Bericht der Landesgruppe Saarland (VPP 1/2004)
Zwar waren unserer Liste Nr. 6 mit dem Namen "Verhaltenstherapie" von der Wählerschaft bei einer Wahlbeteiligung von knapp 90%[1] zwei der zu vergebenden 17 Sitze, um die immerhin 7 Listen mit insgesamt 48 KandidatInnen konkurriert hatten, zugesprochen worden. Zugleich konnte sich aber die u.a. auch von uns als gegnerisch eingestufte Liste 5 unter der Bezeichnung "Wahlbündnis Psychotherapie Saarland" über 5 Sitze freuen. Zur zweitstärksten Fraktion in spe mit 3 Sitzen hatten die WählerInnen - wenn man die separat zu betrachtende KJP-Liste mit dem numerisch gleichen Resultat für den Moment einmal beiseite lässt - die erst kurz vor Beginn der Wahlperiode (14. bis 28. November) zustandegekommene "Liste Angestellte PP" gemacht. Die selbe Anzahl Sitze wie wir hatte die Liste 3 "MQI-Methodenvielfalt" erobert, doch das mit dem im Vergleich zu uns (10 %) höheren Stimmenanteil von knapp 15 %. Hinter uns platziert waren schließlich mit je einem Sitz die Liste 1, "Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten Saar" und die Liste 2, "BDP/VPP für Methodenvielfalt und Integration". Zur genauen Bewertung unseres Ergebnisses (und dem der anderen, wie sich von selbst versteht) sollte aber noch bedacht werden, dass der KJP-Liste 3 Sitze per gesetzlich garantierter Quote in der Vertreterversammlung zustehen und so jedem/-r ihrer nur 3 KandidatInnen die Wahl von vornherein sicher war. Nimmt man nur die PPs, so hatten sich 6 Listen mit insgesamt 45 KandidatInnen um 14 Sitze beworben. Insgesamt sind wir mit unseren 10,07 %, um es hier ganz genau zu machen, sehr zufrieden.
Tabelle: Wahlbeteiligung
| Psychologische Psychotherapeuten | Kinder- und Jugendlichen Psychotherapeuten | |
| Anzahl stimmberechtigter PP | 317 | 51 |
| Anzahl abgegebener Wahlbriefe | 282 | 47 |
| Wahlbeteiligung | 88,96% | 92,16% |
| Anzahl abgegebener gültiger Stimmzettel | 275 | 47 |
| Prozentualer Anteil gültiger Stimmzettel | 97,52% | 100% |
| Anzahl ungültiger Stimmzettel | 7 | 0 |
| Prozentualer Anteil ungültiger Stimmzettel | 2,48% | 0% |
Quelle: Homepage der PT-Kammer Saar: http://www.ptk-saar.de
Tabelle: Stimmenanteile und Sitzverteilung je Liste
| Listenanordnung gemäß Stimmenanteilen) | Gesamtzahl erhaltener Stimmen | prozentualer Anteil zu allen abgegebenen gültigen Stimmen | Sitze in der Vertreterversammlung |
| PP-Liste 5: Wahlbündnis Psychotherapie Saarland | 1466 | 38,53% | 5 |
| PP-Liste 4: Liste Angestellte PP | 734 | 19,29% | 3 |
| PP-Liste 3: MQI-Methodenvielfalt | 569 | 14,95% | 2 |
| PP-Liste 6: Verhaltenstherapie | 383 | 10,07% | 2 |
| PP-Liste 1: Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten Saar | 360 | 9,46% | 1 |
| PP-Liste 2: BDP/VPP für Methodenvielfalt und Integration | 293 | 7,70% | 1 |
| KJP-Liste 1: Bündnis für Kinder- und Jugendpsychotherapie | 135 | 100,00% | 3 |
Quelle: Homepage der PT-Kammer Saar: http://www.ptk-saar.de
Doch wie ist das mit nicht ganz 40 % der Stimmen fast triumphal zu nennende Ergebnis der Liste 5, "Wahlbündnis Psychotherapie Saarland", zu erklären? Über die Anführerin dieser Liste, die Vorsitzende des saarländischen BVVP-Ablegers VVPS, Frau Ilse Rohr, habe ich in meinen früheren Berichten schon Einiges gesagt und möchte mich darauf im Wesentlichen beschränken. Sie hat es geschafft, obwohl sie kein Vorstandsamt im Errichtungsausschuss hatte, im Oktober, also rechtzeitig vor der Wahl, einen längeren Artikel in die einzige relevante regionale Tageszeitung, die Saarbrücker Zeitung, zu lancieren, in dem sie als maßgebliche Figur im Errichtungsausschuss dargestellt wurde.
