Ausführliche Beschreibung der Workshops
Verwirklichungschancen für ein gesundes Aufwachsen
Prof. Dr. Heiner Keupp
Welche Ressourcen brauchen Kinder und Jugendliche, um kompetent, souverän und gesund ins Leben gehen zu können? Wir wissen sehr viel über das Scheitern der Entwicklung, aber zunehmend wächst aus der Resilienz-, Salutogenese- und Capability-Forschung auch ein stabiles Wissen über Verwirklichungschancen für ein gesundes Aufwachsen.
Photo: www.mediaserver.hamburg.de, C. Spahrbier
Kurzworkshops (5 UE / 5 Fortbildungspunkte)
1. SAFE®- Sichere Ausbildung für Eltern – ein Elternkompetenzprogramm zur Förderung der sicheren Bindung zwischen Eltern und Kind
Dagmar Brandi, Hamburg
Eine sichere frühe Bindung ist der Schutzfaktor für seelische Robustheit im späteren Leben. Sicher gebundene Kinder sind in ihrer Autonomieentwicklung frei. Sie sind lernbereit, kreativer und sozialer. Bindungserfahrungen aus ihrer eigenen Kindheit geben junge Eltern unbewußt an ihre Kinder weiter. 35 % aller Erwachsenen sind unsicher gebunden. Aber auch sicher gebundene Eltern können in ihrem intuitiven elterlichen Verhalten blockiert sein, wenn belastende Störungen rund um die Geburt ihres Kindes auftreten. Feinfühlige Eltern fördern dagegen die Fähigkeit ihrer Kinder zur Selbstregulation, so dass sie selbst in belasteten Situationen zur Selbstregulation und Selbstwirksamkeit fähig sind. Diese Fähigkeit, dank der körpereigenen Schutzreserven mit stressvollen Situationen umgehen zu können, wird als Resilienz bezeichnet.
SAFE®- sichere Ausbildung für Eltern - ist ein Programm zur Prävention von Bindungsstörungen, zur Stärkung der Elternkompetenz, der Paarbeziehung und der Resilienz bei Kindern nach Dr. Karl Heinz Brisch. Alle Kinder, besonders aber solche aus Hochrisikofamilien, profitieren von diesem Frühpräventionsprogramm. In vier vorgeburtlichen Kurstagen ab der 2. Hälfte der Schwangerschaft lernen Eltern mit Videotraining feinfühliges und bindungsorientiertes Verhalten. Einzelberatungen und eine Telefonhotline bieten Sicherheit. Nach der Geburt des Kindes finden weitere 6 Treffen statt. Die Gruppe bietet den jungen Familien eine quasi familiäre Begleitung. Videogestützte Eltern-Kind-Interventionen von Alltagssituationen haben durch ein positives Verhaltensfeedback eine bessere Elternkompetenz zur Folge.
Im Workshop werden die Inhalte des SAFE®-Programms mit Bindungsinterviews, Feinfühligkeitstraining und videogestütztem Interaktionsverhalten vorgestellt, Videoverhaltensanalysen werden in Kleingruppen geübt. Grundkenntnisse der Eltern-Baby-Psychotherapie werden vermittelt.
Literatur:
Karl-Heinz Brisch: Bindungsstörungen (2002)
Karl Heinz Brisch: Sichere Ausbildung für Eltern (2010)
Großmann, Karin: Bindungen, das Gefüge seelischer Sicherheit
www.safe-programm.de www.vonanfang.eu
Filmempfehlung: Ein Leben beginnt.(Deutsche Liga für das Kind)
2. Resilienzaufbau – Möglichkeiten des psychodynamisch-imaginativen Ansatzes in der Kinder-Verhaltenstherapie
Silvia Höfer, Reutlingen - Ausgebucht!
Dieser Workshop beschäftig sich mit der kindgerechten Anwendung von Resilienz-fördernden Elementen aus dem psychodynamisch-imaginativen Ansatz beschäftigen, da diese gut mit dem von Kindern oft bevorzugten Medium Spiel sowie der kindlichen Imaginationsfähigkeit verknüpft werden können. In diesem Ansatz wird die für die Kinder wichtige Ressourcenarbeit und Selbstfürsorge in besonderer Weise berücksichtigt. Er kann auch bei Kindern angewendet werden, die unter sehr belastenden Bedingungen leben, was z. B. oft bei Jugendhilfekindern oder Kindern aus Multiproblemfamilien der Fall ist.
