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Vorstandsbericht

Beihilfefähigkeit von psychotherapeutischen Behandlungen


In der Ausgabe 2/2000 der Verhaltenstherapie & psychosoziale Praxis (VPP), S.310, hatten wir noch die Hoffnung geäußert, dass nach der erfolgten Zustimmung des Bundesrates am 19. Mai 2000 zur Gebührenordnung für psychologische PsychotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpschotherapeutInnen (GOP) die Beihilfeverordnungen angepasst werden. Die DGVT hatte sich vorsorglich Ende Mai mit einem Schreiben an die Beihilfestellen und die Privaten Krankenversicherungen (siehe VPP 2/2000, S.311f) gewandt, weil wir davon ausgehen, daß dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) alle approbierten PsychotherapeutInnen, zumindest diejenigen mit nachgewiesener Fachkunde grundsätzlich gleichzubehandeln.

Die bisher eingegangen Rückmeldungen von Finanzministerien und Beihilfestellen der Länder (u.a. aus Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen und Sachsen-Anhalt) zeigen ein heterogenes Bild.

    • Von einigen Stellen wird Verständnis für unser Anliegen geäussert und darauf hingewiesen, dass die Beihilferichtlinien des Bundes, die in den meisten Fällen maßgeblich sind, noch in diesem Jahr angepasst werden.
    • Von anderen Beihilfestellen wird darauf hingewiesen, dass "bisher noch keine Therapieanträge von Beihilfeberechtigten für Verhaltenstherapie abgelehnt (worden sind), wenn die Therapeuten und Therapeutinnen ihre Verhaltenstherapieausbildung bei der DGVT gemacht haben" - außer: die Ablehnung erfolgte "aufgrund der Entscheidungen eines Gutachters oder Obergutachters", an die die Beihilfestelle gebunden sei.
    • Aus einem Land wird uns mitgeteilt, dass sich die Situation im dortigen Beihilferecht nach dem Psychotherapeutengesetz geändert habe. Nicht nur sei das Delegationsverfahren weggefallen, auch sei es ausreichende Voraussetzung für die Beihilfefähigkeit von Verhaltenstherapie, wenn der Therapeut eine Zulassung zur Kassenärztlichen Versorgung besitze.
    • In anderen Bereichen werden offenbar dagegen Leistungen Psychologischer PschotherapeutInnen und Kinder- und JugendlichenpschotherapeutInnen nach wie vor nur dann als beihilfefähig anerkannt, wenn die BehandlerInnen eine Ausbildung an einem von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zugelassenen Ausbildungsinstitut nachweisen oder wenn sie am ehemaligen Delegationsverfahren teilgenommen haben. Benachteiligt sind dadurch alle PsychotherapeutInnen, die vor Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG) im Erstattungsverfahren gearbeitet haben und die eine Approbation nach §12 Abs. 3ff PsychThG erlangt haben. Auch wenn sie nach den Übergangsvorschriften des §95c den Fachkundenachweis erbracht und ggf. auch eine Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung erhalten haben, können sie nicht im Rahmen der Beihilfe abrechnen.
    • Eine beispielhafte Begründung zitieren wir aus dem Antwortschreiben des Finanzministeriums Nordrhein-Westfalen vom 8.8.2000:
      "die Anerkennung der Beihilfefähigkeit von psychotherapeutischen Behandlungen richtet sich für Beihilfeberechtigte des Landes NRW nach der Anlage 1 (zu §4 Ab. 1 Nr. 1 Satz 5) der Beihilfenverordnung NRW-BVO-. Diese ist mit den Regelungen des Bundes (Anlage 1 zur BhV) identisch. Beide Anlagen datieren noch aus der Zeit vor Inkrafttreten des Psychotherapeutengesetzes (PsychThG). Eine formale Anpassung der Anlagen wird in Kürze erfolgen.
      Dem Gebot der beruflichen Gleichstellung von approbierten Psychologen und Ärzten hat das Beihilfenrecht jedoch bereits insoweit Rechnung getragen, als es das bisherige Delegationsverfahren aufgehoben und damit dem Patienten das Erstzugangsrecht auch zum approbierten Psychologen ermöglicht hat.
      Im Hinblick auf Ihr konkretes Anliegen besteht zwischen den Beihilfereferenten des Bundes und der Länder Einvernehmen, in den Beihilfevorschriften an den bisherigen Qualifikationsanforderungen für Behandler (d.h. abgeschlossene Ausbildung an einem anerkannten Ausbildungsinstitut) auch nach Inkrafttreten des PsychThG festzuhalten. In der beamtenrechtlichen Beihilfe wird insoweit anders verfahren als im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Erfahrungen der zurückliegenden Jahre und die Voten der für die Beihilfestellen tätigen vertrauensärztlichen Gutachter sprechen eindeutig für eine Beibehaltung der bisherigen Qualitätsanforderungen.
      Hinzu kommt, dass dem Beihilferecht als Erstattungssystem nicht die Steuerungselemente zur Verfügung stehen, die ihm Rahmen der medizinischen Versorgung von Mitgliedern der gesetzlichen Krankenversicherung den Krankenkassen zustehen..."

