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Gründungstreffen der Fachgruppe: Verhaltenstherapeutische Versorgung in der somatischen Medizin im Rahmen des 29. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

am Donnerstag, den 25. Februar 2016, erfolgte im Rahmen des 29. Kongresses der DGVT die Gründungsveranstaltung der Fachgruppe „Verhaltenstherapeutische Versorgung in der somatischen Medizin“. Einige Kolleginnen und Kollegen waren unserer Einladung gefolgt und zu Anfang des Treffens referierten wir (Thorsten Kreikenbohm sowie Ellen Schenk zu Schweinsberg, als Gründer und Leiter dieser Fachgruppe) von der noch kurzen Entwicklungsgeschichte der Fachgruppe sowie deren Ziele. Die Fachgruppe versteht sich als Forum für Kolleginnen und Kollegen, die in den verschiedenen Bereichen der somatischen Medizin tätig sind bzw. werden wollen und soll dem Austausch über aktuelle Entwicklungen, die dieses Versorgungsfeld betreffen, dienen.

Übergeordnetes Ziel der Fachgruppe ist die zunehmende Entwicklung sowie Pflege eines Netzwerkes von verhaltenstherapeutisch orientierten Kolleginnen und Kollegen, die im Versorgungsfeld der somatischen Medizin bzw. damit eng verbundenen Versorgungsbereichen tätig sind. Weiter soll diese Fachgruppe dazu dienen, gemeinsame Projekte (spezifische Workshops, bzw. die Integration dieses Themas im Rahmen der Aus-, Fort- und Weiterbildung) durchzuführen und vielleicht in der Zukunft Ideen einer praxisorientierten Forschung zu entwickeln und zu ermöglichen.

Das Gründungstreffen zeichnete sich dahingehend aus, dass viele der anwesenden KollegInnen bereits in der somatischen Medizin (Krankenhäuser, Rehabilitationskliniken, u. a.) tätig sind und umfangreiche Kompetenzen aus den Bereichen Palliativmedizin, Psycho-Onkologie, Orthopädie sowie Kardiologie mitbrachten. Es gab einen regen Austausch und es wurde eine Vielzahl von relevanten Themen für die Zukunft gesammelt und diskutiert.

Zu nennen sind hier:

  • Spezifische Lehrangebote für die Psychotherapie-Ausbildung,
  • Begleitung bzw. Angebote für wissenschaftliche Qualifizierungsarbeiten,

Aspekte der Psychohygiene der in diesem Versorgungsfeld tätigen Therapeuten,

akute sowie chronische körperliche Erkrankungen als psychologisch-psychotherapeutische Herausforderungen für den / die PatientIn sowie den / die BehandlerIn, Kooperation und Abgrenzung zu anderen Bereichen wie der Medizin,

die Entwicklung individueller Behandlungswege von stationär zu poststationärer Versorgung, Vernetzung der praktisch Tätigen und die Arbeit mit körperlich erkrankten Kindern und Jugendlichen.  

Heiner Vogel als Vertreter des Vorstandes, verdeutlichte die Relevanz der klinisch-psychologischen Versorgung in der somatischen Medizin als weiter zu erschließendes Versorgungsfeld für klinische PsychologInnen bzw. VerhaltenstherapeutInnen. Insbesondere da für jüngere Kolleginnen und Kollegen bzw. frisch Approbierte der traditionelle Weg der Niederlassung aktuell und  in Zukunft nicht die einzige berufliche Perspektive sein kann bzw. sein wird, die von der Masse der approbierten Kolleginnen und Kollegen beschritten werden kann. Durch seine langjährige persönliche Erfahrung im Bereich der Rehabilitation sowie der somatischen Medizin, betonte er den Stellenwert einer auszubauenden verhaltenstherapeutischen Versorgung von körperlich erkrankten Patienten und die Notwendigkeit der Begleitung dieser Entwicklung auf verschiedenen Ebenen.

Zum Abschluss des Gründungstreffens wurde vereinbart, dass die Leitung der Fachgruppe sich um die Entwicklung und den Aufbau der Mailingliste kümmern wird.

Ziel sollte es sein, dass diese Mailingliste ein Instrument wird, um aktuelle persönliche Fragen, die mit dem Versorgungsbereich zusammenhängen, klären zu können und damit zu einer Vernetzung der im Versorgungsbereich tätigen Kolleginnen und Kollegen beizutragen.

Die eventuelle Planung von Fachgruppentreffen außerhalb des DGVT-Kongresses wurde in Aussicht gestellt, wobei wir um Verständnis bitten, dass dies noch einige Zeit in Anspruch nehmen wird, da Ellen sowie ich dieses Jahr vergleichsweise eingebunden sind.

Durch die Nähe zum Thema erscheint es angebracht, dass hier ebenfalls über das Symposium „Körperliche Erkrankung-Herausforderungen für die Klinische Psychologie“ berichtet wird.

