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Rosa Beilage 1/2014

Aktuelles rund um das Thema Leitlinien[1]

25. Februar 2014
 

Was gibt’s neues bei Thema „Leitlinien“? Hier hat sich einiges getan, so dass ich etwas mehr zu schreiben habe. Zunächst zu den verschiedenen Leitlinien, an denen ich betei-ligt bin. Beginnen möchte ich mit dem Kinder- und Jugendlichenbereich (KJP Bereich), hier bin ich als Mitglied der Steuerungsgruppe an drei Leitlinien beteiligt.

Die Leitlinie „Nicht-suizidales Selbstverletzendes Verhalten“ ist von der Steuerungsgruppe abgeschlossen, hier fehlt nur noch eine „Konsensuskonferenz“ und das Absegnen durch die großen Verbände, damit sie veröffentlicht werden kann. Die damit verknüpfte Leitlinie „Suizidalität bei Kinder und Jugendlichen“ ist in der Steuerungsgruppe weitgehend abgeschlossen, es fehlt noch ein (kleines) Kapitel, das aber innerhalb der Steuerungsgruppe bis Ende diesen Monats auch abgeschlossen werden soll, so dass auch hier nur noch die Konsentierung und die Absegnung durch die großen Verbände fehlt. Auch hier kann man davon ausgehen, dass dieses in den nächsten Monaten erfolgt und die Veröffentlichung im ersten Halbjahr dieses Jahres erfolgen wird.

Vielleicht noch eine kurze Anmerkung zum Verlauf dieser beiden Leitlinienerarbeitung: Zu Beginn war es schwierig, da in der ersten Version des Textes, von einer bestimmten Seite ausgehend, an vielen Stellen ausschließlich der Begriff „Kinderpsychiater“ stand. Es hat einiges an Arbeit und Diskussion gekostet, bis im jetzigen Entwurf „approbierte Psychotherapeuten/Psychiater“ steht. Das mag auf den ersten Blick nicht wirklich eine große Veränderung darstellen, zeigt aber, dass unsere Profession an dieser Stelle mit den Ärzten gleichgestellt werden. Dies ist (noch) nicht in allen Leitlinien der Fall!

Ferner wird eine neue Leitlinie „Angststörungen bei Kindern und Jugendlichen“ vorbereitet. Hier sind wir in der Steuerungsgruppe noch ziemlich am Anfang, aber durch die gleichmäßige Verteilung der Arbeit auf alle Gremienmitglieder bin ich guten Mutes, dass wir in einer angemessenen Zeit zum Ende kommen können.

Die Leitlinie „Diagnostik der Autismus-Spektrum-Störungen“ stellt das Bindeglied zwischen dem KJP- und dem Erwachsenenbereich dar. Obwohl die Steuerungsgruppe das ursprüngliche Thema dieser Leitlinie (Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen) bereits reduziert hat und sich zum jetzigen Zeitpunkt „nur“ mit der Diagnostik beschäftigt, ist es ein enorm umfangreiches Gebiet, das es zu bewältigen gilt. Dennoch verläuft die Arbeit nicht grade reibungslos. Die notwendigen Teilbereiche werden langsamer erarbeitet, als dies sinnvoll wäre und auch abgesprochen worden ist. Hier zeigt sich ein grundlegendes Problem, auf das ich weiter unten (Bundespsychotherapeutenkammer - BPtK) eingehen werde.

