-Jahre werden seit 2014 die Höchststände der 1990er-Jahre übertroffen. Versuch eines Überblicks über die rechtliche und soziale Lage von Migrantinnen und Migranten von Martin Osinski.

EU-Binnenmigration

Migrationsbewegungen innerhalb der Europäischen Union (EU) sind in der öffentlichen Darstellung und Wahrnehmung weitgehend unproblematisch und sollen hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt werden.

Staatsangehörige von EU-Mitgliedstaaten genießen gemäß EU-Freizügigkeitsgesetz Reisefreiheit, Dienstleistungsfreiheit, Niederlassungsfreiheit und Arbeitnehmerfreizügigkeit in der gesamten Union. EU-Ausländer machen über die gesamte Union gesehen 27% aller Ausländer in den Mitgliedstaaten aus.

Die Bundesregierung geht davon aus, „dass Unionsbürger im Aufnahmemitgliedstaat grundsätzlich entweder erwerbstätig sind, also eigene Einkünfte erzielen, oder mit begründeter Aussicht auf Erfolg Arbeit suchen. Nichterwerbstätige Unionsbürger müssen grundsätzlich über ausreichende Existenzmittel und Krankenversicherungsschutz verfügen. Eine Freizügigkeit, die diesen Voraussetzungen nicht entspricht und als eine Zuwanderung unmittelbar in die Sozialsysteme^ wahrgenommen werden kann, ist nicht vorgesehen.“1 Fußnote

Flucht und Vertreibung

Weltweit sind gegenwärtig etwa 55 Millionen Menschen auf der Flucht. Allein im ersten Halbjahr 2014 ist die Zahl der Flüchtlinge nach Schätzung des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) um 10% gestiegen. Die meisten bleiben als sogenannte Binnenflüchtlinge innerhalb der Grenzen des eigenen Landes. „Laut dem neuen UNHCR-Halbjahresbericht #Mid-Year Trends 2014^ sind 1,4 Millionen Menschen von den insgesamt 5,5 Millionen neu vertriebenen Personen über internationale Grenzen geflohen. Alle anderen mussten innerhalb ihres Heimatlandes fliehen.“2 Fußnote

Seit dreißig Jahren machen afghanische Flüchtlinge mit 2,7 Millionen Menschen die größte, langjährig (d.h. fünf Jahre oder länger) betroffene Flüchtlingsbevölkerung unter dem Schutz des UNHCR aus. Im Juni 2014 wurde sie erstmals von der Zahl der syrischen Flüchtlinge übertroffen (3 Mio.). Es folgen Somalia (1,1 Mio.), Sudan (670000), Südsudan (509000), Kongo (493000), Myanmar (480000) und Irak (426000). 

Die große Mehrheit der grenzüberschreitend flüchtenden Menschen bleibt in ihrer Herkunftsregion. „Pakistan, das 1,6 Millionen afghanische Flüchtlinge beherbergt, ist in absoluten Zahlen das größte Aufnahmeland. Andere große Aufnahmeländer sind der Libanon (1,1 Millionen Flüchtlinge), der Iran (982.000), die Türkei (824.000), Jordanien (737.000), Äthiopien (588.000), Kenia (537.000) und der Tschad mit 455.000 Flüchtlingen. [...] Im Verhältnis der Flüchtlingszahl zur Bevölkerung wird ersichtlich, dass der Libanon und Jordanien die meisten Menschen aufgenommen haben. In Relation zur Wirtschaftskraft des jeweiligen Landes tragen Äthiopien und Pakistan die größte Last. [...] Die ökonomischen, sozialen und menschlichen Kosten für die Unterstützung der Flüchtlinge und Binnenvertriebenen wird hauptsächlich von armen Regionen und Gemeinden getragen, die es sich am wenigsten leisten können.“3 Fußnote

Aufnahme in Deutschland – Zahlen und Fakten

Müsste Deutschland ebenso viele Flüchtlinge pro Kopf der Bevölkerung aufnehmen wie der Libanon, so wären das rund 20 Millionen Menschen. Tatsächlich rechnet das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) für 2015 nach vorläufigen Schätzungen mit etwa 300000 Asylantragstellerinnen und -antragsteller. Hinzu kommen einige Spätaussiedler (2012 nur noch 1817 Personen) und bis zu 20000 Kriegsflüchtlinge aus Syrien – Letztere nicht als Asylsuchende, sondern mit Visum auf Grundlage einer Aufnahmeanordnung des Innenministeriums; sie werden oft als Kontingentflüchtlinge bezeichnet.

