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Krisenbewältigung bei Kindern und Jugendlichen ... und ihren TherapeutInnen

Von: Michael Borg-Laufs, Sprecher der Fachgruppe

Bericht vom Workshop "Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut nach dem PTG - ein neuer Heilberuf mit beschränkten Möglichkeiten?" auf dem von der "Allianz" veranstalteten Psychotherapeutentag NRW am 25.8.2000


Auf dem diesjährigen Psychotherapeutentag NRW wollten sowohl der bkj (Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten) als auch die DGVT-Arbeitsgemeinschaft "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie" ein Angebot für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten machen. Recht schnell entwickelte sich daraus die Idee, einen gemeinsamen Workshop statt zwei verschiedener Veranstaltungen durchzuführen. So kam es, dass Klaus Malzahn und Bruno Metzmacher vom bkj und ich zusammen einen Workshop für den Psychotherapeutentag planten und durchführten.

Die Idee des Workshops war, den TeilnehmerInnen ein Angebot zu machen, dass sie sowohl berufspolitisch als auch fachlich-inhaltlich interessieren würde. Aus diesem Grund wurde ein weiter Bogen gespannt, der durch die Themen "Entwicklung" und "Bewältigung" zusammengehalten wurde.

Im ersten Schritt schilderte Klaus Malzahn seine Beobachtungen zur Entwicklung der Identität von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen im Zusammenhang mit dem für viele Betroffene belastenden Ereignis "Psychotherapeutengesetz". Nachdem anfangs eine solidarisierende Wirkung auf die Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen vom Gesetz ausging, da alle von den Veränderungen verunsichert wurden, hat sich diese Situation inzwischen verändert: Während einige KollegInnen immer noch um ihre berufliche Identität kämpfen (Approbation, Arztregistereintrag oder Zulassung), sind andere mit der Sicherung der beruflichen Existenz im Rahmen des aus verschiedenen Gründen nicht zufriedenstellenden Kassensystems beschäftigt, während angestellte Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen wiederum von noch anderen Problemen - z.B. der Anerkennung ihres neuen beruflichen Status´ bei Tarifverhandlungen - betroffen sind.

Von der Schilderung dieser - durchaus krisenhaften - Entwicklung eines Berufsstandes und seiner Mitglieder wechselten wir auf die fachlich-inhaltliche Ebene, indem ich die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren bei der Entwicklung aggressiven Verhaltens über den Lebenslauf aus der Perspektive der Entwicklungspsychopathologie bzw. der Klinischen Entwicklungspsychologie sowie daraus ableitbare Konsequenzen für die Therapie von Kindern und Jugendlichen darstellte. Dabei erscheint es wesentlich, neben der Arbeit am Symptom auch die vorhandenen Entwicklungsbedingungen zu beachten und Schutzbedingungen zu verstärken oder zu schaffen.

Bruno Metzmacher wendete dann Erkenntnisse aus der Klinischen Entwicklungspsychologie auf unsere eigene Situation als Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen an, indem er das salutogenetische Konzept des "Kohärenzgefühls" als Schutzbedingung aufgriff und die TeilnehmerInnen des Workshops dazu anregte, in Kleingruppen über ihre Bewältigung des für viele krisenhaften Ereignisses "Psychotherapeutengesetz" anhand der Bestandteile des Kohärenzkonzeptes (z.B. aktives Engagement, Bemühen um Verstehen, usw.) zu reflektieren. In den anschließenden Schilderungen im Plenum wurde deutlich, dass die TeilnehmerInnen sich in den Kleingruppen engagiert und mit aktiv-optimistischer Grundhaltung mit diesem Problembereich auseinandersetzen. Es kam nicht zu "Jammerorgien", sondern zu einem fruchtbaren Austausch über eigene Bewältigungsmöglichkeiten.

Insgesamt wurde die mit ungefähr 50 Anwesenden recht gut besuchte Veranstaltung in allen Teilen von den TeilnehmerInnen interessiert aufgenommen. Offensichtlich ist es sinnvoll und von den Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen gewünscht, schulen- und verbandsübergreifend zusammen inhaltlich-fachlich und auch beruflich-persönlich in Austausch zu kommen. Häufig - so die Anmerkungen einiger TeilnehmerInnen - finden die vergleichsweise wenigen Kinder- und JugendlichentherapeutInnen es schwierig, in einen solchen Austausch zu gelangen, da sie in der Regel bei Veranstaltungen dieser Art nicht als eigene Gruppe mit eigenen berufspolitischen und inhaltichen Bedürfnissen wahrgenommen werden, sondern in der großen Gruppe der mit Erwachsenen arbeitenden Psychologischen PsychotherapeutInnen "untergehen". Dies sollte uns Grund genug sein, die "Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in der DGVT" weiter zu stärken, um eben diesem Interesse entsprechen zu können.


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