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Rahmenveranstaltungen


Freitagnachmittag, den 3. März 2006, ab 18:00 Uhr
Eröffnungsveranstaltung

Die Psychotherapie hat sich im wissenschaftlichen Dialog und durch wissenschaftlich fundierte Untersuchungen in den letzten Jahren deutlich fortentwickelt. In der einführenden Veranstaltung wird das Hauptreferat diese Entwicklung kritisch beleuchten, die Antriebskräfte für eine Weiterentwicklung analysieren und eine Prognose zur weiteren Perspektive der Psychotherapie geben. Schwerpunkt der Veranstaltung wird es sein, die Entwicklung der Psychotherapie als eine Disziplin der Klinischen Psychologie vorzustellen. Referent: Prof. Dr. Peter Fiedler, Heidelberg

Download: Eröffnungsvortrag

Samstag-, Sonntag- und Dienstagnachmittag, 13:30 - 15:00 Uhr
Kernthemen

Zu den drei Kernthemen des Kongresses, Entwicklung des Menschen (Perspektive des Lebensalters), politische Entwicklungen und Entwicklungen in der Psychotherapie, sollen am Samstag-, Sonntag- und Dienstagmittag jeweils zwei Vorträge von ca. 30 Minuten Dauer aktuelle Aspekte und Fragen beleuchten.

Samstagnachmittag, den 4. März 2006

1. Kernthema Lebensalter: Aspekte therapeutischer Arbeit mit Menschen in verschiedenen Lebensaltern

Kindliche Lebenswelten: Die gesellschaftliche Organisiertheit zeitgenössischer Kindheit

Psychosoziales Handeln im allgemeinen und psychotherapeutisches Arbeiten mit Kindern im besonderen spielen sich auf einem Feld ab, das im wesentlichen nicht nur durch das SGB V, das Gesundheitswesen, bestimmt ist.
Die großen Linien lassen sich wie in der "großen Politik" benennen: die demografische Entwicklung, die Ökonomisierung aller Lebensbereiche sowie eine wachsende (innere und äußere) Mobilität zwischen den Polen regionaler Zugehörigkeit und globaler Vernetzung forcieren den gesellschaftlichen Wandel. Unsere Gesellschaft als Informations-, Risiko- und Multioptionsgesellschaft führt zu einer Polarisierung von Familienstrukturen in einer zunehmenden Armut an und bei Kindern bei (selektiven und sozial geschichteten) Reichtum an Kindern.
Die unmittelbare Veränderung kindlicher Lebenswelten findet ihre Entsprechung in einem rigorosen Umbau aller - Kinder betreffenden - sozialen (Sicherungs)Systeme: Ganztagsbetreuung unter 3jähriger, Ganztagsschule, Jugendhilfe, Gesundheitswesen, Arbeitsmarktpolitik, kulturelle und körperliche Integration, Justiz  -.

Psychotherapeutisches Arbeiten mit Kindern als soziale Arbeit in und mit der Komplexität vielseitiger sozialer Systeme auf der Mikro-, Meso- und Exoebene tut gut daran, sich dieser Komplexität zu vergewissern, ohne darauf zu verzichten, die Reichweite des eigenen professionellen Handelns realistisch wahr zu nehmen - mit Mut und Demut.
Dabei geht es zunächst um Wissen über Strukturen und Veränderungen, dann um die Verortung der eigenen Professionalität und die Erweiterung von Handlungsoptionen - im Interesse der jungen PatientInnen.
Referent: Dipl.-Psych. Sergio Chow, Münster

