< vorheriger Artikel

Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Beratung


Im Mittelpunkt der Mitgliederversammlung der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) am 12. November 2016 in Hannover standen die Wahlen zum Vorstand. Zum neuen Vorsitzenden wurde der bisherige Schatzmeister Peter Müssen (SG) gewählt, zur stellvertretenden Vorsitzenden Beatrix Reimann (DGSv), bisher Beisitzerin im Vorstand. Da beide bereits in den vergangenen Jahren die Vorstandsarbeit mitgestaltet haben, ist die Kontinuität gewährleistet. Den neuen engeren Vorstand komplettiert Dr. Dirk Rohr (VHBC) als Schatzmeister. Zu Beisitzern wurden Dr. Christian Bernreiter (DGfP), Marie-Luise Haake (DGTA), Ariane Wahl (GwG) und Prof. Dr. Marc Weinhardt (DGSF) gewählt. Mit Ariane Wahl ist die GwG somit auch in den nächsten drei Jahren im DGfB-Vorstand vertreten.

Vom bisherigen Vorstand traten Regina Jürgens (GwG), Cathrin Germing (GwG), Wilfried Jancovius (DFP) und Prof. Dr. Hans-Jürgen Seel (VHBC) nicht mehr zur Wahl an. Sie wurden mit viel Beifall aus ihren Ämtern verabschiedet.

Vor der Neuwahl hatte der scheidende Vorstand einen Überblick über die Aktivitäten des vergangenen Jahres gegeben. Erschwert wurde die Arbeit des Vorstands durch eine Reihe von Austritten. Nachdem bereits 2015 der pro familia Bundesverband seine Mitgliedschaft gekündigt hatte, folgten 2016 der Bundesverband kath. Ehe-, Lebens- und Familienberaterinnen und Berater (BVkathEFL), der Bundesverband kath. Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (BVkE), die Evangelische Konferenz für Familien- und Lebensberatung (EKFUL), die Katholische Bundeskonferenz für Ehe-, Familien- und Lebensberatung, Telefonseelsorge und Offene Tür (KBKEFL), die Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung (DAJEB) und die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke). Damit geht der DGfB mit der Jugend-, Ehe-, Familien- und Lebensberatung ein wichtiger Ausschnitt aus dem Spektrum professioneller Beratung verloren. Aktuell sind noch 21 Verbände in der DGfB organisiert.

Die Austritte haben nicht nur Auswirkungen auf den Haushalt des Verbandes, sondern führten auch zu einer Verunsicherung unter den verbliebenen Mitgliedern. Einige Mitgliedsverbänden, darunter auch die GwG, regten deshalb ein informelles Treffen der DGfB-Mitglieder an, um miteinander über die zukünftige Ausrichtung der DGfB zu diskutieren. Das Treffen erwies sich als Erfolg, da sich über drei Viertel der Mitgliedsverbände daran beteiligten. Die Veranstaltung verlief in konstruktiver Atmosphäre. Sie soll zukünftig regelmäßig durchgeführt werden, um so den Austausch zu wichtigen DGfB-Themen zu fördern.

Der Vorstand hat im Juni 2016 satzungsgemäß einen wissenschaftlichen Beirat berufen. Dieser soll verbändeübergreifend tätig sein und den Vorstand aus einer unabhängigen Perspektive heraus beraten. Er dient damit nicht der Vertretung von Interessen einzelner Mitgliedsverbände. In den Beirat wurden fünf Wissenschaftler/innen berufen:

-          Dr. Annett Kupfer (DGVT)

-          Prof. Dr. Franz-Christian Schubert (VHBC)

-          Prof. Dr. Hans-Jürgen Seel (VHBC)

-          Prof. Dr. Yvette Völschow (GwG)

-          Prof. Dr. Renate Zwicker-Pelzer (DGSF)