Die Rückmeldungen lassen darauf schließen, dass gleiche formale Grundlagen unterschiedlich ausgelegt und interpretiert werden können. Sie zeigen auch, dass die Beihilfestellen auf die Voten der Gutachter im Zusammenhang mit einzelnen Beihilfeentscheidungen sehr viel Wert legen (Sie seien gar daran gebunden - Seitens der Gutachter wird das im Zusammenhang mit abgelehnten Therapieanträgen häufig gegensätzlich dargestellt). Sie zeigen aber auch, dass die Gutachter einen nicht unwesentlichen Einfluss auf die Willensbildung der Ministerien nehmen (siehe das o.g. Schreiben aus NRW).

Anerkennungskommission und Vorstand der DGVT werden sich bei ihren nächsten Sitzungen weiter mit dieser Problematik beschäftigen. Zielsetzung soll es sein, geeignete Initiativen einzuleiten, um die wirkliche Gleichstellung aller approbierten PsychotherapeutInnen zu erreichen.


Aktivitäten im Aus- und Weiterbildungsbereich

1. Weiterbildungsstudium "Beratung in psychosozialen Tätigkeitsfeldern und Organisationen"

Im November diesen Jahres sollen in Stuttgart und in Paderborn der dritte und vierte Pilotlehrgang unseres viersemestrigen Weiterbildungsstudiums beginnen. Nach zwei Erprobungslehrgängen mit TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichsten Berufsgruppen in Nordrhein-Westfalen wird damit die Erprobungsphase dieser neuen Qualifizierung abgeschlossen werden.

Beratung ist eine zentrale Handlungs- und Interventionsform in vielen Tätigkeitsfeldern sozialwissenschaftlicher und medizinischer Professionen; sie gehört zum beruflichen Alltag vieler Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Für diese Fachkräfte schließt unsere Weiterbildung "Beratung in psychosozialen Tätigkeitsfeldern und Organisationen" die Lücke zwischen den üblichen therapeutisch orientierten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen auf der einen und Sozialmanagement-qualifizierungen auf der anderen Seite.

Das Weiterbildungsstudium "Beratung in psychosozialen Tätigkeitsfeldern und Organisationen" ist ein gemeinsam von der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie und der FernUniversität in Hagen entwickeltes und durchgeführtes Weiterbildungsangebot. Es richtet sich an Fachkräfte mit (Fach-)Hochschulabschluß - oder mit vergleichbaren Ausgangsqualifikationen - im psychosozialen Bereich, die in der Beratungsarbeit mit Einzelnen, Teams oder Institutionen tätig sind, z.B. in Bereichen von Erziehung und Bildung, Beruf und Arbeit, Ehe und Familie, Gesundheit und Pflege.

