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Bericht vom 4. Workshopkongress für Klinische Psychologie und Psychotherapie vom 5. bis 7. Mai 2005 in Dresden

Von: Dipl.-Psych. Thomas Lang

Der 4. Workshopkongress der Fachgruppe Klinische Psychologie und Psychotherapie der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), der diesmal vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der Technischen Universität Dresden ausgerichtet wurde, war mit über 900 Teilnehmern ein voller Erfolg.


Die Themenschwerpunkte der 8 Hauptvorträge, der über 70 Workshops und der über 150 Poster und Forschungsreferate lagen auf aktuellen Forschungsarbeiten und auf der Vermittlung neuer und spezieller Interventionstechniken.

Nach den ersten Workshops am Morgen wurden die Teilnehmer zunächst vom Tagungsleiter, Jürgen Hoyer (Dresden), begrüßt. Erster Hauptredner war Jürgen Margraf (Basel), der das Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie an der TU Dresden 1993 gegründet und bis 1999 geleitete hatte. Margraf sprach zum Thema "Eine vernachlässigte Beziehung - Psychotherapie und Gesellschaft" und wies auf die vielfältigen Einflüsse der Gesellschaft auf die psychische Gesundheit und die Durchführung von Psychotherapie hin. Frank Neuner (Konstanz) berichtete danach über seine Studien zu den psychischen Folgen von politischer Gewalt und Krieg. Besonders beeindruckend waren seine Arbeiten und Ideen zur Frühintervention und Prävention von Posttraumatischer Belastungsstörung durch den Einsatz trainierter Laientherapeuten vor Ort. Unterbrochen durch die erste Postersession folgte dann Clemens Kirschbaum (Dresden), der den Blick auf die biopsychologischen Perspektiven in der Klinischen Psychologie lenkte und deren Chancen und faszinierenden Möglichkeiten für die Klinische Psychologie herausstellte. Zum Abschluss der Hauptvorträge des ersten Kongresstages sprach Klaus Grawe (Bern) zum Thema "Inkonsistenz und psychische Gesundheit" und stellte die Bedeutung von Konsistenzerleben für die psychische Gesundheit heraus sowie die Notwendigkeit, dieses Konsistenzerleben - abhängig von der Quelle der Inkonsistenz - mittels vielfältiger Methoden zu fördern.

Der Donnerstag endete mit der Mitgliederversammlung der Fachgruppe für Klinische Psychologie der DGPs, in der hauptsächlich aktuelle Fragen zu den Bachelor- und Masterstudiengängen und zu den zukünftigen Zugangsvoraussetzungen zur Ausbildung Psychologischer PsychotherapeutInnen diskutiert wurden.

Der Freitag war geprägt von Forschungsreferaten, die das weite Themenspektrum von Epidemiologie über Prävention bis hin zu innovativen therapeutischen Ansätzen abdeckten. Am Nachmittag, kurz vor Beginn des Kongressfestes im Lichthof des Sächsischen Staatsministeriums der Finanzen, fanden dann erneut mehr als 20 verschiedene Workshops statt.

Der Abend war für das Kongressfest reserviert, bei dem über 500 Teilnehmer in einem repräsentativen Ambiente (Lichthof des Finanzministeriums) kulinarisch verwöhnt wurden und in angenehmer Atmosphäre die Möglichkeit zum Tanz, aber auch zu Gesprächen mit alten und neuen Bekannten nutzten. Im Rahmen des Festes erhielt Georg Alpers (Würzburg), den Förderpreis für Nachwuchswissenschaftler der DGPs, der von Winfried Rief (Marburg) - dem Sprecher der Fachgruppe - überreicht wurde. Gerüchten zufolge sollen die letzten das Kongressfest gegen 3 Uhr früh verlassen haben, was sicherlich für sich spricht....

Der letzte Tag des Kongresses begann mit Vorträgen über die Psychotherapie-Versorgungslage in Deutschland (Uwe Koch, Hamburg) und die Rolle moderner Psychopharmaka in der Psychotherapie (Jürgen Deckert, Münster). Vor der Podiumsdiskussion lenkte Ulrike Ehlert (Zürich) den Blick auf salutogenetische Implikationen aktueller biopsychologischer Befunde. Die anschließende, lebhafte und kontroverse Podiumsdiskussion zum Thema "Wie viele und welche Therapeuten braucht das Land" wurde von Nina Heinrichs (Braunschweig) geleitet. Vor dem Hintergrund der beeindruckenden Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Ausmaß psychischer Störungen in Europa diskutierten Uwe Koch (Hamburg), Dietmar Schulte (Bochum), Hans-Ulrich Wittchen (Dresden) und Detlev Kommer, Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer. Trotz kontroverser Positionen zeichnete sich ab, dass angesichts hoher Prävalenzzahlen, eines hohen Alterdurchschnitts niedergelassener Psychologischer PsychotherapeutInnen, mangelnden Ärztenachwuchses und regional bereits jetzt dramatischer Unterversorgung die bedarfsgerechte Versorgung mit Psychotherapie ein schwieriges Thema bleiben wird.

Mit Workshops am Nachmittag endete der 4. Workshopkongress in Dresden, der sowohl den Teilnehmern als auch den Organisatoren als rundum gelungene Veranstaltung im Gedächtnis bleiben wird.

Besonderer Dank gilt dabei den LeiterInnen der Workshops. Sie stellten ihre Leistung gegen freie Kongressteilnahme unentgeltlich zur Verfügung und hielten so die Kongresskosten im Rahmen. Durch ihr Engagement wurde der Transfer von Wissen in die Praxis in genau der Weise ermöglicht, wie es der Zielsetzung des Workshopkongresses entspricht. Die mehr als 1.400 gebuchten Workshopteilnahmen belegen das große Interesse an einem solchen Wissenstransfer und zeigen - insbesondere durch die regen Diskussionen in den einzelnen Veranstaltungen - dass es sich hier nicht um einen einseitigen Informationsfluss handelte. Die Evaluation der Veranstaltungen ergab eine durchschnittliche "Gesamtnote für die Veranstaltung" von 1,4 (Schulnotensystem). So sind wir sicher, dass viele TeilnehmerInnen beim nächsten, dem 5. Workshopkongress für Klinische Psychologie und Psychotherapie, den Martin Hautzinger vom 17. bis 19. Mai 2007 an der Uni Tübingen ausrichten wird, wieder dabei sein werden!

TU Dresden, Klinische Psychologie und Psychotherapie
Hohe Straße 53, 01187 Dresden, lang(at)psychologie.tu-dresden(dot)de  


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