Einem Beschluss der Mitgliederversammlung 2015 folgend richtete der Vorstand neue Arbeitsgruppen zu den Themen „Lobbyarbeit/Beratungspolitik“ und „Coaching“ ein. Die bereits seit einigen Jahren arbeitende Arbeitsgruppe „Deutscher Qualifikationsrahmen“ hat ihre Arbeit fortgesetzt. Die Arbeitsgruppen berichteten jeweils ausführlich über ihre Tätigkeit:

AG Coaching:
Die Einrichtung der AG Coaching geht auf den Beschluss der Mitgliederversammlung 2015 zurück. Ihr Auftrag ist es, eine Übersicht des Coaching-Weiterbildungsmarktes zu erarbeiten. Damit verbunden ist die Beschäftigung mit Qualitätsstandards für eine Coaching-Weiterbildung. Aus Sicht der AG definiert sich die Frage der Beratungsqualität auch über das Ausbildungsniveau der Berater/innen, wie es in den „Essentials“ der DGfB bereits für Beratungsweiterbildungen vorgelegt wurde. Aus Kreisen der Coaching-Weiterbildungsinstitute wird häufig argumentiert, eine umfangreiche, zeitaufwendige und teure Coaching-Weiterbildung sei im Markt nicht durchsetzbar. Die AG vertritt die Auffassung, dass angesichts der Verdienstmöglichkeiten von Coaches in der Privatwirtschaft das Argument nicht sehr tragfähig scheint, vor allem vor dem Hintergrund, dass Berater/innen der psychosozialen Beratung bei geringerem erwartetem Einkommen an aufwendigen Weiterbildungen teilnehmen. Die AG rät der DGfB an der Diskussion zu Qualitätsstandards für die Qualifizierung professioneller Coaches aktiv teilzunehmen und sich auch im Bereich Coaching für hohe Qualitätsansprüchen an die Qualifikation einzusetzen.

AG Qualifikationsrahmen Beratung:
Zur Erstellung eines Qualifikationsrahmens Beratung, dessen Entwicklung Aufgabe der AG ist, müssen nicht nur Beratungskompetenzen definiert werden. Es müssen auch Methoden gefunden werden, erworbene Kompetenzen zu identifizieren und zu bewerten. Anschließend soll die Zuordnung der Kompetenzen zu den Niveaus des Europäischen Qualifikationsrahmens erfolgen. Die AG hat sich in einem ersten Schritt darauf verständigt, den Qualifikationsrahmen nur für die Niveaus des Deutschen Qualifikationsrahmens (DQR) zu schreiben, die Angeboten der Beratung im Sinne der DGfB entsprechen, d. h. etwa ab Stufe 6 (Bachelor) aufwärts. Wo Personen über die der jeweiligen Stufe zugeordneten Beratungskompetenzen verfügen, kann ihnen dies bescheinigt werden. Dies ermöglicht ihnen, ihre Kompetenz europaweit nachzuweisen. So können Ratsuchende, Arbeitgeber und Auftraggeber die Beratungskompetenzen von Beratern/innen, unabhängig von deren methodischer Ausrichtung, besser einschätzen und sich im vielfältigen Beratungsangebot orientieren. Wichtig zu betonen ist, dass die Einstufung in die Niveaus des DQR unabhängig ist von Beratungsphilosophien und -verfahren. So bleibt ein breites und vielfältiges Beratungsangebot erhalten.

Die Erstellung des Qualifikationsrahmens Beratung ist eine anspruchsvolle fachliche Aufgabe, die über eine Zusammenarbeit mit der Wissenschaft, den Weiterbildungsanbietern der nicht-formalen Weiterbildungen und den DGfB-Mitgliedsverbänden notwendig ist. Das Forum Beratung der DGVT vertritt hier Dr. Annett Kupfer.

Der fachliche Prozess, also die Definition und Bewertung der Beratungskompetenzen und die Entwicklung des Qualifikationsrahmens, muss eingebunden sein in einen kontinuierlichen Dialog innerhalb der DGfB.