Geplant, curricular entwickelt, umgesetzt und evaluiert wurde es von ausgewiesenen BeratungswissenschaftlerInnen aus Psychologie, Erziehungswissenschaft, Sozialarbeit und Soziologie gemeinsam mit erfahrenen psychosozialen BeratungspraktikerInnen (Gerd Brückner, Prof. Dr. Heiner Keupp, Hubert Kötter, Prof. Dr. Albert Lenz, Prof. Dr. Frank Nestmann, Dr. Wolfgang Rechtien, Günter Weng und andere). Es vermittelt theoretisch fundiertes Wissen, anwendungsbezogene Analysefähigkeit sowie praktische Handlungskompetenzen auf hohem Niveau.

Im Curriculum wird - auf dem aktuellen Stand internationaler Beratungs-(Counselling-)Entwicklung - psychosoziale Beratung als zukunftsträchtige professionelle Handlungsform jenseits psychotherapeutischer Identität konzipiert:

    • Beratung umfaßt präventive Arbeit neben Problembewältigung und Rehabilitation.
    • Sie ist auf Entwicklungs- und Selbsthilfepotenziale von Adressaten orientiert und nimmt deren Förderung in Angriff.
    • Sie betont und aktiviert Ressourcen- und Hilfequalitäten sozialer Beziehungen und Netzwerke.
    • Sie begreift Menschen - ihre Probleme, ihr Leiden wie ihre Entfaltungschancen und ihre Möglichkeiten - im Rahmen ihrer sozialen, ökonomischen und ökologischen Lebensbedingungen und Lebenswelten.
    • Damit umfaßt sie die beratende Einflussnahme auf Personen und auf deren Lebensbedingungen*.
    • Sie arbeitet mit einem reichen Methodeninventar unter kontinuierlicher Wirkungskontrolle.
    • Sie ist auf Unterstützung und Problemlösung in überschaubaren Zeiträumen orientiert.
    • Und sie setzt möglichst dort an, wo die Anforderungen, Probleme, Krisen und Konflikte entstehen - also im Lebensraum der Beratenen und KlientInnen.

Somit erschließt Beratung professionellen HelferInnen eine große Bandbreite kurz- wie langfristig effektiver und effizienter Unterstützungsformen und steht mit eigenständigem Profil neben den traditionellen kurativen Orientierungen.

Um die Qualität der Beratungsleistungen für Beratene und die Allgemeinheit zu optimieren und zu sichern, ist eine fundierte theoretische wie anwendungsbezogene Ausbildung in Analyse und Intervention erforderlich. Mit dem Ziel vor Augen, eine solche Qualifizierungsmaßnahme anzubieten, wurde unser Weiterbildungsstudium entwickelt. Es bietet den TeilnehmerInnen die Möglichkeit, in ihrem jeweiligen Tätigkeitsbereich die Beratungsqualität zu sichern und weiter zu entwickeln.

In den Präsenzveranstaltungen (mehr als 600 Stunden Seminare, Workshops und Supervisionen) und im Rahmen des Selbststudiums bzw. der Arbeitsgruppenarbeit in regionalen Kleingruppen auf der Basis der Fernstudienmaterialien der FernUniversität Hagen werden die TeilnehmerInnen sich mit den Grundlagen und Methoden der Beratung, der Gestaltung des Beratungsprozesses, den Methoden des Konfliktmanagements und der Krisenintervention, gruppendynamischen Prozessen, der sozialen Einbindung von Menschen und ihren lebensweltlichen Rahmenbedingungen, der Organisations-beratung und dem Organisationsmanagement - und vielem anderen mehr beschäftigen. Übrigens: Die Gebühren für die gesamte Weiterbildung belaufen sich in dieser Pilotphase auf 8000 DM.

* Die Beratungskonzepte, die dem Weiterbildungsstudiengang zugrunde liegen, sind in mehreren Publikationen der beteiligten Wissenschaftler(innen) niedergelegt:
Sickendiek, U., Engel, F. & Nestmann, F. (1999). Beratung eine Einführung in sozialpädagogische und psychosoziale Beratungsansätze. Weinheim: Juventa-Verlag.
Nestmann. F. (Hg.) (1997). Beratung. Bausteine für eine interdisziplinäre Wissenschaft und Praxis. Tübingen: dgvt-Verlag.
Pearson, R. E. (1997). Beratung und soziale Neuwerke - eine Lern- und Praxisanleitung zur Förderung sozialer Unterstützung. Weinheim: Beltz-Verlag.
Rechtien. W. (1998). Beratung - Theorien, Modelle und Methoden. München: Profil-Verlag.