Migrantinnen und Migranten, die in Deutschland einen Antrag auf politisches Asyl (siehe auch Kasten) stellen, werden nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel auf die Bundesländer und Stadtstaaten verteilt, der einen Proporz hinsichtlich Bevölkerungszahl und Steueraufkommen herstellt. Den größten Anteil übernehmen Nordrhein-Westfalen und Bayern (21,2 und 15,5%). Bremen und das Saarland liegen mit jeweils zirka ein 1% am anderen Ende des Feldes. Die Bundesländer unterhalten Erstaufnahmeeinrichtungen, in denen Asylsuchende „bis zu sechs Wochen, längstens jedoch bis zu drei Monate“ (Asylverfahrensgesetz) bleiben müssen. Hier wird der Flüchtling registriert, der Asylantrag aufgenommen, es finden erkennungsdienstliche Behandlungen und Befragungen zu den Fluchtgründen statt. Alle Asylsuchenden werden auf ansteckende/meldepflichtige Erkrankungen untersucht. Schließlich erfolgt der Transfer in die Landkreise und kreisfreien Städte des jeweiligen Bundeslandes – auch dies wieder nach Verteilungsschlüsseln, die sich an der Bevölkerungszahl orientieren.

Asylgeschäftsstatistik ((ZÜ2))

Das BAMF veröffentlicht regelmäßig Daten über seine Bearbeitungs- und Entscheidungspraxis. Ausweislich der Asylgeschäftsstatistik für Februar 2015 hat sich die Zahl der Asylanträge im Januar und Februar 2015 gegenüber den Vorjahresmonaten auf 45173 verdoppelt. Die Liste der Herkunftsländer wird angeführt von Kosovo (9942 Erstanträge), Syrien (9755), Serbien, Albanien, Afghanistan, Irak, EJR (ehemalige jugoslawische Republik), Mazedonien, Eritrea, Nigeria, Bosnien und Herzegowina. Verdoppelt hat sich auch die Zahl der Folgeanträge (6765).

Dem gegenüber steht die Statistik der Entscheidungen, sowohl in ihren absoluten Zahlen als auch in den Ergebnissen. Beschieden wurden 35386 Asylanträge, das sind 57% mehr als im Vorjahreszeitraum. Dennoch stieg die Zahl der offenen Verfahren von knapp 100000 auf 188435 Ende Februar 2015.

Die Differenzierung der Entscheidungen hinsichtlich Anerkennung versus Ablehnung bietet ein klares Bild: Sechs der zehn Top-Ten-Herkunftsländer mit den höchsten Antragszahlen haben Anerkennungsquoten unter 1%. Als Asylberechtigte oder Flüchtlinge anerkannt werden hingegen Asylsuchende aus Syrien (85,6%), Afghanistan (21,9%), Irak (87,5%) und Eritrea (64,9%). Eine bedeutsame Anerkennungsquote hat auch Iran, jedoch bei geringerer Fallzahl (47,8% von 425). Die Gesamtschutzquote ist nach BAMF-Angabe von 22,9 auf jetzt 41,6% gestiegen.

Asylkompromiss 2014 und Dublin-Verfahren 

Das spiegelt vor allem die derzeitige Strategie, möglichst schnell die relativ eindeutigen Anträge zu entscheiden – positiv für Kriegsflüchtlinge der aktuellen Krisenherde, negativ für Antragstellerinnen und -antragsteller aus so genannten sicheren Herkunftsländern. Für zahlreiche weniger eindeutige Fälle steigt die Wartezeit bzw. die Dauer des Asylverfahrens.

