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Förderung unabhängiger Beschwerdestellen

Von: Waltraud Deubert

Informationen aus der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP)


In Deutschland wurden in den letzten Jahren verschiedene Instrumente geschaffen, um zu gewährleisten, dass auch in der Psychiatrie Betroffene zu ihrem Recht kommen. In den meisten Bundesländern sind Patientenfürsprecher oder Ombudsleute als Mittler zwischen Institution und Beschwerdeführer gesetzlich festgeschrieben. Sie werden von Kliniken oder der Kommune in ihr Amt berufen. Unabhängige Beschwerdestellen kümmern sich auf Anfrage und im Interesse von Psychiatrie-Erfahrenen und Angehörigen um eine Klärung von Beschwerden. Durch ihre meist trialogische Besetzung (d. h. es sind Psychiatrie-Erfahrene, Angehörige und professionelle Helfer vertreten) wird eine ausgewogene Betrachtung des Beschwerdefalles gewährleistet. Da diese Beschwerdestellen meist außerhalb von Institutionen angesiedelt sind, wird das Angebot häufiger angenommen als z. B. Beschwerdeangebote innerhalb von Kliniken oder Heimen. Die geringen Sachkosten werden meistens von den Kommunen getragen.

Die DGSP will nun in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband der Psychiatrie-Erfahrenen und dem Bundesverband Familienselbsthilfe im Rahmen eines von der Aktion Mensch finanzierten Projektes unabhängige Beschwerdestellen in der Psychiatrie in Deutschland fördern. Das Projekt wird fachlich und inhaltlich von einem Projektbeirat begleitet, der aus Betroffenen- und Angehörigenvertretern sowie Mitgliedern der DGSP zusammengesetzt ist. Im Laufe von 3 Jahren (Mai 2005 – April 2008) sind zwei Workshops geplant, der erste Workshop unter dem Titel „Wehrt Euch – beschwert Euch“ hat am 7. und 8. April 2006 bereits stattgefunden. In 4 Vorträgen wurde das Thema Beschwerde auf unterschiedliche Weise betrachtet und lebhaft diskutiert. Die anschließenden Arbeitsgruppen beschäftigten sich mit den Themen „Definition des Begriffs Beschwerde“, „gemeinsame Standards von unabhängigen Beschwerdestellen“, „Förderung für ehrenamtliche Mitarbeiter von Beschwerdemöglichkeiten“, „betriebliches Beschwerdemanagement“ und „Vernetzung“.

Ergebnis dieses ersten Workshops war die Forderung nach einer ständigen zentralen Anlaufstelle für Beschwerdemöglichkeiten in der Psychiatrie, die Informationen zu Aufbau und Finanzierung von unabhängigen Beschwerdestellen sowie Beratung zu Beschwerden geben kann. Diese Stelle könnte auch als Kontrollinstanz für unabhängige Beschwerdestellen dienen.
Außerdem wurden möglichst kostengünstige Fortbildungen für Mitarbeiter von Beschwerdestellen gewünscht, die Gesprächstechniken, Kenntnisse über Krankheitsbilder und Behandlungsmöglichkeiten oder auch Informationen über Aufbau und Form von unabhängigen Beschwerdestellen vermitteln.
Daneben wünschten sich die Teilnehmer schriftliche Informationen zum Aufbau von unabhängigen Beschwerdestellen, zu Finanzierungsmöglichkeiten, Rechtshinweisen mit Fallbeispielen und ein möglichst umfassendes Werk mit Adressen aller Beschwerdemöglichkeiten.

Über eine eigene Homepage Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster www.beschwerde-psychiatrie.de können bereits die Adressen der bekannten unabhängigen Beschwerdestellen abgerufen werden. Hier wird zukünftig auch ein Austauschforum zu Beschwerden und Beschwerdemöglichkeiten in der Psychiatrie installiert, an dem jeder teilhaben kann.

Für weitere Nachfragen steht die Leiterin des Projektes,
Gudrun Uebele unter folgender Adresse zur Verfügung:
DGSP
Zeltinger Straße 9
50969 Köln
Tel.: 0221/511002 
Email: Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-Mail gudrun.uebele(at)dgsp-ev(dot)de


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