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Zugang der Sozialberufe zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie

Protokoll des Treffens vom 16.9.05 in Kassel


Am 16.9.05 trafen sich auf Anregung der Sektion Klinische Sozialarbeit/DGS VertreterInnen aus Fachhochschulen, Berufsverbänden[1], Psychotherapeutenkammern und der Zentralstelle für Klinische Sozialarbeit/ZKS, um über den künftigen Zugang der Sozialberufe zur Ausbildung in KJPth zu beraten.

1. In einer kurzen Vorstellungsrunde machten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekannt und nahmen Bezug auf die Institutionen, die sie vertreten. Gemeinsames Anliegen ist die Sicherstellung des Zugangs zur KJP-Ausbildung für soziale und pädagogische Berufe, weil deren Grundqualifikation in der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie einhellig große Bedeutung beigemessen wird und bereits lange Tradition besitzt.

2. Günter Zurhorst gab eine Darstellung und Bewertung der aktuellen Diskussion über Zugangsweg und Zugangsberechtigung zur Ausbildung in KJP. Nach seiner Überzeugung kann nur ein Master mit definierten klinischen Anteilen auf Dauer den Zugang für die sozial/pädagogischen Bewerber sicherstellen.
Die wichtigsten Aspekte wurden diskutiert, u.a. die befürchtete Zulassungseinschränkung; die Ungewissheit der Einordnung von Bachelor und Master; die Befürchtung die Ausbildung könnte ganz an Universitäten verlagert und als Zulassungsvoraussetzung (nur noch?) ein Master of Science mit  Schwerpunkt klinischer Psychologie akzeptiert werden; die Sorge Psychol.Psychotherapeut und KJPsychotherapeut könnten zusammengelegt und damit der Zugang der pädagogischen Berufe torpediert werden; Engpässe, falls nur 20-25% der Bachelor einen Masterabschluss erwerben können; Kritik an schlechteren Prüfungsergebnissen/Durchfallquoten der Pädagogen/Sozialarbeiter im Vergleich zu Psychologen in der KJP-Ausbildung (-> Überleitung zu inhaltlichen Fragen, s. TOP 4).

3. Aus Sicht der Verbände wurde die Einschätzung im Wesentlichen bestätigt. Eine Beeinflussung der politischen Willensbildung ist notwendig und dringlich, wobei der Zeithorizont einer erfolgversprechenden Einflussnahme extrem kurz sei, wie Peter Lehndorfer und Armin Kuhr betonen. Sie weisen darauf hin, dass die Landeskammern schon zu Stellungnahmen aufgefordert seien und die Länderreferenten  am 28. September 2005 darüber beraten werden.
Eine "abgesenkte" Zugangsschwelle auf Bachelorniveau wäre nach Martin Klett und Martina Schwarz fast zwangsläufig mit einer Abwertung des KJP - u.U. Kompetenzeinbuße, Statusverlust und Gehaltsabstufung - verbunden und daher berufspolitische kaum vertretbar.
Aus Sicht der Fachhochschulen gibt es größere Unterschiede in der Einschätzung. So zeigte die Debatte beim Fachbereichstag Sozialarbeit (FBT-S), dass viele der Meinung sind, der Bachelorabschluss werde künftig statt des Diploms den Zugang öffnen. Im PThG ist auch nur "..ein Hochschulabschluss in .." gefordert. Allerdings scheint es Signale aus den Ministerien zu geben, die das bzgl. Bachelor in Frage stellen. Die BPTh-Kammer und alle Landeskammern plädieren einhellig für den Master als künftige Zugangsvoraussetzung, sie können allerdings nur Stellungnahmen abgeben, d.h. inhaltlich und strukturell argumentieren, nicht selbst entscheiden. Ob ihre Position in dieser Frage einen Meinungsumschwung beim FBT-S bewirken kann, bleibt abzuwarten.

4. Strukturelle und inhaltliche Aspekte hängen zusammen. Bindend ist zunächst die Prüfungsordnung KJP und der Gegenstandskatalog, auf den Bezug zu nehmen ist (s. www.impp.de und www.bptk.de). Die theoretischen Anforderungen in der KJP-Ausbildung und -Praxis (Theoriekenntnis und -anwendung, Evidenznachweis, Forschungsbefähigung) verlangen fast zwangsläufig nach der höheren Qualifikationsstufe als Zugangsvoraussetzung, - gestützt durch berufspolitische Argumente -, weil die Kluft zu Psychologen und Ärzten sonst noch größer würde (mit den o.g. Folgen).
Angesichts des Wildwuchses an Masterstudiengängen greift jedoch auch eine formale Festlegung auf das Masterniveau zu kurz, vielmehr werden verlässliche klinische Anteile für notwendig gehalten, über die im Detail noch zu sprechen ist. Helmut Pauls skizzierte beispielhaft die einschlägigen Inhalte (Module) des Masterstudiengangs "Klinische Sozialarbeit" der FH-Coburg und ASFH-Berlin unter Bezug auf internationale Erfahrungen (Clinical Social Work), die Anhaltspunkte für fachlich-inhaltliche (und ethische) Standards geben.

5. Da Entscheidungen dem Gesetzgeber und den Bundes- und Landesbehörden vorbehalten sind, sollte das weitere Vorgehen in erster Linie darauf gerichtet sein, die politische Meinungs- und Willensbildung zu erreichen. Als geeignetes Instrument wird die Bildung eines Arbeitskreises vorgeschlagen. Darin sollten die heute vertretenen und weitere einschlägige Institutionen beteiligt sein, die an einer inhaltlichen Ausgestaltung der Zulassungsvoraussetzungen interessiert sind.

Übereinkunft
Gründung eines Arbeitskreises bzw. einer Arbeitsgemeinschaft
"Zulassungsvoraussetzungen zur Ausbildung in Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie" (AZA-KJP).
Arbeitsauftrag: Erarbeitung eines klinisch-fachlichen Profils als Grundlage für die Zulassung zur Ausbildung; Funktion: Ansprechpartner für politische Entscheidungsträger und Gremien zu sein.
Die konstituierende Sitzung der AZA-KJP findet am Montag, den 7.11.2005, 12.00 - 15.00 Uhr, in Frankfurt/M. statt. Eine inhaltliche Vorgabe wird von Günter Zurhorst vorbereitet.

Bensheim, 21.9.2005
Prof. Albert Mühlum


[1] Für die DGVT nahm Armin Kuhr an diesem Treffen teil.


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