Die niedrigen Anerkennungsquoten für Antragstellende vom Westbalkan haben sich seit 2014 kaum verändert. Neu ist lediglich das höhere Bearbeitungstempo, mit dem Anträge von Asylsuchenden aus Bosnien und Herzegowina, Ghana, EJR Mazedonien, Senegal und Serbien abgelehnt werden – dies nach Erlass des „Gesetzes zur Einstufung weiterer Staaten als sichere Herkunftsstaaten und zur Erleichterung des Arbeitsmarktzugangs für Asylbewerber und geduldete Ausländer“ –, also des umstrittenen Asylkompromisses vom 6. November 2014.

7,4% aller anhängigen Verfahren beim BAMF, und 12,9% der Entscheidungen im Januar und Februar 2015 bezogen sich allein auf das Dublin-Verfahren (siehe auch Kasten). Dabei geht es nicht um die Frage, ob jemand asylberechtigt ist; geprüft wird allein, ob sie oder er bereits in einem anderen europäischen Land einen Asylantrag gestellt hat. Angesichts der geringen Wahrscheinlichkeit, aus den Krisengebieten der Welt unbemerkt ins Bundesgebiet zu gelangen, ist die Zahl vom Dublin-Verfahren Betroffenen erstaunlich klein. Die Bearbeitungszeiten sind allerdings lang; die Betroffenen haben zunächst die Rückschiebung in das Land des Erstantrags und erst dort das Asylverfahren mit ungewissem Ausgang zu erwarten.

Migration ist jung …

31,6% aller Anträge betreffen Kinder und Jugendliche bis unter 16 Jahre. Nur etwa 18% sind älter als 35. Und Migration ist männlich –: 2013 wurden 63,4% der Asylanträge von Männern gestellt. Der höhere Männeranteil trifft auf alle Altersstufen zwischen dem 16. und 55. Lebensjahr zu. 

Aufnahmeverfahren und -regelungen: Beispiel Brandenburg 4Fußnote

Das Bundesland Brandenburg hat 2015 nach dem Königsteiner Schlüssel 3,06% der Asylsuchenden aufzunehmen. Die Erstaufnahmeeinrichtung befindet sich in Eisenhüttenstadt. Sie hat wegen massiver Kapazitätsprobleme inzwischen Außenstandorte in Frankfurt (Oder) und Ferch und soll noch in diesem Jahr von bisher 1500 auf 3000 Plätze erweitert werden.

Nach einem weiteren Verteilungsschlüssel gelangen die Asylsuchenden in die Landkreise und kreisfreien Städte, die gemäß brandenburgischem Landesaufnahmegesetz für Unterbringung, Beratung und Betreuung zuständig sind. Der Landkreis Ostprignitz-Ruppin beispielsweise, mit knapp 100000 Einwohnern und einer Ausländerquote von 2%, wird so für zirka 1,25 ‰ aller Asylsuchenden in Deutschland zuständig – für 2015 sind etwa 400 Personen zu erwarten.

Nach dem Landesaufnahmegesetz erstattet das Land den Landkreisen/kreisfreien Städten

– 2300,81 Euro für jeden neu zu schaffenden Wohnplatz in einer Gemeinschaftsunterkunft oder

– 2500 Euro für jeden neuen Platz in einer Wohnung,

– 6900 Euro monatlich für die Bewachung jeder Gemeinschaftsunterkunft und

– eine Jahrespauschale von 9821 Euro pro Asylsuchenden für Unterbringung, Betreuung sowie die Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG).5 Fußnote

Leistung und Leistungsbeschränkung

Die Qualität der Unterbringung ist in einem Runderlass der Landesregierung „Mindestbedingungen für den Betrieb von Gemeinschaftsunterkünften und die soziale Betreuung nach der Erstattungsverordnung zum Landesaufnahmegesetz“ beschrieben. Danach soll jeder Asylbewerber mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum haben, es sollen nicht mehr als vier Personen pro Zimmer leben, für je 120 Asylsuchende soll eine sozialpädagogische Fachkraft zur Verfügung stehen usw.6 Fußnote

Das Asylbewerberleistungsgesetz ist Bundesrecht. Es steht in der Kritik, weil es nach wie vor Unterschiede zementiert zu den Leistungen, die deutschen Staatsbürgern zustehen. Insbesondere steht es für eingeschränkte Gesundheitsversorgung, die Versorgung mit Sachleistungen (Gutscheine statt Bargeld) und die Unterbringung in Gemeinschaftsunterkünften.

