Poster


Rapid early responses in der kognitiven Verhaltenstherapie von Angststörungen - Veränderungen auf den drei Ebenen der Angst


Das Phänomen der "rapid early response" wird von Ilardi & Craighead (1984) bezüglich der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung von Depressionen beschrieben. Seit dem wurden "rapid early responses" von zahlreichen Autoren bei unterschiedlichen Störungsbildern, wie Essstörungen, Alkoholismus etc., sowie Behandlungsformen diskutiert. Inhaltlich bedeutet "rapid early response" ein besonders frühes Ansprechen auf die Behandlung im Sinne früh eintretender Therapieerfolge, die sowohl zu Therapieende als auch in katamnestischen Untersuchungen stabil sein sollen (Haas, Hill, Lambert & Morrell, 2002). Die vorliegende Studie beschäftigt sich mit dem Phänomen der "rapid early responses" bei der kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlung von Angststörungen und untersucht die im Therapieverlauf auftretenden Veränderungen auf den drei Ebenen der Angst (Kognitionen, Physiologie, Verhalten). Diese werden anhand störungsspezifischer Fragebögen erfasst. Zur Bestimmung der Patienten, die als "rapid early responder" zu bezeichnen sind, wird als allgemeines Symptommaß der Brief Symptom Index (BSI) verwendet. Es werden Ergebnisse einer Stichprobe von 134 Patienten mit Angstdiagnose, die am Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum zwischen 1999 und 2004 behandelt wurden, vorgestellt.


Veronika Brezinka, Steffen Peter Walz (Zürich)

Computerspiele in der Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen - den Teufel mit dem Beelzebub austreiben?


Während Kinder sich in der Freizeit immer mehr mit avancierten Computerspielen beschäftigen, haben diese Medien in die Psychotherapie noch kaum Eingang gefunden. Wäre es möglich, sich die Faszination, die Computer und Elektronik ausüben, für eine psychotherapeutische Behandlung zunutze zu machen? Bei Erwachsenen wird der Einsatz von Computer und Internet zur Unterstützung kognitiv-verhaltenstherapeutischer Behandlungsprogramme immer häufiger. Bei Kindern/Jugendlichen könnten gerade für den psychoedukativen Teil einer Behandlung "psychotherapeutische" Computerspiele ein willkommenes Mittel sein, neues Wissen auf angenehme Weise zu erwerben und zu üben. Zur Entwicklung solcher Computerspiele ist die Zusammenarbeit von Psychotherapeuten mit Game-Designern und Software-Produzenten absolut erforderlich.


Heike Bauder, Sabine Diehl (Bad Dürkheim)

Evaluation eines gruppentherapeutischen Behandlungskonzeptes zur Bearbeitung sexueller Traumatisierungen bei Frauen


Untersucht wurde die Wirksamkeit eines integrierten stationären Gruppenkonzeptes für die Therapie von Frauen mit sexuellen Traumatisierungserfahrungen, das aus einer Kombination von kognitiv-verhaltenstherapeutischen und körpertherapeutischen Bausteinen besteht und auf der kognitiven, emotionalen und körperlichen Erfahrungsebene ansetzt. Erste Ergebnisse an bislang 35 Patientinnen werden vorgestellt. In den untersuchten Fragebögen zeigte sich eine signifikante Abnahme posttraumatischer Symptome, traumabezogener negativer Gedanken, dysfunktionaler Bewältigungsstrategien und depressiver Begleitsymptome. Eine Überforderung oder Symptomverstärkung durch die Konfrontation mit den erlebten Traumatisierungen trat nicht auf.