Zunächst werden in einem kurzen Überblick die Selbstfürsorge- und Ressourcen-Techniken des PITT-Ansatzes besprochen. Im Weiteren lernen die TeilnehmerInnen die Anwendung innerhalb der Kinder-VT anhand von praktischen Beispielen, Übungseinheiten und mitgebrachten Fällen kennen. Auf Wunsch der TeilnehmerInnen sind auch Demonstrationen möglich. Bei Bedarf wird auf Anwendung in der Elternarbeit eingegangen.
Literatur:
Krüger, Andreas; Reddemann, Luise. Psychodynamisch-imaginative Traumatherpaie für Kinder, PITT-KID- das Manual
Reddemann, Luise. Imagination als heilsame Kraft.
3. Salutogenetische Perspektive für die Arbeit mit Heranwachsenden
Heiner Keupp, Unterschleißheim
Dieser Workshop soll zum einen eine vertiefende Einführung in die Forschungstradition der Salutogenese geben, wobei auch eigene Forschungsbefunde eingebracht werden, zum anderen werden anhand von Fallbeispielen die Möglichkeiten der psychosozialen Förderung von salutogenetischen Potentialen aufgezeigt.
4. Spielen in der Psychotherapie – Ressourcen entdecken, entwickeln, erforschen
Gabriele Meyer-Enders, Köln - Ausgebucht!
Das Spiel in der Kinder- und auch Jugendlichenpsychotherapie ist unbedingter Bestandteil der Behandlung. Über Symbole, Bilder, Probehandeln, Identifikationen, Projektionen auf Puppen und Entdecken der eigenen Kreativität werden Verhaltensänderungen angebahnt und in allen Regionen des Gehirns verankert. Im Spiel begibt sich der/die TherapeutIn auf die dem Kind gemäße Kommunikationsebene und in den dem Kind zur Verfügung stehenden Erfahrungs- und Lernkanal. Die spielerische Eroberung der Welt bedeutet für ein Kind nicht nur Leichtigkeit sondern lustvolles und auch anstrengendes Erarbeiten neuer Horizonte.
Im Workshop werden Spiele vorgestellt und erprobt, die in der Diagnostik den Zugang zum Kind/ zum Jugendlichen erleichtern. Anschließend werden ressourcenorientierte Spiele erfahren, die in der Behandlung neue Lösungsstrategien entdecken und verankern lassen.
Literatur:
Weinberger, Sabine: Kindern spielend helfen, Juventa 2007
Caby/Caby: Psychotherapeutische Schatzkiste, Borgmann 2009
Axline, Virginia: Kinder-Spieltherapie, Reinhardt 10. Aufl. 2002
5. Probleme sind Lösungen am Beispiel „Burn out“ - Psychohygiene und Selbstmanagement für Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen
Klaus Mücke, Potsdam
„Burn out“ scheint das Thema unserer Zeit zu sein. Noch vor zwei Jahren gab es kaum KlientInnen, die sich selbst so diagnostizierten, mittlerweile bilden sie das Gros in einigen Praxen. Hätte man es hier nur mit dem Symptom des Ausgebranntseins zu tun, das einfach darauf hinweist, dass es Zeit ist für eine Auszeit, wäre das Problem schnell gelöst. Nur leider – oder zum Glück, wer weiß – kommen sehr quälende und hartnäckige Symptome hinzu, von denen Schlafstörungen mit längeren Phasen der Schlaflosigkeit, Niedergeschlagenheit, Selbstzweifel, Antriebsarmut, soziale Ängste, Rückzugstendenzen, Gedächtnisstörungen wohl die häufigsten sind. Man möchte ja ganz anders sein und oft weiß man genau, was zu tun ist, damit es einem besser geht. Manchmal gelingt das auch und manchmal fällt es extrem schwer, etwas zu verändern. Und selbst wenn entsprechende Maßnahmen ergriffen werden, heißt das noch nicht, dass die Symptomatik gleich abklingt. Wie lässt sich das erklären? Und wie damit umgehen? In diesem Workshop sollen hierzu verschiedene Lösungsansätze angeboten werden, um sich selbst wieder als GestalterIn seines Lebens wahrnehmen zu können. Hierbei kann uns der Burn out neue Wege weisen, die unser Leben reicher werden lassen; denn er zwingt uns, die essentiellen Seiten, das Ganze des Lebens, in den Blick zu nehmen.