2. Ausbildung nach dem PsychThG,
themenzentrierte Weiterbildungen und eintägige Serviceangebote der DGVT

Im Herbst/Winter 2000/01 werden wir voraussichtlich in den Ausbildungszentren Bonn (hier sind leider bereits alle Plätze vergeben; für den Herbst 2001 ist ein weiterer Lehrgangsstart in Bonn geplant), Münster und München Lehrgänge zur Ausbildung zum/ zur Psychologischen PsychotherapeutIn mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie nach dem Psychotherapeutengesetz (PsychThG) starten. Im Januar des kommenden Jahres sollen wir darüber hinaus in Berlin und Krefeld zwei weitere Ausbildungsgänge beginnen.

Ausbildungen zum/ zur Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutIn mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie nach dem Psychotherapeutengesetz (Psych ThG) sollen im Herbst diesen Jahres in Hannover/ Hildesheim und zu Beginn des nächsten Jahres in Berlin und Krefeld beginnen.

Ergänzungsqualifikationen zur fachlichen Befähigung der Abrechnung von Kinder- und Jugendlichen - Verhaltenstherapie (bei vorliegender Fachkunde in VT gemäß § 95c SGBV) werden voraussichtlich im Herbst 2000 in Hannover/ Hildesheim und im Januar 2001 in Berlin beginnen.

Im Bereich der themenzentrierten Weiterbildung bieten wir in der zweiten Jahreshälfte drei neue Seminarreihen an:

  • Im November soll in unserem Ausbildungszentrum München ein Lehrgang "Progressive Muskelrelaxation" - als themenzentrierte Weiterbildung oder Ergänzungsqualifikation für approbierte KollegInnen zur Erweiterung ihrer Abrechnungsgenehmigung - beginnen. Diplom-Psychologe Rudi Merod, der seit vielen Jahren durch die Landesärztekammer Bayern als Lehrtherapeut für die Verfahren Progressive Muskelentspannung und Autogenes Training anerkannt ist, leitet diesen Kurs. In zwei Wochenendseminaren, die im Abstand von mindestens sechs Monaten durchgeführt werden, werden theoretische Inhalte vermittelt und Indikationen und Kontraindikationen erarbeitet. Der Schwerpunkt wird auf der Einübung des Verfahrens der progressiven Muskelrelaxation liegen.
    • Die Teilnehmer erhalten ein durch die DGVT ausgestelltes Zertifikat über die erfolgreiche Teilnahme, das bundesweit anerkannt wird. Die Teilnahmegebühren betragen für DGVT-Mitglieder 850 DM und für Nicht-Mitglieder 1100 DM.

  • Ebenfalls in unserem Ausbildungszentrum in München soll im November diesen Jahres eine zweite themenzentrierte Fortbildung beginnen, die sich über sieben Wochenendveranstaltungen erstrecken wird: Im Rahmen der Seminarreihe zum Thema "Kognitive Therapie der Persönlichkeit(s-störungen)" können sich Dipl.-PsychologInnen, Dipl.-PädagogInnen, Dipl.-SozialarbeiterInnen, Dipl.-SozialpädagogInnen und ÄrztInnen, die therapeutisch oder beratend tätig sind, mit folgenden Schwerpunktthemen befassen:
    • Anwendung der Grundprinzipien der kognitiven Verhaltenstherapie der Persönlichkeit(s-störungen)
    • Systematische Erarbeitung der DSM- und ICD-Kategorien
    • Betrachtung des Zusammenspiels unterschiedlicher Persönlichkeitsstile in familiären, Paar- und anderen Beziehungen
    • Berücksichtigung institutioneller, historischer und gesellschaftlicher Einflüsse auf die Persönlichkeit und das Bild von der Persönlichkeit
    • Selbsterfahrung

    Die Kosten für diese Weiterbildung betragen für unsere Mitglieder 2464 DM. Nicht-Mitglieder zahlen 2800 DM.

