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Bericht zur Versammlung der DGVT-Ausbildungsakademie am 09./10.11.2016 in Magdeburg


Das diesjährige Herbsttreffen der DGVT-Ausbildungsakademie fand am 09./10.11.2016 im Ausbildungszentrum Magdeburg statt.

Traditionsgemäß richtet eines der DGVT-Ausbildungszentren die Versammlung im Herbst aus und es freuten sich 24 Verantwortliche aus 16 Ausbildungszentren über die Einladung von Meinrad Armbruster und seinen Kolleg*innen in das Ausbildungszentrum Magdeburg.

Nachdem Alfred Luttermann als Moderator und Versammlungsleiter berufen wurde, folgte als gewohnter Auftakt der Veranstaltung ein Bericht über Neuigkeiten aus den einzelnen Ausbildungszentren, den die jeweiligen Verantwortlichen vornahmen. Dabei wurde deutlich, dass die Kolleg*innen grundsätzlich recht zufrieden auf den Verlauf des Jahres blicken und vor dem Hintergrund der jeweiligen regionalen Besonderheiten (z.B. Unterschiede in den Anmeldezahlen für neue Ausbildungslehrgänge, regional unterschiedliche Angebote von Klinikplätzen für die Praktische Ausbildung, Nachfragesituation von Patient*innen, spezifische Projekte in den ABZ etc.) positiv gestimmt sind. Als übergeordneten Aspekt stellte Alfred Luttermann den Stand der Vergütungsverhandlungen (Honorarnachforderungen und Strukturzuschlag) am Beispiel Berlin dar. Aktuell muss in Berlin in jedem Quartal den Honorarbescheiden widersprochen werden, damit die Ansprüche nicht verloren gehen und es gilt, den Entscheid über eine Musterklage abzuwarten. 

Der erste inhaltliche Schwerpunkt der Versammlung galt der Ausbildungsreform bzw. der Novellierung des Psychotherapeutengesetzes.

Günter Ruggaber, Geschäftsführer der Ausbildungsakademie, informierte die Anwesenden über den aktuellen Stand und stellt die Aussagen der Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium (BMG) Frau Widmann-Mauz vom 08.11.2016 dar, die im Rahmen eines Fachsymposiums der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) berichtete, dass in dieser Legislaturperiode  keine Gesetzesverabschiedung mehr möglich sein wird.  Gemäß dieser Aussage wird prognostiziert, dass die Arbeit innerhalb der Ausbildungszentren vor dem Hintergrund der aktuellen Bedingungen noch für längere Zeit fortgeführt werden kann. Neben dem Eckpunktepapier bildete das Positionspapier des GKV-Spitzenverbandes zur Reform der Psychotherapie-Ausbildung (08/2016) eine weitere Grundlage für die sich anschließende Diskussion. (siehe hierzu Rosa Beilage 4/16).

In dem Eckpunktepapier ist eine Staatsexamensstruktur für heilkundliche Psychotherapie vorgeschlagen, die gemäß der Medizinerausbildung nach einem 10-semestrigen (zweiteiligen) Studiums mit dem Staatsexamen und der Approbation endet. Innerhalb der Diskussion wurde kritisch angemerkt, dass bisherige zentrale Elemente des wissenschaftlichen Psychologiestudiums nicht berücksichtigt werden und zu befürchten sei, dass eine grundständige, wissenschaftliche und empiriegeleitete Fundierung unserer Profession auf der Strecke bleiben würde. Innerhalb dieser Argumentation wird weiter diskutiert, wie vor der im Eckpunktepapier formulierten Praxis- und Anwendungsbezogenheit des  Studiengangs die Voraussetzungen der im Bologna-Prozess geforderten Bachelor- und Masterabschlüsse realisiert werden können. Diese Kompatibilität wird im Eckpunktepapier explizit benannt, scheint inhaltlich aber ausgesprochen fragwürdig.  Als problematisch wurde außerdem diskutiert, dass bei den Überlegungen des BGMs zur Direktausbildung keinerlei Überlegungen zur Weiterbildungsfinanzierung angestellt worden sind. Diesbezüglich besteht dringender Klärungsbedarf und es erschien der Diskussionsrunde als nicht akzeptierbar, das umfassende Überlegungen zu einem Studium angestellt werden, diese aber mit Abschluss des Studiums enden und die Weiterbildung, die zum Erwerb des Fachkundenachweises (Möglichkeit der Teilnahme an vertragspsychotherapeutischen Versorgung) führen soll, weder inhaltlich spezifiziert wird, noch dessen Finanzierung geregelt ist. 

