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Bericht der Landesgruppe Schleswig-Holstein (Rosa Beilag zur VPP 3/2016)


Regionale Mitgliederversammlung
und Grillfest

Die diesjährige regionale Mitgliederversammlung wird am 03.09.16 von 13:00 bis 16:00 Uhr in Rendsburg in der Praxis von Claudia Tiefert (bzw. im Hof des Hauses) in der Moltkestr. 4 stattfinden. Wir haben die MV deutlich früher ins Jahr gelegt als bisher üblich, weil wir einmal eine Mischung aus den notwendigen formalen Abläufen einer MV und lockerem Kennenlernen und informellem Austausch bei kulinarischen Köstlichkeiten vom Grill versuchen wollen. Wir sind gespannt auf die Resonanz. Inhaltlich wollen wir auf jeden Fall die neuesten Verschlimmbesserungen der Psychotherapierichtlinien und die Entwicklungen zum neuen Entgeltsystem in psychiatrischen und psychosomatischen Kliniken mit Ihnen diskutieren. Das erste Jahr Oppositionsarbeit in der Kammerversammlung wollen wir darstellen und weitere Strategien mit Ihnen rückkoppeln. Schließlich gibt es interessante vereinsinterne Entwicklungen, über die wir mit Ihnen sprechen wollen.

Bericht aus der 41. Kammerversammlung am 08.07.2016

Wir berichteten an dieser Stelle ja bereits, dass seit der Konstituierung im November 2015 kein angestelltes Kammermitglied mehr im Vorstand sitzt. In der 40. Kammerversammlung im März 2016 hatten wir diesen Missstand zum Thema gemacht und einen Antrag eingebracht, mit dem der Vorstand beauftragt werden sollte, der nächsten Kammerversammlung ein Konzept vorzulegen, wie die Perspektiven der Angestellten in den Kammerstrukturen besser repräsentiert sein können. Der Vorstand hatte den Antrag seinerzeit übernommen, sodass eine gewisse Hoffnung bestand, dass dieser Missstand zumindest teilweise behoben werden könnte. Was der Vorstand dann aber der 41. Kammerversammlung als sein „Konzept“ unterbreitete, war aus der Sicht der Angestellten in der Kammerversammlung eine einzige Enttäuschung. Es enthielt keine einzige Idee zur strukturellen Verankerung der Angestellten in der Kammer. Im Grunde war es kein Konzept, sondern eine Auflistung von Dingen, die die Kammer für die Angestellten tut. Und so erfuhren wir dann beispielsweise die sensationelle Neuigkeit, dass sich ja auch Angestellte von der Kammer genauso beraten lassen können wie Niedergelassene. Donnerwetter. Vorerst vorbei sind aber offensichtlich die Zeiten, in denen selbstverständlich Angestellte von Angestellten beraten werden, genauso wie Niedergelassene von Niedergelassenen, also von Leuten, die in der jeweiligen Materie drinstecken. Vorerst vorbei sind offensichtlich die Zeiten, in denen selbstverständlich die Angestellten genauso die Möglichkeiten haben, ihre Perspektiven selbst in die Meinungsbildungsprozesse der Kammer einzubringen, wie die Niedergelassenen auch. Vielmehr sind die Angestellten nun darauf angewiesen, dass die Niedergelassenen im Vorstand das quasi so nebenbei adäquat mit erledigen. Konkrete Diskussionen zu konkreten Sachverhalten in der Kammerversammlung machen da aber wenig Hoffnung. Man konnte streckenweise sogar den Eindruck gewinnen, dass sich manche Vorstandsmitglieder gar nicht vorstellen können, dass man sich aus einer positiven Motivation heraus für die Arbeit etwa in einer Klinik entscheidet. Vielmehr gewinnt man den Eindruck, dass für die (niedergelassenen) Mitglieder im Kammervorstand die „freie Niederlassung“ die eindeutig höherwertige berufliche Daseinsform eines Psychotherapeuten darstellt.