Erika Blitz, Thomas Gödecke-Koch (Sehnde-Köthenwald)

Kontinuierlicher Behandlungsprozess im Rahmen eines integrativen gerontopsychiatrischen Behandlungskonzeptes


Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wird im Jahr 2050 ein Drittel der bundesdeutschen Bevölkerung 60 Jahre oder älter sein. Diese Entwicklung ist auch für die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung relevant, da gerontopsychiatrische und alterspsychologische Fragestellungen immer mehr in den Fokus gelangen. Das Klinikum Wahrendorff etabliert zur Zeit in der Region Hannover ein Gerontopsychiatrisches Zentrum (GPZ). Ein GPZ setzt sich gemäß der Definition der gerontopsychiatrischen Fachgesellschaften zusammen aus einer Tagesklinik, einer Institutsambulanz sowie einer Alten- und Pflegeberatung. Die Interaktion zwischen den Bausteinen des GPZ (ambulant - teilstationär) und dem stationären gerontopsychiatrischen Behandlungsangebot soll dargestellt und ein umfassender und kontinuierlicher Behandlungsprozess im Rahmen des Beitrages vorgestellt werden.

Fabian Chmielewski, Alexandra Kaczmarek (Bochum)
weitere Co-AutorInnen: Guido Engelmann, Sven Hanning, Janine Breil, Joachim Kosfelder

Hausaufgaben in der Psychotherapie: was tun Therapeuten - was machen Patienten?


Obwohl psychotherapeutische Hausaugaben empirisch gesichert zum Therapieerfolg beitragen (Kazantzis, Deane & Ronan, 2000), wird diese häufig eingesetzte Intervention nicht optimal genutzt. So können den Therapeuten bisher nur wenig überprüfte Empfehlungen zur optimalen Gestaltung der Vergabesituation gegeben werden. In der vorliegenden Studie wird untersucht, ob konkrete Verhaltensweisen des Therapeuten in der Vergabe-Sitzung als Prädiktoren für eine adäquate Erledigung von Hausaufgaben durch den Patienten dienen können. Die Variablen "inhaltliche und prozessuale Direktivität", "Design der Aufgabe", "Verbindlichkeit" u.a. wurden mittels eines Videoratings (EVitA2 - Elaboriertes Videorating therapeutischer Aufgaben) durch geschulte Beobachter erhoben. In die Stichprobe gingen 160 Therapiesitzungen von 80 Patienten ein (174 Hausaufgabevergaben und 144 Nachbesprechungen), die zwischen 2002 und 2004 am Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum an einer kognitiven Verhaltenstherapie teilnahmen.

Roberto D'Amelio, Urban Geisthoff, Peter Falkai (Homburg/Saar)

Lebensqualität von Patienten mit hereditärer hämorrhagischer Teleangiektasie


Der Morbus Osler (HHT) ist eine komplexe systemische chronische Erkrankung, zu der bislang keine deutschen (und kaum internationale) Daten zur Auswirkung auf die Befindlichkeit und Lebensqualität der betroffenen Patienten vorliegen. Methode: 77 Betroffene mit HHT füllten einen standardisierten Fragebogen zur Lebensqualität (SF-36) und einen Bogen mit Fragen zum Ausmaß klinischen Symptomatik der HHT aus.

Roberto D'Amelio, Wolfgang Delb, Peter Falkai (Homburg/Saar)

Evaluation einer störungsspezifischen kognitiv-behavioralen Therapie bei Patienten mit akutem Tinnitus


Untersucht wurden 20 Patienten der Tinnitusambulanz an der Universitäts-HNO-Klinik Homburg/Saar, deren Ohrgeräusch seit maximal einer Woche bestand und die noch keine anderweitige medizinische und/oder psychologische Behandlung aufgesucht hatten. Es erfolgte eine randomisierte Zuordnung zu einer Interventions- (EG) und einer Kontrollgruppe (KG). Die KG wurde ausschließlich mit einer Infusionstherapie behandelt. Das Vorgehen in der EG bestand aus Infusionstherapie und drei Sitzungen standardisierter psychoedukativer störungsspezifischen kognitiv-bevariolen Therapie im Einzelsetting. Die Patienten wurde hinsichtlich ihrer subjektiven Tinnitusbelastung (TF) bei Aufnahme in die Klinik (PRß) und nach Beendigung aller therapeutischen Maßnahmen (POST, 8-10 Tage nach Aufnahme) befragt. Die subjektive Beeinträchtigung bei akutem Tinnitus lässt sich durch eine Kombination von Infusionstherapie und störungsspezifischen kognitiv-behavioralen Psychotherapie deutlich senken. 