Übergeordnet erschien der Diskussionsrunde die vom BGM formulierten Strukturen zur Direktausbildung als sehr unbefriedigend und es wurde befürchtet, dass die drängenden Probleme innerhalb der aktuellen Ausbildungsstruktur auf längere Sicht ungelöst bleiben. Insbesondere die bundeseinheitliche Regelung des Zugangs zur Psychotherapeuten*innenausbildung und die Schaffung von angemessenen finanziellen Rahmenbedingungen für die Vergütung der Praktischen Ausbildung wurden als besonders drängend betrachtet. Es wurde vom Diskussionskreis angeregt, innerhalb des Verbandes und mit Bündnispartnern die Lösung der aktuellen Probleme zu fokussieren, um zeitnah in einem ersten Schritt Interimslösungen anzustoßen.

Als weiterer Tagesordnungspunkt wurden von Alfred Luttermann die am 16. Juni 2016 vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beschlossenen Psychotherapie-Richtlinien (Strukturreform der ambulanten Psychotherapie) anhand der Übersichtsfolie der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) vorgestellt.

Neben den Veränderungen in den Behandlungskontingenten (Akutbehandlung, KZT, LZT) wurden insbesondere die Neuerungen der verpflichtenden Sprechstunde sowie die Gutachterbefreiung für Kurzzeittherapie und mögliche Auswirkungen auf die Praktische Ausbildung diskutiert.

Für Patient*innen wird es verpflichtend, eine Sprechstunde aufzusuchen, bevor sie eine ambulante Richtlinienpsychotherapie aufnehmen können. Ambulante Praxen werden verpflichtet Sprechstunden anzubieten; bei einem vollen Versorgungsauftrag wird sich diese Sprechstunde auf 100 Minuten wöchentlich, bei einem halben Versorgungsauftrag auf 50 Minuten belaufen. Inhaltlich soll die Sprechstunde dazu dienen, Patient*innen einerseits einen niedrigschwelligen Zugang zur ambulanten Versorgung zu ermöglichen, andererseits soll diese der Abklärung, ob ein Verdacht auf eine krankheitswertige Störung vorliegt, dienen.

Der Diskussionskreis beschäftigte sich mit der Frage, ob und wie die Sprechstunden-Regelung für Ausbildungsambulanzen zum Tragen kommen könnte. Die Veränderung, dass Kurzzeittherapien (zwei Blöcke à 12 Stunden) zukünftig von der Gutachterpflicht befreit werden, beschäftigte im Weiteren die Diskussionsrunde. Der Kreis der  Ausbildungsakademie sprach sich klar dafür aus, dass das Erstellen von Behandlungskonzeptionen – auch für Kurzzeittherapien -  weiterhin ein integraler Bestandteil der Praktischen Ausbildung darstellt und auch zukünftig unabdingbar ist. Allerdings würde sich die Begutachtung der Therapieanträge in die Ausbildungsinstitute verlagern, wofür Konzepte und Strukturen entwickelt werden müssten.  Für die weiteren vorgesehenen Befugniserweiterungen der Strukturreform , wie Krankenhauseinweisung,  Krankenfahrt und Reha-Überweisung, sind Kompetenzen relevant, für die u. U. weitere Anpassungen notwendig sein werden, um diese den Teilnehmer*innen zu vermitteln. In der Sitzung mit dem PIA-Vertreter*innen, die unmittelbar vor der Tagung der Akademieversammlung stattfand, wurde deutlich, dass die PIAs ein großes Interesse haben, an der Ausarbeitung der Fallkonzeptualisierung (internes Gutachten zur Behandlungskonzeption) mitzuarbeiten und auch einen Einbezug in die strukturellen Veränderungen (Sprechstunde, Diagnostik etc.) wünschen.

Der Diskussionskreis einigte sich darauf, zwei Arbeitsgruppen zu bilden, um den Veränderungen der Psychotherapie-Richtlinien nach zu kommen. Eine Arbeitsgruppe wird Konzepte für ein internes System zur Abhandlung von Fallkonzeptionen und mögliche Abläufe (Einbezug der Supervision) vorentwerfen; die andere Arbeitsgruppe wird strukturelle Möglichkeiten der  Implementierungen der Sprechstunde innerhalb der Ambulanzen erarbeiten. Diese Ergebnisse sollen die Grundlage für weiterführende Diskussionen bilden.

