< vorheriger Artikel

GESUNDHEITSPOLITISCHE NOTIZEN


Alte leiden unter Kontaktregeln

Menschen im Alter über 80 haben die durch die Corona-Pandemie bedingten Kontaktbeschränkungen zumeist als Belastung erlebt. Viele hatten Angst oder fühlten sich hilflos. Wie die von Bundesfamilienministerium veröffentlichte Studie „Hohes Alter in Deutschland“ ergab, haben 54,3 Prozent der über 80-Jährigen die Veränderungen bei den privaten Kontakten als negativ wahrgenommen, während 43,7 Prozent der Befragten die Veränderung als „ausgeglichen“ empfanden und der Rest sie positiv sah. Für rund 36 Prozent der Hochaltrigen haben sich der Studie zufolge private Kontakte „stark“ oder „sehr stark verändert“. Hingegen nahmen 21,5 Prozent keine Veränderung in dem Bereich wahr. Der Rest konstatierte „ein wenig“ oder „mäßige“ Veränderungen. Für die Erhebung wurden mehr als 10.000 Menschen ab 80 Jahren nach ihren Erfahrungen befragt. In Deutschland sind 5,9 Millionen Menschen 80 Jahre und älter.

Quelle: G+G, Ausgabe 12/2021, 24. Jg.

 

Depressionen weit verbreitet

Jede*r fünfte Arbeitnehmer*in in Deutschland hat schon einmal die Diagnose Depression erhalten. Das geht aus dem „Deutschland-Barometer“ der Stiftung Deutsche Depressionshilfe hervor. Hierfür wurden im September 2021 5.283 Frauen und Männer zwischen 18 und 69 Jahren online befragt. 20 Prozent gaben an, dass bei ihnen schon einmal eine Depression festgestellt worden sei. 19 Prozent vermuteten, schon einmal daran erkrankt zu sein. Einen Suizid oder Suizidversuch eines*r Kolleg*in erlebten 15 Prozent. „Unternehmen können Betroffene unterstützen, indem sie ihnen dabei helfen, schnell professionell behandelt zu werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Stiftung, Professor Ulrich Hegerl. Jedoch redet den Angaben nach die Mehrheit der Beschäftigten mit Depression am Arbeitsplatz nicht offen darüber. So hätten nur 26 Prozent angegeben, mit Kolleg*innen gesprochen zu haben. Nur 19 Prozent hätten sich ihrem Vorgesetzten geöffnet.

Quelle: G+G, Ausgabe 12/2021, 24. Jg.

 

Gewalt in Partnerschaften steigt weiter an

In Deutschland ist die Zahl der erfassten Fälle von Gewalt in Partnerschaften erneut gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden laut einer Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) 148.031 Personen Opfer von Gewalt in einer bestehenden oder ehemaligen Partnerschaft. Das sind 4,4 Prozent mehr als 2019. Die Zahl der registrierten Fälle stieg um knapp fünf Prozent. Vier von fünf Betroffenen waren demnach Frauen. Von den Tatverdächtigen waren ebenso viele Männer. Laut Studie wurden 2020 insgesamt 139 Frauen und 30 Männer durch den Partner oder Ex-Partner getötet; 2019 waren es 117 Frauen und 32 Männer. 72.013 Frauen und 19.199 Männer wurden Opfer von vorsätzlicher einfacher Körperverletzung. Stalking, Bedrohung und Nötigung betrafen 29.301 Frauen und 3.721 Männer. Seit 2015 erfasst das BKA diesen Bereich gesondert. Dem BKA-Präsident Holger Münch zufolge war ein Drittel der Tatverdächtigen zwischen 30 und 40 Jahren alt. 23 Prozent standen zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss. Ein Zusammenhang von der Corona-Pandemie und zunehmender Partnerschaftsgewalt lasse sich auf Grundlage der Hellfeld-Statistik nicht eindeutig belegen. Demgegenüber ist die Zahl der Beratungen beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ im vergangenen Jahr gestiegen. 2020 wurden rund 51.000 Beratungen verzeichnet – 15 Prozent mehr als 2019. Während des ersten Lockdowns stieg die Zahl der registrierten Fälle im Vergleich zum Vorjahreswert; während des zweiten Lockdowns hingegen sank die Anzahl.

