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35. Kongress der European Association for Behavioural and Cognitive Therapies (EABCT)

21. bis 24. September 2005 in Thessaloniki


Der jüngste Kongress der EABCT stand unter dem Titel Cognitive Behaviour Therapy: The art of an integrative science und rührt mit dieser Titelgebung an eine der am heißesten diskutierten Fragen der Psychotherapie: ist diese nun eher eine Kunst oder handelt es sich um eine (empirische) Wissenschaft? Die Integration im Titel des Kongresses lässt beiden Aspekten Raum - gleichzeitig klingt mit dem Titel der integrativen Wissenschaft auch an, dass die kognitive Verhaltenstherapie im Laufe der letzten Jahre zunehmend weitere Aspekte (z. B. interpersonelle und experientielle) integriert eine Entwicklung, die von einigen Autoren bereits als dritte Welle (third wave) der Verhaltenstherapie bezeichnet wird (Hayes, Follette & Linehan, 2004).

Noch vor Beginn des wissenschaftlichen Teils fanden traditionell Pre-Congress-Workshops statt: diese widmeten sich einer breiten Palette von Themen (von Angststörungen über Psychosen bis hin zu Paartherapie) und wurden von führenden europäischen (P. Salkovkis, D. Kingdon und D. Turkington) und amerikanischen (T. Borkovec, A. Freeman, J. Young, J. Beck) Kollegen durchgeführt. Tom Borkovecs Workshop zu CBT treatment of Generalised Anxiety Disoder with integrations of interpersonal and experiential therapies setzte dabei Akzente im Hinblick auf die oben dargestellte Integration weiterer therapeutischer Strategien. In ähnlichem Sinne stelle Jeffrey Young seine schema therapy vor und Robert Leahy  beschäftigte sich mit Widerstand sowie Übertragung und Gegenübertragung  Themen, die vor 20 Jahren auf einem Verhaltenstherapie-Kongress schwerlich salonfähig gewesen wären. Neben den ganztägigen Pre-Congress-Workshops fanden während der gesamten Dauer des Kongresses eine Vielzahl von Mini-Workshops statt, in denen zumindest ein kurzer Einblick in neue therapeutische Vorgehensweisen gewonnen werden konnte. Das wissenschaftliche Programm umfasste neben einer Vielzahl von Vorträgen namhafter Experten vor allem Symposien, in denen aktuelle Forschungsarbeiten vorgestellt wurden. Als wichtige Themen dieses Kongresses können Metakognitionen und Rumination gelten: erstere bezeichnen Gedanken über Gedanken und es wird angenommen, dass diese eine wichtige Rolle in der Aufrechterhaltung psychischer Störungen spielen; letzteres Konzept bezeichnet dysfunktionale repetitive Gedankenmuster, die vor allem bei Depression bedeutsam sind. Im Gegensatz zu den letzten EABCT-Kongressen war in Thessaloniki trotz der Entfernung eine erfreulich große Anzahl deutscher Kolleginnen und Kollegen präsent.
Im Annual General Meeting der EABCT wurde Ceu Salvador aus Portugal als neues Vorstandsmitglied gewählt (Schatzmeisterin). Die seit einiger Zeit bestehende Arbeitsgruppe zu Training Standards hat mit der Formulierung von Minimal Training Standards ihre Arbeit eingestellt. Eine neue Gruppe unter dem Vorsitz von Jaak Beckers wird sich ab sofort mit der Erarbeitung höherer Ausbildungsstandards beschäftigen. Dieser Gruppe gehört auch Thomas Heidenreich von der DGVT an. Breiten Raum nahmen Informationen zu den anstehenden Kongressen ein: die Planungen für den 36. Kongress der EABCT vom 20. bis zum 23. September 2006 in Paris schreiten voran: Der Kongress steht unter dem Motto Patient and Therapist Creativity in Psychotherapy, weitere Informationen sind im Internet unter www.eabctparis2006.com erhältlich. Auch die Planung des Weltkongresses vom 11. bis 15. Juli 2007 in Barcelona ist weit fortgeschritten: Details finden sich unter www.wcbct2007.com . Für beide Kongresse können aktuell Beiträge angemeldet werden: Für Paris  2006 sind Anmeldungen von wissenschaftlichen Beiträgen bis zum 15.03.06 möglich. Auch für Barcelona 2007 können bereits Beiträge angemeldet werden (vorläufig bis zum 30.04.06, es wird später noch einen second call für spätere Anmeldungen geben). In diesem Sinne wünschen wir allen Lesern interessante Wochen und hoffen auf zahlreiche Besucher beider anstehender Kongresse.


Thomas Heidenreich und Andreas Veith


P.S. Der diesjährige Kongress war CME-zertifiziert, so dass ein Kongressbesuch im Rahmen der Weiterbildungsverpflichtung der Psychotherapeutenkammern angerechnet werden kann.

Literatur:
Hayes, S. C., Follette, V. M. & Linehan, M. M. (Eds) (2004). Mindfulness and Acceptance. Expanding the cognitive-behavioral tradition. New York: Guilford.

Quelle: 'Rosa Beilage' zur VPP 4/2005


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