< vorheriger Artikel

GESUNDHEITSPOLITISCHE NOTIZEN


Medikationsfehler häufig vermeidbar

Bundesweit sind jährlich rund 250.000 Krankenhauseinweisungen auf vermeidbare Fehler bei der Medikation zurückzuführen. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion hervor. Die Angaben stützen sich auf vorliegende Untersuchungen. Diese zeigen, dass rund fünf Prozent aller Klinikeinweisungen die Folge unerwünschter Arzneimittelwirkungen sind. Ein Viertel der Fälle ließen sich vermeiden, heißt es weiter. Im Zuge des demografischen Wandels sei mit einem höheren Anteil multimorbider Menschen zu rechnen, die der Polypharmakotherapie bedürften. Durch jedes neu angewandte Medikament steige jedoch das Risiko für Arzneimittelinteraktionen. Um Medikationsfehler zu verhindern, haben Patienten, die mindestens drei Arzneimittel verordnet bekommen, Anspruch auf einen Medikationsplan. Laut Bundesregierung sollen die Medikationspläne möglichst bald elektronisch verfügbar sein.

Weitere Informationen: Bundestagsdrucksache 19/849

Quelle: G+G, Ausgabe 3/2018, 21. Jg.

 

Kindeswohl bei Trennung beachten

Eltern verlieren nach Einschätzung des Bremer Psychologen Stefan Rücker bei Trennungen zu oft das Kindeswohl aus dem Blick. „Häufig sind die seelischen Verletzungen der zerstrittenen Partner so groß, dass die Kinder als Waffe gegen den Partner genutzt werden“, sagte Rücker dem Evangelischen Pressedienst (dpd). In der Folge drohten den Kindern große gesundheitliche Gefahren, so der Experte weiter. Jedes Jahr seien in Deutschland mehr als 170.000 Kinder von der Scheidung oder Trennung ihrer Eltern betroffen. Dabei gehe es immer auch um das Umgangsrecht nach der Trennung. Im Auftrag des Bundesfamilienministeriums arbeitet Rücker derzeit an einer bundesweiten Studie zum Thema „Kindeswohl und Umgangsrecht“. Im Rahmen der Analyse sollen rund 1.200 Familien befragt werden.

Quelle: G+G, Ausgabe 3/2018, 21. Jg.

 

Disease-Mangement-Programme ernten viel Zuspruch

Chronisch kranke Menschen profitieren von der Teilnahme an strukturierten Behandlungsprogrammen, sogenannten Disease-Management-Programmen (DMP). Diese werden von den Kassen für Patient*innen mit Diabetes, Koronarer Herzkrankheit, Asthma, COPD und Brustkrebs angeboten. Wie aus dem Qualitätsbericht 2017 der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hervorgeht, stieg die Zahl der Einschreibungen in DMP bis Ende 2016 auf 7,9 Millionen. Das entspricht einem Plus 1,6 Prozent gegenüber 2015. Der Bericht analysiert zudem die Entwicklung der Qualitätsziele der Programme und stellt dabei eine deutliche Verbesserung bei verschiedenen Kriterien wie etwa den Blutdruckwerten bei Diabetikern und Patienten mit Koronarer Herzkrankheit fest.

Weitere Informationen: www.kbv.de > Qualitätsbericht 2017

Quelle: G+G, Ausgabe 3/2018, 21. Jg.

 

Eine Milliarde für Gesundheit am Tag

Die Gesundheitsausgaben in Deutschland haben im vergangenen Jahr erstmals die Marke von einer Milliarde Euro am Tag überschritten. Für 2017 prognostizierte das Statistische Bundesamt einen Anstieg der Ausgaben gegenüber 2016 um 4,9 Prozent auf über 374 Milliarden Euro. Von 2015 bis 2016 hatten sie sich um 3,8 Prozent auf 356,5 Milliarden Euro oder 4.330 Euro je Einwohner erhöht. Dies entsprach einem Anteil von 11,3 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Nordrhein-Westfalen steht mit seinen Gesundheitsausgaben im Jahr 2015 auf Platz eins im Ländervergleich. Mit 74,8 Milliarden Euro lasse das bevölkerungsreichste Bundesland Bayern (53,9 Milliarden Euro) und Baden-Württemberg (44,1 Milliarden Euro) hinter sich, so das Statistische Landesamt NRW. Schlusslicht bei den Ausgaben ist Bremen mit 2,5 Milliarden Euro. Es folgen das Saarland mit 4,3 Milliarden Euro und Hamburg mit 6,9 Milliarden Euro.

Weitere Informationen: www.destatis.de > Presse

Quelle: G+G, Ausgabe 3/2018, 21. Jg.

 

Diakonie und Caritas starten Kampagnen gegen soziale Ausgrenzung und Wohnungsnot

Den Unerhörten in dieser Gesellschaft eine Stimme und ein Gesicht geben, will die neue auf drei Jahre angelegte Diakonie-Kampagne „Unerhört!“. Ihr Ziel: eine Plattform für eine öffentliche Debatte gegen Ausgrenzung und für mehr soziale Teilhabe schaffen. Mit der Kampagne gibt die Diakonie Menschen am Rand der Gesellschaft eine Stimme: Obdachlosen, Flüchtlingen, Homosexuellen, Hartz-IV-Empfängern, Alten und vielen anderen benachteiligten Gruppen. Geplant sind Dialogveranstaltungen, Aktionen, Aktivitäten in Social Media und im Internet.