Weitere Infos: www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/presse/pressemitteilungen/gewalt-in-partnerschaften-im-jahr-2020-4-9-prozent-mehr-faelle-als-im-vorjahr-187202=

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 1/2022, Jg. 169

 

BMAS: Familien mit Gutscheinen für Haushaltshilfen entlasten

Die Ampel-Regierung will Familien mit staatlichen Gutscheinen für Haushaltshilfen entlasten. Der zu dem Zeitpunkt geschäftsführende Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) sagte: „Wir führen für Familien ein System der Alltagshelfer ein. Der Staat gibt Familien in Form von Gutscheinen einen Zuschuss, damit sie sich legale Hilfe im Haushalt leisten können.“ Danach sollen Familien mit Kindern, Alleinerziehende und Personen, die Angehörige pflegen, einen jährlichen Bonus von maximal 2.000 Euro erhalten. Nach dem neuen Modell sollen sich Staat und Familie die Kosten für Alltagshelfer*innen teilen. „40 Prozent werden durch den Zuschuss bezahlt, 60 Prozent von den Bürgern selbst“, so Heil. Die Abrechnung solle mittels einer App geregelt werden, über die zertifizierte Firmen ihre Dienstleistungen anbieten könnten. Mit der Reform will der Minister auch den Schwarzmarkt bekämpfen und die Arbeitsbedingungen für Menschen verbessern, die haushaltsnahe Dienstleistungen erledigen. Auch die Alltagshelfer*innen profitierten, da sie sozialversichert seien und mindestens 12 Euro Stundenlohn erhalten. Ab 2023 solle es die Gutscheine für Familien, Alleinerziehende und Pflegende geben. Für das erste Jahr rechnet die künftige Koalition mit 400 Millionen Euro Kosten. In einem zweiten Schritt sollten alle den staatlichen Zuschuss erhalten. Dann solle jeder Haushalt einen Alltagshelfer*innen-Gutschein bekommen.

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 1/2022, Jg. 169

 

Organspende-Zahl bleibt stabil

Auch im Corona-Jahr 2021 bleibt die Zahl der Organspenden stabil, wie die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) in ihrer Jahresbilanz berichtet. So hätten vergangenes Jahr 933 Menschen nach ihren Tod ein oder mehrere Organe gespendet. Das entspricht laut Stiftung 11,2 Spendern pro eine Million Einwohner*innen. Im Vergleich zu 2020 sei die Zahl der Spender*innen damit sogar um 2,2 Prozent gestiegen. Wie die Stiftung weiter mitteilt, ging jedoch gleichzeitig die Zahl der hierzulande postmortal entnommenen Organe mit 2.905 im Vergleich zum Jahr 2020 um 1,2 Prozent zurück. Zu diesen 2905 Organen, die Patient*innen auf den Wartelisten zur Transplantation erhielten, zählten unter anderem 1.492 Nieren, 742 Lebern sowie 310 Herzen. Gleichzeitig standen am Jahresende 8.448 Menschen auf der Warteliste für ein Organ. „Die erhoffte deutliche Steigerung der Organspendenzahlen blieb damit auch im vergangenen Jahr aus“, resümierte Dr. Axel Rahmel, Medizinischer Vorstand der DSO.

Quelle: G+G, Ausgabe 2/2022, 25. Jg.

 

Zahl Demenzkranker steigt rapide an

In den nächsten drei Jahrzehnten könnte sich die Zahl weltweiter Demenzfälle nahezu verdreifachen. Das sagt eine Studie voraus, die in der Zeitschrift „The Lancer“ veröffentlicht wurde. Ihr zufolge könnten 2050 rund 153 Millionen Menschen mit Demenz leben – im Vergleich zu 57 Millionen im Jahr 2019. Für Deutschland wird eine Zunahme der Fälle von 65 Prozent vorhergesagt. Einen besonders hohen Anstieg erwarten die Expert*innen unter anderem in Katar und den Vereinigten Arabischen Emiraten, für Japan den geringsten. Die Forscher*innen nennen vier Risikofaktoren für Demenz: Rauchen, Übergewicht, hoher Blutzucker und niedriges Bildungsniveau. „Wir müssen uns stärker auf die Prävention und die Kontrolle von Risikofaktoren konzentrieren“, fordert Emma Nichols vom Institute for Health Metrics and Evaluation an der University of Washington.

Quelle: G+G, Ausgabe 2/2022, 25. Jg.

 

Umfrage: Zahl der einsamen alten Menschen hat sich verdoppelt

Laut einer vom  Bundesfamilienministerium veröffentlichten Studie hat sich die Zahl der einsamen Über-80-Jährigen während der Corona-Pandemie verdoppelt. Die Einsamkeit nimmt der Umfrage zufolge in der späten Lebensphase zu: 22 Prozent der Personen im Alter von 90 Jahren oder älter, aber nur 8,7 Prozent der Personen im Alter von 80 bei 84 Jahren, beschrieben sich als einsam. Besonders Frauen sind mehr als doppelt so häufig von Einsamkeit im Alter betroffen wie Männer. Für die höhere Rate von Einsamkeit sei vor allem der geringere Anteil von Partnerschaften bei hochaltrigen Frauen verantwortlich. Partnerlosigkeit stelle auch besonders bei jüngeren Hochaltrigen einen Risikofaktor für Einsamkeit dar. ln Heimen beträgt der Anteil einsamer älterer Menschen laut Umfrage 35 Prozent, während er in Privathaushalten bei 9,5 Prozent liegt. Ältere Menschen mit gutem subjektiven Gesundheitsstatus sind demnach deutlich seltener einsam als ältere Menschen mit schlechter subjektiver Gesundheit. Ferner sei eine hohe Bildung ein Schutzfaktor vor Einsamkeit im sehr hohen Alter, von dem Frauen jedoch in geringerem Ausmaß profitierten. Für die vom Ministerium beauftragte Umfrage wurden 10.000 Personen über 80 Jahren zwischen November 2020 und April 2021 befragt. Sie wurde vom Cologne Center for Ethics, Rights, Economics, and Social Sciences of Health (ceres) sowie dem Deutschen Zentrum für Altersfragen (DZA) durchgeführt. Eine im Dezember 2021 veröffentlichte Studie der Uni Bochum ergab, dass auch andere Altersgruppen betroffen sind: so fühlen sich auch junge Erwachsene heute einsamer als noch vor 40 Jahren.