  • Drittens soll im Dezember diesen Jahres in Münster die Seminarreihe "Beratung bei Partnerschaftskrisen/Trennung und Scheidung (§ 17 KJHG)" beginnen, in der Sie unter der Leitung von Heiner Krabbe (Psychotherapeut, Mediator, Ausbilder und Herausgeber des Buches "Scheidung ohne Richter") in sechs Wochenendseminaren folgende Thematiken bearbeiten:
    • Grundlagen der Beratung in Fragen von Partnerschaft, Trennung und Scheidung nach dem KJGH
    • Partnerschaftsberatung in der Ambivalenzphase § Beraterische Interventionen im Trennungs- und Scheidungsprozess und Grundzüge des Familienrechts
    • Elternvereinbarungen - Aushandeln von Lösungen für die Kinder mit beraterischen Elementen der Mediation
    • Beraterische Hilfen für Kinder im Trennungs- und Scheidungsgeschehen
    • Besondere Probleme und spezifische familiäre Konstellationen in der Trennungs- und Scheidungsberatung

Die Teilnahmegebühren für diese Seminarreihe, die sich über ein Jahr erstrecken wird, betragen für unsere Mitglieder 2200 DM, für DPTV-Mitglieder 2400 DM und für Nicht-Mitglieder 2600 DM.

In den Monaten September bis November 2000 bieten wir allen Interessierten eintägige Informationsveranstaltungen zu den folgenden beiden Themen an unterschiedlichen Orten in Deutschland an.

Zum einen werden in Castrop-Rauxel, München und Berlin im September und November 4-stündige Seminare zum Thema "Kassenanträge für Kinder- und Jugendlichentherapien" angeboten. Da es in der Verhaltenstherapie keine Vorgaben für die Kassenanträge für Kinder- und Jugendlichentherapie gibt, besteht bei vielen AntragsstellerInnen erhebliche Unsicherheit über die Gestaltung. Hinzu kommt, daß seit dem ersten Januar auch die Kurzzeitherapie bei vielen jüngeren KollegInnen durch die KassengutachterInnen bewertet werden.

Die Fortbildung wird an verschiedenen Orten im Zusammenhang mit einem Treffen der jeweiligen Regionalgruppe der DGVT-Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie durchgeführt, das am selben Tag und Ort vor bzw. nach der Fortbildung stattfinden wird.

Orte und Termine der Veranstaltungen sind:

Datum:Ort:Adresse:Beginn:ReferentIn:
09.09.2000Castrop-RauxelZentrum Frau in Beruf und Technik,
Erinstr. 6
14 UhrDr. Claudia Wendland
23.09.2000MünchenSebsthilfezentrum,
Beyerstr. 77 a
9 UhrDipl.-Psych. Rudi Merod
18.11.2000BerlinKurfürstenstr. 15513 UhrDipl.-Psych. Alfred Luttermann

Die Teilnahmegebühren betragen für unsere Mitglieder 150 DM, für Nicht-Mitglieder 180 DM.

Zum anderen bieten wir - in Kooperation mit der Gothaer Versicherung - eine vierstündige Informationsveranstaltung zum Thema "Welche Versicherungen brauchen niedergelassene PsychotherapeutInnen?" Diese Informationsveranstaltungen werden von der Gothaer Versicherung in den Schulungsräumen ihrer Niederlassungen durchgeführt.

Orte und Termine der geplanten Veranstaltungen sind:

Ort:Datum:Adresse:
Stuttgart20.10.2000Niederlassung in der Johannesstrasse 39-45
Dortmund27.10.2000Niederlassung Westfalendamm 96
Berlin10.11.2000Niederlassung in der Alarichstrasse 12-17
Hamburg17.11.2000Niederlassung in der Katharinenstrasse 23-25

    Die Anmeldung zur Teilnahme an dieser Informationsveranstaltung sollte - bis spätestens 14 Tage vor Veranstaltungstermin - schriftlich oder telefonisch an die Gothaer Versicherung gerichtet werden (Gothaer Versicherung, z. Hd. Herrn Bauder, Alexanderstrasse 20, 70 184 Stuttgart, 0711-233 252). Dabei sind der gewünschte Veranstaltungstermin und Veranstaltungsort sowie die DGVT-Mitgliedsnummer anzugeben.

