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Kurzberichte über unsere letzten beiden Treffen der FG KiJuPsych Schleswig-Holstein/Hamburg am 27.04.02 (in Rendsburg) sowie am 23.08.02 (in Hamburg)

Von: Carsten Schmidt

    1. Treffen am 27.04.02:
      Zunächst stellte Carsten Schmidt die Räume der verschiedenen Praxen in der "Villa Schwensen" vor. Die Villa Schwensen ist ein neu gegründetes Therapiezentrum in Rendsburg, in dem sich diverse Praxen aus Gründen erwünschter Synergie-Effekte zusammengeschlossen haben: eine Gemeinschaftspraxis eines Arzt-Ehepaares (beide Neurologen und Erwachsenen-Psychiater), eine Praxengemeinschaft zweier Kinder- & Jugendpsychiater, die Lerntherapeutische Praxis & Praxis für Kinder- & Jugendlichenpsychotherapie (VT) von Carsten Schmidt, eine Praxis für Logopädie sowie eine Abteilung der BRÜCKE Rendsburg mit dem Arbeitsschwerpunkt Soziotherapie. Anschließend wurden Parallelen zum Flehmig-Institut Hamburg gezogen. Es entstand dabei die Idee, die nächste AG-Sitzung in Hamburg im Flehmig-Institut durchzuführen.

      Anschließend wurden die LRS-Erlasse von Niedersachsen, Hamburg und Bayern miteinander verglichen und diskutierten. Dabei stellte sich heraus, dass das offensichtlichste und wichtigste Problem ist, dass die Schulen zusätzliche Förderung für von einer Legasthenie betroffene Kinder anbieten und durchführen sollen, dieses in der täglichen Praxis jedoch zumeist an den fehlenden Ressourcen (Personal (für kleine Gruppen), Räume, Ausstattung mit geeignetem Fördermaterial) scheitert. Somit sind die Kinder (und ihre Eltern) häufig auf externe Hilfen (Nachhilfe-Institute, Lerntherapeutische Praxen o.ä.) angewiesen. Deren Nutzung scheitert dann in nicht wenigen Fällen aber an der Finanzierung. Nachdem sich in den letzten Jahren die Jugendämter zunehmend aus der Finanzierung von Lerntherapien nach § 35 KJHG herausgezogen haben, sind mittlerweile auch einige Anbieter in ihrer Existenz zunehmend bedroht.
      In diesem Zusammenhang sei auf die Such- bzw. Zugriffsmöglichkeiten auf die LRS-Erlasse der verschiedenen Bundesländer im Internet hingewiesen: Suchmöglichkeit: mit Suchmaschine google (Suchbegriffe: Legasthenie, LRS (-Erlass)) bzw. Homepage: www. lrs-online.de/Infos/Wastun/LrsErlasse/... .

      Bei der Diskussion um Lernprobleme von Schülern in der Schule kommt in letzter Zeit häufiger zusätzlich das Thema ADS zur Sprache. Dabei tritt dann zunehmend der "Glaubens-Streit" um die geeignetste Therapie (Ritalin-Applizierung vs. VT-Intervention) in den Mittelpunkt. Wir trugen zunächst die uns zur Verfügung stehenden Informationen zusammen: Ritalin hat nach der einschlägigen Literatur (vgl. Döpfner, M., in: Petermann, F.: Lehrbuch der Klinischen Kinderpsychologie, 1996, S. 187) die höchste Effektstärke und wird daher häufig als die Interventionsmethode schlechthin hochgelobt ("... Nichtbeachten medikamentöser Interventionsmöglichkeiten grenzt ... an einen Kunstfehler ..." (ebenda, S. 188)). Andererseits weisen neuere Tier-Experimente darauf hin, dass als weitere (bislang eher unbekannte) Nebenwirkung der Ritalin-Gabe in der Kindheit in höherem Alter (Menschen ca. ab dem 40. Lebensjahr) gehäuft die Parkinson-Erkrankung auftreten kann. Zudem ermöglicht eine VT-Intervention, dass sich das Kind mit seinem Problem aktiv auseinandersetzen kann, da es die Symptome an sich wahrnimmt, und über die Vermittlung von Problemlösestrategien umfassender für sein Leben und andere Problemsituationen lernen kann.

