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Rechenschaftsbericht des Vorstands des DGVT-Berufsverbands Psychosoziale Berufe e. V. für das Berichtsjahr 2021


Die politische Arbeit des Vorstandes wird unterstützt von den Kommissionen, den Fachgruppen, den Landessprecher*innen des DGVT-Berufsverbands und den Delegierten in den Psychotherapeutenkammern sowie in den Kassenärztlichen Vereinigungen. Die Rechenschaftsberichte werden ebenfalls zur MV veröffentlicht.

An dieser Stelle seien die Schwerpunkte der Arbeit des DGVT-Berufsverbands für den Berichtszeitraum genannt:

Auch das Jahr 2021 brachte weitere Herausforderungen für die Psychotherapie und die psychosoziale Versorgung insgesamt. Unser Verband hat seinen Mitgliedern hier weiter Unterstützung angeboten und war in vielfältigen Kontexten berufspolitisch aktiv.

Die Bewältigung der Anforderungen durch die Corona-Pandemie war auch in der ambulanten Psychotherapie das prägende Thema in diesem Jahr. Wir setzten uns dafür ein, mit geeigneten Maßnahmen eine schnelle Verbesserung der Versorgungslage zu erreichen:

  • Erleichterung der Psychotherapie im Rahmen der Kostenerstattung durch die Krankenkassen (s. unsere Plattform „Kassenwatch“).
  • Ermöglichen von befristeten Ermächtigungen, Sonderbedarfszulassungen durch die KVen
  • Flexiblere Lösungen für Kooperationen / Anstellung.

Die Psychotherapeutischen Praxen haben in der Pandemie einen wichtigen Beitrag zur Aufrechterhaltung der Versorgung geleistet und neue Herausforderungen gemeistert.

Der DGVT-Berufsverband stellte den Mitgliedern Praxishilfen zur Verfügung, um die vielfältigen organisatorischen und rechtlichen Anforderungen zu erfüllen (rechtliche Rahmenbedingungen, Berufsrecht, Vertragspsychotherapeutenrecht, Haftung, fachlich-inhaltliche Ausgestaltung, Abrechnungsfragen. Themen waren u. a.: Hygienevorschriften, Empfehlungen des RKI, Coronaschutz-Verordnungen der Länder, Impfung / Priorisierung, Testnachweispflicht für Selbstständige, Arbeitgeber*innen und Beschäftigte, Umsetzung der Videosprechstunde. Eine Sonderseite auf der Homepage unseres Verbands ist eingerichtet, die laufend aktualisiert wird.

In der Mitgliederberatung unseres Verbands zeigte sich ein größerer Anteil an komplexen Fällen:
Beschwerdefälle (Berufsrecht), Kindeswohlgefährdung, Fragen im Kontext Sorgerecht, Bedrohung von Therapeut*innen, sexuelle Belästigung von Psychotherapeut*innen, Bewertungsportale etc.

Der Berichtszeitraum war zudem geprägt durch das Thema Weiterentwicklung der Digitalisierung im Gesundheitswesen, das zu immer wieder neuen Fragestellungen führte. Unsere Mitglieder hatten hier vielfältige Fragen zur Umsetzung der IT-Sicherheitsrichtlinie, zu der der Gesetzgeber die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) 2021 verpflichtet hatte und die einen Standard der Datensicherheit für Praxen festschreibt. Praxisinhaber*innen sind gemäß der Richtlinie dazu verpflichtet, die Einhaltung der Anforderungen so umzusetzen, dass IT-Sicherheitsrisiken auf ein Minimum reduziert werden. Vor allem für größere Praxen (ab fünf Mitarbeiter*innen) sind diese Anforderungen durchaus beträchtlich.

Ein weiteres zentrales Thema für unseren Verband ist die Weiterentwicklung der Psychotherapie-Richtlinie und die Qualitätssicherung. Der G-BA plant die Einführung einer „einrichtungsübergreifenden Qualitätssicherung (QS) für die ambulante Psychotherapie“. Wir begleiten diesen Prozess u.a. im Rahmen unserer Beteiligung am Gesprächskreis II der Psychotherapeutenverbände kritisch.

