< vorheriger Artikel

GESUNDHEITSPOLITISCHE NOTIZEN


BTHG: Empfehlungen zur Gesamtplanung in der Eingliederungshilfe und ihr Verhältnis zur Teilhabeplanung

Seit dem  1. Januar 2018 gelten die neuen Regelungen zum Teilhabe- und Gesamtplanverfahren im SGB IX. Dies stellt die beteiligten Akteure vor große Herausforderungen. Der  Deutschen Verein für öffentliche und private Fürsorge hat daher im Juni 2019 die Empfehlungen zur Gesamtplanung in der Eingliederungshilfe und ihr Verhältnis zur Teilhabeplanung verabschiedet. Die Empfehlungen konzentrieren sich dabei auf das Gesamtplanverfahren und bieten Hinweise für das Verhältnis zur Teilhabeplanung. Sie richten sich an die Träger der Eingliederungshilfe und die Leistungserbringer, um aufzuzeigen, was insbesondere bei der Bedarfsermittlung beachtet werden sollte und welche Erwartungen an das Gesamtplanverfahren sich aus der Sicht der Menschen mit Behinderungen stellen.

Der Deutsche Verein will mit den vorliegenden Empfehlungen eine Hilfestellung bei der Anwendung der neuen rechtlichen Vorgaben sowie der damit verbundenen Instrumente und Verfahren der Bedarfsermittlung geben.

Weitere Infos: www.deutscher-verein.de/de/empfehlungenstellungnahmen-2019-empfehlungen-des-deutschen-vereins-zur-gesamtplanung-in-der-eingliederungshilfe-und-ihr-verhaeltnis-zur-teilhabeplanung-3564,1672,1000.html


Neue Regelungen des Bundesteilhabegesetzes

Zum 1. Januar 2020 tritt eine weitere Reformstufe und damit neue Regelungen des Bundesteilhabegesetzes in Kraft. Die Änderungen betreffen vor allem Menschen mit Behinderungen, die in Einrichtungen leben. Die Lebenshilfe Bundesvereinigung erklärt, worauf Menschen mit Behinderungen achten und woran sie denken sollten. Die Hinweise sind auch für rechtliche Betreuer*innen hilfreich. Die Checklisten können auf der Homepage der Lebenshilfe - auch in leichter  Sprache - unter folgendem Link eingesehen bzw. von dort heruntergeladen werden.

Weitere Infos: www.lebenshilfe.de/informieren/wohnen/checkliste-zum-bundes-teilhabe-gesetz/


Arbeitshilfe "Anforderungen an die Jugendämter durch das Bundesteilhabegesetz"

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter  hat im Mai dieses Jahres die Arbeitshilfe "Anforderungen an die Jugendämter durch das Bundesteilhabegesetz" veröffentlicht. Die Arbeitshilfe beabsichtigt, die für die Kinder- und Jugendhilfe relevanten wesentlichen Änderungen und zu beachtenden Vorschriften aufzugreifen und bezüglich der Anforderungen an die Kinder- und Jugendhilfe auszuführen, wie zum Beispiel die Bestimmungen der Bedarfsermittlung im Kontext mit dem Hilfeplanverfahren oder die Anforderungen an Fachkräfte. Aus Sicht der Landesjugendämter erfordert das BTHG gerade auch hinsichtlich der Zusammenarbeit zwischen Jugend- und Sozialämtern auf örtlicher und überörtlicher Ebene kooperative Lösungen und ein konstruktives Miteinander. Die Arbeitshilfe ist unter

Weitere Infos: umsetzungsbegleitung-bthg.de/service/aktuelles/handlungsempfehlung-bag-landesjugendaemter/


Dokumentation der Fachtagung „Schulassistenz – Ein Standbein inklusiver Schulbildung - Schwerpunkt Einzelleistung/gemeinsame Leistungserbringung“ am 04.07.2019 in Berlin

Die Dokumentation der oben genannten Fachtagung ist fertiggestellt und unter folgendem Link auf der Homepage des Paritätischen Gesamtverbandes zu finden. Des Weiteren stehen dort auch die Präsentationen vom Fachtag bereit und eine kleine Fotoimpression zur Anschauung.