Selbst im Nachhinein ist noch nicht auszumachen, welches die entscheidenden Faktoren waren, die den Ausgang der Wahl bestimmten. Klar ist sicher, dass auch auf diese Wahl zuzutreffen scheint, dass ehrliches, am "gemeinsamen Wohl" orientiertes Engagement in der bzw. für die Sache, oder, etwas weniger pathetisch, eine Arbeit, in der es gelingt, das normale kurzfristige, schnöde Eigeninteresse für eine Zeitlang einem gemeinsamen Anliegen zuliebe zurückzustellen, nicht ausreicht, um gewählt zu werden. Andererseits lässt sich freilich die Gegenthese formulieren, dass das sehr gute Ergebnis, das der Präsident des Errichtungsausschusses, Kollege Jochen Jentner, mit den immerhin drittmeisten Stimmen in der Einzelkandidatenwertung erzielte, nicht eben doch die verdiente Anerkennung für seine Arbeit im vorher skizzierten Sinne bedeutet? Zumal man nach der unglückseligen Haushalts- bzw. Beitrags-Panne, die Frau Rohr geschickt für den Vorwahlkampf ausnutzte, indem sie wider besseres Wissen behauptete, der vorgesehene Beitrag sei nur deshalb zu hoch, weil "der Vorstand sich satte Gehälter sichern" möchte (s. Rosa Beilage 2/2003 und 3/2003), durchaus erwarten konnte, dass der Kollege bei den Wahlen den Ärger vor allen anderen abbekommen würde?
Ein alles andere als unproblematischer Determinationsfaktor für den persönlichen Wahlerfolg ist zweifellos - und nicht nur im hier zu berichtenden, spezifischen Falle - der Grad und die Art der öffentlichen Bekanntheit der KandidatInnen. Wir haben dies zugegebenermaßen für unsere Liste "Verhaltenstherapie" selber genutzt und mit dem Schachzug, den fast allen Kollegen vom Studium, von der Psychotherapie-Ausbildung, von Supervisionen und von Fortbildungsveranstaltungen her bekannten Dr. Bernd Keßler, Akademischer Direktor am Psycho-logischen Institut der Universität des Saarlandes und langjähriges DGVT-Mitglied, für eine Kandidatur zu gewinnen. Er erhielt prompt die vierthöchste Stimmenzahl von allen 45 PP-BewerberInnen und war maßgeblich dafür verantwortlich, dass unsere Liste "Verhaltenstherapie" ihre 2 Sitze in der Vertreterversammlung erobern konnte. Da er weder berufspolitisch noch im Vorfeld der Wahlen (Landeskonferenz und Errichtungssauschuss) groß in Erscheinung getreten ist, darf man sein hervorragendes Ergebnis getrost seinem absolut der Wirklichkeit entsprechenden Bild eines fachlich in Theorie und Praxis überaus kompetenten Kollegen zuschreiben. Bei Frau Rohr hat sich demgegenüber offenbar die nahezu "politprofessionell" zu nennende Strategie ausgezahlt, egal wie und wodurch ständig von sich reden zu machen und sich dabei selbst als jemand anzupreisen, der bzw. die als Kammerpräsidentin sich mächtig Respekt in der Öffentlichkeit, bei den anderen Verbänden und im Gesundheitswesen zu verschaffen und unserem Berufsstand zu entsprechender Reputation und Einflußmacht zu verhelfen wüsste. Während man den Erfolg des Kollegen Jentner mit seiner Errichtungsausschuss-Präsidentschaft zu erklären vermag (er hätte jenen dann einem positiven Missverständnis zu verdanken, da er ihn wie gesagt eigentlich durch seine gute und kollegial einwandfreie Amtsführung verdiente), bleibt das gute Ergebnis von Frau Lorenz-Wallacher einigermaßen rätselhaft. Sicherlich ist auch sie vielen bekannt, etwa als 2. Vorsitzende der "Milton-Erickson-Gesellschaft für Klinische Hypnose" sowie als Dozentin an dem verhaltenstherapeutischen Ausbildungsinstitut der Klinik Berus, sie