Um es noch einmal ausdrücklich zur Entscheidung zu bringen, wurde von unserer Fraktion ein Antrag zu diesem Thema eingebracht. Die Kammerversammlung solle beschließen, dass dem Kammervorstand mindestens ein Mitglied angehören müsse, dass mit mindestens 50% seiner Arbeitszeit abhängig beschäftigt ist. Wie zu befürchten war, wurde der Antrag abgelehnt. Alle Mitglieder der DPtV-Fraktion (allesamt Niedergelassene und laut Eigenwerbung ehemalig Angestellte) stimmten dagegen. Zu Beginn dieser Wahlperiode war nur zu befürchten, dass die Angestellten wieder in das Mauerblümchendasein zurückgedrängt werden, das ihnen bereits in der ersten Wahlperiode der Kammer (2003-2007) zugewiesen wurde, als die DPtV-Fraktion ebenfalls die Mehrheit in der Kammerversammlung stellte. Aus dieser Befürchtung ist seit der letzten Kammerversammlung leider Gewissheit geworden. Die DPtV-Fraktion will keine Angestellten im Vorstand haben. Und es gab keinerlei Vorschläge für eine irgendwie andere Verankerung in den Kammerstrukturen. Die gewählten Angestellten (unterstützt durch die Niedergelassenen in unserer eigenen Fraktion) werden sich nunmehr überlegen müssen, was sie damit anstellen.

Auch eine weitere Befürchtung dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Gewissheit werden. Die Kammer wird teurer. Der Vorstand informierte die Kammerversammlung über die Überschreitung verschiedener Haushaltspositionen bereits im Haushalt 2016. Es wurden Mehrausgaben berichtet, die man zweifellos machen kann, aber genauso zweifellos nicht machen muss. Darüber darf man bei konkreten Haushaltspositionen unterschiedlicher Meinung sein. Uns geht es hier aber um die Grundhaltung, die man zu dem Geld einnimmt, das die Kammer ja nicht irgendwie durch Leistung erwirtschaften kann, sondern ausschließlich durch die Pflichtmitgliedschaft zwangsweise von den Mitgliedern eintreibt. Den meisten Kammern wohnt die Neigung inne, auf der Ausgabenseite eine gewisse Großzügigkeit walten zu lassen und es zeichnet sich ab, dass im neuen Kammervorstand Ausgaben nicht mehr so kritisch geprüft werden, wie das die letzten acht Jahre der Fall war. Die aktuellen Mehrausgaben werden im Haushalt kompensiert dadurch, dass Mehreinnahmen (durch Mitgliederzuwachs) gleich ausgegeben werden, dadurch, dass das Versorgungswerk Untermiete in der PKSH-Geschäftsstelle zahlt und dadurch, dass der Vorstand seltener tagt, also weniger Sitzungsgelder anfallen. In der Summe wird durch die berichteten Mehrausgaben der Haushalt 2016 also deshalb nicht überschritten. Man darf aber sicher sehr gespannt darauf sein, wie der Haushaltsentwurf für 2017 aussehen wird, der der Kammerversammlung im November zur Entscheidung vorgelegt werden wird.

Bemerkenswert auch ein Vorgang zum Weiterbildungsthema. Der Vorstand berichtete vom letzten Deutschen Psychotherapeutentag, dass keinerlei Entscheidung zu den in der Diskussion befindlichen neuen Zusatzbezeichnungen im Bereich der Somato-Psychotherapie gefallen sei. Auf Konfrontation unsererseits wurde dann aber eingeräumt, dass die Schaffung der Zusatzbezeichnung „Psychotherapie bei Diabetes“ auf den Weg gebracht worden sei. Die Darstellung des Vorstandes ist deshalb erstaunlich, weil sich die Kammerversammlung im März hierzu eindeutig positioniert hatte, nämlich dass keine neuen Zusatzbezeichnungen geschaffen werden sollen, bevor nicht eine Reform der Ausbildung unter Dach und Fach ist. Wie es zu dieser merkwürdigen Darstellung kommen konnte, blieb letztlich unklar. Wir denken aber, dass die Kammerversammlung gerade zu diesem Punkt eine eindeutigere Informationspolitik verdient gehabt hätte.