Weitere Infos: www.der-paritaetische.de/schwerpunkt/bundesteilhabegesetz/bildung/


Broschüre „Schulassistenz“

Der Paritätische möchte mit der Broschüre "Schulassistenz gestalten für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen an allgemeinbildenden Schulen", notwendige Standards, aber auch Problemlagen bei der Umsetzung inklusiver Bildung aufzeigen.

Die Broschüre richtet sich daher gleichermaßen an Eltern von Kindern mit Behinderungen, Schulassistent*innen, Interessenverbände, Leistungserbringer, Schulen in freier Trägerschaft und staatliche Schulen sowie Leistungsträger.

Weitere Infos: infothek.paritaet.org/pid/fachinfos.nsf/0/45d03b2fab52c9bdc12584310043b5db/$FILE/schulassistenz-2019_web.pdf


Zankapfel europäische Sozialpolitik

Die Vorstellungen zur europäischen Sozialpolitik liegen bei den im Bundestag vertretenen Parteien sehr weit auseinander. Während Ex-SPD-Chefin Andrea Nahles sich dafür aussprach, dass die Staaten für den Fall einer Wirtschaftskrise in einen Fonds einzahlen sollten, aus dem ein Staat in einer Krisensituation Mittel entnehmen dürfe. So könne ein Land auch in einer Krise weiter investieren. Zurückgezahlt werden müsse das Geld, wenn das Land sich erholt habe. Der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder glaubt nicht an solche Systeme, da sich diese in der Praxis selten bewährt hätten. Auch FDP-Chef Christian Lindner hält nichts von Transferzahlungen in die Staatshaushalte. Die neue CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer betonte die Bedeutung des sozialen Zusammenhalts in der Europäischen Union, auch damit die betroffene Generation wisse, dass sie in Europa eine Zukunft habe. Bernd Riexinger, Chef der Linken, forderte die stärkere finanzielle Beteiligung der Reichen. Die Politiker*innen Nahles, Riexinger, Kramp-Karrenbauer und Baerbock sprachen sich für Mindestlöhne in ganz Europa je nach der jeweiligen Wirtschaftskraft des Landes aus. Lindner hingegen will es dem einzelnen Land zur Entscheidung stellen.

Weitere Infos: www.daserste.de/information/nachrichten-wetter/ard-sondersendung/videos/gipfeltreffen-europa-die-parteichefs-im-gespraech-video-102.html

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 4/2019, Juli/August, Jg. 166

Pflegeangebote in neuer Datenbank des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP)

Das Zentrum für Qualität in der Pflege bietet seit kurzem in einer neuen Datenbank Informationen zu rund 4500 nicht kommerziellen Beratungsangeboten zum Thema Pflege. Das Angebot ist kostenlos und werbefrei und wird regelmäßig aktualisiert. Pflegebedürftige und Angehörige finden hier Antworten auf ihre Fragen: Wie beantrage ich einen Pflegegrad? Wie helfe ich Menschen mit Demenz? Und wer löst mich ab, wenn alles zu viel wird? Die Interessent*innen können hier anhand ihrer Adresse nach Angeboten in der Nähe, am Telefon oder im Internet suchen. Die Ergebnisse lassen sich thematisch filtern, beispielsweise nach Betreuungsrecht, Demenz oder Selbsthilfe. Zusätzlich zu den Kontaktangaben werden auch Informationen zur Erreichbarkeit der Beratungsstellen und zur Möglichkeit von Hausbesuchen zur Verfügung gestellt.

Weitere Infos: www.zqp.de/pflege-beratungsangebote-finden/

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 4/2019, Juli/August, Jg. 166

BMFSJ förderte Projekte gegen Cybermobbing

Im vergangenen Jahr hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend drei  Projekte zur Bekämpfung und Sensibilisierung von Cybermobbing unter Kindern und Jugendlichen gefördert. Dazu gehörte das Initiativbüro „Gutes Aufwachsen mit Medien“ zur Sensibilisierung von Fachkräften, das mit 422.052 Euro gefördert wurde, die Initiative „Schau hin! Was dein Kind mit Medien macht!“ zur Sensibilisierung von Eltern und Erziehenden, die 519,935 Euro bekam, und das Gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für einen zeitgemäßen Jugendschutz im Internet (Jugendschutz.net), das mit rund 1,548 Millionen Euro unterstützt wurde. Darüber hinaus haben die Beratungsangebote „Nummer gegen Kummer“ mit 415.806 Euro und „Jugend.support“ 100.000 Euro erhalten.