Das Symposium war mit ca. 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus unserer Sicht sehr gut besucht; den Anfang der Referate machte Ellen von Schenk mit einem Vortrag zum Thema „Interventionen für Menschen mit erworbener Hirnschädigung“.
 Neben der hohen wissenschaftlichen Güte des Vortrages darf festgehalten werden, dass Ellen deutlich machte, wie erworbene Hirnschädigungen sowie die damit häufig verbundenen psychischen Komorbiditäten (Depressive Störungen sowie Persönlichkeitsveränderungen) die PatientInnen sowie ihre Angehörigen langfristig begleiten und die damit verbundene psychischen Belastungen aktiv durch psychologische PsychotherapeutInnen begleitet werden können.

Es schloss sich der Vortrag von Ann Catrin Arndt an (Psychoonkologische-Psychotherapeutische Versorgung in der Frauenklinik), die über die Besonderheiten und institutionellen Herausforderungen der psychoonkologischen Versorgung in der Frauenheilkunde sprach und von ihren praktischen Erfahrungen der Anwendung von Behandlungsmöglichkeiten im Sinne des ACT-Ansatzes berichtete.

Daniel Fischer betonte in seinem Vortrag (Gemeinsame Störungsmodelle in der Schmerztherapie) die Relevanz einer multimodalen Schmerztherapie, welche die individuellen Problemlagen der betroffenen PatientInnen berücksichtigt und als eines der Hauptziele vertritt, den PatientInnen im Sinne einer (er-)lebensnahen Edukation über Schmerzentstehung sowie -aufrechterhaltung zu informieren, um die PatientInnen für mittel- und langfristige Verhaltensänderungen zu motivieren.

Abschließend referierte Thorsten Kreikenbohm über die Kompetenzen und Qualifikation für KrankenhauspsychologInnen und versuchte zu verdeutlichen, dass dieses Arbeitsfeld sich in seinen Rahmenbedingungen, Inhalten sowie seiner Interdisziplinarität grundlegend vom klassischen psychotherapeutischen Arbeiten unterscheidet. Es bedarf spezifischer Ausbildungsprogramme bzw. Ausbildungsmodule, um dieses Arbeitsfeld ausfüllen zu können. Eine Anpassung an international vorhandene Versorgungs- und Ausbildungsmodelle scheint dringend notwendig.

Die jeweiligen Diskussionen nach den einzelnen Vorträgen, sowie die abschließende, sehr rege Abschlussdiskussion zeigte, dass das Symposium mit seinem Thema von hohem Interesse war. Es wurde deutlich, dass die klinisch-psychologische Versorgung primär körperlich erkrankter PatientInnen im deutschen Gesundheitssystem zum einen ein sehr anspruchsvolles, auf der anderen Seite auch sehr erfüllendes Arbeitsfeld für Psychologische PsychotherapeutInnen bzw. VerhaltenstherapeutInnen sein kann, es auf der anderen Seite aber aus der Berufsgruppe noch mehr Bestrebungen bedarf, Wissen und Kompetenz in die jeweiligen Institutionen des Gesundheitssystems einzubringen. Die Positionierung der PsychologInnen ist in einigen Versorgungsbereichen gut, in anderen wiederum deutlich ausbaufähig und in der Gesamtbetrachtung weiter auszubauen, um langfristig ein wichtiger und nicht austauschbarer Partner zu werden, der in einem multiprofessionellen Behandlungsteam den jeweiligen PatientInnengruppen zur Verfügung steht. Nur so wird eine umfassende Behandlung gewährleistet sein, die dem Ideal einer biopsychosozialen Behandlung annähernd entsprechen kann.

Wir hoffen, dass von dem Gründungstreffen sowie vom Symposium ein Impuls ausgehen konnte, der viele Kolleginnen und Kollegen innerhalb der DGVT erreicht. Wie betont, stehen wir auch über unten genannte E-Mail-Adressen für jegliche Fragen und Anregungen gerne zur Verfügung.

Solltet Ihr Kolleginnen und Kollegen kennen die einen Eintrag in die Mailingliste wünschen (Voraussetzung: DGVT Mitgliedschaft), regt diese doch dazu an, die Bundesgeschäftsstelle der DGVT per Mail (dgvt(at)dgvt(dot)de) zu kontaktieren.

Wir bedanken uns hier auch stellvertretend für die mitreferierenden KollegInnen für Eure umfangreiche Teilnahme am Symposium und Gründungstreffen sowie die lebhaften Diskussionen, die uns sichtlich Spaß und Anregungen gegeben haben.

Liebe Grüße

Ellen und Thorsten

t.kreikenbohm(at)kreisklinikum-siegen(dot)de
ellen_von_schenk(at)posteo(dot)de

Quelle: VPP 2/2016


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