    Die Teilnahme an dieser Informationsveranstaltung ist für DGVT-Mitglieder kostenlos; Nicht- Mitglieder zahlen 60 DM.

    3. Ein Angebot für eine neue Zielgruppe: "Verfahren der Verhaltensmodifikation für Pflegekräfte"

    Eine Idee, die innerhalb der DGVT schon seit langem diskutiert wird, nimmt nun Konturen an. Verhaltensmodifikatorische Kompetenzen über den therapeutischen Bereich hinaus auch für andere Berufsfelder nutzbar zu machen, soll nun erstmals konkret mit einem Weiterbildungsangebot für Pflegeberufe erprobt werden. Die Nachfrage aus dieser Berufsgruppe wird u.a. von den Pflegeverbänden signalisiert. Der sich wandelnde Berufsalltag im Pflegebereich stellt an die Angestellten im Pflegebereich immer komplexere Anforderungen. Verhaltenstherapeutische Kompetenzen können dazu beitragen diese Anforderungen aktiv zu bewältigen. Dieses berufsbegleitende Weiterbildungsangebot richtet sich sowohl an solche Pflegekräfte, die in der psychotherapeutischen/psychosomatischen Versorgung tätig sind, als auch an jene, die verhaltensverändernde Methoden bzw. verhaltenstheoretische Grundprinzipien bei der Bewältigung des Pflegealltags nutzen wollen. Die DGVT hat nun ein entsprechendes Curriculum erarbeiten lassen, nach dem in 10-12 Wochenendveranstaltungen folgende inhaltliche Schwerpunkte vermittelt werden sollen:

      • Für Pflegekräfte wissenswerte Grundlagen der Verhaltenstherapie
      • Verhaltensorientierte Gesprächsführung für Pflegekräfte
      • Training sozialer Kompetenzen zum Einsatz im PatientInnen- und MitarbeiterInnenkontakt
      • Besprechungs- und GruppenleiterInnentraining
      • Stressbewältigungsstrategien für Pflegekräfte
      • Umgang mit PatientInnen und Angehörigen
      • Psychische Störungen: Überblick und Anwendungswissen für Pflegekräfte

    Ein erster Pilotlehrgang ist nun ab Januar 2001 im DGVT-Ausbildungszentrum München anvisiert. Darüber hinaus laufen derzeit die Verhandlungen mit dem Bildungswerk des Verbandes der bayerischen Bezirke - einem öffentlich-rechtlichen Weiterbildungsanbieter - eine solche Weiterbildung gemeinsam ab Herbst 2001 anzubieten.

    Weitere Informationen und Anmeldeunterlagen gibt es im Aus- und Weiterbildungsreferat.

    4. Qualitätsarbeitskreise in der DGVT und die zentrale SupervisorInnenliste: Bewährtes mit neuer Zielsetzung

    Seit Anfang diesen Jahres bieten wir unseren Mitgliedern mit dem Konzept der Qualitätsarbeitskreise zur kollegialen Supervision ein neues Angebot. Mit ihrer Einrichtung verbinden wir unser traditionelles Konzept der selbstorganisierten Arbeitskreise mit dem Ansatz der Qualitätssicherung - und führen somit das Arbeitskreismodell in einer modifizierten Form fort.

    Die Zielsetzung der Qualitätsarbeitskreise ist, ein Forum zur Supervision und Reflexion des eigenen therapeutischen Handelns für alle TherapeutInnen mit begonnener bzw. abgeschlossener Verhaltenstherapieausbildung zu schaffen. Hiermit erhalten der kollegiale Austausch und die kollegiale Supervision, wie er bzw. sie vielerorts informell stattfindet, einen formalen Rahmen und wird nachweisbar: Die TeilnehmerInnen der neuen Qualitätsarbeitskreise können durch eine DGVT-Teilnahmebescheinigung gegenüber Arbeitgebern und Kostenträgern die Zugehörigkeit zu kollegialen Supervisionsgruppen belegen.

