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Honorare der PsychotherapeutInnen weit unter denen anderer Arztgruppen – KBV erhebt Klage gegen Beschluss des Bewertungsausschusses


Aus dem Zi-Praxis-Panel[1] des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland (Zi) wird deutlich: Die großen Einkommensunterschiede zwischen Psychotherapeuten und anderen Arztgruppen haben sich nicht verringert – die Schere beim Honorar ging im Gegenteil weiter auf.

Im aktuellen Bericht »Zentrale Ergebnisse aus der Befragung 2015 zu den Berichtsjahren 2011 bis 2014« wird die Entwicklung der wirtschaftlichen Situation und Rahmenbedingungen in der vertragsärztlichen Versorgung über den Zeitraum von vier Jahren betrachtet. Über alle Arztgruppen hinweg zeigte sich dabei eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der über 5000 in die Analyse einbezogenen Praxen: Der durchschnittliche Jahresüberschuss aller Arztgruppen erhöhte sich um 6,7 Prozent. Somit hat sich die wirtschaftliche Situation der in der vertragspsychotherapeutischen Versorgung tätigen PsychotherapeutInnen weiter verschlechtert.

Angesichts der seit Jahren beklagten Ungleichheit in der Honorierung verwundert der Beschluss des Erweiterten Bewertungsausschusses zur Vergütung der neuen Sprechstunde und der Akutbehandlung sehr. Ärztliche und Psychologische PsychotherapeutInnen sowie Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen erhalten für die neuen Leistungen weniger als für die Richtlinien-Psychotherapie.

Verringerter Überschuss bei PsychotherapeutInnen

Allerdings verlief die wirtschaftliche Entwicklung im Zeitraum 2011 bis 2014 nicht in allen Arztgruppen gleich: Im Fachgebiet Psychosomatische Medizin und Psychotherapie verringerte sich der Jahresüberschuss um durchschnittlich 1,1 Prozent pro Jahr; betrachtet man nur die Gruppe der Psychotherapeuten fiel er um 3,3 Prozent. Umgerechnet auf eine Stunde Arbeitszeit erzielen Psychotherapeuten damit einen Brutto-Überschuss von 35,40 Euro, während Hausärzte 68 Euro und Fachärzte durchschnittlich 69 Euro pro Stunde erreichen.  Damit hat sich die wirtschaftliche Situation der in der vertragspsychotherapeutischen Versorgung tätigen PsychotherapeutInnen weiter verschlechtert.

KBV pocht auf angemessenes Honorar für PsychotherapeutInnen

Die KBV hat mittlerweile gegen den Beschluss des Bewertungsausschusses vor dem Landessozialgericht Berlin – Brandenburg geklagt. Sie setzt sich damit für eine bessere Vergütung der neuen Psychotherapieleistungen ein. Die Argumente der KBV in der Klageschrift sind im Internet veröffentlicht. Die KBV argumentiert dahingehend, dass nach der bisherigen Beschlusslage des Bundessozialgerichts Sprechstunde und Akutbehandlung Teil der 36 Wochenstunden sind, die das Gericht als obere Belastungsgrenze für psychotherapeutische Tätigkeit festgelegt hat. Mit diesen 36 Stunden (als  „Stunde“ sind 50 Minuten anerkannt) soll es niedergelassenen PsychotherapeutInnen möglich sein, ein Einkommen zu erreichen, das wenigstens einer Arztgruppe im unteren Einkommensdrittel entspreche. Sofern im Rahmen dieser Stunden nun zwischen Richtlinientherapie und den neuen Anwendungsformen differenziert werde, sinke das Einkommen nochmals ab. Dies widerspreche dem Beschluss des Bewertungsausschusses vom 22.9.2015.

 


[1] Das Zi erhebt im Rahmen des Zi-Praxis-Panels (ZiPP) seit 2010 jährlich bei Vertrags-ärzten und -psychotherapeuten Daten zur Wirtschaftssituation. Mit dem ZiPP schaffen die KVen und die KBV somit Transparenz über die wirtschaftliche Lage der Praxen der vertragsärztlichen und -psychotherapeutischen Versorgung.


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