Literatur:
Mücke, Klaus (2009). Probleme sind Lösungen. Systemische Beratung und Psychotherapie – ein pragmatischer Ansatz. Lehr- und Lernbuch. 4. Aufl. Potsdam: Klaus Mücke ÖkoSysteme Verlag.
Schmidt, Gunther (2010): Von Stress und "Burn out" zur optimalen Lebensbalance. (Kongress: Hypnose Kongress 2010 - Akute schnelle Interventionen in Klinik und Praxis für Zahnärzte und Ärzte, Berlin, 10. - 12. September 2010, 194 Minuten auf 1 DVD).Auditorium, Müllheim-Baden.
6. Mutter-Kind-Interaktion als Ressource bei postpartalen Depressionen und Angststörungen
Corinna Reck, Heidelberg
Angststörungen sind neben Depressionen die häufigsten psychischen Erkrankungen im Postpartalzeitraum. Störungen der Mutter-Kind-Interaktion sowie kindliche emotionale und kognitive Entwicklungsdefizite konnten im Zusammenhang mit der postpartalen Depression wiederholt nachgewiesen werden. Die Qualität der Mutter-Kind-Interaktion nimmt dabei als Moderatorvariable zwischen der mütterlichen Psychopathologie und dem kindlichen kognitiven Entwicklungsstand eine zentrale Rolle ein. Im Bereich der Angststörungen liegen bisher hingegen kaum Befunde zum Einfluss der mütterlichen postpartalen Angstsymptomatik auf die Mutter-Kind-Interaktion und die kindliche Entwicklung vor. Im Workshop wird ein Forschungsprojekt vorgestellt, das interaktionelle Reaktionsmuster auf mütterlicher und kindlicher Seite während der ersten 6 Lebensmonate der Säuglinge in Verbindung mit der Angsterkrankung der Mutter untersucht. Eine weitere zentrale Fragestellung gilt dem Zusammenhang zwischen der Angsterkrankung, der Qualität der Mutter-Kind-Interaktion und der kognitiven Entwicklung im Alter von 12 Monaten. Langfristiges Ziel der Studie ist der Erwerb von Grundlagenwissen für die Planung störungsspezifischer mutter-kind-zentrierter Interventionen mit dem Ziel der Prävention von Entwicklungsdefiziten bei Kindern von Müttern mit Angststörungen und Depressionen im Postpartalzeitraum.
Im Workshop wird ein Überblick über aktuelle Forschungsbefunde zur Bedeutsamkeit postpartaler Depressionen und Angststörungen für die Mutter-Kind-Interaktion und die kindliche Entwicklung gegeben. Es erfolgt eine Einführung in zentrale Konzepte und experimentelle Methoden zur Einschätzung der frühen Mutter-Kind-Beziehung (z.B. Bonding, mütterliche Sensitivität, Still-Face-Situation). Die TeilnehmerInnen erhalten eine Anleitung zur Beobachtung und Analyse spezifischer Verhaltensmuster in Mutter-Kind-Interaktionen und führen eigenständig eine Videoanalyse durch. Möglichkeiten videogestützter therapeutischer Interventionen werden diskutiert.
Literatur:
Reck C (2008). Depressionen und Angststörungen im Peripartalzeitraum: Epidemiologie, Mutter-Kind-Beziehung und Behandlungskonzept. Nervenheilkunde 6, 489-490.
Reck C, Struben K, Backenstrass M, Stefenelli U, Reinig K, Fuchs T, Sohn C, Mundt Ch (2008). Prevalence, onset and comorbidity of postpartum anxiety and depressive disorders. Acta Psychiatrica Scandinavica 118, 459-468.
Reck C, Hunt A, Fuchs Th, Weiss R, Noon A, Möhler E, Downing G, Tronick EZ, Mundt Ch (2004). Interactive regulation of affect in postpartum depressed mothers and their infants: An overview. Psychopathology 37, 272-280.