Dies gilt bis heute trotz des wegweisenden Urteils des Ersten Senats des Bundesverfassungsgerichts vom 18. Juli 2012.7 Die Bundesrichter urteilten seinerzeit, das Grundgesetz erlaube es nicht, das in Deutschland zu einem menschenwürdigen Leben Notwendige unter Hinweis auf das Existenzniveau des Herkunftslandes von Hilfebedürftigen oder auf das Existenzniveau in anderen Ländern niedriger als nach hiesigen Lebensverhältnissen geboten zu bemessen. Auch migrationspolitische Erwägungen, die Leistungen an Asylsuchende niedrig zu halten, um Anreize für Wanderungsbewegungen zu vermeiden, könnten von vornherein kein Absenken des Leistungsstandards unter das physische und soziokulturelle Existenzminimum rechtfertigen.7 Fußnote

Gesundheitssorge

Nach wie vor bestimmt das Asylbewerberleistungsgesetz in § 4 Abs. 1 einen Abstand zu Regelleistungen der Gesundheitsversorgung: „Zur Behandlung akuter Erkrankungen und Schmerzzustände sind die erforderliche ärztliche und zahnärztliche Behandlung einschließlich der Versorgung mit Arznei- und Verbandmitteln sowie sonstiger zur Genesung, zur Besserung oder zur Linderung von Krankheiten oder Krankheitsfolgen erforderlichen Leistungen zu gewähren. Eine Versorgung mit Zahnersatz erfolgt nur, soweit dies im Einzelfall aus medizinischen Gründen unaufschiebbar ist.“

Dennoch kann die Gesundheitsversorgung im Einzelfall eine erhebliche Belastung für den Landkreis bedeuten. Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt oder sechs Wochen stationäre psychiatrische Behandlung kosten schnell ein Mehrfaches der oben genannten Jahrespauschale, die das Land überweist. Hier sind die Landkreise vollständig auf sich gestellt – solange die Landesregierung nichts anderes bestimmt und dann auch dafür aufkommt.

Entsprechend zurückhaltend formuliert das brandenburgische Gesundheitsministerium seine „Handlungsempfehlungen zur Verbesserung der psychosozialen Versorgung von Flüchtlingen im Land Brandenburg“ von Dezember 2013.8 Fußnote

Zwar wird das Problem bemerkenswert klar benannt: „Im Rahmen einer früheren Befragung der Beratungs- und Clearingstelle für traumatisierte, psychisch kranke und schutzbedürftige Flüchtlinge in vier Gemeinschaftsunterkünften zeigten bei einer Gesamtzahl von 537 Bewohnerinnen und Bewohnern rund 20% psychische Auffälligkeiten. Es muss davon ausgegangen werden, dass dieser Anteil tatsächlich noch höher ausfällt, da nur die offensichtlichen Fälle erfasst werden konnten. Auch die Tatsache, dass die Aufenthaltsdauer in Gemeinschaftsunterkünften zunimmt, führt dazu, dass aufgrund des unsicheren Aufenthaltsstatus immer mehr Flüchtlinge psychischen Belastungen ausgesetzt sind, an denen sie erkranken.“

Zwei Sätze später kommt dann aber doch der Rückzieher: Bei zirka 7000 Flüchtlingen im Land könne „eine Zahl von 200 bis 300 akut behandlungsbedürftigen traumatisierten bzw. psychisch kranken Flüchtlingen abgeschätzt werden“. 3 bis 4 oder 20%, – ein erklärungsbedürftiger Unterschied. Die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) spricht immerhin von einer zehnfach erhöhten Prävalenz von posttraumatischen Belastungsstörungen gegenüber der Allgemeinbevölkerung.9 Fußnote