Download: Was wir lernen, wenn wir mit Kindern arbeiten

Psychotherapie im dritten und vierten Alter

Die demographische Entwicklung bewirkt neue Herausforderungen an die Psychotherapie. In dem Vortrag werden zunächst demographische Veränderungen mit ihren Konsequenzen für die Epidemiologie psychischer Störungen und Anforderungen an die Versorgung skizziert. Es folgt die Darstellung der Grundlagen der klinischen Gerontopsychologie und Psychotherapie alter Menschen im Rahmen der Entwicklungspsychologie der Lebensspanne. Fragen der Beziehungsgestaltung in der ungewohnten Konstellation älterer Patient und jüngerer Psychotherapeut werden thematisiert. Hierbei sollen zum einen Vorbehalte und Ängste älterer Patienten dargestellt werden. Zum anderen werden die Anforderungen an die Psychotherapeuten fokussiert. Hierzu zählen u.a. die Auseinandersetzung mit vergangenen und gegenwärtigen Konflikten mit signifikanten Älteren (Eltern, Autoritätspersonen), die Reflexion von Alternsstereotypen und der Erwerb gerontologischer und zeitgeschichtlicher Kenntnisse.
Referentin: Susanne Zank, Berlin 

Download: Psychotherapie im dritten und vierten Alter

Sonntagnachmittag, den 5. März 2006

2. Kernthema: Politik

Europäische Hochschullandschaft im Wandel: Welcher Studienabschluss führt künftig zur Psychotherapieausbildung?

Die meisten Psychotherapeuten haben bisher einen Diplomstudiengang abgeschlossen. Im Zuge der Schaffung eines einheitlichen europäischen Hochschulraumes werden derzeit bundesweit Bachelor- und Masterstudiengänge in Psychologie eingeführt. Der Vortrag charakterisiert diese neuen Studienabschlüsse und berichtet, was die Vorbilder dieser Abschlüsse im amerikanischen Bildungssystem bedeuten, was die politischen Leitlinien für die Einführung sind und wie die neuen Studiengänge derzeit in Deutschland umgesetzt werden.
Was geht uns das als Psychotherapeuten an? Die klinische Psychologie ist in einer besonderen Situation, da diese Reform weit reichende Implikationen für die Zugangsvoraussetzungen zur Psychotherapieausbildung mit sich bringen wird. Die Regelung der Zulassungsbedingungen wird sich wiederum in der einen oder anderen Weise auf die Versorgungslage auswirken. Das Ziel des Vortrages ist es, zur Diskussion über kritische Punkte anzuregen, die bei der Reform aus Sicht der Psychotherapeuten beachtet werden sollten.

Der Referent plädiert entschieden dafür, die hohen wissenschaftlichen Standards der Grundausbildung als Gütesiegel der psychologischen Psychotherapie beizubehalten.
Referent: Georg Alpers, Würzburg

Download:Europäische Hochschullandschaft

Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen der psychosozialen Versorgung

Der Vortrag beschreibt die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen psychosozialer Arbeit. Dabei wird er auch auf die neueren Entwicklungen, die die neue Bundesregierung anstossen will, berücksichtigen. Gekennzeichnet ist diese Entwicklung seit einigen Jahren durch die Debatte um die Finanzierung medizinischer und damit auch psychotherapeutischer Leistungen (wer darf was für wie viel Geld tun?). Dies wird sicherlich auch das politische Handeln der nächsten Jahren bestimmen. Knappe Ressourcen führen in der Regel zu Verteilungskonflikten. Somit stellt sich die Frage, ob es neben der privaten Praxis und der Klinik weitere kassenfinanzierte Leistungsanbieter geben wird? Damit verbunden ist die Frage, was aus den in den letzten Jahren neu geschaffenen Versorgungsmodellen wie die Integrierte Versorgung, die Medizinischen Versorgungszentrum wird. Der Beitrag wird auf weitere Fragen erste Antworten versuchen. Dies sind: Wie passen dazu die etablierten Beratungsangeboten bzw. von Beratungsstellen und den Modellen gemeindenaher Versorgung? Wird der Gesetzgeber über die ersten halbherzigen Ansätze zur Überwindung des gegliederten Systems durch die Vorschriften des SGV IX weitere Lösungen entwickeln, damit Komplexleistungen unterschiedlicher Leistungsträger durch ein - beispielsweise - trägerübergreifendes persönliches Budget - finanziert werden können? Welche Konsequenzen haben diese neuen Finanzierungsmodelle für die Beschäftigten in Einrichtungen und für die in "freier Praxis" Tätigen? Welchen Stellenwert wird dann noch die Qualitätssicherung der Leistungen haben? 
ReferentIn: Thomas Gerlinger, Frankfurt

Download:Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen der psychosozialen Versorgung

Dienstagnachmittag, den 7. März 2006

3. Kernthema: Nachbardisziplinen

Wie und wohin entwickelt sich Psychotherapie? Woher kommen neue Impulse?