Martina Ernst (Berlin), Martin Lemme (Osnabrück/Bramsche)

Adipositas-Schulung der KgAS, interdisziplinäres Konzept für die Schulung übergewichtiger oder adipöser Kinder und Jugendlicher

Die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas ist im heutigen Gesundheitswesen zu einer zentralen Aufgabe geworden. Die langfristigen gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen sind derzeit noch nicht abzusehen, werden aber wohl gravierend sein. In der Konsensusgruppe Adipositas haben sich Fachleute aus Medizin, Ernährung, Sport/Bewegung und Psychosozialem wie Familienmedizin zusammengeschlossen und ein Rahmenkonzept für ein Schulungsmodell entwickelt, das in einem Manual veröffentlicht worden ist. Mittlerweile werden bundesweit Trainer/-innen für Adipositas nach dem KgAS-Modell ausgebildet. Der Aufbau, erste Ergebnisse und ein inhaltlicher Überblick dieser Schulung werden im Poster dargestellt. 

Cornelia Gloger, Thomas Frodl (München)

Dystonie oder Hysterie?

Einleitung
Neurologisch nicht klar einzuordnende Bewegungsstörungen und Ausfälle und deren Ursachen werden seit jeher kontrovers diskutiert. Briquet (1859) war der Auffassung, dass die Auslöser der "hysterischen" Symptome psychisch oder sozial bedingt seien, während sein Kollege Charcot (1873) von einer neurologischen Verursachung ausging.
Mit zunehmendem Erkenntnisgewinn in der Neurologie ist es mittlerweile möglich, viele der ursprünglich als "hysterische Neurosen" bezeichneten Symptombilder auf organmedizinisch begründbare Erkrankungen zurückzuführen (z.B. Multiple Sklerose). Körperliche Symptome ohne organmedizinische Ursachen, die eine neurologische Erkrankung zu imitieren scheinen, bezeichnet man heute nicht mehr als Hysterie, sondern als "Konversionsstörung".
Das vorstellte Poster zeigt anhand eines komplexen Einzelfalls, dass die historische Kontroverse noch immer Aktualität besitzt. Die Auswirkungen einer neuartigen Behandlungsmethode der Dystonie mit Stimulation tiefer Hirnareale kommen bei diesem Fall in der Beurteilung erschwerend hinzu.

Kasuistik
Eine 19-jährige Patientin mit hereditärer generalisierter Dystonie wurde ab dem Jahr 2000 mit einer Tiefenhirnstimulation behandelt. Aufgrund von Schwindelattacken, die nicht krankheits- oder behandlungsbedingt seien, wurde sie 2004 in der Kinder- und Jugendpsychiatrie vorgestellt. Nach einer Re-Implantation der Elektroden Ende 2004 kam es schleichend zu krampfartigen Anfällen. Bewegungen schienen dabei teilweise willkürlich gesteuert zu sein. Neue Situationen lösen große Ängste bei ihr aus und fördern die Krampfanfälle.
Nach den gängigen Diagnosesystemen ist es für die Diagnose einer Konversionsstörung unbedingt erforderlich, eine neurologische Erkrankung vorab auszuschließen. Folgt man dieser Prämisse dürfte keine Konversionsstörung diagnostiziert werden, trotzdem gibt es Hinweise, die diese Diagnose gerechtfertigt erscheinen lassen.

Offene Fragen

  • Sind die von der Patientin beschriebenen Schwindelattacken und Krampfanfälle der Dystonie zuzuordnen?
  • Welchen Einfluss hat die Stimulation tiefer Hirnregionen (Basalganglien) auf neuropsychologische Vorgänge wie die Regulation von Emotionen, Wahrnehmungssteuerung und allgemeine Belastbarkeit?
  • Handelt es sich um Konversionssymptome? Sind Symptome reaktiv als Stress- und Krankheitsbewältigung zu verstehen?