7. Auf den Hund gekommen ...
Über den Einsatz von Hunden in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen
Katrin Russ, Hannover - Ausgebucht!
Für viele Kinder und Jugendliche haben Tiere eine besondere Anziehungskraft. Sie kommunizieren klar und authentisch und stehen mit den Kindern was ihre Abhängigkeit von Fürsorge angeht oft auf einer Stufe (ältere Kinder sind ihnen sogar überlegen und können in begrenzter Weise Verantwortung übernehmen). Tiere reagieren unmittelbar, sind verspielt wie Kinder und ihr Fell lädt zu einem direkten körperlichen Kontakt ein. Hunde können dabei auf Grund ihrer Eigenschaften in besonderer Weise Sozialpartner für Menschen werden. Nicht wenige Kinder wünschen sich daher ein Tier und insbesondere oft einen Hund.
Während tiergestützte Pädagogik inzwischen zunehmende Verbreitung findet, sind die Veröffentlichungen zum Einsatz von Hunden in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen noch eher rar und beschränken sich auf wenige Studien. Dennoch zeigt die Erfahrung, dass ihr Einsatz in unterschiedlichen Phasen des therapeutischen Prozesses zu erstaunlichen Veränderungen führen kann.
Im Workshop sollen Überlegungen zum Einsatz von Hunden in der Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen beschrieben werden. Dabei geht es sowohl um grundsätzliche Faktoren, die für das Gelingen notwendig sind (Auswahl eines geeigneten Hundes, Ausbildung von Tier und Therapeut, Psychohygiene, rechtliche Rahmenbedingungen, ...), als auch um Therapieplanung und den eigentlichen Einsatz. An Hand von Fällen werden Erfahrungen beschrieben und eine erste Systematisierung in Hinblick auf mögliche spezifische Einsatzgebiete und Wirkfaktoren vorgenommen.
Der Workshop hat dabei eher experimentellen Charakter und will eine Weiterentwicklung dieses interessanten Gebietes anstoßen.
Literatur:
Anke Portmann, Tiergestützte Psychotherapie
8. Multifamilientherapie (MFT)
Michael Scholz, Dresden
Die MFT vereint systemische Familientherapie mit den Vorzügen der Gruppentherapie. Sie ist u.a. effektiv bei Essstörungen, Kindesmisshandlung, schulischem Versagen und Psychosen. Sie verbreitet sich in der Medizin und Jugendhilfe und in Schulen. Wenn mehrere Familien miteinander arbeiten, können sie ihre Ressourcen wiederentdecken und ihre soziale Isolation überwinden. Der Perspektivenwechsel vervielfacht sich. Die MF-TherapeutInnen (MFT ist immer Teamarbeit) verbinden, moderieren, stützen, fokussieren und stärken stets die Verantwortung und die Kompetenz der Eltern für den PatientInnen.
Die TeilnehmerInnen erfahren hautnah, was die MFT bewirken kann.
Literatur:
Eia Asen, Michael Scholz (2009): Praxis der Multifamilientherapie. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg.
Photo: www.mediaserver.hamburg.de/R.Hegeler
Angebote für LehrerInnen

9. Kinder vor Gewalt schützen
Elke Heptner, Hamburg - Entfällt!
Kinder, die in der Familie körperliche, psychische oder sexuelle Gewalt erleben, sind auf die Unterstützung ihnen nahestehender Menschen angewiesen. Solche Situationen rechtzeitig wahrzunehmen und besonnen damit umzugehen, ist auch in der Schule eine schwierige Herausforderung. Der Workshop beschäftigt sich mit
- rechtlichen Grundlagen des Kinderschutzes,
- dem Erkennen und Beurteilen von Kindeswohlgefährdung,
- der Zusammenarbeit mit Eltern und dem Führen schwieriger Erstgespräche,
- der Kooperation mit Einrichtungen der Jugendhilfe.
10. Persönlichkeit und Präsenz - Achtsamkeit im Lehrerberuf
Vera Kaltwasser, Frankfurt am Main
Die Haltung der Achtsamkeit erschließt eine Haltung des „Forschens in eigener Sache“:
In diesem Sinne ist auch der Workshop gestaltet: Informationen über die theoretischen Grundlagen der Achtsamkeitsforschung, besonders auch im Hinblick auf die positiven Wirkungen von Achtsamkeitsübungen zur Stressbewältigung, und praktische Übungen ergänzen sich.