Im Rahmen der Kampagne, die mit den Plakaten „Unerhört! Diese Flüchtlinge!“ startet, erzählen Ausgegrenzte ihre Geschichte auf www.unerhört.de.

Quelle: BFS-Info 2/18

 

Bericht zur Rolle von Bildung bei der Inklusion von Lernenden mit Migrationshintergrund

Ein am 19.03.2018 von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) veröffentlichter neuer Bericht, der von der Europäischen Kommission in Auftrag gegeben wurde, bestätigt die Notwendigkeit der Förderung inklusiver Bildung und gemeinsamer Werte.

Die wichtigsten Ergebnisse des Berichts weisen darauf hin, dass Lernende mit Migrationshintergrund in vielen Mitgliedstaaten Schwierigkeiten bei der schulischen Integration haben. Dies ist in vielen Fällen durch ihren niedrigeren sozio-ökonomischen Status und Sprachbarrieren bedingt. EU-weit erreichen so etwa 72,3 % der Lernenden ohne Migrationshin-tergrund ein grundlegendes Bildungsniveau; bei Lernenden mit Migrationshintergrund hingegen sind es nur 54,3 %.

Der Bericht liefert außerdem neue Belege dafür, dass sich Lernende mit Migrationshintergrund oft weniger zugehörig zu ihrer Schulgemeinschaft fühlen und häufiger unter Ängsten leiden, die mit schulischen Aufgaben zusammenhängen. Während zwei Drittel (66,5 %) der Lernenden ohne Migrationshintergrund in der Schule ein Gefühl der Zugehörigkeit entwickeln, trifft dies lediglich auf weniger als 60 % (58,6 %) der Lernenden der ersten Migrantengeneration zu. Gleichzeitig sind sie jedoch oft zielstrebiger als Lernende ohne Migrationshintergrund. Während 57,55 % der Lernenden ohne Migrationshintergrund ehrgeizig schulische Ziele verfolgen, sind es bei den Lernenden mit Migrationshintergrund fast zwei Drittel (65,8 %).

Deutlich wird in dem Bericht auch, welch eine wichtige Rolle Bildungssystemen, Schulen und Lehrkräften dabei zukommt, Lernende mit Migrationshintergrund in die Gemeinschaft zu integrieren.

Der Bericht bestätigt zudem, dass Bildung von großer Bedeutung ist, damit Migrant/innen Kompetenzen erwerben und einen Beitrag zur Wirtschaft leisten, sowie eine wichtige Rolle dabei spielt, ihr soziales und emotionales Wohlergehen sicherzustellen und ihre Motivation zu erhalten, am sozialen und gesellschaftlichen Leben in ihrer neuen Gemeinschaft teilzunehmen.

Weitere Informationen: europa.eu/rapid/press-release_IP-18-2021_de.htm

Quelle: EUFIS-Newsletter, April 2018

 

Todesstrafe – Zahl dokumentierter Hinrichtungen sinkt

Mindestens 2.591 Menschen sind 2017 zum Tode verurteilt worden. In 23 Ländern wurden vergangenes Jahr mindestens 993 Menschen hingerichtet – 84 Prozent davon allein in den vier Staaten Iran (mehr als 507), Saudi-Arabien (146), Irak (mehr als 125) und Pakistan (mehr als 60). Das dokumentiert der neue Bericht zur Todesstrafe von Amnesty International. Damit sind im Vergleich zum Vorjahr sowohl weniger Todesurteile verhängt (3.117) als auch vollstreckt worden (1.032). Allerdings enthält die Bilanz – wie in den Vorjahren – keine Zahlen zu China, da das Land Angaben zur Todesstrafe unter Verschluss hält. Amnesty geht davon aus, dass dort weiterhin jährlich die Todesstrafe tausendfach verhängt und vollstreckt wird. Weltweit lebten Ende 2017 insgesamt 16 Prozent mehr Menschen mit einem Todesurteil (21.919) als ein Jahr zuvor (18.848). Mit Guinea und der Mongolei haben 2017 zwei weitere Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft.

Den kompletten Bericht in englischer Sprache, Grafiken sowie weiteres Material finden Sie über Amnesty International unter: bit.ly/AmnestyTodesstrafe2017

Quelle: Dr. med. Mabuse, Ausgabe 233, Mai/Juni 2018, 43. Jg.

 

Gut, aber noch verbesserbar: Rechtliche Betreuung in Deutschland

Wie gut ist in Deutschland die rechtliche Betreuung von Menschen, die aufgrund von Krankheit oder Behinderung ihre rechtlichen Angelegenheiten nicht alleine regeln können? Dieser Frage ist das Institut für Sozialforschung und Gesellschaftspolitik (ISG) in Kooperation mit Prof. Dr. Dagmar Brosey und einem Team der TH Köln nachgegangen. Für ihre vom Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz in Auftrag gegebene Studie »Qualität in der rechtlichen Betreuung« befragten die Forscher über 5.000 berufliche und ehrenamtliche Betreuerinnen und Betreuer.

