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Treffen der Psychotherapeutenverbände (GK II) am 24. April 2005 in München

Von: Waltraud Deubert

Das zweite Treffen der Psychotherapeutenverbände in diesem Jahr fand im Anschluss an den Deutschen Psychotherapeutentag statt. Auf der Tagesordnung standen neben dem Bericht aus der Geschäftsführung der DGVT und den Berichten aus den Verbänden folgende Themen:


  1. Bachelor-/Master-Studiengänge
  2. EBM 2000+
  3. Nachvergütung
  4. Veranstaltung zur Richtlinien-Psychotherapie am 11.06.2005
  5. Gesprächspsychotherapie und Neuropsychologie - Neue Entwicklungen zu den Anträgen auf Anerkennung als Richtlinienverfahren beim G-BA
  6. Vereinbarung einer integrierten Versorgung zur Verbesserung der psychotherapeutischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Zu 1)Thomas Fydrich (Professor für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der Humboldt-Universität Berlin und für die Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie [DGPs] als Teilnehmer an der Sitzung) berichtete von den aktuellen Entwicklungen zum Thema Bachelor/Master-Studiengänge. In der Zwischenzeit hat eine Reihe von Psychologischen Instituten bereits mit der Umstellung von dem Diplomstudiengang Psychologie auf die Bachelor- und Master-Studiengänge begonnen. Die Umstellung auf diese neuen Studiengänge wird im Rahmen der Umsetzung der Bologna-Erklärung der europäischen Bildungsminister von 1999 in der Zwischenzeit in allen Bundesländern vorgeschrieben. Damit trotz der größeren Gestaltungsfreiheit der einzelnen psychologischen Institute die grundständige universitäre Ausbildung in Psychologie weiterhin vergleichbar bleibt, beschäftigt sich der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Psychologie seit längerem mit der Erarbeitung von Empfehlungen für die Einrichtung von Bachelor- und Master-Studiengänge in Psychologie an den Universitäten. Der Vorstand der DGPs hatte dafür eine Kommission eingesetzt mit dem Auftrag, solche Empfehlungen vorzubereiten. Die Entwürfe der Kommission wurden im Februar den Leitungen der einzelnen Fachgruppen der DGPs mit der Bitte um Stellungnahme vorgelegt und dann in einer abschließenden Diskussion zwischen Vorstand der DGPs, der Kommission und den Vertreterinnen und Vertretern der Fachgruppen am 7. April 2005 in Mannheim verabschiedet. Die Positionspapiere der DGPs finden Sie unter www.dgps.de im Internet.

Für die DGVT sowie für die anderen in der Ausbildung engagierten Verbände ist diese Thematik insofern von Bedeutung, als sie auch Auswirkungen auf die Voraussetzungen für Psychotherapieausbildung haben wird. Die DGVT plant deshalb zurzeit ein Dialogforum zu der Thematik.

Zu 2) Der neue EBM ist zum 1. April in Kraft getreten. Deutlich aufgewertet wurde Gruppenpsychotherapie. Für Verhaltenspsychotherapeuten gibt es eine neue Ziffer für kleine Gruppen von 2 bis 4 Teilnehmern, die z. B. für sog. Reizkonfrontationsbehandlungen sinnvoll ist. Höher bewertet werden auch übende Verfahren sowie Testverfahren. Dieter Best kritisiert dabei allerdings, dass bei den Testverfahren die Fallpunktzahl auf 2000 Punkte bei Erwachsenen, auf 3000 bei Kindern und Jugendlichen begrenzt wurde, da diese Punktzahlobergrenzen sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen nicht ausreichen. Ohne Antrag und in allen Verfahren kann zukünftig auch ein 10-minütiges Gespräch neben der Richtlinientherapie abgerechnet werden. Diese neue Ziffer ist allerdings auf 15mal pro Quartal und Patient beschränkt. Nicht aufgewertet wurde allerdings der Bericht an den Gutachter zum Antrag des Versicherten auf Feststellung der Leistungspflicht zur Einleitung einer Psychotherapie. Bei den arztgruppen-übergreifenden Leistungen sind Psychologische Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten weiterhin von der Abrechnung des individuellen Arztbriefes ausgenommen. Abgerechnet werden können außerdem auch weiterhin keine Hausbesuche und der geforderte Zuschlag für die Sprechstunde am Samstag wurde abgelehnt. Weitere Antworten auf Fragen finden Sie auch auf den Internetseiten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) unter www.kbv.de. Mehrere psychotherapeutische Berufsverbände haben zudem Übersichten und Erläuterungen zu den neuen Ziffern ins Internet gestellt.

Zu 3) Das Bundessozialgericht (BSG) sprach Anfang vergangenen Jahres den PsychotherapeutInnen Nachvergütungen für die Jahre 2000 bis 2004 zu. Die KVen haben diesbezüglich unterschiedlich entschieden, obwohl das Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (BMGS) im Dezember 2004 seine Zustimmung zur Vorlage des Bewertungsausschusses gegeben hat. Manche KVen zahlen nur Abschläge und auch nur an diejenigen, die Widerspruch gegen die Honorarbescheide eingelegt hatten. Die KVen Baden-Württemberg, Brandenburg, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Westfalen-Lippe und jetzt offenbar auch die KV Nordrhein zahlen auch an diejenigen nach, die keinen Widerspruch eingelegt haben oder nicht jedem Honorarbescheid widersprochen haben. Die KVen in Niedersachsen und Bayern zahlen nur, wenn Widerspruch eingelegt wurde. Dort will man das Urteil des BSG abwarten, das zu diesem Thema anhängig ist.