hat darüber hinaus wohl auch viele "systemische" KollegInnen angesprochen. Bezogen auf uns selbst ist zu konstatieren, dass wir auf dem Sektor der persönlichen Präsentation eindeutig zu wenig getan haben. Die drei anderen Kandidaten unserer Liste (einschließlich des Autors dieser Seiten) haben sich nicht genügend klar gemacht, dass sie der jüngeren KollegInnen-Generation nicht mehr so bekannt sind, wie sie es waren, als sie selber noch zu eben dieser gehörten, und dass die eigene, das Gros der in der Kammerwahl Aktiven stellende KollegInnen-"Generation" sich am stärksten in die miteinander konkurrierenden Gruppierungen zersplitterte, so dass hier persönliche Bekanntheit kaum zu Buche schlagen konnte. Und sie haben wohl auch unterschätzt, wie weit die "Amerikanisierung" auch in unsere berufspolitische Subkultur vorgedrungen ist, oder waren sich vielleicht auch zu schade für billige, heutzutage aber leider unverzichtbare Publicity-Gags. So hingen sie wie die meisten anderen KandidatInnen v.a. von ihrem auf persönlicher Bekanntschaft bzw. Sympathie beruhenden WählerInnen-Klientel ab (der Verfasser dieses Berichts etwa liegt zusammen mit einem übrigens nicht in die Versammlung gewählten Kollegen von der Angestelltenliste auf dem 22. Platz, und auf dem letzten Platz aller 14 gewählten PPs, was die persönlichen Stimmen anbetrifft).
Nun darf man über der Eigenart unseres Wahlsystems, dem Persönlichkeitsaspekt durch das "Panaschieren" und "Kumulieren" besonderen Raum zu geben, nicht vergessen, dass letztlich doch die Listen primär waren, und zwar sowohl in der Aufstellung der BewerberInnen für die Wahlen als auch in der Ermittlung des Wahlergebnisses, denn im ersten Auswertungsdurchgang wurden zunächst die auf die einzelnen Listen entfallenen Stimmen ausgezählt, danach die Zahl der jeweils von diesen in der Vertreterversammlung eroberten Sitze bestimmt und erst dann in einem weiteren Durchgang die EinzelkandidatInnen nach ihrem persönlichen Stimmenanteil in die Rangfolge gebracht, die nötig ist, zu ermitteln, wer schließlich für seine Liste in die Vertreterversammlung einzieht. Doch auch an dieser Stelle ist zunächst noch ein vor der Reflexion der Inhalte liegender, banal erscheinender Faktor hervorzuheben, der ebenfalls mit der gerade angesprochenen Besonderheit unseres Wahlsystems zu tun hat: es haben tendenziell die Listen besser abgeschnitten, auf denen eine relativ große Anzahl von KandidatInnen präsentiert worden waren. Frau Rohrs Liste mit 14 KandidatInnen, die Angestellten-Liste mit 10 Kandidatinnen und die vom Errichtungsausschuss-Präsidenten Jentner angeführte Liste "MQI-Methodenvielfalt" mit 7 Kandidatinnen bilden die obere Hälfte der Wahltabelle und vereinigen zusammen knapp 73 % der Stimmen auf sich. Unsere Liste sowie die der "Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten" mit je 4 KandidatInnen und die BDP-Liste mit 6 KandidatInnen "zieren" mit ihren zusammengenommen etwas über 27 % der gültigen Stimmen die untere Tabellenhälfte. Andersherum betrachtet: fast 69 % der KandidatInnen konzentrieren sich auf die 3 Listen der oberen Tabellenhälfte und nur etwas über 31 % auf die 3 Listen der unteren Tabellenhäfte. Die Parallelität ist augenfällig und wäre gar nahezu perfekt, gäbe es nicht auch hier wieder das relativierende Gegenbeispiel der BDP-Liste mit ihren zwar 6 KandidatInnen, aber nur 7,7 % der Stimmen (sechster und letzter Tabellenplatz unter den