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Ein Frauentag ist nicht genug


Am 8. März 2020 wurde der alljährliche Internationale Frauentag begangen. So wichtig und richtig es ist, an einem Tag im Jahr die Gleichstellung der Geschlechter zu thematisieren: Auch 99 Jahre nach seiner Einführung am 8. März 1921 ist eine echte Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen noch nicht erreicht – hierzulande ebenso wenig wie weltweit. So zeigt eine aktuelle Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung, dass sich der Unterschied beim Bruttostundenlohn von Männern und Frauen in den vergangenen Jahren in Deutschland um gerade einmal 2 Prozent verringert hat – von 22,8 auf 20,9 Prozent. Und dies, obwohl Frauen bei schulischer und beruflicher Qualifikation heute weitgehend mit den Männern gleichgezogen haben.

Wesentliche Gründe für den anhaltenden Gender Pay Gap sehen die Forscher*innen in der ungleichen Aufteilung der unbezahlten familiären Sorgearbeit, die auch dazu führt, dass Frauen viermal so häufig in Teilzeit arbeiten wie Männer. Hinzu kommen geschlechtsspezifische Präferenzen bei der Berufswahl. Typischerweise von Männern ausgeübte technische Berufe sind meist besser bezahlt als überwiegend von Frauen erlernte Berufe.

Doch es gibt auch eine Lohnlücke, wenn solche Faktoren herausgerechnet werden. So hat das Statistische Bundesamt errechnet, dass der sogenannte „bereinigte Gender Pay Gap“ bei rund sechs Prozent liegt. Das bedeutet, dass Frauen auch bei gleicher Qualifikation in den gleichen Berufen und bei gleicher Arbeitszeit weniger verdienen als Männer. Die Lohnlücke wirkt sich – unabhängig von der Ursache – lebenslang aus: „Nimmt man gesetzliche Rente, betriebliche und private Alterssicherung zusammen, beziehen Frauen durchschnittlich ein um 53 Prozent niedrigeres Alterseinkommen als Männer“, schreiben die WSI-Forscher*innen.

Schon diese Beispiele zeigen, dass es nicht bei einem eher symbolischen Frauentag bleiben darf. Notwendig sind vielmehr kontinuierliche Anstrengungen, diese und andere Ungleichheiten aktiv zu bekämpfen. Dazu gehören neben der Möglichkeit für junge Menschen, geschlechteruntypische Berufsfelder kennenzulernen und der finanziellen Aufwertung sozialer Berufe auch stärkere Anreize für Männer, Sorgearbeit zu übernehmen. Wo solche Maßnahmen nicht wirken, muss auch die Politik aktiv werden. Fortschritte mache die Gleichstellung vor allem da, wo die Politik mit Investitionen oder Regulierungen eingreife, heißt es in dem Report. Das gelte etwa für den Ausbau der Kinderbetreuung oder eine verbindliche Geschlechterquote für Aufsichtsräte.


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