In Berlin hat die Äußerung einer der KV-Vorsitzenden, die Nachzahlung an die Psychotherapeuten gefährde die fachärztliche Versorgung, für viel Unruhe und böse Stimmung gesorgt. Ähnliche Äußerungen fanden sich in der Folgezeit immer wieder in verschiedenen ärztlichen Facetten bzw. wurden des Öfteren auch von Facharztfunktionären in deren Publikationen kolportiert. Die Psychotherapeutenverbände reagierten auf Länderebene mit Unverständnis und forderten zu einer differenzierten Information auf. Sie erklärten, dass es nicht das Interesse der Psychotherapeuten sei, die Honorare der fachärztlichen Kollegen zu schmälern, sondern dass es um eine angemessene Honorierung ihrer eigenen Leistungen gehe, die ihnen durch die Entscheidung des Bundessozialgerichtsurteils vom 28. Januar 2004 ausdrücklich zugesprochen worden war.

Die restlichen KVen haben sich noch nicht geäußert oder versuchen die Entscheidung hinauszuzögern.

Die GK II-Verbände haben vereinbart, zukünftig abgestimmt auf der Grundlage eines gemeinsamen Positionspapiers auf ähnliche Äußerungen zu reagieren.

Zu 4) Ausgangspunkt ist das von Heiner Vogel und Armin Kuhr vorgelegte Diskussionspapier (vgl. Rosa Beilage 4/04, S. 5-7). Das Hauptziel dieser Veranstaltung ist ein Austausch zwischen den GK II-Verbänden zu der Frage "Gibt es hinsichtlich der Psychotherapierichtlinien Änderungsbedarf und wenn ja welchen?" Die Veranstaltung wird am 11.6.2005 in Berlin stattfinden. In einem ersten Block wird es um die Geschichte der Psychotherapierichtlinien gehen, in dem zweiten Block werden sowohl VertreterInnen der drei Richtlinienverfahren als auch VertreterInnen von anderen Psychotherapieverfahren ihre Statements zu den Psychotherapierichtlinien anhand eines von der Arbeitsgruppe erstellten Fragenkataloges abgeben. In einem dritten Block gibt es Kurzvorträge zur Gruppenpsychotherapie, zur Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie und zur Neuropsychotherapie. Zum Abschluss wird das Ganze zusammengeführt und es werden evtl. politische Forderungen für die weitere Diskussion formuliert. Weitere Tagungen zum Thema sollen folgen.

Zu 5)Herr Henze berichtet über das Verfahren bzw. die Überprüfung der Gesprächspsychotherapie beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) und weist auf das neueste Leipziger Urteil hin (siehe hierzu unser Bericht unter "Alles was Recht ist"). Er weist außerdem noch auf die Resolution des 5. Deutschen Psychotherapeutentages zur Anerkennungspraxis des G-BA hin, die an den Vorstand der Bundespsychotherapeutenkammer zur weiteren Verwendung übergeben wurde.

Zur Neuropsychologie wurde berichtet, dass derzeit Verbände und Einzelpersonen per öffentlicher Bekanntmachung gebeten werden, auf der Basis eines Fragenkataloges des G-BA, Hinweise zu empirischen Studien über die Wirksamkeit und über den Wirksamkeitsbereich vorzulegen. Ab Mitte Mai werde dann die Überprüfung beginnen (die sich aber erfahrungsgemäß lange hinziehen kann).

Zu 6) Dieter Best berichtet über die Sozialpsychotherapie-Vereinbarung, die die Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten (Vereinigung) und der Deutsche Psychotherapeutenverband (DPTV) mit den Ersatzkassen in Rheinland-Pfalz geschlossen hat. Vertragsgegenstand ist die qualifizierte Versorgung des Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndroms (ADHS) bzw. anderer chronifizierter psychischer Störungen bei Kindern und Jugendlichen. Teilnehmen dürfen zugelassene Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen (KJP) sowie unter bestimmten Voraussetzungen Psychologische PsychotherapeutInnen (PP), die sich aber in den letzten zwei Jahren mindestens ein Drittel ihrer Tätigkeit der Behandlung von Kindern und Jugendlichen gewidmet haben müssen. Es können sich bis zu 20 Psychotherapeutische Praxen mit maximal 50 laufenden Fällen in der sog. Modellregion beteiligen. Das Projekt wird auch evaluiert, d. h. die teilnehmenden Therapeuten müssen sich zur Beteiligung an der Evaluation verpflichten. Die Höhe der Pauschalvergütung beträgt 160 Euro.

Weitere Themen, auf die wir hier nicht eingehen, da es separate Berichte hierzu in der Rosa Beilage zu dieser VPP gibt, waren: Nachlese zum Psychotherapeutentag vom 23. April in München sowie die Nachlese zur Veranstaltung der Bundespsychotherapeutenkammer zur "Evidence Based Psychotherapy" vom 5. April in Berlin.


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