Weitere Infos: www.bundestag.de

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 4/2019, Juli/August, Jg. 166

BMAS hat Website „einfach-teilhaben“ überarbeitet

Das Informationsportal für Menschen mit Behinderungen, deren Angehörige, sowie für Behörden und Unternehmen wurde umfassen überarbeitet. Mit neuem Design und verbesserter Nutzerfreundlichkeit bietet die Website www.einfach-teilhaben.de des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales aktuelle Informationen rund um das Thema Behinderung. „Smartphones und Tablets haben sich zum meistgenutzten Weg ins Internet entwickelt, deshalb haben wir die Website komplett überarbeitet und an das veränderte Nutzungsverhalten der Menschen angepasst“, sagt die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Arbeit und Soziales, Kerstin Griese. Alle Informationen werden barrierefrei zur Verfügung gestellt und sind sehr übersichtlich nach Lebenslagen, wie zum Beispiel „Alter und Rente“, „Kindheit und Familie“, „Schule“ oder „Schwerbehinderung“ gegliedert. Außerdem gibt es Informationen zu Fördermöglichkeiten, beruflicher Rehabilitation, technischen Hilfsmitteln und finanziellen Leistungen für Menschen mit Behinderungen. Viele Inhalte gibt es auch in leichter Sprache und in Gebärdensprache.

Weitere Infos: ww.bmas.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/umfassender-relaunch-von-www-einfach-teilhaben.de.html

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 4/2019, Juli/August, Jg. 166

Uni Bielefeld: Neues Zentrum für digitale Gesundheitstechnologien

Die Universität Bielefeld hat ein neues Zentrum zur Erforschung von digitalen Technologien im Gesundheitswesen gegründet. Leiter des interdisziplinär ausgerichteten Zentrums ist Professor Christoph Dockweiler. Die Gesellschaft werde immer älter und chronische Krankheiten nähmen zu, daher wachse besonders im ländlichen Raum die Bedeutung digitaler Technologien, ist Dockweiler überzeugt. Am Forschungszentrum werde den Angaben zufolge unter anderem erforscht, wie wirksam digitale Strategien in der Prävention und Versorgung für unterschiedliche Zielgruppen sind. Der Einsatz digitaler Technologien reiche von elektronischen Akten in der Pflege bis zu onlinebasierten Therapieangeboten für Menschen mit Depressionen. Des Weiteren gebe des Gesundheitsapps auf dem Smartphone oder elektronische Systeme zur Überwachung von Blutdruck und Herzfrequenz, die ihre Daten automatisch an den Hausarzt übermitteln. Hinzu kommen Online-Plattformen, die Patient*innen bei Therapien unterstützen können, elektronische Hilfsmittel die ambulante Pflege erleichtern, sowie andere digitale Angebote die soziale Teilhabe von Menschen mit Behinderung fördern. Die an der Fakultät für Gesundheitswissenschaften angesiedelte Einrichtung kooperiert unter anderem mit dem Evangelischen Krankenhaus Bethel, den Kliniken des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe, dem Landeszentrum für Gesundheit Nordrhein-Westfalen sowie weiteren nationalen und internationalen Forschungs-Institutionen.

Weitere Infos: www.uni-bielefeld.de/gesundbw/cephr/

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 4/2019, Juli/August, Jg. 166