Durch unsere Fraktion wurden schließlich zwei Resolutionen in die Kammerversammlung eingebracht. Die eine (zu dem unerfreulichen Ausgang der Eingruppierungsverhandlungen im TVöD) wurde als Appell an die Tarifparteien mit leichten Veränderungen einstimmig verabschiedet. Eine zweite (zu den Neuerungen in den Psychotherapierichtlinien) wurde kontrovers diskutiert. Letztlich wurde der Vorstand beauftragt, die Resolution im Tenor inhaltlich ohne Veränderung sprachlich zu überarbeiten und im Umlaufverfahren abstimmen zu lassen.

Claudia Tiefert,  Diana Will,  Detlef Deutschmann,  Bernhard Schäfer

LandessprecherInnen Schleswig-Holstein DGVT und DGVT-BV

Kontakt:

mv@dgvt.de; mv(at)dgvt-bv(dot)de

Die Biographische Anamnese und der Krankheitsfall in Schleswig-Holstein

Ich pflege bei Umwandlungsanträgen regelmäßig die Biographische Anamnese zu wiederholen um dann meine Verhaltensanalyse zu aktualisieren. Regelmäßig wird mir die Ziffer 35140 EBM wieder von der KVSH gestrichen. Ein Widerspruch führte zu einem Schriftwechsel mit der Abrechnungsabteilung über mittlerweile 13 Monate. Ich wurde belehrt: „Es ist hier zu unterstellen, dass die Bedeutung der Anamnese, genauer gesagt, die Wortbedeutung allgemein unter Ärzten und Psychotherapeuten bekannt ist. Anamnese heißt Vorgeschichte des Kranken (siehe auch Pschyrembel-Klinisches Wörterbuch). Zur Vorgeschichte gehört alles das und nur das, was der Kranke vor Aufnahme der Behandlung erlebt und erfahren hat. Alles das was er während der Behandlung erlebt und erfährt ist nicht Vorgeschichte, sondern Therapieverlauf und Behandlungsverlauf!“

Aha, denkt sich der Psychotherapeut, dann dürfen sich die Sichtweisen beider Beteiligter auf die einmal geschilderte Lebensgeschichte nicht ändern. Und es dürfen auch keine neuen Fakten hinzukommen. Einmal Vorgeschichte, immer Vorgeschichte. Das entspricht aber kaum der therapeutischen Erfahrung.

Meine nachfolgenden Erwiderungen und Einwände beziehen sich auf den Wortlaut des EBM zur Krankheitsgeschichte. Ich orientiere mich dabei am EBM, Allgemeine Bestimmungen, wo der Krankheitsfall das aktuelle und die drei nachfolgenden Quartale umfasst, und in dem die Biographische Anamnese einmal angesetzt werden darf. Auch der Faber-Haarstrick (Kommentar zur Psychotherapie-Richtlinie) bestätigt diese Position. Kein Einsehen bei der KVSH, die auf dem Standpunkt steht, dass die GOP 35140 überhaupt nicht während einer bereits laufenden PT abgerechnet werden kann. „Krankheitsfall“ beziehe sich auf die Zeit vor Beginn einer PT. Keine rechtliche Erklärung dieser Abweichung vom EBM und der Handhabung in anderen KVen. Angeboten wird mir im Tausch die einmalige Abrechnung der Vertiefenden Exploration.

Der DGVT-Berufsverband hat sich meiner Angelegenheit angenommen und sie rechtlich geprüft. Der Standpunkt der KVSH bleibt fragwürdig. Scheinbar ist sich die Abrechnungsabteilung selbst nicht sicher, denn sie verlangt zum wiederholten Mal den Rückzug meines Widerspruchs, traut sich aber scheinbar nicht, mir einen rechtswirksamen Bescheid zu senden (gegen den dann Rechtsmittel eingelegt werden könnten).

Klaus Thomsen


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