Weitere Infos: www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/gesundheit-miteinander-und-bildung-schuetzen-vor-einsamkeit-im-hohen-alter-192790

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 2/2022

 

Oxfam: Pandemie fördert weltweite Ungleichheit

Konzerne und Superreiche müssen stärker besteuert werden. Dies fordert das Hilfswerk Oxfam von Regierungen weltweit. Die Corona-Pandemie habe den Anstieg der globalen Ungleichheit stark befördert: Während die zehn reichsten Menschen der Erde ihr Gesamtvermögen auf insgesamt rund 1,5 Billionen US-Dollar haben vergrößern können, seien auf der anderen Seite etwa 160 Millionen Menschen zusätzlich in die Armut abgerutscht. Dies ist das Ergebnis eines veröffentlichten Berichts des Hilfswerks mit dem Titel „lnequality kills“ (Ungleichheit tötet). In Deutschland haben laut Bericht die zehn reichsten Personen ihr Vermögen seit Beginn der Pandemie von rund 144 Milliarden auf etwa 256 Milliarden US­Dollar gesteigert – ein Anstieg um rund 78 Prozent. Allein dieser Gewinn entspreche annähernd dem Gesamtvermögen der ärmeren 40 Prozent, also von 33 Millionen Deutschen. Währenddessen erreicht die Armutsquote in Deutschland mit 16,1 Prozent einen Höchststand. Oxfam führt diesen Anstieg der Ungleichheit auf die Profitlosigkeit der Weltwirtschaft zurück.

Die Studie mahnt ebenfalls geschlechtsspezifische und rassistische Ungleichheit an: So haben laut Bericht etwa 13 Millionen Frauen im Zuge der Pandemie Arbeit und Einkommen verloren. Zudem würden über 20 Millionen Mädchen nie wieder eine Schule besuchen. Daneben sterben täglich mindestens 15.000 Menschen, weil ihnen eine adäquate medizinische Versorgung verwehrt ist, wobei das Risiko an Covid-19 zu sterben für Menschen, die von Rassismus betroffen sind, bis zu drei Mal größer sei als für weiße Menschen.

Weitere Infos: www.oxfam.org/en/research/inequality-kills

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 2/2022

 

WFP-Direktor: 285 Millionen Menschen weltweit hungern

Die Corona-Pandemie und ihre wirtschaftlichen Folgen haben die Hungersituation drastisch verschärft. Dies sagte der Direktor des UN-Welternährungsprogramms (World Food Programme ­ WFP), David Beaslq·, im Ausschuss des Bundestages für Menschenrechte und humanitäre Hilfe. Er warnte vor einer Hungersnot in mehreren Ländern. Die Zahl der Menschen, die akut von Hunger betroffen seien, sei in den letzten zwei Jahren massiv gestiegen. Hätten vor Ausbruch der Pandemie weltweit noch 135 Millionen Menschen Hunger gelitten, seien es nun 285 Millionen Menschen, berichtete Beasly. 45 Millionen davon litten unter extremen Hunger. In 43 Staaten der Erde, darunter Afghanistan, Äthiopien, Jemen und Staaten in der Sahelzone wie Niger und Burkina Faso, drohten Hungersnöte und damit eine neue Massenmigration. Neben den ökonomischen Folgen der Pandemie trügen auch die weltweit die zunehmenden Konflikte, Krisen und Klimakatastrophen dazu bei. Um den Hunger zu überwinden und größere Migrationsbewegungen zu verhindern, brauche es insbesondere Hilfe bei der Anpassung an Klimaveränderungen. Dazu sei aber ein anderer Ansatz gefragt, so Bealy. Das WFP habe begonnen, Ernteprogramme und Programme zur Landverbesserung zu entwickeln. Diese zeigten messbaren Erfolg: In der Sahel-Region etwa hätten durch Landverbesserungsmaßnahmen und Schulspeisungen Migrationsbewegungen abgenommen.

Weitere Infos: www.bundestag.de/presse/hib/kurzmeldungen-879324

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Heft 2/2022

 

Aline Schneider


Zurück