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Rechenschaftsbericht der Fachgruppe „Psychosoziale Versorgung“ für das Jahr 2021


Die Fachgruppe Psychosoziale Versorgung besteht aus Norbert Beck, Monika Bormann, Waltraud Deubert, Antje Neumann, Bernhard Scholten und Irmgard Vogt. Sie hat im Jahr 2021 zweimal in Präsenz (Juni: Frankfurt, Oktober: Landau) und einmal Online getagt. Zentrale Themen waren:

Mitarbeit im Dialog zur Weiterentwicklung der Hilfen für psychisch kranke Personen – moderiert von der Aktion Psychisch Kranke (APK) im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG)

Die Fachgruppe hat sich seit ihrer Gründung schwerpunktmäßig mit dem Dialogprozess der Weiterentwicklung der psychiatrischen, psychotherapeutischen und der psychosozialen Versorgung von psychisch kranken Menschen beschäftigt, der vom Bundesgesundheitsminister Spahn mit dem Ziel, möglichst innerhalb der Legislaturperiode konkrete Gesetzesänderungen zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung zu erhalten, initiiert wurde, und der von der Aktion Psychisch Kranke e. V. (APK) moderiert wird.

Im Januar 2021 hatte die Fachgruppe ihre Stellungnahme zum IV. Dialogforum vorgelegt. Der Dialog wurde aufgrund der Corona-Krise und später aufgrund des Bundestagwahlkampfs nicht fortgeführt. Nach Auskunft der AKP soll der Entwurf des Abschlussberichtes Ende März/Anfang April vorliegen. Die Fachgruppe wird prüfen, ob sie dazu erneut Stellung nimmt.

Stellungnahme zur Erstfassung der Richtlinie über die strukturierte und koordinierte Versorgung psychisch kranker Menschen mit komplexem Versorgungsbedarf nach § 92 Abs. 6b SGB V

§ 92 Abs. 6b SGB V sieht den Aufbau einer strukturierten und koordinierten Versorgung psychisch kranker Menschen mit einem komplexen Versorgungsbedarf vor. Die Fachgruppe hat in einer ganztägigen Online-Sitzung zum vom B-GA vorgelegten Entwurf einer Richtlinie zu dieser gesetzlichen Regelung eine Stellungnahme verfasst und diese auch in einer Online-Anhörung des B-GA im Mai 2021 erläutert. Bei der Abfassung wurde deutlich, dass die Fachgruppe die von der Aktion Psychisch Kranke e. V. entwickelte Konzeption einer ambulanten Komplexleistung als neue Leistung im SGB V befürwortet, während die BPtK die koordinierte Versorgung im Sinne des § 92 Abs. 6b SGB V für ausreichend hält und in der Einführung der Komplexleistung die Entwicklung einer parallelen Struktur sieht. Dieser Widerspruch konnte nicht gelöst werden.

Konzept für einen wiederkehrenden Jahresbericht der DGVT

Die Fachgruppe hat in beiden Sitzungen an einer Konzeption für einen Jahresbericht der DGVT gearbeitet. Die ursprüngliche Überlegung, die Entwicklung der psychosozialen/psychotherapeutischen Versorgung nachzuzeichnen wurde aufgegeben, da die Deutsche Psychotherapeuten-Vereinigung im Frühjahr 2021 zum 2. Mal einen ähnlichen Bericht vorgelegt hat. Die Überlegung, einen analogen Bericht zum Thema „Beratung“ vorzulegen, wurde verworfen, da die Fachgruppe die Kompetenz für einen solchen jährlichen Bericht eher bei der Deutschen Gesellschaft für Beratung (DGfB) sieht. Eine weitere Überlegung sieht vor, dass sich ein Jahresbericht mit den „vergessenen“ Themen wie beispielsweise „Gewalt in engen sozialen Beziehungen“ oder „Psychische Folgen durch Missbrauch“ beschäftigen könnte.

Wahlprüfsteine

Die Fachgruppe hat zwei Wahlprüfsteine zu den Themen: Fortsetzung des Dialog-Prozesses zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung und zur Prävention und Gesundheitsförderung entwickelt.

Istanbul-Konvention

In den beiden Präsenz-Sitzungen hat sich die Fachgruppe intensiv mit der Istanbul-Konvention beschäftigt. Sie empfiehlt der DGVT und deren zukünftigen Weiterbildungs-Akademien, für dieses Thema Weiterbildungsmodule zu entwickeln. Die Musterweiterbildungsordnung der Bundespsychotherapeutenkammer sieht dieses Thema als ein bereichsübergreifendes vor. Hier kann die DGVT auch für andere Weiterbildungsanbieter ein fachlich gutes Modell schaffen.

DGVT-Charta gegen Rechtsextremismus

Die Fachgruppe begrüßt Initiativen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Sie hält aber eine programmatische Charta für unzureichend. Die DGVT muss, wenn sie dieses Thema ernst nimmt, auch prüfen, wie resistent ihre eigenen Strukturen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sind.

Weitere Arbeit und Themen

Die Fachgruppe wird sich auch 2022 an dem Dialog der AKP zur Verbesserung der psychiatrischen Versorgung beteiligen und Themen wie die Istanbul-Konvention und Charta gegen Rechtsextremismus weiter folgen. Zusätzlich beabsichtigt sie, im Jahr 2022 diese Themen zu bearbeiten:

-      Vernetzung und Koordination psychosozialer Leistungen insbesondere durch Soziotherapie

-      Wirksamkeit der Koordinierungsleistungen nach § 92 Abs. 6b SGB V

-      Auswertung der Koalitionsvereinbarung der neuen Bundesregierung für die psychosozialen Versorgung

-      Psychische Folgen der Corona-Krise

-      Analyse der durch die Corona-Krise sichtbar gewordenen Defizite der psychosozialen Versorgung.

Die Fachgruppe war sowohl bei der letzten Mitgliederversammlung wie bei dem Intergremientreffen vertreten.

Weitere Mitglieder sind herzlich willkommen.


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