Die AG übernimmt hier eine koordinierende Funktion. Bereits Anfang 2016 wurde von der AG ein Informationsblatt zum DQR erstellt und den Mitgliedsverbänden zur Verfügung gestellt. Im nächsten Schritt wird das Vorhaben intensiv mit den Mitgliedsverbänden besprochen. Wunsch der AG ist es, allen Mitgliedsverbänden die Möglichkeit zu geben, sich eingehend zu informieren und ihre Ressourcen einzubringen, um so die Entwicklung des Qualifikationsrahmens Beratung als gemeinsames Vorhaben aller mittragen zu können. Vorstand und AG laden aus diesem Grund alle Mitgliedsverbände im Mai 2017 zu einem Verbändetreffen ein. Die AG plant, bis zu diesem Treffen einen ersten Planungsentwurf, verbunden mit einer Kalkulation der benötigten Ressourcen, vorzulegen.

AG Lobbyarbeit:
Aufgabe der AG ist es, eine Verbandsstruktur zu entwickeln, die es zukünftig ermöglicht, auf aktuelle Gesetzesvorhaben Einfluss zu nehmen. Die AG hat deshalb vereinbart, die Eintragung der DGfB in die Lobbyliste des Deutschen Bundestages vorzubereiten und dafür zu sorgen, dass die DGfB zu den für sie relevanten Stichworten dort gelistet ist. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, die systematische Auswertung relevanter Sammlungen und Medien, z. B. der Newsletter der Lebenshilfe, des Paritätischen Wohlfahrtsverbands und der Verbraucherzentrale, vorzunehmen. Grundsätzlich sieht die AG zwei Möglichkeiten der Einflussnahme:

·         Versuche, auf Gesetzgebungsverfahren einzuwirken durch Mitwirkung an Gremien, Teilnahme an Anhörungen usw.

·         Vorbereitung und Verbreitung öffentlicher Stellungnahmen zu laufenden Entwicklungen, Gesetzgebungsvorhaben und zur Umsetzung bestehender Gesetze.

Die politische Beteiligung an konkreten Vorhaben erfordert die persönliche Präsenz von Verbandsvertretern/innen. Die AG betont, dass interessierte Mitgliedsverbände hier Ressourcen investieren sollten, und schlägt vor, dass der Vorstand die Mitgliedsverbände aufruft, Personen für die Mitwirkung zu benennen.

Auf der Tagesordnung der Mitgliederversammlung standen weiterhin verschiedene Beschlussanträge. Beschlossen wurde eine Änderung der Satzung bezüglich des Wissenschaftlichen Beirats. Obwohl in der Satzung vermerkt ist, dass die Mitgliederversammlung das oberste Organ des Vereins ist, wird von ihr lediglich der Vorstand gewählt. Der Wissenschaftliche Beirat wird dagegen nicht gewählt, sondern lediglich vom Vorstand berufen. Um dem Wissenschaftlichen Beirat seine Legitimation auch durch eine Bestätigung durch die Mitgliederversammlung zu geben, hat die Mitgliederversammlung beschlossen, den entsprechenden Paragrafen der Satzung zu ändern. Zukünftig werden Mitglieder des Wissenschaftlichen Beirates vom Vorstand berufen und von der Mitgliederversammlung bestätigt.

Die Mitgliedsverbände beschlossen darüber hinaus die Einrichtung einer Arbeitsgruppe zum Thema Gütesiegel. Die Arbeitsgruppe hat den Auftrag, den Markt zu sondieren und die Vor- und Nachteile eines Gütesiegels für Berater/innen und anderer Qualitätsbewertungsportale zu prüfen. Die Berichterstattung über die gewonnenen Erkenntnisse erfolgt auf der nächsten Mitgliederversammlung.

Die Mitgliederversammlung verlief in einer konstruktiven und konzentrierten Atmosphäre. Als Dachverband für Beratung steht die DGfB vor großen Aufgaben, die sie mit einem begrenzten Finanzvolumen bewältigen muss. Der Erfolg des Verbandes ist weiterhin abhängig vom Engagement der Mitgliedsverbände. Diese sind deshalb aufgerufen, die Bewältigung der anstehenden Aufgaben durch den Einsatz personeller Ressourcen zu unterstützen.

Michael Barg


Zurück