Die formalen Achtsamkeitsübungen (u.a. auch aus dem Qigong) nutzen das enge Wechselspiel zwischen Körper, Gedanken und Gefühlen, indem sie die Bewusstheit für persönliche, habitualisierte Gedanken und Gefühlsmuster schärfen. Dadurch entwickelt sich die Fähigkeit zur Präsenz, d.h. die Fähigkeit, mit allen Sinnen eine umfassende Aufmerksamkeit für die Gegenwart zu kultivieren.
Der Einblick in die persönlichen Bewältigungsstrategien von Stress und die Fähigkeit, Ungewissheit und Verunsicherung zunächst wahrzunehmen und die Impulse zu automatisierten Reaktionen zu erspüren, diese Haltung eröffnet gerade auch im Lehrerberuf einen kreativen, angstfreien Umgang mit Ungewissheit.
Eine Einübung in die Haltung der Achtsamkeit ist die Voraussetzung dafür, selbst Achtsamkeitsphasen im Unterricht einsetzen zu können. Über ein entsprechendes Schulprojekt zu dem Konzept AISCHU (Achtsamkeit in der Schule), das Psychologen der Universität München aktuell mit einer Studie begleiten, wird berichtet.
Literatur:
Vera Kaltwasser, Achtsamkeit in der Schule, Beltz 2008
Vera Kaltwasser, Persönlichkeit und Präsenz, Beltz 2010
© Universität Hamburg Marketing GmbH
Langworkshops (8 UE / 8 Fortbildungspunkte)
1. „Wir passen dann gegenseitig auf uns auf!“ – Geschwisterschaft in der Familien- und Kindertherapie
Inés Brock, Magdeburg - Entfällt!
In der Familientherapie aber auch im einzeltherapeutischen Setting wird das Thema Geschwister oft noch vernachlässigt. Dabei verbindet Brüder und Schwestern die längste Beziehung ihres Lebens, die zudem nicht auflösbar ist. Auch wenn es Konkurrenzen und Verletzungen gab, bleiben die Geschwister ein Leben lang Bestandteil des Selbstbildes. Die Präsenz der Geschwister ist dabei auch von den Eltern beeinflusst.
Zu wenig bekannt sind im psychotherapeutischen Feld bisher die Ressourcen, die Geschwister im Aufwachsen miteinander und darüber hinaus generieren. Geschwisterschaft kann als protektiv wirkender Resilienzfaktor in der Kindheit verstanden werden.
Im Workshop wird es neben theoretischen Einführungen und dem wissenschaftlichen Hintergrund aus Soziologie und Psychologie vor allem darum gehen, wie Geschwister hilfreich in die Psychotherapie einbezogen werden können. Im Therapieverlauf müssen Settingvariablen geklärt und spezielle Methoden adaptiert werden. Dazu gibt es Beispiele projektiver und insbesondere struktureller therapeutischer Methoden, die durch Demonstrationen und Rollenspiele transparent werden.
2. Kinder psychisch kranker Eltern: Gefährdung, Risiko- und Schutzfaktoren, Überlegungen zu Prävention und Therapie
Christiane Deneke, Hamburg - Ausgebucht!
Während Kinder psychisch kranker Eltern als „Risikogruppe“ in der Fachöffentlichkeit zunehmend wahrgenommen werden, wird noch wenig gesehen, welche Bedeutung sie als „sorgende Angehörige“ für den Bestand der Familie und das Wohlbefinden des kranken Elternteils haben können. Beiden Aspekten soll in diesem Workshop Rechnung getragen werden. Einerseits ist die psychische Entwicklung der Kinder gefährdet aufgrund ihrer Belastung mit multiplen Risiken. Andererseits entwickeln sie, oft schon im Kleinkindalter, konstruktive Möglichkeiten der Anpassung und Bewältigung. Längsschnittstudien zeigen auf, dass die wichtigsten Ressourcen für die Kinder vertrauensvolle intrafamiliäre Beziehungen und ein offener Umgang mit der Erkrankung in der Familie sind. Davon ausgehend werden geeignete Möglichkeiten der Prävention an konkreten Beispielen diskutiert. Schließlich wird es um die Frage gehen, wie der psychotherapeutische Umgang mit den Kindern und ihren Eltern den Besonderheiten dieser Familienkonstellation Rechnung tragen kann.
