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Bericht vom Treffen am 06.05.2000

Die FG KiJu hat bei ihrem letzten Treffen am 06.05.2000 als Grundlage für die weitere Arbeit drei zentrale inhaltliche Positionen diskutiert, die von Juliane Eickel vorbereitet wurden. Nach lebhafter Diskussion haben wir uns auf folgende Formulierungen geeinigt, die unsere Grundhaltung widerspiegeln sollen:


    1. Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf wirksame psychotherapeutische Hilfe, die auf den speziellen Entwicklungsstand, die Lebensumwelt und die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen zugeschnitten ist.
    2. In der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist zu berücksichtigen, daß sie in einem höherem Maße als Erwachsene in Abhängigkeit von anderen Personen und Systemen leben. Sie sind dennoch nicht nur als "Symptomträger" der Systeme zu betrachten, sondern haben einen eigenen Anspruch auf Hilfe.
    3. Unabhängig von sozialrechtlichen Konstrukten, die der Zuweisung von Behandlungen zu Kostenträgern dienen, betrachten wir psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter nicht nur als "Krankheiten", sondern auch als Entwicklungshemmnisse und Entwicklungsrisiken.

Auf der Basis dieser Thesen wird nun die weitere inhaltliche Arbeit konkretisiert. Unsere fachlichen, gesellschaftspolitischen und berufspolitischen Aktivitäten sollen diese "Essentials" berücksichtigen bzw. aus diesen hervorgehen.

Unter anderem werden wir in der nächsten Zeit gesellschaftspolitische Positionen formulieren. Wir sind dankbar für weitere Ideen, die dazu von Ihnen/Euch beigesteuert werden können. Bislang haben wir erst einige Stichworte zu Themen gesammelt, die wir als eine Art "Programm" ausbauen wollen. Diese Stichworte lauten z.B.

    • Entwicklung von qualifizierten Modellen zu Ganztagsbetreuung von Kindern und Jugendlichen;
    • Unterstützung der Eltern bei der Wahrnehmung ihrer Erziehungsaufgaben;
    • Beseitigung von Kinderarmut;
    • Gewaltfreie Erziehung;
    • Förderung von Minderheiten, d. h. Migrantenkinder, Kinder mit besonderem Förderbedarf, integrative Schulen statt Aussonderung;
    • Erhaltung von naturnahen Lebensräumen;
    • Aufhebung geschlechtsspezifischer Diskriminierungen.
    • Verankerung der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in den verschiedenen Hilfesystemen (Gesundheitswesen, Kinder- und Jugendhilfe).

Schließlich werden wir auch die Kinder- und Jugendlichenverhaltenstherapie fördern, zunächst, indem wir wichtige Institutionen auf die noch weitgehend unbekannte Tatsache hinweisen, daß Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen nicht mehr ausschließlich tiefenpsychologisch orientiert sein müssen. In den aktuellen "Blättern zur Berufskunde" und den Informationen der Verbraucherzentrale z.B. kommt KiJu-Verhaltenstherapie gar nicht vor. Auch hier sind wir dankbar über weitere Informationen: Welche in der Öffentlichkeit agierenden Institutionen haben diese Veränderung noch nicht realisiert? Wenn wir weitere Hinweise bekommen, werden wir als FG KiJu der DGVT "Aufklärungsarbeit" leisten.

Wir möchten noch darauf hinweisen, daß weitere Treffen von regionalen Arbeitsgruppen im Laufe des Jahres geplant sind und daß wir es zum Teil ermöglichen konnten, diese Treffen mit einem attraktiven Seminarangebot zu verknüpfen (siehe die Terminankündigungen).

Michael Borg-Laufs
(Sprecher der FG KiJu)

E-mail: ak-kiju(at)dgvt(dot)de


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