PP-Listen), welches Resultat sich nach der zugegebenermaßen spekulativen Erklärung des Schreibers dieser Zeilen mit dem geringen Bekanntheitsgrad einiger der KandidatInnen dieser etwas unglücklich zusammengestellten Liste 2 zu tun hatte (die beiden Faktoren "Persönlichkeit" und "Listenlänge" haben hier womöglich gegenläufig gewirkt, doch gilt für alle im Spiel gewesenen Faktoren, dass sie sich addieren, aber auch gegenseitig diminuieren können). Wie immer, es war von unserer Seite zweifellos ein Fehler, nur mit 4 Kandidaten anzutreten, und dieser Fehler hat leider tiefere Gründe: Die VerhaltenstherapeutInnen hatten sich ursprünglich eigenbrötlerisch in 2 Listen aufgespalten, ohne sich zuerst einmal untereinander zu verständigen, nämlich unsere spätere Liste 6 und eine weitere Liste, welche dann aber infolge mehrerer ungültiger Stützunterschriften nicht zur Wahl zugelassen worden war. Mit einer gemeinsamen, dann mindestens 10 Kandidaten umfassenden Liste hätten wir Verhaltenstherapeuten wohl viel besser abgeschnitten. Die Weglassung des weiblichen Suffix ist hier übrigens "weder zufällig noch beabsichtigt, sondern unvermeidlich", um aus Heinrich Bölls "Die verlorene Ehre der Katharinas Blum" zu zitieren, denn in keinem Fall hätten wir auch nur über eine einzige weibliche Kandidatin verfügt, was ganz sicher ein weiterer grundlegender und schwerer Nachteil unserer Aufstellung war. Ein anderes Manko, von dem allerdings nicht klar ist, ob dem Abhilfe zu schaffen gewesen wäre, war unzweifelhaft auch das Fehlen einer eher verhaltentherapeutisch orientierten KJP-Liste, denn die 3 analytischen KandidatInnen der einzigen KJP-Liste erhielten - in der Reihenfolge ihrer persönlichen Stimmenanteile - nicht einmal die Hälfte bzw. nicht einmal ein Viertel bzw. nicht einmal ein Fünftel der möglichen Stimmen ihrer insgesamt 51 Köpfe zählenden Wählerschaft. Wir müssen feststellen, dass die Mobilisierung unserer Mitglieder wie überhaupt unser Zusammenhalt bzw. unser Gemeinsamkeitsgefühl als DGVT-lerInnen und/oder VerhaltenstherapeutInnen sehr zu wünschen übrig lie�? und läßt. Aber vielleicht liegt es ja auch in der Natur der Dinge, dass gerade uns mehr der individuelle, nüchterne und pragmatische Geschäftssinn prägt als das Gefühl des Arbeitens an einer echten gemeinsamen Sache, die es aus ihr selbst heraus wert ist und für die zu engagieren es sich lohnt? Letzteres wird möglicherweise doch als zu ideologisch oder sendungsbewusst empfunden, und über diese Phase sind wir ja nun doch ein für alle mal hinaus, oder nicht? Einmal mehr funkt hier wieder die Realität in ihrer Abneigung gegen allzu eindeutige und stimmige Konstruktionen dazwischen, denn nach dem Eindruck einer letzten gemeinsamen KandidatInnenvorstellung 2 Tage vor Beginn der Wahlperiode, für die die Psychotherapeutenkammer den Rahmen gestaltet hatte (und die zu einer exklusiven KandidatInnenversammlung geraten, weil kaum ein/e Wähler/in gekommen war, die aber immerhin ein näheres gegenseitiges Kennenlernen sich bis dato persönlich nicht bekannter KandidatInnen der verschiedenen Listen ermöglicht hatte), schien selbst von der nach eigenem Anspruch ja gar nicht durch irgendeine solche inhaltliche "Sache" definierten "Vereinigung der Kassenpsychotherapeuten" mehr Gemeinschaftsgeist und Kollegialität auszugehen als von uns VerhaltenstherapeutInnen, die wir doch eine gemeinsame Sache zumindest in unserer Selbstbezeichnung haben, nicht wahr?