Literatur:
Deneke C, Lucas,T (2008) Ambulante und teilstationäre Behandlung psychisch kranker Eltern mit ihren Säuglingen und Kleinkindern. In: Lenz A, Jungbauer J (Hrsg) Kinder und Partner psychisch kranker Menschen. Belastungen, Hilfebedarf, Interventionskonzepte (S 39-61) dgvt-Verlag, Tübingen
Deneke C, Beckmann O, Dierks H (2008) Präventive Gruppenarbeit mit Kindern psychisch kranker Eltern. In: Lenz A, Jungbauer J (Hrsg) Kinder und Partner psychisch kranker Menschen. Belastungen, Hilfebedarf, Interventionskonzepte (S 63-79) dgvt-Verlag, Tübingen
Wiegand-Grefe, S, Mattejat, F, Lenz, A (Hrsg) (2011) Kinder mit psychisch kranken Eltern. Klinik und Forschung. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen
3. „Man kann ruhig auf seinem Standpunkt stehen, aber man sollte nicht darauf sitzen bleiben“ nach dem Motto: Wie bringen Sie sich und Ihre PatientInnen in Bewegung?
Kathrin Fettweiß und Meike Pudlatz, Hamburg
Die Positive Psychotherapie nach Prof. Dr. Nossrat Pesechkian geht von einem Positiven Menschenbild aus: Jeder Mensch, jede Familie, jede Gesellschaft, jede Kultur und die gesamte Menschheit haben das Potential, sich in Richtung Gesundheit, Gerechtigkeit und friedlichem Zusammenleben zu entwickeln.
Der ressourcenorientierte Ansatz ist eine praktische Anwendung der Positiven Psychotherapie und des Positiven Menschenbildes. Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen über Gemeinsamkeiten und Unterschiede im Gesundheits- und Krankheitsverständnis verschiedener Kulturen schult er insbesondere die Fähigkeit des Perspektivwechsels sowie das Nutzen individueller und kollektiver Ressourcen sowohl für den/die TherapeutIn als auch für PatientInnen und KlientInnen.
Dazu lernen die TeilnehmerInnen in diesem Workshop als ein zentrales Modell der Positiven Psychotherapie das Balancemodell kennen und anwenden. Weiterhin werden sie mit der Arbeit mit Geschichten und Spruchweisheiten in ihren verschiedenen Funktionen in der Patientenarbeit vertraut gemacht.
Literatur:
Der Kaufmann und der Papagei. Orientalische Geschichten als Medien in der Psychotherapie. Mit Fallbeispielen zur Erziehung und Selbsthilfe. Nossrat Peseschikan. Fischer Taschenbuch 1987
Wenn du willst, was du noch nie gehabt hast, dann tu, was du noch nie getan hast: Geschichten und Lebensweisheiten von Nossrat Peseschkian. Herder spektrum 2007
Es ist leicht, das Leben schwer zu nehmen. Aber schwer, es leicht zu nehmen/ Klug ist jeder. Der eine vorher, der andere nachher: Geschichten und Lebensweisheiten von Nossrat Peseschkian. Herder spektrum 2006
4. Schema- und modusgeleitete Verhaltentherapie bei Kindern, Jugendlichen und Eltern
Peter Graaf, Hamburg - Ausgebucht!
Die Verhaltentherapie bei Kindern und Jugendlichen und die Arbeit mit ihren Eltern trifft oft auf Grenzen, wenn tief verankerte Schemata dahinterstehen, die ein Umlernen erschweren. Peter Graaf und Heinrich Berbalk haben daher neuartige Zugänge erprobt und arbeiten laufend an der Weiterentwicklung der Modusarbeit gerade bei PatientInnen und Eltern, deren Gefühlszustände mithilfe kognitiver Verhaltenstherapie z.T. schwer zugänglich sind.