Als weiteren Punkt gab Ulrike Willutzki einen Überblick über den aktuellen Stand zu den Veröffentlichungen der psychodiagnostischen Behandlungsdaten, die an fünf Ausbildungsstandorten generiert wurden. Eine Veröffentlichung steht nun in Aussicht, nachdem zuvor ein Artikel abgelehnt worden war. Im Sinne der Therapieevaluation und Qualitätssicherung ist es sehr erfreulich, dass ein Promotionsprojekt nun in Berlin anläuft.

Des Weiteren stellte Ulrike Willutzki das internationale Forschungsprojekt SPRISTAD zur professionellen Entwicklung von Psychotherapeuten*innen vor und lud zur Beteiligung der Ausbildungszentren der Ausbildungsakademie ein. Eine erste Übersicht findet sich unter dem Link  www.psychotherapyresearch.org

Darüber hinaus beschäftigte sich die Diskussionsrunde mit der externen Begutachtung der Falldokumentationen, die von den Ausbildungsteilnehmer*innen als Prüfungsbestandteil verfasst werden und welche vor Prüfungsanmeldung von Experten*innen der DGVT geprüft werden. Anja Dresenkamp berichtete darüber, dass die Qualitätssicherungskommission der DGVT damit begonnen habe – wie auf der Frühjahrstagung der Ausbildungsakademie im Mai 2016 beschlossen -  den Gutachter*innen einen Fragebogen mit Orientierungspunkten zuzusenden, der einen einheitlichen Standard der Rückmeldung an die Ausbildungskandidaten*innen unterstützen soll.  Anja Dresenkamp berichtete weiter, dass die Teilnehmer*innen mit der Rückmeldung der Gutachter*innen einen Fragebogenbogen bekommen, in dem erhoben wird,  wie hilfreich die Rückmeldungen zu den Falldokumentationen eingeschätzt werden. Bisher seien die Rückmeldungen überwiegend positiv und als hilfreich bewertet worden, allerdings seien die Fallzahlen noch nicht ausreichend, um statistische Darstellungen vorzunehmen zu können. Diesbezüglich werde die Qualitätssicherungskommision am Ball bleiben und eine Auswertung vorstellen, wenn genügend Daten vorliegen. Als weiteren Punkt stellte Anja Dresenkamp die Aktivitäten der  Qualitätssicherungskommision zur Erhebung von Erwartungen an die Psychotherapieausbildung von Teilnehmer*innen vor Ausbildungsbeginn dar. Dieser Punkt wurde ebenfalls auf der Sitzung im Mai 2016 angeregt, da dieser Aspekt als fehlender Bestandteil der umfassenden Zufriedenheitsevaluationen, die von der DGVT durchgeführt werden, identifiziert wurde. Anja Dresenkamp informierte darüber, dass sie einen Interviewleitfaden erstellt und erste Interviews mit Teilnehmer*innen vor dem Ausbildungsstart geführt habe. In einem offenen Interviewformat wird erfragt, welche Themen die zukünftigen Ausbildungsteilnehmer*innen bewegen. Es besteht die Hoffnung, auch Aspekte zu eruieren, die  Aufschluss über die Außenwirkung der Ausbildungsakademie der DGVT geben. Als abschießender Tagesordnungspunkt wurde von den Entwicklungen des Berner Masterstudiengangs berichtet. Die ab dem Wintersemester 2012/2013 bestehende Kooperation zwischen der DGVT-Ausbildungsakademie und der Universität Bern mit dem akkreditierten Masterstudiengang „Master of advanced studies - Psychotherapie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie“ (MAS PTVT) wird weiterhin sehr gut von den Ausbildungsteilnehmer*innen angenommen und führt zu hoher Immatrikulation der Ausbildungsteilnehmer*innen. Vom Diskussionskreis wurde erfreut berichtet, dass die Qualität der Ausbildung durch die Integration der Berner Konzepte in die Ausbildungscurricula zu einem substantiellen inhaltlichen Zugewinn führt. Am ersten Juli-Wochenende 2017 findet die erste Jubiläums-Sommerakademie nach fünfjährigem Bestehen der Kooperation statt. Die Vorbereitungen zur Festveranstaltungen sind angelaufen!

Abschließend dankten die Anwesenden den Magdeburger Kolleg*innen für die tolle Gastfreundschaft und man verabschiedete sich bis zu einem Wiedersehen im März 2017 bei der Workshoptagung der DGVT in Tübingen.  

Stefan Engelbrecht
Ausbildungszentrum Bielefeld


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