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Bericht der Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern (Rosa Beilage zur VPP 1/2016)


Eigentlich müsste man dieser Tage eher über die politischen und kulturellen Erdrutsche auch und gerade in unserem Bundesland schreiben, statt ‚business as usual‘ zu betreiben. Immerhin kann ich berichten, dass auf der Informationsveranstaltung der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern (KV M.-V.) in Rostock am 20. Januar 2016 auch die medizinische Versorgung der hiesig ca. 20-25.000 Flüchtlinge thematisiert wurde. Regulär seien für die ersten 15 Monate ihres Aufenthaltes die staatlichen Gesundheitsämter zuständig, aber in M.-V. habe die KV bereits am 1. September 2015 einen Rahmenvertrag mit dem Land abgeschlossen, mit dem die KV freiwillig die ambulante Gesundheitsversorgung in Räumen der staatlichen Flüchtlingseinrichtungen übernahm. Die Haftung verbleibt beim Staat, Sprachmittler sind von den Einrichtungen zu stellen, Arzneimittelkosten laufen über die Sozialämter. Nach Verteilung der Flüchtlinge auf die Gemeinden seien die lokalen Sozialämter dann für all das zuständig, wenn sie nicht selber dem Rahmenvertrag beitreten, Rostock hat es z. B. gemacht. Ansonsten das Übliche, es muss ein Behandlungsschein vorliegen und Weiterüberweisungen müssen vom Sozialamt genehmigt werden. Auch wenn mit dem Wintereinbruch der Krankenstand gestiegen sei, die meisten Flüchtlinge seien jung und recht gesund, die KV-Ärzteschaft sei der Aufgabe gewachsen.

Aktuell ist auch das Inkrafttreten z. B. des Krankenhausstrukturgesetzes, seine 6 Mrd. Finanzspritze stößt bei den KV-Oberen auf Unverständnis. Insbesondere weil nun sowohl für Portalpraxen als auch für Notfallambulanzen die KV-Töpfe angezapft werden. Dem Investitionsstau-Argument der Krankenhäuser stellte der KV-Vorsitzende Herr Rambow die 12,9%ige Gewinnsteigerung, z. B. des Asklepios Klinikkonzerns, gegenüber. In M.-V. sei der Anteil privater Häuser mit über 50% besonders hoch. Da arbeiten ja auch viele unserer angestellten PT-KollegInnen, hoffentlich kriegen sie wenigstens ein wenig von den Milliarden ab.

Last but not least, die eigenen Vergütungen: Nachdem die KV die ersten beiden Quartale 2015 ohne gültigen Honorarvertrag mit den Kassen auszahlen musste, hat nun das Schiedsgericht entschieden. Somit sind die 10,2718 Cent Punktwert uns allen nun sicher. Die Nachzahlungen würden mit der Honorarabrechnung des dritten Quartals 2015 Anfang Februar ausgezahlt werden. Der Honorarverteilungsmaßstab (HVM) 2016 sei nun leichter zu verhandeln mit den Kassen, es laufe auf 4,4208 % Honorarzuwachs hinaus. Bei uns PsychotherapeutInnen kommt ja erfahrungsgemäß nur ein kleiner Anteil davon an. Unsere nicht genehmigungspflichtigen Leistungen (ngpL) werden 2016 weiter nur auf ca. 85% des Orientierungspunktwertes gestützt werden.

Bei den Terminservicestellen (TSS) sind wir PsychotherapeutInnen erst ab 2017 richtig dabei, aber für die somatischen Fachärzte wurde das Ganze ja bereits am 23. Januar 2016 scharfgeschaltet. Zwei Arbeitskräfte wurden von der KV M.-V. für die TSS angestellt. In M.-V.   braucht ein/e Patient/in zuallererst mal eine A-, B- oder D-Überweisung (Vorstellungstermin binnen 1 Tag, 1 Woche oder 4 Wochen). Wenn er damit bei FachärztInnen nicht einen Termin innerhalb der nächsten 4 Wochen bekommt, kann er sich telefonisch oder brieflich dafür an die TSS der KV M.-V. wenden. Dort verliert er jedoch die Vorteile der freien Arzt- Orts- und Terminwahl. Mit all diesen Infos könnt ihr jetzt eure PatientInnen beraten, wenn sie keine Facharzttermine kriegen.

Jürgen Friedrich
Landessprecher Mecklenburg-Vorpommern und OPK-Kammerdelegierter
Kontakt: mv(at)dgvt(dot)de; mv(at)dgvt-bv(dot)de


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