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Rechenschaftsbericht der Fachgruppe Frauen in der psychosozialen Versorgung für das Jahr 2013


Die Fachgruppe Frauen in der psychosozialen Versorgung der DGVT ist Mitglied im Nationalen Netzwerk Frauen und Gesundheit und arbeitet dort aktiv und regelmäßig mit. Das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit ist ein Zusammenschluss von Vertreterinnen aus Verbänden und Vereinigungen, die bundes- oder landesweit zum Thema Frauen/Mädchen und Gesundheit/ Gesundheitsförderung arbeiten.

2013 wurde eine Reihe von Briefaktionen durchgeführt:

  • Das Nationale Netzwerk hat sich zu der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert-Koch-Instituts (RKI) geäußert, speziell zu den Ergebnissen zum Thema Gewalt. In dieser Stellungnahme wurde die Methodik scharf kritisiert: festgestellt wurde etwa, dass der Stand der internationalen Forschung zu und Erforschung von Partnergewalt nicht hinreichend berücksichtigt wurde, dass der Studie keine geschlechtsspezifische Definition von Gewalt bzw. Partnergewalt zugrunde liegt und dass als Effekt der Studienpopulation eine systematische Verzerrung der Ergebnisse vermutet werden kann. Das RKI hat die mangelnde Geschlechtssensibilität zugegeben und sich entschuldigt. Der für die FG Frauen zuständige DGVT-Vorstand Wolfgang Schreck lobte die Initiative. Der Brief des Nationalen Netzwerkes Frauen und Gesundheit sowie der Antwortbrief des RKI sind auf der Website des RKI dokumentiert.
  • Der Gemeinsame Bundesausschuss wurde angeschrieben, damit er die sprachliche Gleichbehandlung der Geschlechter in Flyern übernimmt, die vom IQWIG entwickelt wurde. Zudem wurde angeregt, dass ein Flyer, in dem es um Schwangerschaftsdiabetes geht, mit „Informationen für Schwangere“ statt mit „Patienteninformation“ überschrieben wird, da Schwangerschaft keine Krankheit ist.  Der Gemeinsame Bundesausschuss teilt die dargelegte Auffassung und stellt in Aussicht, beim Nachdruck der Flyer entsprechende Änderungen vorzunehmen.

Für April 2013 hatten die FG Frauen ein Coaching-Seminar für Frauen mit fach- und berufspolitischem Interesse organisiert. Das Seminar war der DGVT-Workshop-Tagung vorangestellt. Die Anmeldezahlen waren jedoch nicht hoch genug, sodass das Seminar abgesagt werden musste.

Da sich einige erfahrene Kolleginnen angemeldet hatten, die bereits in DGVT-Gremien oder -Fachgruppen aktiv sind oder waren, entschloss sich die Fachgruppe zu einer Umfrage, um den tatsächlichen Bedarf an Coaching oder/und Vernetzung zu ermitteln. Von 50 angeschriebenen DGVT-Gremien-Frauen kamen 28 Rückmeldungen. 27 betonten ihr Interesse an Vernetzung. Die Umfrage führten Ute Sonntag (FG Frauen) und Angela Baer (Bundesgeschäftsstelle) durch.

Dieses Ergebnis war die Grundlage für die FG Frauen, ein Vernetzungstreffen auf dem Kongress zu organisieren. Es findet statt am Samstag, 29.3.2014, von 13.15 Uhr bis 14.30 Uhr. Alle DGVT-Frauen, vor allem aber diejenigen, die in unseren Gremien aktiv sind (oder es werden wollen), sind eingeladen. Einen fachlichen Input gibt Gendertrainerin Monika Börding aus Bremen. Das Motto der Veranstaltung lautet: Vernetzung hat Vorteile für alle, Erfahrungsaustausch bereichert, Kontakte in andere Gremien erleichtern die Arbeit zu übergreifenden Themen und können viel Zeit sparen, Strategiediskussionen machen viel Spaß.

Einige Beiträge, die auf der von der FG Frauen initiierten Fachtagung 2011 „Sexuelle Übergriffe in Therapie und Beratung. Kunstfehler! Und was folgt daraus?“ gehalten worden sind, sind im Jahr 2013 in der VPP unter dem Schwerpunkt: „Grenzverletzungen und Schäden in Psychotherapie und psychosozialer Beratung“ veröffentlicht worden. Die dort angesprochenen Themen zur Qualitätsentwicklung in Beratung und Psychotherapie haben hohe Relevanz für die Beratung und die Psychotherapie.

Im Jahr 2013 fand der Erste Bundeskongress „GenderGesundheit“ vom 21.-22. März in Berlin statt. Für die FG Frauen hat Irmgard Vogt diese Veranstaltung besucht und einen kritischen Bericht abgeliefert. Besonders ärgerlich war es, dass es auf diesem Kongress um GenderMedizin ging – ein durchaus wichtiges Anliegen – aber eben nicht um GenderGesundheit.  Der zweite Bundeskongress ist in Vorbereitung; es spricht alles dafür, dass es auch auf diesem nicht um Gesundheit, sondern einmal mehr um Medizin geht. Das ist eine Herausforderung für Frauen und Männer, die sich mit Gender und Gesundheit auseinandersetzen.

Vorschau: Das Nationale Netzwerk Frauen und Gesundheit feiert am 03. Juli 2014 in Berlin ihr 20-jähriges Jubiläum mit einer Fachtagung zum Thema „Selbstbestimmung und Gesundheit von Frauen – vom hohen Gut zum Werbeslogan?“ Der Begriff der Selbstbestimmung war zu Beginn der zweiten Frauenbewegung ein zentraler Orientierungspunkt für gesundheitspolitische Forderungen. Die Tagung zeichnet am Beispiel der reproduktiven Gesundheit und des Themas Selbstoptimierung die Bedeutungsveränderungen nach, denen der Begriff unterworfen wurde. Die Diskurse von Vergangenheit und Gegenwart werden kritisch gewürdigt und ein Blick in die Zukunft gewagt.

Die Fachgruppe bedankt sich bei den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle für die Unterstützung, insbesondere bei Angela Baer und Waltraud Deubert.

Für die Fachgruppe Frauen: Ute Sonntag und Irmgard Vogt


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