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Berliner Versorgungsinitiative PSY-CARE und DGVT verbessern Versorgungssituation pflegebedürftiger Menschen mit Depression im Alter


Der deutliche Zusammenhang zwischen Depression und beeinträchtigter Lebensqualität bei pflegbedürftigen älteren Menschen macht es zu einer wichtigen gesundheitspolitischen Aufgabe, depressive Erkrankungen zu erkennen und angemessen zu behandeln. Doch unser Gesundheitssystem ist kaum auf die psychotherapeutische Versorgung hochbetagter, multimorbider und immobiler Menschen eingestellt und aufsuchende Angebote sind absolute Ausnahmen.

Unter der Projektleitung von Prof. Dr. Eva-Marie Kessler, Professorin für Gerontopsychologie, widmet sich das Modellprojekt PSY-CARE seit Juni 2018 nun dieser wachsenden Patient*innengruppe und untersucht insbesondere, ob eine ambulante Kurzzeit-Verhaltenstherapie in Austausch mit zentralen Versorgungsakteuren bei zuhause-lebenden Menschen mit Pflegebedarf und Depression im Alter wirkt und einem psychoedukativ-beratenden Angebot überlegen ist. Die randomisiert-kontrollierte Studie wird durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) gefördert und von der MSB Medical School Berlin in Kooperation mit der Charité - Universitätsmedizin Berlin, der Caritas Altenhilfe Berlin und Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) umgesetzt.

Seit März 2019 konnte PSY-CARE bereits mehr als 150 pflegebedürftigen Menschen über 60 Jahren mit Depression, die in Berlin und angrenzenden Regionen Brandenburgs in der eigenen Häuslichkeit leben, Zugang zu psychologischer Psychotherapie und Beratung vermitteln. Um dies zu ermöglichen konnte durch die gute Zusammenarbeit mit der dgvt bereits ein Netzwerk aus mehr als 30 gerontologisch qualifizierten Psychotherapeut*innen aufgebaut werden, die die Patient*innen im Rahmen der Regelversorgung behandeln; wobei mehr als 90% der vermittelten Psychotherapien bislang als Hausbesuche erfolgen. Dieser hohe Anteil unterstreicht zugleich die besondere Vulnerabilität dieser Personengruppe sowie die hohe Bedeutsamkeit von Gatekeepern, um sie mit psychotherapeutischen Angeboten zu erreichen. Daher wurden im Rahmen des Projekts nicht nur die älteren Patient*innen selbst (z.B. durch Medienbeiträge und Vorträge) adressiert. Vielmehr besteht eine kontinuierliche Zusammenarbeit des Projekts mit einer Vielzahl zentraler Versorgungsakteure (z.B. Hausärzt*innen, Klinikpersonal, Berater*innen, Pflegende u.v.m.). So konnten Zugangsbarrieren erfolgreich überwunden und insbesondere Personen aufgenommen werden, die im Rahmen der Regelversorgung kaum Chancen auf eine adäquate Versorgung haben. Im Rahmen der Verhaltenstherapien kommen insbesondere Elemente des Lebensrückblicks sowie des Ressourcenaufbaus und -erhalts zum Einsatz. Ein zentrales Therapieziel besteht darin, die Patient*innen darin zu unterstützen, ihr Leben wieder selbstbestimmter und mit größerer Selbstakzeptanz zu gestalten. Eine Herausforderung besteht darin, dass viele Patient*innen oft medizinisch und pflegerisch nicht angemessen versorgt sind. Dies erfordert von Therapeut*innen eine hohe Flexibilität in ihrem therapeutischen Vorgehen. Zusätzlich zur quantitativen Auswertung der Depressionsverläufe werden die praktischen Erfahrungen der Projekttherapeut*innen systematisch ausgewertet und zur Unterstützung der klinischen Arbeit von Psychotherapeut*innen zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse sollen auch genutzt werden, um die bisherigen Versorgungswege auf den Prüfstein zu stellen.

Die Anmeldung neuer Teilnehmer*innen ist noch bis Ende März 2020 möglich. Auch interessierte Verhaltenstherapeut*innen können sich gerne weiterhin unter info(at)psy-care(dot)de melden, -insbesondere in an Berlin angrenzenden Regionen Brandenburgs werden weiterhin kooperierende Therapeut*innen für eine Zusammenarbeit gesucht.

Mehr Informationen für Interessierte sind hier sowie in einem Interview mit Prof. Dr. Eva-Marie Kessler in der Berliner Zeitung zu finden.


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