Amt ruft zu mehr UV-Schutz auf

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) ruft zu einem besseren Schutz vor Hitze und UV-Strahlung auf. „Als Anpassung an den Klimawandel müssen Kindergärten, Schulen, Freizeiteinrichtungen wie Spielplätze und Schwimmbäder, aber auch Marktplätze und Innenstädte viel mehr Schatten bieten“, mahnte BfS-Präsidentin Dr. Inge Paulini. Dies könne durch Sonnensegel oder Bäume geschehen. „Durch den Klimawandel gibt es immer mehr warme wolkenlose Tage, sodass die Zahl der Sonnenstunden und damit die Stunden, in denen man sich der UV-Strahlung aussetzt, steigt.“ Paulini warnte, UV-Strahlung erhöhe das Hautkrebsrisiko. Die Zahl der Neuerkrankungen habe sich seit dem Jahr 2000 mehr als verdoppelt. Daher sollte starke Sonne gemieden und vor allem mittags wegen der hohen UV-Belastung das Haus gehütet werden. „Wer den Aufenthalt im Freien nicht vermeiden kann, sollte sich mit entsprechender Kleidung Kopfbedeckung, Sonnenbrille und Sonnencreme schützen – auch im Schatten“, betonte die BfS-Chefin. Die UV-Strahlung der Sonne sei Ursache für Sonnenbrand, Bindehaut- und Hornhautentzündung, grauen Star, vorzeitige Hautalterung und schlimmstenfalls Hautkrebs.

Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft, Heft 7-8/2019, 22.Jg.

Familienleistungen auf einen Blick

Ein neues „Checkheft Starke Familien“ der Bundesregierung gibt Eltern einen kompakten Überblick, auf welche staatlichen Unterstützungen sie bauen können. So gibt es Informationen über Elterngeld, Kindergeld, Kinderzuschlag, das Bildungs- und Teilhabepaket und den Unterhaltsvorschuss sowie viele weitere Themen, die Familien betreffen. Zu jeder Leistung wird erläutert, wo sie beantragt werden kann.

Weitere Infos: Die Broschüre kann über die Website des Bundesfamilienministeriums bezogen werden.

Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft, Heft 7-8/2019, 22.Jg.

Besuche verhindern Pflegebedürftigkeit

Durch präventive Hausbesuche bei Senior*innen ist es möglich Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zu verzögern und zugleich die Lebensqualität und Teilhabechancen alter Menschen zu verbessern. Dies hat das Landesmodellprojekt Gemeindeschwesterplus in Rheinland-Pfalz, das von 2015 bis Ende 2018 in sieben Modellregionen des Landes lief, unter Beweis gestellt. Bei rund 7.000 Hausbesuchen konnten mehr als 3.000 hochbetagte Menschen erreicht und zu ihrer Lebens- und Gesundheitssituation beraten und unterstützt werden. Land und Krankenkassen haben sich entscheiden, das Projekt fortzusetzen und auszuweiten. Das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e. V. hat es wissenschaftlich begleitet.

Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft, Heft 7-8/2019, 22.Jg.


Pflegedeckel: Paritätischer fordert Begrenzung des Eigenanteils in der Pflege

Einen „Pflegedeckel“ fordert der Paritätische Wohlfahrtsverband, um die Eigenanteile zur Finanzierung der Pflege für die Betroffenen künftig auf maximal 15 Prozent der Kosten zu begrenzen. Der Verband will stattdessen die Pflegekassen stärker in die Pflicht nehmen. Es handle sich hier um eine echte und überfällige Neuausrichtung, um künftig nicht nur gute Pflege zu gewährleisten, sondern die Betroffenen auch vor Armut zu schützen.

„Es ist höchste Zeit, dass aus dem Festzuschuss der Pflegekasse eine verlässliche Versicherung wird. Es kann nicht sein, dass Pflegebedürftigkeit wieder zum außerordentlichen Armutsrisiko dieser Gesellschaft wird“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. Laut aktueller Daten des Verbandes der privaten Krankenversicherung müssen Pflegebedürftige für einen Heimplatz immer mehr aus eigener Tasche bezahlen, die Eigenbeteiligung liege im Bundesdurchschnitt bei fast 1930 Euro. Der Paritätische nennt diese Zahlen alarmierend und mahnt zügige Reformen an, um die Betroffenen zu entlasten und die Pflegefinanzierung vom Kopf auf die Füße zu stellen.