Fazit
Um der Patientin mit ihrer schweren Erkrankung gerecht zu werden, müssen die unterschiedlichen Einflussfaktoren und deren Wechselwirkung berücksichtigt werden. 

Renate Göckel (Karlsruhe)

Prävention und Therapie der Adipositas - Die wunderbare Welt der schlanken Frauen

Einer der Gründe, warum gerade Frauen in verschiedenen Lebensphasen auffallend zunehmen, ist das Gefühl, den damit verbundenen neuen Anforderungen und Herausforderungen nicht gewachsen zu sein.

Pubertät, Mutterschaft, Partnerschaftsprobleme, Familie, Berufstätigkeit, Kinderstress, Wechseljahre fordern ein hohes Maß an Gebebereitschaft, Flexibilität und Verzicht. Viele dicke Frauen halten in ihrem Leben still und verausgaben sich - für andere. Kommen dann Perfektionismus und das Gefühl, nicht gut genug zu sein hinzu, ist oft das (Viel)essen die einzige Möglichkeit der Selbstfürsorge.

Viel essen macht dick und dick sein verändert das Selbstbild. Dicke Frauen spalten ihr Selbstbild in ein hilfloses, dickes und ein perfektes,  dünnes auf.

Wir TherapeutInnen sollten die Magie und die Angst hinter dem dünnen Selbstbild erkennen ("heile Welt") und bearbeiten, damit unsere Klientinnen nicht mehr dick bleiben müssen, aus Angst vor dem eigenen Perfektionsansprüchen.

Das Therapieziel bei der Adipositastherapie liegt nicht nur in der Gewichtsreduktion, sondern ganz wesentlich im Erkennen und Verändern der Funktionen, die das Fett hat. Das dicke und das dünne Selbstbild verschmelzen dabei langsam in ein realistisches Selbstbild. 

Sven Hanning, Guido Engelmann (Bochum)
weitere Co-AutorInnen: Alexandra Kaczmarek, Fabian Chmielewski,
Joachim Kosfelder, Janine Breil

Hausaufgaben in der Psychotherapie: wie sag ich's meinem Patienten?


In der Forschungsliteratur zur Verwendung von Hausaufgaben in der Psychotherapie wird häufig diskutiert, wie diese Intervention dem Patienten gegenüber bezeichnet werden sollte. Überwiegend wird ein negativer Effekt des Begriffs "Hausaufgabe" auf Motivation und Durchführung erwartet. Auf dieser Grundlage werden zahlreiche Alternativen zum Begriff "Hausaufgaben" vorgeschlagen wie "therapeutische Vereinbarungen", "Übungen" u.ä. Empirische Untersuchungen liegen zur Verwendung der verschiedenen Begriffe bisher nicht vor. Diese Studie untersucht, welche Bezeichnungen in der Praxis verwendet werden und ob sich Zusammenhänge zwischen der verwendeten Bezeichnung und Variablen der Hausaufgabenvergabe, -nachbesprechung oder -durchführung herstellen lassen. Die zugrunde liegenden Daten wurden mit Hilfe des Videoratingsystems EVitA2 (Elaboriertes Videorating therapeutischer Aufgaben) durch vier geschulte Beobachter anhand einer Stichprobe von 160 Therapiesitzungen von 80 Patienten (174 Hausaufgabevergaben und 144 Nachbesprechungen), die zwischen 2002 und 2004 am Zentrum für Psychotherapie der Ruhr-Universität Bochum an einer kognitiven Verhaltenstherapie teilnahmen, erhoben.

