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Jahresbericht der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD): Problemlagen im Gesundheitswesen


(ja). Im September hat die UPD ihren dritten Jahresbericht veröffentlicht. Zentrale Themen im Bericht sind vor allem die Leistungen der Krankenkassen, Patientenrechte und Geldforderungen von Kassen und Ärzten. Es wurden über 80.000 Beratungsgespräche ausgewertet, die zwischen April 2014 und März 2015 stattfanden. Zusätzlich wurden Fallbeispiele und Berichte von Beratern aus der Praxis veröffentlicht.

Die zentralen Beratungsschwerpunkte werden im Folgenden kurz zusammengefasst:

Beratungsschwerpunkt 1: Patientenrechte (15.079 Beratungsgespräche)

Die häufigsten Fragen wurden zum Thema Einsichtnahme in die Krankenakten gestellt. Nach dem Patientenrechtegesetz haben PatientInnen das Recht, ihre Patientenakte einzusehen. Trotzdem kommt es häufig dazu, dass dieses Recht von Arztpraxen und Krankenhäusern verwehrt wird. Betroffene können sich bei der Ärztekammer oder der Psychotherapeutenkammer beschweren oder den Rechtsweg nehmen. Allerdings berichteten die BeraterInnen, dass PatientInnen häufig aus Furcht vor möglichen Verfahrenskosten vor dem Rechtsweg zurückschrecken und stattdessen lieber auf die Akteneinsicht verzichten.

Daneben gab es häufig Hinweise darauf, dass die Regelungen zum Behandlungsvertrag von den Ärzten teilweise keine Beachtung finden, dass medizinisch notwendige Leistungen von Ärzten nicht gewährt wurden (meist mit der Begründung der drohenden Überschreitung der geltenden Richtgrößen).

Beratungsschwerpunkt 2:  Geldforderungen und Zuzahlungen (9.285 Beratungsgespräche)

Es wurden auch häufig Fragen zu finanziellen Themen gestellt. Dabei ging es vor allem um Rechnungen, Krankenversicherungsbeiträge und Eigenanteile, aber auch um Zuzahlungen, Fragen zur Belastungsgrenze, zum Heil- und Kostenplan sowie zu Härtefallregelungen bei Zahnersatz. Besonders häufige Fragen waren Beitragsfragen (Höhe der Krankenkassenbeiträge, finanzielle Überforderung).  Es kamen auch häufiger Hinweise darauf, dass die Rechnungen für PatientInnen unverständlich und nicht nachvollziehbar sind.

Beratungsschwerpunkt 3:Ansprüche gegenüber Kostenträgern (29.131 Beratungsgespräche)

Fragen zu diesem Thema betrafen vor allem die Erläuterung von Umfang und Anspruchsvoraussetzungen sowie die Prüfung von Erfolgsaussichten zur Durchsetzung von Ansprüchen gegen Kostenträger. Vor allem das Krankengeld spielte eine große Rolle und auch die Möglichkeiten, die man hat wenn man kein Krankengeld mehr bekommt. Die UPD weist in ihrem Bericht wieder darauf hin, dass aufgrund von formaler Fehler bei der Krankschreibung es häufig dazu kommt, dass Lücken in der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung auftraten und PatientInnen deshalb das Krankengeld verloren.  Im Bereich der Versorgung von Menschen mit psychischen Störungen wurde häufiger die stationäre medizinische Rehabilitation thematisiert. Die Ausschöpfung der ambulanten Behandlungsmöglichkeiten (häufiger Ablehnungsgrund bei Anträgen auf psychosomatische Rehabilitation) scheitere häufig an der Verfügbarkeit von ambulanten Therapieplätzen.

Beratungsschwerpunkt 4: Probleme im sozialen und beruflichen Umfeld (7.875 Beratungsgespräche)

In den meisten Fällen ging es bei diesen Beratungsgesprächen um Konflikte mit den Krankenkassen oder den Ärzten. Ein häufiges Problem ist, dass PatientInnen falsch oder unvollständig informiert oder beraten wurden oder unangemessenem Verhalten ausgesetzt waren. Häufig wurde über Zeitdruck berichtet, was zu einem Konflikt beim Arzt-Patientenkontakt führt. Wie in den letzten Jahren wurde auch berichtet, dass viele PatientInnen sich von Krankengeld-Fallmanagern der Krankenkassen unter Druck gesetzt fühlen. Vor allem bei Personen mit psychischen Problemen ist es wenig zielführend die PatientInnen unter Druck zu setzen. 

Beratungsschwerpunkt 5: Behandlungsfehler (6.320 Beratungsgespräche)

In den meisten Gesprächen ging es hier um einen Verdacht auf Behandlungsfehler, allerdings lieferte die Beratung aus fachlicher Sicht in 1.629 Fällen Anhaltspunkte für Defizite oder Mängel in der Versorgung. Auch wurden Schwierigkeiten bei der Beweisführung berichtet, insbesondere beim Nachweis der Kausalität zwischen der Fehlversorgung und dem dadurch eingetretenen Schaden.

 

Seit 2006 berät die UPD PatientInnen kostenfrei, unabhängig und neutral zu allen Themen im Bereich des Gesundheitswesens. Sie berät im gesetzlichen Auftrag - finanziert durch die gesetzlichen Krankenkassen - und hilft den PatientInnen dabei ihre Rechte (z.B. gegenüber den Krankenkassen) durchzusetzen. Diese gemeinnützige Einrichtung hat sich bislang als gute funktionierende Anlaufstelle für PatientInnen bewährt, die auch immer wieder sehr lesenswerte und qualitativ hochwertige Artikel und Berichte verfasst hat.

In den letzten Monaten wurde sehr viel über die Zukunft der UPD diskutiert. Bis Ende 2015 sind die Träger der UPD ein Verbund aus Sozialverband VdK Deutschland, Verbraucherzentrale Bundesverband und Verbund unabhängige Patientenberatung.

Ab 2016 wird die UPD nun von dem privaten Callcenter Sanvartis übernommen. Diese Übernahme wurde stark kritisiert. Beispielsweise wirbt Sanvartis auf seiner Homepage damit, dass es bereits für verschiedene Krankenkassen als Dienstleister tätig ist (z.B. AOK und BARMER). Daher stellt sich die Frage, inwieweit ein Dienstleister der Krankenkassen parallel eine neutrale und unabhängige Patientenberatung anbieten kann. Außerdem ist fraglich, inwieweit die hohe Qualität der UPD aufrechterhalten werden kann, wenn bundesweit 21 Beratungsstellen geschlossen werden und neue MitarbeiterInnen in die Thematik eingearbeitet werden müssen.

 

Weitere Informationen finden Sie hier: http://www.patientenberatung.de/fileadmin/user_upload/pdf/Monitor_2015/Monitor-Patientenberatung_150623.pdf

Quelle: Rosa Beilage zur VPP 4/2015

 


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