Schon heute sei es so, dass die Rente meist nicht reiche, um die anfallenden Kosten für die eigene Pflege zu stemmen, warnt Schneider. Der Paritätische weist darauf hin, dass die durchschnittliche Rente für Neurentner*innen bei 874 Euro (West) bzw. 1019 Euro (Ost) liege und damit deutlich unter den durchschnittlich anfallendem Eigenanteilen für einen Heimplatz. Auch die Sozialhilfequote von fast 40 Prozent unter Pflegeheimbewohner*innen zeige, dass die Pflegeversicherung bei der Absicherung der Pflege bisher kläglich versagt. „Es kann nicht sein, dass Menschen fast ihr Leben lang in die Pflegekasse einzahlen und am Ende trotzdem in der Sozialhilfe und in Armut landen“, so Schneider. Der Paritätische fordert eine klare Haltelinie: 15 Prozent der Kosten sei das äußerste, was den Pflegebedürftigen an Eigenanteil zuzumuten sei. Perspektivisch sei die Einführung einer einheitlichen solidarischen Bürgerversicherung für alle anzustreben.

Wenn es die Bundesregierung ernst meine mit einer besseren Bezahlung von Pflegekräften und besseren Personalschlüsseln in der Pflege, sei es nach Ansicht des Verbandes unausweichlich, kurzfristig etwa 10 Milliarden Euro zusätzlicher Mittel in der Pflege bereitzustellen, sollen die Eigenanteile für die Pflegebedürftigen nicht weiter und sprunghaft ansteigen. „Wir erwarten von Gesundheitsminister Spahn, zeitnah konkrete Pläne vorzulegen, wie er zusätzliche Finanzmittel für die Pflege bereitstellen will“, so Schneider.

Quelle: Informationen des Paritätischen

Innovationsfonds soll erhalten bleiben

Um neue Versorgungsformen zu fördern, hat der Gesetzgeber 2016 den Innovationsfonds aufgelegt. Bis Ende 2019 fließen daraus jährlich 300 Millionen Euro – Mittel der gesetzlichen Krankenversicherung und des Gesundheitsfonds – in bislang rund 300 Praxis- und Forschungsprojekte. Für die nächste Förderphase gingen im Frühjahr 2019 insgesamt 286 Anträge ein. Mit dem geplanten „Digitale Versorgungs-Gesetz“ will der Gesetzgeber nun den Innovationsfonds bis 2024 verlängern – allerdings mit weniger Geld und geänderten Modalitäten. Zu einem Rück- und Ausblick auf die Wirkungen und Möglichkeiten des Fördertopfes hatte deshalb der Bundesverband Managed Care (BMC) eingeladen. Rund 130 Expertinnen und Experten, viele von ihnen mit der Umsetzung der geförderten Projekte beschäftigt, nahmen an der BMC-Fachtagung Mitte Juni in Berlin teil. BMC-Vorstandsvorsitzender Professor Dr. Volker Amelung hält es für richtig, „dass der Innovationsfonds – zumindest in der Planung – verstetigt wird“. „Das Gesundheitssystem braucht externe Stimuli“, so Amelung. Die Qualität der Projekte habe zwischen der ersten und letzten Förderwelle nicht abgenommen. Er spricht sich für die Förderung kleinerer, riskanterer Projekte aus. „Scheitern ist kein Versagen, sondern gehört dazu.“

Mit weniger Mitteln mehr erreichen. Bei den gesetzlichen Neuregelungen zum Innovationsfonds stützt sich die Bundesgesundheitsministerium (BMG) auf den Koalitionsvertrag, eigene Erfahrungen und die von ihm in Auftrag gegebene Evaluation von Prognos [(https://innovationsfonds.g-ba.de; www.bmcev.de; dip21.bundestag.de/dip21/btd/19/085/1908500.pdf (Zwischenbericht von Prognos im Auftrag des BMG)]. Dr. Wolfgang Riedel, federführender Autor, fasste Ergebnisse des Teilberichts – er fußt auf der Auswertung der Förderphase 2016 bis 2018 – auf der Tagung zusammen. Riedel rät unter anderem dazu, in den Expertenbeirat des Innovationsfonds versorgungspraktische Expertise einzubeziehen, die Themenauswahl an Versorgungszielen zu orientieren und den Transfer in die Regelversorgung strukturiert vorzubereiten.

Der Innovationsausschuss, angesiedelt beim Gemeinsamen Bundesausschuss soll künftig drei Monate nach dem Abschlussbericht eines geförderten Projektes eine Empfehlung zur Überführung in die Regelversorgung geben. Dabei hat das BMG hauptsächlich die Kollektivversorgung im Blick. „In bestimmten Bereichen kann es aber auch sinnvoll sein, Ansätze in Selektivverträge zu überführen“, so Botzenhardt. Hier bleibe die Regelung flexibel.