Thomas Hensel (Offenburg)

Wirksamkeit von EMDR bei psychisch traumatisierten Kindern und Jugendlichen


Die vorhandenen kontrolliert-randomisierten Studien von EMDR bei Kindern und Jugendlichen werden aufgeführt, in ihrer methodischen Güte eingeschätzt und die Effektstärken dargestellt. Die Ergebnisse entsprechen den Ergebnissen in der Anwendung von EMDR bei Erwachsenen sowohl in der Effektstärke wie auch in der Effektivität.

Birsen Kahraman (München)

Die therapeutische Beziehung bei kulturverschiedenen Beteiligten

Fragestellung: Welche Besonderheiten der therapeutischen Beziehung gilt es zu beachten, wenn Therapeut und Klient verschidenen kulturellen Kontexten entstammen? Hintergrund: Die therapeutische Beziehung kann schulenübergreifend als wichtigster Wirkfaktor in der Psychotherapie bezeichnet werden; in der Therapie mit MigrantInnen klagen Therapeuten wie Klienten gleichermaßen über kulturell bedingte Störungen der Arbeitsbeziehung. Studie: In der vorliegenden qualitativen Untersuchung wurden zwölf deutsch-türkische bzw. türkisch-türkische Therapeut-Klient-Paare getrennt voneinader zu Güte und Besonderheiten ihrer Arbeitsbeziehung befragt. Vorgestellt wird ein Modell der interkulturellen therapeutischen Beziehung, das spezifische Belastungs- und Konsolidierungsprozesse veranschaulicht.

Christoph Käppler (Zürich)
weitere Co-AutorInnen: Eva Stieger, Anouk Mugier, Susanne Eschmann, Hans Ruder

Familien-Identifikations-Test (FIT)


Bei Kindern und Jugendlichen mit expansiven Verhaltensstörungen werden unweigerlich auch die familiären Beziehungen belastet. Die vorliegende Studie wurde in einem auf die verhaltenstherapeutische Behandlung von Kindern mit einem Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom (ADHS) spezialisierten interdisziplinären Therapiezentrum durchgeführt. Als familienbezogenes Untersuchungsverfahren wurde der Familien-Identifikations-Test (FIT, Remschmidt & Mattejat, 1999) herangezogen. Insgesamt konnten zu drei Zeitpunkten des sequenziellen Behandlungsverlaufs familienbezogene Daten von 44 Kindern im Alter von 6 bis 16 Jahren gewonnen werden. Nun wurde eine Katamneseuntersuchung dieser vor durchschnittlich 4,5 Jahren behandelten Kinder und Jugendlichen und ihrer Familien durchgeführt. Die Analysen zeigen, dass die während des Behandlungsverlaufs sich abzeichnenden signifikanten familiären Veränderungen im Hinblick auf ein besseres Integrationserleben des Patientenkindes auch im Katamnesezeitraum stabil blieben. Gleiches gilt für ebenfalls mit dem FIT erfasste Effekte auf der Selbstkonzeptebene im Sinne positiver Selbstwertveränderungen. Für diese Langzeitwirkungen scheinen der Medikation, die von mehr als der Hälfte der ADHS Betroffenen zum Katamnesezeitpunkt abgesetzt ist, keine Bedeutung zuzukommen. Insgesamt weisen die Befunde auf die Stabilität des Interventionserfolgs hin und belegen zugleich den Nutzen des Einsatzes familienbezogener Untersuchungsverfahren.

Lars Kröger (Hamburg)

Psychische Belastungen trauernder Kinder und Erwachsener - Zur Notwendigkeit der Integration Trauernder in die psychoonkologische Behandlung

Die Belastungen Trauernder werden in der psychoonkologischen Literatur kaum beachtet. In der ambulanten familienorientierten Nachsorge stellen Trauernde jedoch ein Drittel der Klienten. Deren Behandlungsbedarf wird kenntlich mittels der ausgewerteten Lebensqualitätsprofile. Hohe Mortalitätsraten in der Kinder- als auch der Erwachsenenonkologie machen den frühzeitigen Tod junger Menschen unerwartet zu dem "Jedermann" früherer Epochen. Damit wirkt die Todesbedrohung und die damit unweigerlich verbundene antizipatorische Trauer weit in die Behandlung akut kranker Krebspatienten und ihrer Familien hinein. Die Einbeziehung grundlegender thanatopsychologischer Aspekte kann demzufolge auch die Behandlung der in Remission befindlichen Patienten und deren Angehörigen bereichern und macht die Begleitung Sterbender und deren Angehörigen zu einer Selbstverständlichkeit ambulanter Nachsorge und setzt sich in der Behandlung hochbelasteter Trauernder fort.

