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Neue Perspektiven in der Psychotherapie

Bericht zur 21. DGVT-Workshoptagung vom 30. März bis 1. April 2017 in Tübingen


Aktuelle therapeutische Entwicklungen, neue Interventionsformen und deren konkrete Integrationsmöglichkeiten in den therapeutischen Alltag standen im Fokus der 21. Workshoptagung der DGVT mit dem Titel "Neue Perspektiven in der Psychotherapie". Vom 30. März bis 1. April 2017 lud die Aus- und Weiterbildungskommission (AWK) dazu sowohl PsychotherapeutInnen in Ausbildung als auch approbierte Kolleginnen und Kollegen an die Eberhard Karls Universität nach Tübingen ein. Rund 250 TeilnehmerInnen folgten dieser Einladung und konnten an insgesamt 26 unterschiedlichen Workshops, Vorträgen und Fallseminaren teilnehmen.

Zum Auftakt erläuterte Tobias Binder, leitender Mitarbeiter der Servicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW), vor Beginn der Workshops die mit der neuen Psychotherapierichtlinie verbundenen Veränderungen, welche seit dem 1. April 2017 in der ambulanten Versorgung gesetzlich versicherter PatientInnen umgesetzt werden. Vor allem über die Zusammenarbeit mit den Terminservicestellen gab Binder detailliert Auskunft, stand aber auch für Fragen u.a. bezüglich telefonischer Erreichbarkeit, Psychotherapeutischer Sprechstunde und Antragsverfahren zur Verfügung. Teilnehmende Kolleginnen und Kollegen nutzen anschließend die Möglichkeit, Ideen darüber auszutauschen, wie die Veränderungen im Praxisalltag der Niedergelassenen umgesetzt werden können und kritisierten die aus ihrer Sicht unzureichende Vergütung der neuen Leistungen.

Vor zwei Jahren erfreute sich der Sektempfang zum 20. Jubiläum der Workshoptagung so großer Beliebtheit, dass sich die AKW in Zusammenarbeit mit der DGVT-Geschäftsstelle dazu entschloss, auch mit den diesjährigen TeilnehmerInnen am Donnerstagnachmittag im Foyer der Universität anzustoßen, um so den informellen Austausch zwischen den TeilnehmerInnen zu fördern und Kontakte innerhalb der DGVT zu knüpfen. Daneben erhielten die TeilnehmerInnen während der Tagung die Gelegenheit, sich am Büchertisch über Publikationen des DGVT-Verlags und im „Länderbüro“ über die berufspolitische Arbeit des DGVT-BV in den einzelnen Bundesländern zu informieren.

 

Das abwechslungsreiche Programm der 21. Tagung bot sechzehn Workshops und vier Fallseminare verteilt auf drei Tage zur Auswahl an. Neben neuen Behandlungsansätzen für spezifische Störungen, wurden übergreifende Methoden vorgestellt, welche teils in (Klein-) Gruppenarbeit praktisch erprobt werden konnten. Die AWK bemühte sich bereits bei der Planung der Tagung möglichst praxisrelevante Workshops zu organisieren, so konnten u.a. Fortbildungen zu den Themen Schematherapie, EMDR mit Kindern und Jugendlichen, Akzeptanz- und Commitment Therapie angeboten werden. Dass die AWK mit der Auswahl der Workshops den „richtigen Riecher“ bewiesen hat, zeigte sich nicht nur am positiven Feedback der TeilnehmerInnen, sondern auch daran, dass viele der Angebote ausgebucht waren. Ergänzt wurde das inhaltliche Seminarangebot durch drei Angebote des Berufsverbandes, die rechtliche Aspekte der therapeutischen Arbeit, Berufsmöglichkeiten nach der Approbation sowie drei unterschiedliche Praxisverwaltungsprogramme im Vergleich beleuchteten. Parallel beschäftigten sich anerkannte SupervisorInnen mit dem Thema „Entwicklung der TherapeutInnenpersönlichkeit - Unterstützung durch die Supervision und Umgang mit Problemen auf dem Weg dahin“, um SupervisandInnen künftig noch besser anleiten zu können.

Das Rahmenprogramm der Workshoptagung bildeten Vorträge von Prof. Dr. Martin Hautzinger sowie von Prof. Dr. Johannes Michalak. Am Donnerstagabend stellte Martin Hautzinger neueste Forschungsergebnisse zum Thema „Moderne KVT bei Affektiven Störungen“ für die Behandlung depressiver und bipolarer PatientInnen vor und verglich die Wirksamkeit neuer Ansätze mit bereits etablierten Behandlungsprogrammen. Darüber hinaus wagte er einen Ausblick auf jene Therapieformen, die in den nächsten Jahrzehnten möglicherweise das klassische Face-to-Face-Setting ergänzen und stellte einige onlinebasierte Ansätze aus der Praxis vor.

Johannes Michalak referierte in einem zweiten Expertenvortrag am Samstagmorgen über „Die Rolle des Körpers im Kontext achtsamkeitsbasierter Therapieverfahren“. Nach einer Achtsamkeitsübung im Sinne einer kurzen Selbsterfahrung, stellte er anschaulich Grundlagen zur Achtsamkeit, die Verknüpfung mit der kognitiven Verhaltenstherapie sowie die Effekte von MBCT in der Behandlung und Rückfallprävention von Depressionen dar. Im Anschluss präsentierte er Ergebnisse aus eigenen Untersuchungen zu Embodyment und der Wechselwirkung von Körperbewegung und emotionalem Befinden. So fesselte er die ZuhörerInnen mit Antworten auf die Frage, inwieweit Gangmuster und Stimmung sich wechselseitig beeinflussen. 

Traditionell fanden auch die jährliche Mitgliederversammlung der DGVT und des DGVT Berufsverbandes Psychosoziale Berufe sowie das PiA-KurssprecherInnen-Treffen im Rahmen der Workshoptagung statt.

Die AWK bedankt sich für die tatkräftige Unterstützung in der Planung und Organisation bei der Bundesgeschäftsstelle und den zahlreichen HelferInnen, ebenso bei den ReferentInnen und WorkshopleiterInnen für die vielen anregenden Impulse und praktischen Anleitungen. 

Nina T. Engstermann, Wetter (Ruhr)

 


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