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GK-II-Stellungnahme zur Praxisgebühr


(Schreiben an Krankenkassen)

Verteiler:
Spitzenverbände der Krankenkassen
Ersatzkassen

Derzeitiger geschäftsführender Verband:
Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten

Ludwigshafen, den 6.11.2003

Umsetzung des GMG

Sehr geehrte Damen und Herren,

die im GK II zusammen geschlossenen Verbände möchten gern auf Ihr Angebot zurück¬kommen, den Kontakt zu Ihnen zu suchen, sobald wir auf Probleme stoßen, in denen wir Ihre Unterstützung brauchen. Dies ist bei folgenden aktuellen Punkten wichtig:

1. Die Praxisgebühr

Wie bei allen Leistungserbringern müssen die Patienten ab dem 1.1.2004 auch bei allen Psychotherapeuten 10 € Praxisgebühr bezahlen, wenn sie zuerst und ohne Überweisung in eine psychotherapeutische Praxis kommen. Ausgehend davon, dass Psychologische Psy¬chotherapeuten und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten im Unterschied zu ihren ärztlich-psychotherapeutischen Kollegen außer zur vorgeschriebenen Konsiliaruntersuchung vor Aufnahme einer Psychotherapie keine Überweisungen vornehmen dürfen, scheint für unsere Patienten ein gravierender Nachteil zu entstehen: Wenn Patienten im Verlauf des Quartals sowohl einen Psychologischen Psychotherapeuten oder Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten und wegen einer körperlich Erkranken ärztliche Hilfe brauchen, müssen sie noch einmal 10 € zahlen. Das wäre jedenfalls der Fall, wenn nicht zusammen von Kran¬kenkassen und KBV ein Weg gefunden wird, diese Benachteiligung für unsere Patienten mit organisatorischen Mitteln aufzuheben.

Wie wir hören, hat die KBV Ihnen entsprechende Vorschläge gemacht. Wir möchten nun an Sie appellieren, dass nicht ausgerechnet von den Krankenkassen für ihre psychisch kranken Mitglieder ein Strafzoll dafür erhoben wird, dass sie an ihrer Krankheit arbeiten und mithilfe einer Psychotherapie auf eine Veränderung hinwirken.

Wir sind überzeugt, dass der Gesetzgeber eine solche Benachteiligung, wie sie nun nach Ih¬ren Planungen möglich scheint, nicht gemeint hat.

Wir würden insbesondere zu diesem Thema gern sofort und dringlich mit Ihnen sprechen und gemeinsam mit Ihnen auch andere organisatorische Vorgehensweisen diskutieren.
Es wäre nicht gut, wenn man sagen müsste: KRANKENKASSEN DISKRIMINIEREN PSYCHISCH KRANKE!

2. Bewertung psychotherapeutischer Leistungen im neuen EBM

Aufgrund der uns vorliegenden Informationen über den gegenwärtigen Stand der Dinge in Bezug auf unseren Bereich sind wir äußerst besorgt. Nachdem bereits eine gravierend nie¬driger liegende Kostenstruktur (47.000 € vs. 27.000€) unserer Praxen, die mit der BSG-Rechtsprechung nicht in Einklang zu bringen ist, durch Beschluss des Erweiterten Bewer¬tungsausschusses auf unerträglich niedrigem Niveau von Ihnen und der KBV festgeschrie¬ben wurde, droht uns nun von weiteren Variablen in der Kalkulation unserer zentralen Lei¬stung, der 50-minütigen Einzelpsychotherapie, dass die Punktzahlbewertungen unserer Leistungen bei einem unvertretbar niedrigen Niveau festgeschrieben werden sollen.

Zunächst ist hier zu nennen, dass wir weiterhin darauf bestehen müssen, dass die Doku¬mentationszeit für eine 50-minütige Sitzung mindestens 10 Minuten betragen muss. Weniger ist bei den komplexen Inhalten einfach nicht denkbar. Es ist ein Missverständnis, hier die von vielen Psychotherapeuten zwischen 2 Sitzungen eingeplante Wechselzeit von maximal 10 Minuten mit der Dokumentationszeit gleichzusetzen. Bitte vergessen Sie nicht, dass die Psy¬chotherapiesitzung mit "mind. 50 Minuten" beschrieben ist. Manchmal ist die Dokumentation möglich, in der Regel ist dies aber eine Leistung, die nach einem Block von mehreren Sit¬zungen erbracht wird.