Nach einer kurzen Einführung in die Grundlagen der Schematherapie werden diagnostische Techniken und therapeutische Konzepte für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern vorgestellt. Schwerpunkt wird dabei die Modusarbeit sein, z.B. mit Puppen, Zeichnungen und Stammgeschichten. Für die Elternarbeit werden typische Moduskonstellationen und diesbezügliche Interventionsmöglichkeiten vorgestellt, die von eher edukativen Ansätzen bis zur fokalen Behandlung bestimmter Schemata und Modi gehen können. Diverse Video-Beispiele des Dozenten sowie Fallbeispiele der TeilnehmerInnen, evtl. auch Rollenspiele im Kleingruppen-Setting, sorgen für die Vertiefung des Gelernten.
Literatur:
Berbalk, H., Young J. , Schematherapie,
in: Schneider S. Margraf J. Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen. Springer: Heidelberg
Jacob, G. und Arntz, A., Schematherapie in der Praxis, Beltz/ Weinheim: 2011
Schneider, S., Margraf, J., Verhaltenstherapie bei Kindern und Jugendlichen. Springer: Heidelberg
Young, J., Klosko, J., Weishaar, M. Schematherapie. Junfermann: Paderborn
Roediger, E., Praxis der Schematherapie. Schattauer: Stuttgart.
5. Kognitive Verhaltenstherapie depressiver Störungen im Kindes- und Jugendalter
Gunter Groen, Hamburg - Ausgebucht!
Aktuelle Ergebnisse verdeutlichen zunehmend die große Bedeutung depressive Störungen im Kindes- und Jugendalter. Depressionen treten in dieser Entwicklungsphase weitaus häufiger auf als lange angenommen wurde. Betroffene Kinder und Jugendliche leiden in vielen Fällen unter massiven Problemen in unterschiedlichen Lebensbereichen und tragen ein hohes Risiko für Beeinträchtigungen bezüglich ihrer weiteren psychosozialen Entwicklung, wenn die Störung nicht frühzeitig erkannt und angemessen behandelt wird.
Im Rahmen des Kurses werden zunächst in einem kurzen Überblick u.a. die entwicklungs- und geschlechtsspezifischen Formen der Depression, häufige komorbide Störungen sowie Risikofaktoren und Erklärungsmodelle vorgestellt. Danach werden praktische Zugänge zur Diagnostik und Intervention bei depressiven Kindern und Jugendlichen erarbeitet. Neuere Ansätze und Therapieprogramme werden vorgestellt und eingeübt.
Literatur:
Groen, G. & Petermann, F. (2011). Depressive Kinder und Jugendliche (2. Aufl.). Göttingen: Hogrefe.
Groen, G. & Petermann, F. (2011). Ist mein Kind depressiv? Ein Ratgeber. Bern: Huber.
Ihle, W., Groen, G., Walter, D., Esser, G. & Petermann, F. (2011/12). Leitfaden Kinder- und Jugendpsychotherapie. Depressionen. Göttingen: Hogrefe.
6. Biographiearbeit unter dem Gesichtspunkt der Positiven Psychotherapie – eine ressourcenorientierte Betrachtungsweise
Abbas Jabbarian, Leer - Ausgebucht!
Im Mittelpunkt der Positiven Psychotherapie ihres Begründers Prof. Dr. med. Nossrat Peseschkian steht das Balance-Modell bzw. die vier Bereiche des Lebens. Dieses Modell ermöglicht PsychotherapeutInnen eine differenzierte, ressourcenorientierte und zugleich einfache Biographiearbeit. Dabei forschen der/die PatientIn und der/die TherapeutIn als Partner nach Stärken, latenten Ressourcen und Hindernissen auf dem Weg der Lebensstrecke, die zu Erfolgen bzw. Konflikten beigetragen haben. Ziel ist die Bewusstwerdung dieser Phänomene und Prozesse im Sinne einer positiven und autonomen Veränderung im Hier und Jetzt sowie für die Zukunft.
Literatur:
Nossrat Peseschkian: Psychosomatik und Positive Psychotherapie, Fischer TB
Nossrat Peseschkian: Psychotherapie im Alltagsleben, Fischer TB
Abbas Jabbarian: Ängste und ihre positiven Botschaften – Im Kontext der Positiven Psychotherapie – von der symbolischen Sprache des Unbewussten, mit 25 Fallbeispielen aus dem Praxisalltag, 2008 Cuvillier-Verlag
7. Tod und Sterben – Trauer und Trost: Psychotherapeutische Begleitung von Kindern, die einen Angehörigen verloren haben.