Integration, Exklusion, Parallelen

Die Lebenswelt der Asylsuchenden in Deutschland weist einige Parallelen auf zu Psychiatrie und Behindertenhilfe. Die Enthospitalisierungsprojekte der Neunzigerjahre ließen sich der Gemeinde auch nicht leichter vermitteln als heute die Wohnungsverbünde für Asylsuchende. Vorurteile, genährt aus Unkenntnis, Stigmatisierung und Ausgrenzung – damals und heute; irrationale Ängste vor vermeintlicher Gefährlichkeit; die Sorge um den Verkaufswert des Reihenhäuschens, wenn „die“ nebenan einziehen. Die lebensgefährdende Menschenverachtung von (Neo-)Nazis. Die schädigende Wirkung von Anstaltsunterbringung – Goffmans „Asyle“ darf wörtlich übersetzt werden. Sprachlosigkeit als Integrationshindernis; Teufelskreise; Folgeschäden durch erzwungene Untätigkeit und vieles mehr.

Doch glücklicherweise – auch die Ressourcen sind vergleichbar: bürgerschaftliches Engagement, das kaum zu bremsen ist; Bürger integrieren Bürger, ohne Ansehen von Hautfarbe, Religion und Weltanschauung. Selbsthilfe ist besser als Fremdhilfe; nicht über sie, nicht ohne sie reden und entscheiden. Und nicht zu unterschätzen: Sport, Spiel, Spaß und Humor als Quelle unwiderstehlicher Lebensfreude noch im größten Desaster. Ein Fußballturnier gegen einheimische Mannschaften, ein Sommerfest von und mit 23 Nationen, beim Halbmarathon dem Lokalmatador die Fersen zeigen – das ist nicht nur Ablenkung, sondern Kraftquelle im Flüchtlingsalltag. Humor ist, wenn man trotzdem lacht – im Umgang mit der deutschen Bürokratie und nicht zuletzt bei der Überwindung traumatischer Erlebnisse.

SP-Redaktionsmitglied Martin Osinski arbeitet seit Oktober 2014 als Koordinator für die Unterbringung, Betreuung und Beratung von Asylsuchenden in Neuruppin.

Hinweis: Die Links zu den Anmerkungen sind auf der Homepage der DGSP zu finden unter www.dgsp-ev.de

Anmerkungen:

[1] http://dip21.bundestag.de/dip21/btd/17/133/1713322.pdf

[2] http://www.unhcr.de/print/home/artikel/e8feb516fa0d42cfae8ccabb24b28c2c/unhcr-halbjahresbericht-mehr-menschen-auf-der-flucht.html

[3] Quelle wie 2.

[4] Asylgeschäftsbericht

http://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Downloads/Infothek/Statistik/201502-statistik-anlage-asyl-geschaeftsbericht.pdf?__blob=publicationFile

[5] Faktensammlung

http://www.masgf.brandenburg.de/media_fast/4055/Faktensammlun%20Asyl%20in%20BB%20docx%201.pdf

[6] Mindestbedingungen

http://bravors.brandenburg.de/de/verwaltungsvorschriften-221144

[7] BVG-Urteil 1 BvL 10/10

http://www.bundesverfassungsgericht.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2012/07/ls20120718_1bvl001010.html

[8] Handlungsempfehlungen

http://www.masgf.brandenburg.de/media_fast/4055/konzept_fluechtlinge.pdf

[9] DGPPN

http://www.dgppn.de/presse/pressemitteilungen/detailansicht/article//traumatisier.html

 

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Politisch Verfolgte genießen Asyl

Asylrecht hat in Deutschland Verfassungsrang

 

Nach Artikel 16a des Grundgesetzes (GG) der Bundesrepublik Deutschland genießen politisch Verfolgte Asyl.

Das Asylrecht wird in Deutschland nicht nur – wie in vielen anderen Staaten – aufgrund der völkerrechtlichen Verpflichtung aus der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) von 1951 gewährt, sondern hat als Grundrecht Verfassungsrang. Es ist das einzige Grundrecht, das nur Ausländern zusteht.

Politisch ist eine Verfolgung dann, wenn sie dem Einzelnen in Anknüpfung an seine politische Überzeugung, seine religiöse Grundentscheidung oder an für ihn unverfügbare Merkmale, die sein Anderssein prägen, gezielt Rechtsverletzungen zufügt, die ihn ihrer Intensität nach aus der übergreifenden Friedensordnung der staatlichen Einheit ausgrenzen. Das Asylrecht dient dem Schutz der Menschenwürde in einem umfassenderen Sinne.