Der Änderungsantrag zum GVWG („Rasterpsychotherapie“) wurde von uns als Versuch gedeutet, Psychotherapie zu rationieren. In einer gemeinsamen kritischen Stellungnahme mit zahlreichen anderen Psychotherapie-Verbänden (GK II) an das BMG haben wir mitgewirkt und so dazu beigetragen, das Vorhaben abzuwenden.

Die Komplexversorgung (§ 92 6b SGB V) ist ein weiteres zentrales Thema, das uns beschäftigt hat. In der Richtlinie über die berufsgruppenübergreifende, koordinierte und strukturierte Versorgung insbesondere für schwer psychisch kranke Versicherte mit komplexem psychiatrischem oder psychotherapeutischem Behandlungsbedarf (KSVPsych-RL) sehen wir noch großen Veränderungsbedarf. Diskutierte Themen sind die Indikationsbereiche, die Zusammensetzung und Größe des Netzverbundes sowie die Zuständigkeit der Berufsgruppe für die Koordination der Versorgung der Patient*innen. Die politische Forderung des DGVT-BV ist, dass es jeder psychotherapeutischen Praxis, auch solchen mit hälftigem Versorgungsauftrag, ermöglicht wird, an der Komplexversorgung federführend teilzunehmen.

Beratung: Die Förderung der Beratung in den verschiedenen professionellen Kontexten und Bereichen ist ein zentrales Anliegen unseres Verbands. Gemeinsam mit der DGVT förderte der DGVT-Berufsverband auch im Jahr 2021 das Projekt der DGfB (Deutsche Gesellschaft für Beratung) zur Entwicklung eines Qualifikationsrahmens für Beratung („Counselling“). Es geht um die Entwicklung eines Qualifikationsrahmens, der Beratungskompetenzen in der Berufspraxis überprüfbar und sichtbar machen soll. Hier engagiert sich das Forum Beratung innerhalb der DGfB. Ein herzlicher Dank an die aktiven Kolleg*innen, die unsere Anliegen hier hervorragend unterstützen.

Ein zentraler Punkt der Arbeit unseres Verbands war die weitere Diskussion um die Umsetzung der Ausbildungsreform und hier insbesondere die im April 2021 beschlossene Muster-Weiterbildungsordnung.

„Kassenwatch“ hat im Berichtszeitraum weitere Teilnehmer*innen (Nutzer*innen) auf der Plattform gewonnen. Mittlerweile sind über 1000 approbierte Kolleg*innen auf Kassenwatch vernetzt. Im Berichtszeitraum wurden ca. 100 Fälle von Nutzer*innen der Plattform gemeldet und vom Kassenwatch-Team beantwortet. Der Kassenwatch-Newsletter wird mittlerweile von 1500 Abonnent*innen genutzt als Informationsquelle zu Themen der Kostenerstattung – die in Zeiten einer insgesamt unzureichenden Versorgung und somit langer Wartezeiten weiter einen notwendigen Baustein in der Versorgung darstellt. Der regelmäßige Newsletter begleitet die Arbeit der Kostenerstattungs-Praxen und kommentiert die Probleme mit den Krankenkassen kontinuierlich. Seit September 2021 ergänzt Dr. Sabine Wolff (Psychologische Psychotherapeutin) das Kassenwatch-Team.

Mit der Plattform „Kassenwatch“ und der Datenbank wollen wir einen Beitrag leisten, problematische Umgangsweisen der Kassen mit Anträgen auf Kostenerstattung aufzudecken. Kassenwatch dient dazu, den Krankenkassen zu verdeutlichen, dass alle Versicherten Anspruch auf eine angemessene und zeitnahe Versorgung haben und die Politik zum Handeln zu bewegen, sich für eine ausreichende Versorgung einzusetzen.

Wir setzten uns im Berichtszeitraum weiterhin für angemessene Honorare für niedergelassene Psychotherapeut*innen ein und unterstützten die Mitglieder beim quartalsweisen Honorarwiderspruch mit juristischer Expertise in der Bundesgeschäftsstelle. Der DGVT-Berufsverband unterstützte weiterhin Klagen in mehreren Bundesländern über Verbände-Kooperationen.