Wichtige Erkenntnisse des umfassenden Berichts mit zusätzlichen Fallstudien und Experteninterviews: Die meisten der rund 16.000 Berufsbetreuer*innen sind hoch qualifiziert und leisten gute Arbeit. Sie könnten aber noch stärker die Selbstbestimmung ihrer Betreuten fördern, wenn sie mehr Zeit für sie hätten. Schon jetzt leisten Berufsbetreuer*innen viele Stunden unvergütete Arbeit. Bei den 537.000 ehrenamtlichen Betreuerinnen und Betreuern wiederum ist das Problem, dass sie nach eigener Einschätzung in bestimmten Bereichen zu wenig Fachwissen haben. Eine der Empfehlungen der Wissenschaftler*innen lautet denn auch, die bundesweit rund 800 Betreuungsvereine besser abzusichern, denn diese qualifizieren und begleiten die Ehrenamtlichen. Auch gesetzlich definierte Qualitätsanforderungen, verbunden mit einem Zulassungsverfahren für Berufsbetreuende, halten die Forscher*innen für erstrebenswert.

Den gesamten Bericht finden unter:

www.bmjv.de/DE/Service/Fachpublikationen/Fachpublikationen_node.html

Quelle: Psychosoziale Umschau 14.6.18

 

Neue Forschungsgruppe zum Thema „Migration und Sozialpolitik“

Das Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen hat eine neue Forschungsgruppe „Migration und Sozialpolitik“ gegründet, die sich mit dem Zusammenspiel der sozialpolitischen Maßnahmen zur Integration von Flüchtlingen befasst. Die Forscher*innen wollen sich vor allem mit der Frage beschäftigen, welchen Spielraum die Kommunen bei der Integration der Flüchtlinge haben. Die Sozialpolitikforschung habe sich nicht ausreichend damit befasst, welche Möglichkeiten Kommunen bei der Integration der Flüchtlinge vor Ort haben. So untersuchen Mitglieder der Forschungsgruppe unter anderem, wie Menschen aus afrikanischen Ländern die lokalen Bildungsangebote in Anspruch nehmen. Außerdem werden Fragen zur Nutzung kommunaler Gesundheitsversorgung untersucht und ob und wie es den Kommunen gelingt, die verschiedenen Angebote für Flüchtlinge aufeinander und miteinander abzustimmen.

Weitere Informationen: www.iaq.uni-due.de

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Ausgabe 3/2018

 

UN: Nur einer von sechs Drogenabhängigen hat Therapieplatz

Es muss mehr und besser ausgestattete Therapieplätze für drogenabhängige Menschen geben, fordern die Vereinten Nationen. Laut des aktuellen Jahresberichts des Internationalen Suchtstoffkontrollrat der Vereinten Nationen könne weltweit nur einer von  sechs Betroffenen an einem Behandlungsprogramm gegen seine Abhängigkeit teilnehmen.

Zudem seien die vorhandenen Plätze qualitativ oft minderwertig und entsprächen nicht den internationalen Qualitätsstandrads, berichtete der Kontrollrat. Die gesellschaftliche Ächtung und Stigmatisierung erschwere Drogenabhängigen außerdem den Gang zu Hilfseinrichtungen. Besonders Randgruppen wie Migranten und Flüchtlinge erhielten nur selten einen Therapieplatz. Ebenso hätten Frauen in der Regel geringere Chancen auf eine Behandlung als Männer. Der 1968 gegründete Suchtstoffkontrollrat ist ein unabhängiges Expertengremium und überwacht die Einhaltung der internationalen Übereinkommen zur Drogenkontrolle.

Weitere Informationen: www.incb.org

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Ausgabe 3/2018

 

Jugendliche Flüchtlinge bleiben zu oft unter sich

Viele jugendliche Flüchtlinge bleiben an den Schulen zu lange unter sich. Dies besagt die Studie „Schule als Sackgasse. Jugendliche Flüchtlinge an segregierten Schulen“, die im Auftrag des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) durchgeführt wurde. Laut Studie würden junge Flüchtlinge meistens n Schulen mit einem hohen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund untergebracht.

Dort besuchten sie zunächst Vorbereitungs- oder Willkommensklassen, bevor sie in den Regelunterricht wechseln können. Der Sachverständigenrat empfiehlt als konkrete Verbesserungsmaßnahmen unter anderem die Lehrkräfte besser für den Umgang mit Vielfalt auszubilden und mehr Personal- und Sachmittel an Brennpunktschulen bereitzustellen. Des Weiteren sei es die Aufgabe der Kommunen, die geflüchteten Jugendlichen besser über die Schulen zu verteilen, um eine weitere Segregation zu vermeiden.

Weitere Informationen: www.svr-migration.de/publikationen/bildungsintegration/

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Ausgabe 3/2018

Waltraud Deubert


Zurück