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VT-Verbändetreffen am 23. Januar 2006 in Frankfurt

Von: Heiner Vogel

Die zahlreichen Entwicklungen im Bereich der Kammern und der Gesundheitsversorgung mit unmittelbarer Rückwirkung auf die Psychotherapie/-ausbildung weisen auf die Notwendigkeit hin, dass sich die VT-Verbände regelmäßig untereinander abstimmen - auch wenn es in einigen Grundfragen unterschiedliche Positionen geben mag.


Die Stimmung beim ersten Treffen in diesem Jahr war daher auch dadurch beflügelt, dass es beim Deutschen Psychotherapeutentag, 10 Tage zuvor, gelungen war, eine Regelung in der Musterberufsordnung zu verhindern, die die Psychotherapieausbildung erheblich belastet und - für die Absolventen - vermutlich nachhaltig verteuert hätte (vgl. Bericht zum DPT von Heinz Liebeck in dieser Rosa Beilage). Die ursprünglich vorgeschlagene Regelung hätte es den Psychotherapeuten verboten, eine Prüfung bei einem Ausbildungsteilnehmer abzunehmen, bei dem man zuvor Supervisor war. Angesichts der komplizierten Regelungen der Ausbildungs- und Prüfungsverordnungen für die Zusammensetzung der Prüfungskommissionen hätte diese Vorschrift es in manchem Regionen nahezu unmöglich gemacht, mit vertretbarem Aufwand Prüfungskommissionen zusammenzustellen.
Bei der jetzigen Sitzung ging es zunächst um Veränderungen der Ärztlichen Musterweiterbildungsordnung. Hier ist kürzlich der frühere Zusatztitel "Psychotherapie", der von allen Gebietsärzten mit einheitlichen Vorgaben als Zusatzqualifikation erworben werden konnte, abgeschafft worden. Stattdessen gibt es nun nur noch so genannte fachgebundene Psychotherapiezusatzbezeichnungen, deren Inhalte sich inhaltlich eng an dem jeweiligen Gebiet orientieren. Die Anforderungen für diese neue Bezeichnung sind deutlich gesenkt worden, dafür sollen zukünftige Absolventen auch nur noch jene Patienten psychotherapeutisch behandeln dürfen, die aus ihrem jeweiligen "Gebiet" stammen.
Im Rahmen der Musterweiterbildungsordnung ist schließlich nicht geregelt, ob diese Zusatzbezeichnung verfahrensorientiert vermittelt werden soll, oder ob es eine "allgemeine" Psychotherapiezusatzbezeichnung geben soll. Im letzteren Fall ist zu befürchten, dass die Verhaltenstherapie, die in der ärztlichen Weiterbildung bislang ohnehin nur ein äußerst zartes Pflänzchen darstellt, dort sehr rasch untergehen wird.
Seitens der ärztlich-psychotherapeutischen Fachgesellschaften gibt es zunehmenden Widerstand gegen diese Verminderung der Ansprüche an die Psychotherapie(zusatz)qualifikation (allerdings nicht gegen die Beschränkung des Tätigkeitsfeldes der Absolventen). Die VT-Verbände vereinbarten nun, dass sie sich einer entsprechende Initiative anschließen würden, die sich auf eine Verbesserung der fachlichen Ansprüche an diese Zusatzqualifikation richtet - sofern sich zeigt, dass dieses bei der Bundesärztekammer positiv wirken würde. Wichtig sei es, ein Curriculum zu entwerfen, dass dann auch tatsächlich die psychotherapeutischen Qualifikationen bei Patienten des jeweiligen Gebietes (Urologie, Pädiatrie, Gynäkologie u.a.) vertieft und nicht, wie bisher, eine Art allgemeine Psychotherapiequalifikation für Störungsbilder, die gar nicht behandelt werden dürfen.
Es wurde deutlich, dass die Diskussion zu diesem Thema auch dadurch geprägt ist, dass niedergelassene Ärzte mit dem entsprechenden Zusatztitel (früher, wie auch zukünftig), auch ohne KV-Zulassung als Psychotherapeut, dennoch Richtlinienpsychotherapie erbringen dürfen, und dass diese Leistungen dann, anders als ihre Leistungen im jeweiligen somatischen Gebiet, aus dem psychotherapeutischen Teilbudget finanziert werden (zwar erhalten sie dort keine gestützten Punktwerte, aber immerhin können sie sich neue Finanzquellen über das eigene Budget hinaus erschließen). Ein Problem, das vermutlich an anderer Stelle noch vertieft werden sollte.
Aktuell von Bedeutung war auch der vorliegende Entwurf der Musterweiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer. Die dritte Anhörung von Verbänden und Landeskammern, die in der Vorwoche stattgefunden hatte, hatte ein breites Spektrum unterschiedlicher Positionen dazu erbracht, so dass es fraglich ist, ob der vorliegende Entwurf Realisierungschancen hat. Am Realistischsten schien es den Teilnehmern, für ein Vorgehen zu plädieren, bei dem zunächst nur eine einzige Bezeichnung, die Zusatzqualifikation in Neuropsychologie, durch eine Weiterbildungsordnung geregelt wird. Während es für alle anderen vorgeschlagenen Bezeichnungen recht viele Widerstände und teilweise gut begründete Gegenargumente gibt (und auch Pro-Argumente), so zeichnet sich bei der Neuropsychologie ab, dass es angesichts der noch bestehenden Unsicherheiten über die zukünftige Einordnung im Vertragsarztbereich wichtig ist, eine entsprechende Regelung vorzusehen, mit der auch eine klare Kompetenzerwartung verknüpft ist.
Weitere Themen, die ausführlich beraten wurden, waren die anzustrebenden Regelungen zum Zugang zur Psychotherapieausbildung nach der Reform der Studiengänge und die Einschätzung der Realisierungschancen entsprechender Initiativen, die Perspektiven der Psychotherapierichtlinien und die Anforderungen an die Evidenzbasierung der Psychotherapie, speziell der Verhaltenstherapie.


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