Nicht jede negative staatliche Maßnahme – selbst wenn sie an eines der genannten persönlichen Merkmale anknüpft – stellt eine asylrelevante Verfolgung dar. Es muss sich vielmehr einerseits um eine gezielte Rechtsgutverletzung handeln, andererseits muss sie in ihrer Intensität darauf gerichtet sein, den Betreffenden aus der Gemeinschaft auszugrenzen. Schließlich muss es sich um eine Maßnahme handeln, die so schwerwiegend ist, dass sie die Menschenwürde verletzt und über das hinausgeht, was die Bewohner des jeweiligen Staates ansonsten allgemein hinzunehmen haben.

Berücksichtigt wird grundsätzlich nur staatliche Verfolgung, also Verfolgung, die vom Staat ausgeht. Ausnahmen gelten, wenn die nicht staatliche Verfolgung dem Staat zuzurechnen ist oder der nicht staatliche Verfolger selbst an die Stelle des Staates getreten ist (quasistaatliche Verfolgung).

Allgemeine Notsituationen wie Armut, Bürgerkriege, Naturkatastrophen oder Perspektivlosigkeit sind damit als Gründe für eine Asylgewährung grundsätzlich ausgeschlossen. Hier kommt unter Umständen die Gewährung von subsidiärem Schutz in Betracht.

Bei einer Einreise über einen sicheren Drittstaat ist eine Anerkennung als Asylberechtigter ausgeschlossen. Dies gilt auch, wenn eine Rückführung in diesen Drittstaat nicht möglich ist, etwa weil dieser mangels entsprechender Angaben des Asylbewerbers nicht konkret bekannt ist.

Datum: 12.12.2012

 

Quelle:

http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylrecht/asylrecht-node.html

 

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Dublin-Verfahren

 

Im Dublin-Verfahren wird der für die Prüfung eines Asylantrags zuständige Staat festgestellt. Damit wird sichergestellt, dass jeder Asylantrag nur von einem Mitgliedstaat inhaltlich geprüft wird.

 

Ablauf des Verfahrens

Zur Bestimmung des zuständigen Mitgliedstaates ist mit dem Antragsteller vorab ein persönliches Gespräch zu führen. Stellt ein Mitgliedstaat fest, dass ein Asylantrag in einem anderen Mitgliedstaat zu bearbeiten ist, stellt er ein Übernahmeersuchen/Wiederaufnahmeersuchen an den betreffenden Mitgliedstaat. Stimmt dieser zu, erhält der Antragsteller hierüber Mitteilung in Form eines Bescheides.

Ein hiergegen eingelegter Eilantrag hat aufschiebende Wirkung. Die Überstellungsfrist wird gehemmt.

Wenn der Bescheid bestandskräftig bzw. rechtskräftig ist, vereinbaren die Mitgliedstaaten die Modalitäten der Überstellung. Wird die Überstellung nicht binnen sechs Monaten durchgeführt, geht die Zuständigkeit für das Verfahren an den Mitgliedstaat über, der um Übernahme ersucht hat. Taucht der Antragsteller unter oder befindet er sich in Strafhaft, kann sich diese Frist verlängern.

 

Dublin-III-Verordnung löst Dublin II ab

Die „Verordnung zur Festlegung der Kriterien und Verfahren zur Bestimmung des Mitgliedstaats, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen in einem Mitgliedstaat, der für die Prüfung eines von einem Drittstaatsangehörigen oder Staatenlosen in einem Mitgliedstaat gestellten Antrags auf internationalen Schutz zuständig ist“ [VO (EG) 604/2013 – Dublin-Verordnung (Neufassung)] vom 26.6.2013 trat am 19.7.2013 in Kraft und löste die Dublin-Verordnung [VO (EG) 343/2003], auch Dublin II genannt, ab.

 

Quelle: http://www.bamf.de/DE/Migration/AsylFluechtlinge/Asylverfahren/Dublinverfahren/dublinverfahren-node.html


[1]Quelle: soziale psychiatrie, Heft 149; Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion und des Autors.


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