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G-BA stellt Gutachten zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung vor – DGVT-BV kritisiert: Grundlegende Fehler bei der „Bedarfsplanung“ vor 1999 werden perpetuiert

Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 15. Oktober 2018 das lange erwartete Gutachten zur Bedarfsplanung veröffentlicht. Für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung lässt das Gutachten nicht den Raum, den sich der DGVT-Berufsverband gewünscht hat: der G-BA sieht einen weiteren Bedarf für bundesweit nur 2400 neue Praxen.


Der Gemeinsame Bundesausschuss hat am 15. Oktober 2018 das lange erwartete Gutachten zur Bedarfsplanung veröffentlicht (der Gesetzgeber hatte den G-BA bereits mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz 2015 beauftragt, die geltenden Verhältniszahlen zu überprüfen und hierauf aufbauend die Bedarfsplanung weiterzuentwickeln. Ziel war es dabei, dem tatsächlichen Versorgungsbedarf in der vertragsärztlichen Versorgung besser als bisher gerecht zu werden und eine flächendeckend wohnortnahe wie auch bedarfsgerechte Versorgung weiter zu fördern. Auftragsgemäß sollten bei der Festlegung der bundeseinheitlichen Verhältniszahlen die demografische Entwicklung sowie die Sozial- und Morbiditätsstruktur berücksichtigt werden). Der G-BA hatte nach einem europaweiten Vergabeverfahren ein wissenschaftliches Gutachten bei der Ludwig-Maximilians-Universität München in Auftrag gegeben, das sich mit den relevanten Fragestellungen beschäftigt.

Die Gutachter kommen zwar zu dem Ergebnis, dass deutschlandweit rund 2.400 psychotherapeutische Praxen fehlen. Sie setzen jedoch die von den heute zugelassenen Psychotherapeut*innen erbrachten Leistungen mit dem Bedarf gleich! Für eine Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung lässt das Gutachten nicht den Raum, den sich die DGVT gewünscht hat: der G-BA sieht einen weiteren Bedarf für bundesweit nur 2400 neue Praxen. Die BPtK (deren Position wir uns angeschlossen hatten) fordert weiterhin rund 7000 neue Sitze.

Grundsätzlich ist am G-BA-Gutachten zu kritisieren, dass dieses für den Bedarf an Psychotherapie den Soll-Zustand am Ist-Zustand misst, d.h. die teils ganz grundlegenden Fehler bei der „Bedarfsplanung“ vor 1999 werden perpetuiert.

Unsere Mitglieder in der Kostenerstattung erleben, dass die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz in manchen Regionen teils viel zu lange sind. Wir kritisieren, dass das Gutachten die Zahlen, d.h. die Behandlungsfälle i.R.d. Kostenerstattung, nicht mit einbezogen hat in seine Bedarfs“planung“!

Weitere Informationen finden Sie hier (Vorstellung des Gutachtens zur Weiterentwicklung der Bedarfsplanung - Dokumentation der Veranstaltung des G-BA vom 15. Oktober 2018): https://www.g-ba.de/institution/service/veranstaltungen/bedarfsplanung/vorstellung-gutachten/


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