Neurobiologische Forschungsansätze sowie Einflüsse der Neuropsychologie und der Neurowissenschaften insgesamt sind schon jetzt wegweisende Einflussgrößen für die Psychotherapie der Zukunft. Gleichzeitig begegnen nicht wenige KollegInnen dem Trend zu neurobiologischen Methoden mit Skepsis und Vorbehalten: Vor einem Verlust der sozialen und menschlichen Perspektive in ihrer Arbeit und einer Einengung des Blickwinkels in Klinik, Praxis und Forschung. Die wohl provozierendsten Aussagen stammen aus der Forschung zu Bewusstsein, Willensfreiheit und individuellen Entscheidungen: Löst ein neurobiologischer Determinismus unsere lieb gewonnene Vorstellung vom freien Willen ab? Wie wirken sich solche Erkenntnisse auf psychotherapeutisches Arbeiten und unser Selbstverständnis aus? Impliziert evidenzbasierte Psychotherapie und Beratung in Zukunft Ergebnis-Monitoring mittels bildgebender Verfahren? Zeigt sich in PET-Scans die Qualität unserer Arbeit?
In zwei Vorträgen zu diesem Kernthema sollen beide Positionen von ExpertInnen beleuchtet werden. Eine Gegenüberstellung beider Blickwinkel kann so die aktuelle Diskussion und Meinungsfindung befruchten und eine persönliche Auseinandersetzung und Standortbestimmung unterstützen.
Referentin: Dr. Bettina Walde

Download: Einige philosophische und kognitionswissenschaftliche Überlegungen zur Rolle der Willensfreiheit im menschlichen Entscheiden und Handeln   

 
"Fühlen lernen bedeutet handeln lernen - über das hirnphysiologische Korrelat von Bewusstsein"      

Die rasanten Fortschritt der Neurowissenschaften hat in den letzten Jahren zu zahlreiche Studien des Neuronalen Korrelats von Bewusstsein geführt. Prominente Kandidaten für ein solches Korrelat sind unter anderem höhere sensorische Areale, verteilte neuronale Repräsentationen die durch synchrone Aktivität gebunden werden, als auch Nervenzellen in spezifischen kortikalen Schichten. Im Gegensatz dazu steht der Vorschlag, dass das Wahrnehmungsbewusstsein durch die systematischen Änderungen sensorischer Information beim Handeln und die Kenntnis dieser Gesetze (sensorisch-motorische Interdependenzen) geprägt ist. Die Qualität der spezifischen Wahrnehmung der klassischen fünf Sinne würde entsprechend diesen Theorien durch die Interdependenzen die Optik und Auge von z.B. Akustik und Ohr unterscheiden bestimmt. Diese handlungsorientierte Theorie wird durch Experimente zu sensorieller Substitution gestützt: Visuelle Information wird durch technische Transduktoren in haptische Information umgesetzt. Hier folgen wir diesem Ansatz und erzeugen neue sensorisch-motorische Interdependenzen, und als Konsequenz - eventuell - eine neue Qualität sensorischer Wahrnehmung, einen sechsten Sinn. Information relativ zum magnetischen Nordpol wird kontinuierlich über an der Taille platzierte Vibratoren zur Verfügung gestellt. Nach sechswöchigem Training untersuchen wir die Integration dieser neuen Information mit einer Testbatterie. Die Daten zeigen eine erstaunliche Plastizität menschlicher bewusster Wahrnehmung und lassen die Suche nach einem neuronalen Korrelat in neuem Licht erscheinen. Zum Abschluss werden erste Überlegungen entwickelt, welche Konsequenzen diese Ergebnisse für unser Verständnis für das menschliche Gehirn haben. 
Referent: Peter König, Osnabrück

Organisation: Inhaltliche Kongressplanungsgruppe


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