Weiterhin ist die sich auch aus der Plausibilitätsberechung der BSG-Rechtsprechung ableit¬bare Größenordnung einer realisierbaren Produktivität zu nennen. In langen Diskussionen ist es uns gelungen, die KBV davon zu überzeugen, dass eine Produktivität von maximal ca. 65 % im Bereich der Psychotherapie bei Vorhalten einer optimalen Praxisausstattung zu er¬reichen ist, eine höhere Produktivität nach allen Basisdaten der empirischen Erhebungen nicht mit den Realitäten zur Deckung zu bringen ist. Die nun im Erweiterten Bewertungsaus¬schuss für alle Arztgruppen festgelegte Produktivität von durchschnittlich 87,5 % ist für uns nicht erreichbar. Bitte setzen Sie sich zusammen mit der KBV dafür ein, dass hier die beson¬dere Art der Zentrierung der Leistungserbringung auf die Person der Psychotherapeuten be¬rücksichtigt wird. Auch hierzu würden wir gern das Gespräch mit Ihnen suchen, da wir immer wieder erleben, dass Entscheidungsträgern in Politik, KBV und Kassen die konkrete Praxis eines Psychotherapeuten schwer vorstellbar ist.

Dies führt auch zum Punkt der Technischen Leistungen im Bereich der Psychotherapie. Die Kalkulation unserer Kosten muss einen Bezug zu der maximal möglichen Leistungserbrin¬gung der Psychotherapeuten haben, da es mit Ausnahme der Durchführung einiger Tests keine Leistungen gibt, die nicht persönlich erbracht werden müssen. Da kein Psychothera¬peut für die wenigen Tests eigens jemand einstellen kann, wird er auch diese Leistungen persönlich erbringen. Man kann also davon ausgehen, dass die Zeit der Nutzung der Ko¬stenstellen identisch ist mit der Arztleistungszeit.
Wir möchten Sie bitten, hier noch einmal ganz grundsätzlich Ihre Politik daraufhin zu über¬prüfen, ob Sie nicht endlich daran mitwirken wollen, dass wir Psychotherapeuten eine auch im Gesetz vorgeschriebene angemessene Vergütung erhalten. Ansonsten liegt die Schluss¬folgerung nahe, dass die Krankenkassen über den Weg der unzureichenden Vergütung eine Zurückdrängung psychotherapeutischer Leistungen und Verhinderung einer bedarfsgerech¬ten Versorgung erreichen wollen.

Mit freundlichen Grüßen
gez. Dieter Best

 

Verbände Gesprächskreis II :

  • Arbeitsgemeinschaft für Verhaltensmodifikation e.V. (AVM)
  • Arbeitsgemeinschaft Psychotherapeutischer Fachverbände (AGPF)
  • Berufsverband der approbierten Gruppenpsychotherapeuten (BAG)
  • Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten e.V. (BKJ)
  • Bundesverband der Krankenhauspsychotherapeuten (BVK-P)
  • Bundesverband der Vertragspsychotherapeuten (BVVP)
  • Bundesvereinigung Verhaltenstherapie im Kindes- und Jugendalter e.V. (BVKJ)
  • Deutsche Fachgesellschaft für tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie e.V. (DFT)
  • Deutscher Fachverband für Verhaltenstherapie (DVT)
  • Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychologie (DGAP)
  • Deutsche Gesellschaft für Analytische Psychotherapie und Tiefenpsychologie (DGAPT)
  • Deutsche Gesellschaft für Individualpsychologie (DGIP)
  • Deutsche Gesellschaft für Psychoanalyse, Psychotherapie, Psychosomatik u. Tiefenpsychologie (DGPT)
  • Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs)
  • Deutsche Gesellschaft für psychologische Schmerztherapie und -forschung (DGPSF)
  • Deutsche Gesellschaft für Sexualforschung e.V. (DGfS)
  • Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT)
  • Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG)
  • Deutsche Psychoanalytische Vereinigung (DPV)
  • Deutsche Psychologische Gesellschaft für Gesprächspsychotherapie (DPGG)
  • Deutscher Psychotherapeutenverband - Berufsverband Psychologischer Psychotherapeuten e.V. (DPTV)
  • Gesellschaft für Neuropsychologie (GNP)
  • Gesellschaft für wissenschaftliche Gesprächspsychotherapie (GwG)
  • Gesellschaft zur Förderung der Methodenvielfalt in der Psychologischen Psychotherapie e.V. (GMVPP )
  • Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose (M.E.G.)
  • Neue Gesellschaft für Psychologie (NGfP)
  • Sektion Analytische Gruppenpsychotherapie im DAGG (Deutscher Arbeitskreis für Gruppentherapie und Gruppendynamik)
  • Verband für Integrative Verhaltentherapie (VIVT)
  • Verband Psychologischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im BDP e.V. (VPP)
  • Vereinigung Analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeuten (VAKJP)
  • Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten (Vereinigung)

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