Der Datenschutz und die Umsetzung der Telematik-Infrastruktur (TI) haben unsere Mitglieder und unseren Verband ausführlich beschäftigt. Für unsere niedergelassenen Mitglieder haben wir verschiedene Handlungsanleitungen für den Praxisalltag erarbeitet.

Wir engagierten uns weiterhin für eine angemessene Vergütung der angestellten Kolleg*innen im Rahmen der ver.di-Fachkommission PP/KJP.

Themen der Angestellten, die unser Verband im Berichtszeitraum bearbeitet hat, sind folgende: Die novellierte Personalbemessungs-Richtlinie (PPP-RL) (Minutenwerte werden vorgegeben, die pro Berufsgruppe je Patient*in vorgesehen sind). Wir kritisierten die Regelung in der Richtlinie – der G-BA hat den Auftrag einer „evidenzbasierten und leitliniengerechten“ Personalbemessung nicht erfüllt für den Bereich Psychotherapie. Auch die ver.di-Befragung „Versorgungsbarometer Psychiatrie“ ergab alarmierende Ergebnisse: Fehlen von Zeit und Personal, Versorgungsqualität und Gesundheit der Beschäftigten leiden. Der DGVT-BV unterstützt die Forderungen von ver.di (unsere Vertreter in der ver.di-Fachkommission berichten regelmäßig). Die Tarifverhandlungen für unseren Bereich stagnieren. Wir setzen uns zu diesen Themen in der Fachkommission Psychotherapie bei ver.di ein.

Die Mitgliederberatung unserer Bundesgeschäftsstelle in Tübingen wurde zu den verschiedenen berufsbezogenen Bereichen im vergangenen Jahr wieder intensiv genutzt. Die Corona-Pandemie stellte uns auch hier vor vielfältige Herausforderungen angesichts des erhöhten Beratungsbedarfs unserer Mitglieder. Die Mitgliederberatung hat seit Januar 2022 Verstärkung bekommen. Nina Wagner, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin, ergänzt das Team mit unseren beiden Juristinnen und ist ab sofort auch in der telefonischen Mitgliederberatung zu erreichen. Zusätzlich zu den gewohnten Zeiten werden wir zukünftig auch montags von 8:00 Uhr bis 9:30 Uhr eine Sprechzeit für Mitglieder anbieten können.

Die Politik auf Landespsychotherapeutenkammer- sowie Bundespsychotherapeutenkammer-Ebene ist ein zentraler Schwerpunkt des verbandlichen Engagements. Isabel Lang organisierte im vergangenen Jahr mehrere Wahlen der Landespsychotherapeutenkammern, die für uns erfolgreich verlaufen sind: in Berlin, Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern (2022) sind wir wieder in den Delegiertenversammlungen und Kammergremien (Vorstand) vertreten. Gratulation und Dank an die Aktiven vor Ort und in der Bundesgeschäftsstelle! Wir berichteten hierzu regelmäßig in unseren Verbandspublikationen (VPP/Newsletter). Ein ausführlicher Bericht findet sich im Rechenschaftsbericht des Länderrats.

Die Themen der Digitalisierung im Gesundheitswesen nimmt u. a. die Fachgruppe EHealth im DGVT-BV in den Fokus. Die Fachgruppe beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit den fachlich-inhaltlichen Aspekten von E-Health und den Chancen und Risiken entsprechender Angebote in Psychotherapie, Beratung und Prävention. Hier wurden u.a. Fragen des Daten- und Patient*innenrechteschutzes, des Einsatzes von digitalen Medien in Praxen (DIGAs) und die Rahmenbedingungen der Umsetzung der elektronischen Patient*innenakte (ePA) u.v.m. diskutiert.

Die Entwicklung unserer Mitgliederzahlen ist weiter steigend. Mit Stand vom März 2022 sind 7.860 Mitglieder im Verband.

Wir bedanken uns bei unseren ehrenamtlich tätigen Kolleg*innen in den Gremien und Fachgruppen und bei unserem Team in der Bundesgeschäftsstelle für die große und engagierte Unterstützung in dieser gesellschaftlich und politisch herausfordernden Zeit.

Der geschäftsführende Vorstand: Monika Bormann, Oliver Kunz, Wolfgang Schreck


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