Annett Kuschel, Dagmar Ständer, Heike Bertram, Nina Heinrichs, Sebastian Naumann, Kurt Hahlweg (Braunschweig)

Prävalenz hyperkinetischer Störungen im Vorschulalter - ein Vergleich zweier Diagnoseinstrumente


Fragestellung: Das Hauptziel der vorliegenden Arbeit ist die Klärung der Frage, wie hoch die Prävalenzraten von Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörungen (ADHS) bzw. hyperkinetischer Auffälligkeiten bei drei- bis sechsjährigen Kindergartenkindern sind. Dabei wird ein Vergleich der Prävalenzraten mittels zweier unterschiedlicher Messinstrumente vorgenommen sowie deren Gütekriterien und Übereinstimmungsraten berichtet. Methodik: Untersucht wurden im Rahmen des Forschungsprojekts "Zukunft Familie" N = 280 Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren mit dem Elternfragebogen über das Verhalten von Klein- und Vorschulkindern (CBCL 1½ -5; Achenbach & Rescorla, 2000) und dem für diese Altersgruppe leicht modifizierten Fremdbeurteilungsbogen für Hyperkinetische Störungen (FBB-HKS; Döpfner & Lehmkuhl, 1998). Ergebnisse: Die Prävalenzraten für hyperkinetische Störungen und Auffälligkeiten bei Kindergartenkindern liegen zwischen 2.7% und 9.9%, wobei es keine Geschlechtsunterschiede gibt. Schlussfolgerungen: Für den deutschen Sprachraum liefert die Studie erste Erkenntnisse und Entscheidungshilfen zum Einsatz neuer Verfahren in der Diagnostik von Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörungen und hyperkinetischer Auffälligkeiten im Vorschulalter. Abschließend werden außerdem die Ergebnisse der zwei Messinstrumente verglichen und deren Indikationen vor allem für die Diagnostik hyperkinetischer Verhaltensauffälligkeiten diskutiert.

Winfried Schmidt, Ulla Pickert (Bad Salzuflen)

Garten und Therapie. Projekt in der sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Detmold

im Rahmen eines Modells einer sozialen und therapeutischen Gartenkultur
Begründung für die Arbeit der Gruppe GARTEN und THERAPIE in der JVA Detmold