Problematisch stellt sich zurzeit die Leitlinienarbeit in der LL „Schizophrenie“ dar. Hier ist der „Lobbyismus“ einer Gruppe ein großes, aber hoffentlich zu lösendes Problem. Entgegen der üblichen und von der AWMF vorgesehenen Stimmenverteilung hat die DGPPN versucht durchzusetzen, dass neben ihren regulären Mitgliedern, nun auch noch die DGPPN-Mitglieder in der Steuerungsgruppe als „sachverständige Mitglieder“ in der Konsensgruppe mit zusätzlichem Stimmrecht in die Konsensusgruppe eingebunden werden. Dies hätte die Stimmverhältnisse zugunsten der biologisch orientierten Psychiater verschoben. Eine solche Vorgehensweise hätte auch allen Kriterien der AWMF widersprochen. Sowohl der Bundespsychotherapeutenkammerpräsident als auch wir haben dieser Vorgehensweise schriftlich widersprochen, von anderen Verbänden ist mir nicht bekannt, ob auch diese Widerspruch eingelegt haben. Seither gab es keine weitere Sitzung dieser Kommission, die Arbeit ruht also. Als ein weiteres Problem kam hinzu, dass die Art der Diagnostik, wie sie in dieser Leitlinie von einigen Verbänden durchgesetzt werden sollte, nicht im Einklang mit den neuen Vorgaben der American Psychiatric Association (APA) steht, so dass dieser Teilbereich der deutschen Leitlinie nicht den internationalen Kriterien entsprechen würde. Während in den Vorgaben der APA eine somatische Diagnostik bei Schizophrenie verpflichtend vorgesehen ist, soll nach Einschätzung der hiesigen Experten in der deutschen Leitlinie wie bisher weiterhin auf eine phänomologische, symptom- und verlaufsorientierte Diagnostik gesetzt werden. Daraus folgt, dass eben dieser Teil wahrscheinlich komplett neu erarbeitet werden muss. Vermutlich aufgrund dieser beiden Probleme gab es seit einem halben Jahr kein Treffen dieser Leitlinienkommission mehr. Ich bin gespannt, wie es hier weiter gehen wird und ob diese „Machtpolitik“ sich durchsetzen kann, denn dann wäre diese Leitlinie alles andere als sinnvoll.

Im Dezember gab es ein Treffen, zu dem die Bundespsychotherapeutenkammer eingeladen hat. Auch hier war das Thema „Leitlinien“. Klar wurde in der Diskussion, dass es wichtig ist, unsere Profession an der Entwicklung von Leitlinien beteiligen zu müssen. Weiter wurde aber auch deutlich, dass es zum jetzigen Zeitpunkt häufig Zufall ist, ob und wann bestimmte Verbände zu den Leitliniengruppen eingeladen werden, da in der Regel Fachverbände die Erstellung oder Überarbeitung von Leitlinien beantragen und dass dies in der Regel keine psychotherapeutischen Fachverbände sind. Die Erstellung von Leitlinien kostet viel Geld und unsere Verbände sind meist nicht finanzkräftig genug, um dies zu beantragen. In diesem Zusammenhang ist ebenso zu beachten, dass es selbstverständlich auch notwendig ist, bei der Erstellung von LL beteiligt zu sein, bei denen es sich zunächst um „organische“ Erkrankungen handelt. Auch hier gibt es Krankheiten, bei denen psychische Aspekte in der Entstehung und Behandlung eine wichtige Rolle spielen.

Es sollte daher ein Controlling bei der Ankündigung neuer LL installiert werden. Da unsere im GK II (Treffen der psychotherapeutischen Fach- und Berufsverbände) beteiligten verschiedenen Verbände aber zum Teil nicht genügend men- und women-Power haben, wird es notwendig, dass wir die Kräfte aufteilen, so dass nicht alle Verbände an allen LL beteiligt sind. Hier soll in Zukunft eine bessere Information erfolgen, und es soll abgesprochen werden, wer an welcher LL beteiligt ist und auch die inhaltliche Absprache soll im Interesse unserer Profession verbessert werden.

An dieser Stelle kann ich nur sagen, dass vor allem die Zusammenarbeit mit der BPtK sehr gut läuft, so dass ich hoffe, dass dies noch weiter ausgebaut werden kann, so dass wir unsere Position in den LL weiter stärken können.

Rudi Merod


[1] Weitere Informationen zur Beteiligung der DGVT an der Entwicklung von Leitlinien finden Sie im Vorstandsbericht zur Mitgliederversammlung, abgedruckt in der VPP 1/14, S. 201, bzw. auf der DGVT-Homepage unter www.dgvt.de/aktuell/verein/fachpolitik/psychotherapie/behandlungsleitlinie/.