    Ein weiteres Ziel dieses Konzeptes ist es, mit dem Aufbau eines Netzwerkes an Qualitätsarbeits-kreisen jenen KollegInnen, die Anschluß an eine solche Gruppe suchen, den Zugang zu erleichtern.

    Interessierte Arbeitsgruppen können über die DGVT-Geschäftsstelle Anmeldeformulare anfordern und erhalten nach der Anmeldung standardisierte Protokollbögen. Mit der Einreichung von mindestens sechs Sitzungsprotokollen pro Jahr erhalten die Arbeitskreismitglieder dann durch die DGVT ihre Teilnahmebescheinigung. Diese Bescheinigung ist für DGVT-Mitglieder kostenlos, von Nicht-Mitgliedern wird eine Bearbeitungsgebühr von DM 50.- erhoben.

    Wer Anschluß an bestehende Arbeitskreise sucht, bekommt über die Geschäftsstelle der DGVT eine Liste bestehender Arbeitskreise, die noch Mitglieder aufnehmen.

    Bereits seit Jahren führen wir eine Liste von SupervisorInnen, die bestimmte Anforderungen erfüllen - d.h. Qualitätsmerkmale vorweisen - und die häufig im Rahmen unserer Ausbildungen tätig waren. Mit der Einführung des Psychotherapeutengesetzes sind nun die Anerkennungskriterien für SupervisorInnen in der Psychotherapieausbildung gesetzlich festgelegt worden und die SupervisorInnen, die im Rahmen unserer Ausbildung supervidieren, kooperieren nunmehr direkt mit den jeweiligen regionalen Ausbildungsstätten vor Ort.

    Aber auch unter diesen neuen Bedingungen führen wir unsere zentrale SupervisorInnenliste weiter, wobei ihre Funktion und Zielsetzung verändert wurde: Mit dieser Liste beabsichtigen wir vorrangig jenen KollegInnen Orientierung zu geben, die auf der Suche sind nach qualifizierter Supervision für den beruflichen Alltag in der psychosozialen Versorgung. Niedergelassene oder angestellte PsychotherapeutInnen werden hier ebenso angesprochen wie bspw. Träger und Teams von Beratungsstellen oder Kliniken. Wir werden unsere SupervisorInnenliste zukünftig allen Interessierten zur Verfügung stellen.

    Für die Aufnahme in unsere Liste haben wir verschiedene Qualitätskriterien definiert, die erfüllt werden müssen. Bspw. müssen eine abgeschlossene Verhaltenstherapieausbildung und mehrjährige Erfahrung in der psychotherapeutischen Behandlung nachgewiesen werden. Darüber hinaus verlangen wir die regelmäßige Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen und SupervisorInnenkonferenzen sowie den regelmäßigen Nachweis über kontinuierliche eigene Supervision und kontinuierliche SupervisorInnentätigkeit. Die Aufnahme auf die Liste wird den KollegInnen von der DGVT zeitlich befristet schriftlich bestätigt und weist sie als "DGVT-SupervisorIn" aus.

    Die ausführlichen Aufnahmekriterien sowie die aktuelle Liste sind im Internet zu finden bzw. in der DGVT-Geschäftsstelle erhältlich.


    Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in der DGVT:

    Krisenbewältigung bei Kindern und Jugendlichen ... und ihren TherapeutInnen

    Bericht vom Workshop "Der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut nach dem PTG - ein neuer Heilberuf mit beschränkten Möglichkeiten?" auf dem von der "Allianz" veranstalteten Psychotherapeutentag NRW am 25.8.2000

    Auf dem diesjährigen Psychotherapeutentag NRW wollten sowohl der bkj (Berufsverband der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten) als auch die DGVT-Fachgruppe "Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie" ein Angebot für Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten machen. Recht schnell entwickelte sich daraus die Idee, einen gemeinsamen Workshop statt zwei verschiedener Veranstaltungen durchzuführen. So kam es, dass Klaus Malzahn und Bruno Metzmacher vom bkj und ich zusammen einen Workshop für den Psychotherapeutentag planten und durchführten.

