Beratungsqualität in Bildung, Beruf und Beschäftigung - Das Nationale Forum Beratung lud zum Expertenworkshop ein
Im Rahmen des Verbundprojektes „Beratungsqualität im Feld Bildung, Beruf und Beschäftigung“ des Nationalen Forums Beratung (nfb) und des Instituts für Beratungswissenschaft (IBW) der Universität Heidelberg wurden ein allgemeiner Rahmen zur Qualitätsentwicklung (QER) sowie Beratungsstandards entwickelt und erprobt. Am 28. November 2013 fand im Rahmen dieses Projekts ein Expertenworkshop zum Thema: „Kompetenzerfassung, Qualitätsstandards und Qualitätsentwicklung – Zwischenergebnisse aus dem Projekt „Beratungsqualität in Bildung, Beruf und Beschäftigung – Implementierungsstrategien und wissenschaftliche Fundierung“ in Berlin statt. Eingeladen waren EntwicklerInnen und ExpertInnen aus den Projektphasen sowie TeilnehmerInnen aus den unterschiedlichen Regionalworkshops und Runden Tischen, die vom Projektteam ausgerichtet wurden.
Eröffnet wurde der Workshop durch die beiden Projektleiterinnen Prof. Dr. Christiane Schiersmann (IBW) und Karen Schober (nfb) mit einer Präsentation des Zwischenstands im Projekt „Qualitätsentwicklung in der Bildungs- und Berufsberatung sowie einer kurzen Skizzierung der sechs Phasen des Qualitätsentwicklungsrahmens (nähere Informationen unter www.beratungsqualitaet.net).
Der Hauptteil des Expertenworkshops bestand aus drei parallelen Foren. In Forum A „Kompetenzprofil und Kompetenzerfassung für Beratende im Feld Bildung, Beruf und Beschäftigung“ wurde zunächst ein Kompetenzprofil für Beraterinnen und Berater vorgestellt, welches sich an den entwickelten Standards orientiert. Anschließend wurden darauf aufbauende Instrumente zur Kompetenzerfassung, wie z.B. videografierte Beratungsgespräche, Reflexionsbögen zum Beratungsgespräch oder schriftliche und videografierte Fallvignetten sowie die ersten Ergebnisse aus der Praxiserprobung vorgestellt.
Forum B „Qualitätsstandards für die Beratung in Bildung, Beruf und Beschäftigung: Vorstellung der Ergebnisse und Diskussion zu fachpolitischen Dimensionen einer verbindlichen Einführung“ wurde thematisch in zwei Teile untergliedert. Im ersten Teil wurde sich mit dem Entwicklungsprozess der Qualitätsstandards auseinandergesetzt. Hier wurden zum einen die Akteure und die Art und Weise, wie diese in dem Prozess eingebunden waren, beschrieben. Zum anderen wurde die inhaltliche Qualität der Standards bewertet. Weiterhin wurde über die politische Legitimation der Standards diskutiert. Im zweiten Teil des Forums wurde die Frage aufgeworfen, wie die Fachöffentlichkeit von der verbindlichen Einführung von Qualitätsstandards für die Beratung im Bereich Bildung, Beruf und Beschäftigung, überzeugt werden kann. Hierbei wurden auch Vorbehalte und Sorgen diskutiert.
In der zweiten Erprobungsphase des QER werden einige Instrumente zur Gestaltung der Qualitätsentwicklung eingesetzt und von 49 Beratungsanbietern auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft. Hierbei handelt es sich vor allem um eine internetgestützte Qualitätsplattform, in Verbindung mit Arbeitsmaterialien und Werkzeugen, zur Umsetzung des QER und der Prozessreflektion sowie den Einsatz externer Prozessbegleiter. Der Schwerpunkt des Forums C „Der Qualitätsentwicklungsrahmen (QER) und seine Unterstützungsinstrumente: Erprobungsdesign und erste Erfahrungen aus der Erprobung“ lag in der Diskussion über die folgenden Fragen: Wie gelingt die Arbeit mit der internetgestützten Plattform? Inwiefern unterstützt die Prozessreflektion die Qualitätsentwicklung in den Beratungsorganisationen? Und wie gestaltet sich die Arbeit mit den Prozessbegleiterinnen und Prozessbegleitern?
In den an die Foren anschließenden beiden Kurzvorträgen wurde noch einmal auf die zentrale Frage der Implementierung von Qualitätsstandards eingegangen. Prof. Dr. Klaus Meisel, Managementdirektorder Münchener Volkshochschule, wies in seinem Beitrag „Nachhaltigkeit durch Verbindlichkeit? Überlegungen zu erfolgreichen Implementierungsstrategien“ darauf hin, dass es für ihn nur schwer vorstellbar wäre, über die Gesetzgebung zu einer Implementierung der Standards zu gelangen und letztlich der Weg der Selbstverpflichtung zu wählen sei. Hierbei sollte versucht werden, wichtige Akteure von den Qualitätsstandards zu überzeugen, um auf dieser Basis auch die Rückendeckung und Unterstützung der Politik zu erhalten.
Sabine Seidel vom Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung (ies) und Karen Schober (nfb) griffen die Frage auf, inwieweit Verbindlichkeit durch eine Qualitätstestierung möglich sei und gaben einen Überblick über bestehende Zertifizierungsansätze in der Bildungs-, Berufs- und Beschäftigungsberatung. Frau Schober wies noch einmal darauf hin, dass es von Beginn an das Ziel gewesen sei, etwas zu schaffen, dass auf Nachhaltigkeit und Beständigkeit basiert. Auch wenn die Beteiligten noch von einem „work in progress“ sprechen, so scheinen ihnen allerdings die Ideen zu fehlen, wie eine solche Nachhaltigkeit auch ohne eine Testierung erreicht werden könnte.
Im Rahmen des abschließenden Fishbowls wurde noch einmal über Möglichkeiten und Strategien zur nachhaltigen Implementierung der Qualitätsentwicklungsinstrumente diskutiert. Im Zentrum stand die klassische top-down versus buttom-up Kontroverse. Ebenso wurde die Frage aufgegriffen, wie weitere Organisationen und Einrichtungen, aber auch einzelne Beratende, motiviert werden, sich mit Qualitätsentwicklung auseinander zu setzen. Hierbei wurde noch einmal über die Akzeptanz der Standards sowie über den Nutzen und Mehrwert des Qualitätsentwicklungsrahmens gesprochen.
Der Kerndisput, ob Standards gesetzlich vorgegeben werden müssen, wenn es um öffentliche Fördergelder geht, oder sich die Anbieter selbst verpflichten sollten, blieb bis zum Ende stark diskutiert und ergebnisoffen.
Daniel Wilhelm
Mitglied im Forum Beratung