Quelle: G+G Gesundheit und Gesellschaft, Heft 7-8/2019, 22. Jg.

„Was hab‘ ich?“: verständliche Patientenbriefe

Damit Patientinnen und Patienten ihre Krankheit besser verstehen, auf Augenhöhe mit den behandelnden Ärzt*innen sprechen und sich eigenverantwortlich um ihre Gesundheit kümmern können, brauchen sie verständliche Informationen.

Mit unverständlich formulierten  medizinischen Informationen kennt Jonietz sich aus: 2011 gründete er gemeinsam mit zwei befreundeten Medizinstudierenden die Internetplattform „Was hab‘ ich?“. Patient*innen können hier ärztliche Befunde und andere medizinische Dokumente hochladen, Ärzt*innen und speziell geschulte Medizinstudierende höherer Semester übersetzen das Medizinerlatein kostenlos in eine laienverständliche Sprache. Mittlerweile ist aus dem studentischen Start-up eine gemeinnützige GmbH geworden, die sich auf vielfältige Weise für mehr Verständlichkeit im Gesundheitswesen engagiert.

Im Herbst 2015 startete ein erstes Pilotprojekt in Rheinland-Pfalz. Bis April 2018 erhielten dort mehr als 2.500 Patient*innen der Paracelsus-Klinik in Bad Ems zusätzlich zum klassischen Arztbrief einen individuellen, leicht verständlichen Patientenbrief. In einer farbigen Broschüre im DIN-A4-Format wurden ausführlich die Diagnosen, durchgeführte Untersuchungen und der Medikamentenplan erläutert; außerdem enthielt das Heft auch Empfehlungen für ein gesundheitsförderliches Verhalten. Der Begleitstudie zufolge verstanden die Empfänger*innen der Patientenbriefe die Inhalte des  Entlassgesprächs sowie Sinn und Bedeutung der verordneten Medikamente besser, sie fühlten sich besser unterstützt und rücksichtsvoller behandelt. Auch die Rückmeldung der einweisenden und der Klinikärzt*innen war positiv. „Patientenbriefe sind keine Zukunftsmusik“, resümiert Ansgar Joenietz zufrieden. „Wir haben gezeigt, dass sie im Klinik-Alltag einfach integrierbar sind und den Patient*innen nachweisbar helfen.“

Im Rahmen des Pilotprojekts wurden die Patientenbriefe noch von Ärzt*innen erstellt, die hauptamtlich bei „Was hab‘ ich?“ tätig sind. Unterstützt wurden sie dabei durch eine eigens entwickelte Software. Als Grundlage für die Briefe dienten Textbausteine in laienverständlicher Sprache, die die Mediziner*innen im Vorfeld erarbeitet hatten. Ab 2017 durch den Innovationsfonds im Rahmen des § 92 a SGB V gefördert, haben Jonietz und sein Team das Programm weiter ausgebaut und perfektioniert: Inzwischen ist es möglich, die Patientenbriefe mittels einer Software komplett automatisiert zu erstellen.

Kliniken können so dezentral, kostengünstig und ohne zusätzlichen Aufwand für Ärzt*innen und Klinikpersonal Patientenbriefe erstellen und sie den Patient*innen im Entlassgespräch zusätzlich zum Arztbrief aushändigen. Seit Juni dieses Jahres werden die vollautomatisch erstellten Patientenbriefe im Herzzentrum Dresden erprobt und evaluiert. Weitere Kliniken haben schon Interesse an der innovativen Software signalisiert. Die Entwickler freut es: „Unser Ziel ist es, alle Patient*innen deutschlandweit nach dem Krankenhausaufenthalt mit einem Patientenbrief zu versorgen.“ Und Jonietz und sein Team denken bereits weiter: Um noch mehr Menschen mit verständlichen Gesundheitsinformationen zu versorgen, könnte das Konzept mittelfristig auf den ambulanten Bereich ausgedehnt, in digitaler Form oder auch in verschiedenen Fremdsprachen angeboten werden.

Quelle: Gesundheit und Gesellschaft SPEZIAL 7-8/19, 22. Jg.

Waltraud Deubert


Zurück