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VPP 2/2010

5. Hamburger Symposium zur Integrierten Versorgung.[1]

12. Mai 2010
 

News-Details

Von der Institutionenbindung zur Ergebnis- und Prozessorientierung

Im November 2009 fand im Konferenzzentrum des Grand Elysée Hamburg das 5. Hamburger Symposium zur Integrierten Versorgung statt. Veranstalter war auch in diesem Jahr das Albertinen-Diakoniewerk, das in Hamburg Krankenhäuser, Reha-Kliniken und medizinische Versorgungszentren (MVZ) betreibt. Die Repräsentanten der Veranstalter und Senatsdirektor Norbert Lettau wurden nicht müde, zu betonen, dass Hamburg "die Hauptstadt der Integrierten Versorgung" und sogar "der Gesundheitspolitik" sei.

Zum Thema dominierten die politischen Aussagen. Am Vorabend der Veranstaltung fand eine Konsensuskonferenz unter Vorsitz von Professor Heinz Lohmann, Geschäftsführer der Lohmann Konzept GmbH, zum Thema: "Perspektiven der Integrationsversorgung nach der Wahl" statt. Ein Hauptergebnis referierte Lohmann: Im laufenden Jahr 2009 seien bei manchen Krankenkassen bis zu einem Drittel der Integrationsverträge gekündigt, weil die Integrationsversorgung von den Krankenkassen jetzt aus eigener Kraft finanziert werden müsse. Integrationsverträge, die nicht profitabel seien, würden daher nicht weitergeführt.

Die von Lohmann moderierte Gruppe vertrat die Auffassung, dass die Integrierte Versorgung sich von der Institutionenbindung zur Prozess- und Ergebnisorientierung entwickele und vor allem auch entwickeln müsse. Zunehmend spiele die Informationstechnologie sowohl für die Qualität der Versorgung als auch deren Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle. Nicht mehr der freiberuflich tätige Arzt nehme die Schlüsselrolle ein, sondern ein Organisations- und Managementsystem zur Krankheitsprävention, Diagnostik und Behandlung, das sowohl von freiberuflich tätigen Ärzten und Gesundheitsfachberufen als auch von Angestellten durchgeführt werden könne. Patienten seien nicht an der Freiberuflichkeit der Ärzte, sondern an einer qualitätsvollen Behandlung mit erfolgreichem Ergebnis interessiert.

Man orientiere sich unter den wertenden Vorgaben für die Integrationsversorgung primär an der Patientensouveränität. Dazu gehöre dann auch, dass man "Nachfragebündel" bei der Kasse schnüre und diese dem "Angebotsbündel" der Leistungserbringer gegenüberstelle. Analog zur Reisewirtschaft vermittele dann die Krankenkasse geeignete Leistungspakete für die souveränen Patienten, ganz ähnlich, wie dies bei der Auswahl einer Gruppenreise nach Katalog erfolge. Die Versorgungskataloge würden unter Berücksichtigung der Versorgungsforschung und der Erfahrungen der Gesundheitssystemberatung zusammengestellt. Bei der Organisation der Integrationsversorgung werde man künftig auf "Hausarzt- und Chefarzt-Sozialromantik" verzichten und funktionale Teams unter Berücksichtigung von Effektivitäts- und Effizienzvorgaben zusammenstellen.

Die Feminisierung des Arztberufes werde in Zukunft ganz sicher "den Organisator" aufwerten, ganz gleich, ob dies ein Krankenhaus, ein gewerblicher Managementbetrieb oder jemand anderes sei, der sein Handwerk verstehe. Bei zunehmender Patientensouveränität spiele die Auswahl des "wie" der Behandlung eine größere Rolle als die Frage, "wer" denn die Behandlung vornehme. Wenn man vor der Frage stehe, ob die Arztwahl frei sei oder die Wahl der Behandlung, dann wähle der aufgeklärte, souveräne Patient Letzteres.


[1]Quelle: Gesundheitspolitischer Informationsdienst (gid) Ausgabe Nr. 38 vom 14. 12. 09; Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Redaktion.