Elisabeth Jürgens, Braunschweig; Ruth Jäger, Hildesheim - Ausgebucht!
Die therapeutische Arbeit mit trauernden Kindern ist eine andere als die mit trauernden Erwachsenen. Da für eine gute Bewältigung des Verlusts die offene Kommunikation über den Tod von zentraler Bedeutung ist, die dem emotionalen und kognitiven Entwicklungsstand des Kindes entsprechen sollte, können Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen hier wesentliche Unterstützung für die weitere Entwicklung des Kindes geben.
Der sehr an der therapeutischen Praxis orientierte Langworkshop widmet sich den Fragen, wie man mit Kindern zu diesem Thema ins Gespräch kommen kann, Kinder und Jugendliche auf nahende Verlustereignisse vorbereiten und sie in der Trauerarbeit unterstützen kann. Praktische Vorgehensweisen in der Therapie werden ebenso vorgestellt wie entwicklungspsychologische Erkenntnisse und Forschungsergebnisse. Darüber hinaus wird den Workshop-TeilnehmerInnen eine Sammlung von Bilderbüchern zugänglich gemacht, die als Einstiegshilfe für das Gespräch mit Vorschul- und Grundschulkindern geeignet sind.
Literatur:
Jürgens, E. (2008): Tod und Sterben –Trauer und Trost. Arbeitsmaterialien für die Arbeit mit trauernden Kindern und Jugendlichen. In: Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen – Zeitschrift für die psychosoziale Praxis, 4. Jahrgang, Ausgabe 1/2008
Rechenberg-Winter, P. & Fischinger, E. (2008). Kursbuch systemischer Trauerbegleitung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
8. Was macht Kinder stark?
Heino Mönnich, Berlin
Was ist eigentlich das Besondere an diesen 30 % der Menschheit, die so widerstandsfähig sind? Es ist spannend herauszufinden, wie diese Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen „ticken“.
Noch spannender ist es, deren Ressourcen so in einer Therapie einzubauen, dass manche psychotherapeutische Hakenschläge überflüssig werden.
Dieser Workshop gibt einen Überblick über die Forschung, leitet die wichtigsten Ergebnisse ab und versetzt die TeilnehmerInnen in die Lage, neue oder verschüttete Hinweise für Ihre therapeutischen und psychosozialen Strategien zu entdecken.
Resilienzstrukturen und Verhaltenstherapie können eine große Koalition eingehen, wenn die Bindeglieder stimmen.
Persönliche Entdeckerfreude und Offenheit für Unkonventionelles sind gute Vorraussetzungen für diesen Workshop.
Photo: www.mediaserver.hamburg.de, C. Spahrbier
Angebot für Studierende:

9. Der Weg ist das Ziel oder: Was soll ich nur nach dem Studium machen?
Tipps und Anregungen erfahrener KollegInnen aus dem psychosozialen und therapeutischen Feld zur Planung des eigenen Berufswegs
In diesem Workshop werden erfahrene KollegInnen aus verschiedenen psychosozialen und therapeutischen Arbeitsfeldern zu ihrem beruflichen Werdegang Rede und Antwort stehen. Dabei werden die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche und die jeweiligen Zugangswege thematisiert. Die WorkshopteilnehmerInnen sollen kurze Interviewleitfäden erarbeiten und mit diesen die KollegInnen zu deren Erfahrungen bei ihrer beruflichen Entwicklung befragen. In der Auswertung der Interviews werden typische Entscheidungssituationen und Weichenstellungen erfahrbar und für die Planung der eigenen beruflichen Perspektive wichtige Tipps und Anregungen gewonnen.
Eine Darstellung der Bedingungen einer postgradualen (Kinder- und Jugendlichen-) Psychotherapieausbildung runden den Workshop ab. Die aktive Beteiligung der WorkshopteilnehmerInnen wird erwartet.
Ein Workshop speziell für Studierende psychologischer und (sozial-)pädagogischer Studiengänge. Dieser Workshop ist für Studierende kostenfrei. Eine Anmeldung ist wegen der begrenzten TeilnehmerInnenzahl dennoch erforderlich.
Moderation: Judith Schild, Münster - Ausgebucht!