    Die Idee des Workshops war, den TeilnehmerInnen ein Angebot zu machen, dass sie sowohl berufspolitisch als auch fachlich-inhaltlich interessieren würde. Aus diesem Grund wurde ein weiter Bogen gespannt, der durch die Themen "Entwicklung" und "Bewältigung" zusammengehalten wurde.

    Im ersten Schritt schilderte Klaus Malzahn seine Beobachtungen zur Entwicklung der Identität von Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen im Zusammenhang mit dem für viele Betroffene belastenden Ereignis "Psychotherapeutengesetz". Nachdem anfangs eine solidarisierende Wirkung auf die Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen vom Gesetz ausging, da alle von den Veränderungen verunsichert wurden, hat sich diese Situation inzwischen verändert: Während einige KollegInnen immer noch um ihre berufliche Identität kämpfen (Approbation, Arztregistereintrag oder Zulassung), sind andere mit der Sicherung der beruflichen Existenz im Rahmen des aus verschiedenen Gründen nicht zufriedenstellenden Kassensystems beschäftigt, während angestellte Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen wiederum von noch anderen Problemen - z.B. der Anerkennung ihres neuen beruflichen Status´ bei Tarifverhandlungen - betroffen sind.

    Von der Schilderung dieser - durchaus krisenhaften - Entwicklung eines Berufsstandes und seiner Mitglieder wechselten wir auf die fachlich-inhaltliche Ebene, indem ich die Bedeutung von Risiko- und Schutzfaktoren bei der Entwicklung aggressiven Verhaltens über den Lebenslauf aus der Perspektive der Entwicklungspsychopathologie bzw. der Klinischen Entwicklungspsychologie sowie daraus ableitbare Konsequenzen für die Therapie von Kindern und Jugendlichen darstellte. Dabei erscheint es wesentlich, neben der Arbeit am Symptom auch die vorhandenen Entwicklungsbedingungen zu beachten und Schutzbedingungen zu verstärken oder zu schaffen.

    Bruno Metzmacher wendete dann Erkenntnisse aus der Klinischen Entwicklungspsychologie auf unsere eigene Situation als Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen an, indem er das salutogenetische Konzept des "Kohärenzgefühls" als Schutzbedingung aufgriff und die TeilnehmerInnen des Workshops dazu anregte, in Kleingruppen über ihre Bewältigung des für viele krisenhaften Ereignisses "Psychotherapeutengesetz" anhand der Bestandteile des Kohärenzkonzeptes (z.B. aktives Engagement, Bemühen um Verstehen, usw.) zu reflektieren. In den anschließenden Schilderungen im Plenum wurde deutlich, dass die TeilnehmerInnen sich in den Kleingruppen engagiert und mit aktiv-optimistischer Grundhaltung mit diesem Problembereich auseinandersetzen. Es kam nicht zu "Jammerorgien", sondern zu einem fruchtbaren Austausch über eigene Bewältigungsmöglichkeiten.

    Insgesamt wurde die mit ungefähr 50 Anwesenden recht gut besuchte Veranstaltung in allen Teilen von den TeilnehmerInnen interessiert aufgenommen. Offensichtlich ist es sinnvoll und von den Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen gewünscht, schulen- und verbandsübergreifend zusammen inhaltlich-fachlich und auch beruflich-persönlich in Austausch zu kommen. Häufig - so die Anmerkungen einiger TeilnehmerInnen - finden die vergleichsweise wenigen Kinder- und JugendlichentherapeutInnen es schwierig, in einen solchen Austausch zu gelangen, da sie in der Regel bei Veranstaltungen dieser Art nicht als eigene Gruppe mit eigenen berufspolitischen und inhaltichen Bedürfnissen wahrgenommen werden, sondern in der großen Gruppe der mit Erwachsenen arbeitenden Psychologischen PsychotherapeutInnen "untergehen". Dies sollte uns Grund genug sein, die "Fachgruppe Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie in der DGVT" weiter zu stärken, um eben diesem Interesse entsprechen zu können.

    Michael Borg-Laufs, Essen
    (Sprecher der Fachgruppe)

    08.11.2002


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