      Es schlossen sich zwei Fallsupervisionen an.

      In der nächsten Sitzung soll es inhaltlich intensiver um das Thema ADS gehen. Als nächster AG-Termin wurde Fr, 23.08.02, 9.30 h im Flehmig-Institut in Hamburg ins Auge gefasst. Weitere Treffen sind für Sa, 21.09.02, ab 9.45 h in Rendsburg sowie für Fr, 15.11.02 in Hamburg (alternativ Sa, 16.11.02 in Rendsburg) geplant.
    2. Treffen am 23.08.02:
      Zunächst stellte Ulrike Grönefeld die Räume des Instituts für Kindesentwicklung, Hamburg vor und erläuterte die konzeptionelle Arbeit im Institut. In den äußerst geräumigen, hallenartigen Räumlichkeiten lässt sich mit Gruppen schwerpunktmäßig im Bereich Psychomotorik und Wahrnehmungsschulung arbeiten. Aber auch Bezüge zur psychotherapeutischen Arbeit sind herstellbar, etwa Übungen zur Überwindung von Angst anhand von Klettergerüsten und mit Hilfe von hohen Rutschen und dunklen Räumen.

      Inhaltlicher Schwerpunkt der Gruppensitzung war die Diskussion der vorbereiteten Artikel zum Thema Hyperaktivitätsstörungen. Auffällig war, dass sich innerhalb der AG eine Ausdifferenzierung der bisherigen Einstellungen zu diesem Thema herausgebildet hatte. Weder die grundsätzliche Befürwortung des Einsatzes von Psychopharmaka (Ritalin) noch dessen generelle Ablehnung wurden aufrechterhalten. Insbesondere das Entscheidungsdiagramm von Döpfner zur Indikationsstellung verschiedener Interventionen stellte sich als sehr hilfreich heraus. Daneben erhielt die Diagnosestellung der Störung anhand der unterschiedlichen Klassifikationssysteme (ICD10 vs. DSM-IV), insbesondere in Hinblick auf deren Vor- und Nachteile sowie auf die daraus resultierenden unterschiedlichen Prävalenzraten, ein großes Gewicht in der Diskussion. Es schloss sich die Erörterung der Pathogenese an, die letztlich die Erkenntnis zurückließ, dass die Hyperaktivitätsstörungen nach dem aktuellen Stand der Forschung eine neurologische Störung (Fehler im Neurotransmittersystem) ist, keine Therapie zu deren Heilung existiert, sondern lediglich Hilfestellungen zur Bewältigung der Störung im Alltag (u.a. VT-Interventionen) den Betroffenen angeboten werden können.

      Es schloss sich eine Fallsupervision zur Interpretation der Testergebnisse einer K-ABC-Diagnostik an. Problemschwerpunkt war die Diskrepanz zwischen den Testwerten der einzelnen Subtests und der Verhaltensbeobachtung der VT-lerin. Dieses wurde in Zusammenhang mit der Fragestellung nach einer möglicherweise bestehenden, zusätzlichen Hyperaktivitätsstörung diskutiert.

      In der nächsten Sitzung soll es inhaltlich um die (diagnostische) Abgrenzung von Lernbehinderung und geistiger Behinderung gehen. Zum zweiten wurde der Wunsch geäußert, Formulierungen für Gutachten / Psychologische Befundberichte zu erarbeiten, die der Dateninterpretation von K-ABC-Ergebnissen gerecht werden. Hierbei soll es insbesondere um grenzwertige Datensätze gehen. Zum dritten wollen wir zusammentragen, welche Trainingsmöglichkeiten bzw. -programme zur Verbesserung des Kurzzeitgedächtnisses sowie des Denkvermögens existieren und in der Praxis einsetzbar sind.

      Kontaktadresse der FG KiJuPsych Schleswig-Holstein/Hamburg:
      Dr. Carsten Schmidt
      c/o Lerntherapeutische Praxis Rendsburg & Praxis für Kinder- & Jugendlichenpsychotherapie
      Hollesenstraße 25
      24768 Rendsburg
      Tel.: 04331/26322 (am sichersten Di & Do 13.00 - 14.00 h)
      Fax: 04331/26335
      e-mail: lrs-dr.schmidt(at)freenet(dot)de

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