Unsere Fragestellung:
Wie kann der Mensch wieder leibhaftig werden, fähig zur bewussten Wahrnehmung seiner Organe, um mit sich selbst in Einklang zu kommen?
Diese Frage trieb schon Hugo Kükelhaus, geboren und aufgewachsen in Essen, zeit seines Lebens um. Von einem Studium Generale erhoffte sich der Handwerker, Schriftsteller, Bildhauer, Erzähler, kurz gesagt, der Menschenkundler Hugo Kükelhaus, Antworten. die Entwicklung des Erfahrungsfeldes Mitte der 60er Jahre war das praktische Ergebnis seines Forschens. Der Öffentlichkeit zeigte er es erstmals 1967 auf der Weltausstellung in Montreal. 1981 gab Hugo Kükelhaus das Erfahrungsfeld in die Obhut von Jürgen und Cornelia Binder. In den Folgejahren zeigten sie mehr als sechzig Erfahrungsfelder im In- und deutschsprachigen Ausland.
Die Erfahrungen und Ergebnisse der Arbeit von Kükelhaus haben uns inspiriert uns für das Projekt GARTEN und Therapie im Strafvollzug (zunächst Behandlungsabteilung, dann sozialtherap. Abteilung in der JVA Detmold) trotz aller Probleme und Widerstände zu entscheiden.
Wir sind natürlich noch weit vom Erfahrungsfeld der Sinne entfernt, aber bereits jetzt kann unser DUFTGARTEN und die KRÄUTERSPIRALE einiges vermitteln:
Sehen und Hören, Riechen und Schmecken, Fühlen und Erkennen, spielerisches Ausprobieren und Entdecken / Aktivierung der Sinneswahrnehmung
soll einmal am Ende des Projektes stehen.
Das ist somit das herausragende Ziel von einer umfassenden sozialen und therapeutischern Gartenkultur und umfasst den Großteil aller Interpretationen nämlich den Begriff von Lebensqualität.
Diese konsequente Auseinandersetzung fördert die Verantwortlichkeit für das eigene Handeln und spricht die Sinnesqualitäten auf allen Ebenen an.
Im Ergebnis haben diese Überlegungen dann zur Umsetzung der Gruppe: GARTEN und Therapie in der JVA Detmold geführt.
Unser Start und das Arbeitsthema war Schaffung eines Duftgartens, inzwischen sind wir auch in der Umsetzung schon weit darüber hinaus (unsere Ideen und Planungen sind leider begrenzt durch personelle, finanzielle und strukturelle Unwägbarkeiten der politisch verantwortlichen Entscheidungsträger). Über das Projekt wird lfd. auf der website Garten und Therapie berichtet, bzw. Änderungen sind dort zu finden:
http://www.garten-therapie.de/Therapien/Gartengruppen/gartengruppen.html  
Diese Gruppe GARTEN und THERAPIE soll in der Sozialtherapeutischen Abteilung der JVA Detmold fortgeführt und ausgebaut werden, falls dies von den Verantwortlichen auf allen Ebenen mitgetragen und auch in schwierigen Zeiten der Haushaltskonsolidierung offensiv verteidigt wird.
"Ein Garten war im Gefängnis eines der wenigen Dinge, über die man selbst bestimmen konnte. Einen Samen in die Erde zu legen, ihm beim Wachsen zuzusehen, die Pflanze zu pflegen und dann zu ernten bot eine einfache, aber dauerhafte Zufriedenheit"  Nelson Mandela


Jochen Stien, Georg Adler (Mannheim)

Soziales Kompetenztraining für altersdepressive Patienten

Das vorliegende Soziale Kompetenztraining ist auf die speziellen Bedürfnisse älterer Patienten mit Depressionen zugeschnitten. In 6 Sitzungen werden exemplarische Themen bearbeitet und in Rollenspielen umgesetzt. In besonderem Maß wird hierbei auf altersspezifische, alltagsrelevante und seniorengerechte Durchführung Wert gelegt. Zur Erleichterung der Rollenspiele werden einfache Requisiten verwendet.

Pia Thiemann, Antje Bohne (Münster)

Gedanklicher Umgang mit Alltagsstress

Fragestellung: Zeigt sich die generelle Neigung zu dysfunktionalen kognitiven Reaktionsstilen (Rumination / Worry) auch als konkrete Reaktion auf alltägliche Ärgernisse (Daily Hassles)? Theoretischer Hintergrund: Die diskutierte Bedeutung von Stress und dysfunktionalen kognitiven Reaktionsstilen (Rumination-Depression, Worry-GAS) für die Entstehung & Aufrechterhaltung psychischer Störungen. Die durchgeführte Fragebogenstudie (nicht klinische Stichprobe junger Erwachsener, N=260) konnte bisherige Befunde zum Zusammenhang von Symptomausprägungen und kognitive Reaktionsstilen sowie der Anzahl von Daily Hassles replizieren und wie vermutet zeigen, dass sich die allgemeine Tendenz zu Rumination / Worry u.a. in der Häufigkeit der gedanklichen Beschäftigung mit Daily Hassles widerspiegelt.


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