Was hat nun sonst noch den Erfolg der beteiligten Listen gefördert, und was hat speziell die Liste 5 der Frau Rohr, das "Wahlbündnis Psychotherapie Saarland", so erfolgreich gemacht? Gab es nicht inhaltliche Aspekte, von denen bisher noch gar nicht die Rede war? In der Tat: ein erster Rundblick aus der Weitwinkelperspektive legt gleich die Feststellung nahe, dass die Angestelltenliste mit fast 20 % der Stimmen einem echten und natürlichen Bedürfnis jedenfalls eines bedeutsamen Anteils der kollegialen Wählerschaft entsprach, denn diese Liste konnte sich nicht durch besondere Wahlkampfanstrengungen profilieren, hatte keine KandidatInnen nennenswerten Bekanntheitsgrades und wurde nicht von etablierten bzw. organisierten Berufs- oder Fachverbänden getragen. Diese wiederum schienen vor allem dann erfolgreich zu sein, wenn sie sich zu mehreren zusammentaten. Das waren im Falle des "Wahlbündnisses Psychotherapie Saarland", welches wie oben erwähnt fast 40 % der Stimmen bekam, nicht nur VPPS und DGPT, sondern auch das (ärztlich dominierte) saarländische Ausbildungsinstitut der Psychoanalytiker und - in Personalunion ebenfalls von Frau Lorenz-Wallacher vertreten - die "Milton-Erickson-Gesellschaft", weiters eine "Saarländische Gesellschaft für Systemische Beratung und Therapie" sowie das eine oder andere "unabhängige Individuum" mit dem "Promi"-Highlight Prof. Rainer Krause, psychoanalytischer Inhaber des Lehrstuhls für klinische Psychologie und Psychotherapie am Psychologischen Institut der Universität des Saarlandes, der es dann von seinen persönlichen Wählerstimmen her übrigens auf den fünften Platz der Liste 5 und damit eben noch in die Vertreterversammlung schaffte. Auch die Liste 3 "MQI-Methodenvielfalt" (Stimmenanteil: knapp 15 %) mit dem Vorsitzenden des Errichtungsausschusses, Koll. Jentner, an der Spitze vereinigte 4 Verbände in sich. Die BDP/VPP-Liste Nr. 2 mit ihren 7,7 % Stimmenanteil lieferte den Beweis, dass es nicht ausreichend war, wenn man "Methodenvielfalt und Integration" auf sein Transparent schrieb, sondern dass es die Personen zu haben galt, die die verschiedenen "Wählerschichten" und "-gruppen" in der KollegInnenschaft - im wörtlich wie im übertragenen Sinne - anzusprechen geeignet waren. Am relativ schlechtesten schnitten die nur von einem Verband (BDP/VPP, "Vereinigung" mit einem übrigens noch zu erwähnenden Stimmenanteil von knapp 9,5 % und uns "Verhaltenstherapeuten/DGVT") getragenen Listen ab. Der von uns geholte 10 % Stimmenanteil ist so gesehen unterm Strich gar noch recht positiv zu bewerten, da wir durchaus unsere Richtung "Verhaltenstherapie" als stärkste Kraft in der heutigen Psychotherapie und als deren maßgebliche Wegbereiterin (hinter deren breitem Rücken viele andere Ansätze, die einzeln gegen die übermächtige Psychoanalyse nie eine Chance gehabt hätten, ihrer Orchideen-Existenz zu entkommen, sich erst entfalten konnten) hervorheben wollten und nicht in den allgegenwärtigen Chor von "Methodenvielfalt und Integration" meinten einstimmen zu müssen. Natürlich heißt das nicht, um gleich dem von mancher Seite nur allzu gerne gezüchteten und verbreiteten Missverständnis vorzubeugen, dass wir etwas gegen diese hehren Anliegen hätten, im Gegenteil: die pragmatische Verhaltenstherapie ist ihrer Natur nach bereits "integrativ" und kann nicht nur von anderen entwickelte Methoden leicht adoptieren und adaptieren, sondern verfügt auch über die "Metasprache", jene Methoden und "Rationales" über deren lokal begrenzte Ursprünge und Geltungen hinaus frei konvertibel, kombinierbar, aufeinander beziehbar und vergleichbar zu machen. "Methodenvielfalt und Integration" ist also eine Parole, die für uns so selbstverständlich ist, dass wir sie nicht permanent vor uns her tragen müssen. Klar ist freilich, dass das in weiten Teilen der Wählerschaft nicht in dieser Weise bekannt war oder ist bzw. nicht so gesehen wurde oder wird, weshalb uns das Image von nicht genügend Aufgeschlossenheit und Verständnis für andere Ansätze durchaus zu unserem Nachteil angehaftet haben kann. Aber alle werden sich letzten Endes klarmachen müssen, dass es immer eine Gratwanderung sein wird, die Identität des eigenen Ansatzes zu "pflegen" und Anregungen von außen aufzunehmen, ob für uns VerhaltenstherapeutInnen oder für die VertreterInnen welcher anderen psychologisch-psychotherapeutischen Richtung auch immer.
Wie geht es weiter?
Während es auch bei künftigen Wahlen eine offene Frage sein wird, ob wir eher unsere Richtung betonen oder die Gemeinsamkeit mit anderen durch entsprechende Bündnisbildungen in den Vordergrund stellen, wissen wir nun, was zu tun ist, um unseren Stimmenanteil über die offenbar als "Kernwählerschaft" zu nehmenden 10 % der Kammermitglieder hinauszuhieven. Größere KandidatInnen-Listen mit möglichst hohem Frauenanteil sind nicht nur in jedem Fall ein Muss, sondern auch sinnvoll, ein engagierterer Wahlkampf auch unter stärkerer Berücksichtigung des personality factor ist unverzichtbar! Gute Arbeit in der Psychotherapeutenkammer bleibt ungeachtet des Undanks, der dafür bekanntlich der Welt Lohn ist, selbstredend das erste und oberste Gebot! Die drängenderen Fragen sind jetzt freilich die danach, was konkret als Nächstes zu tun ist? Dass wir gleich in Sondierungsgespräche mit anderen Listen über eine künftige Zusammenarbeit in der Vertreterversammlung eingetreten sind, ist für den /die Leser/in dieses Berichts hoffentlich keine überraschende Neuigkeit. Klar scheint zu sein, dass unser gutes Einvernehmen mit den Listen 1, 2 und 3 auf Grund der vertrauensvollen Zusammenarbeit im Errichtungsausschuss Bestand hat. Damit kämen wir aber nur auf 6 Stimmen von 17 in der Vertreterversammlung. Gelänge eine Koalitionsvereinbarung mit der Angestellten-Liste, so verfügten wir über eine Mehrheit von 9 Stimmen, um für einen gut arbeitenden Vorstand im Interesse möglichst aller Mitglieder zu sorgen. Da dieses Anliegen für die VertreterInnen der Angestelltenliste nicht sofort so ohne weiteres nachvollziehbar war, mussten in dem gemeinsamen Gespräch die berufspolitischen Positionen so weit es derzeit möglich ist expliziert und konkretisiert werden. Die Notwendigkeit weiterer Emanzipationsbestrebungen bzw. des Kampfes um Gleichberechtigung von Seiten der Psychologischen PsychotherapeutInnen in einem von ärztlichen Standesinteressen geprägten Gesundheitssystem, die Betonung unseres sich von der Grundlagenwissenschaft Psychologie herleitenden Primats auf dem Fachgebiet Psychotherapie, die Entwicklung unserer Identität als VertreterInnen der "angewandten Psychologie" bzw. Sozial- und Verhaltenswissenschaften, die mit der Grundlagenwissenschaft in ständiger Interaktion steht und diese weiterzuentwickeln helfen möchte und die überdies eine Distanz gegenüber dem gegenwärtigen Gesundheitswesen als nur einer bestimmten historischen Realisierungsform, zu welcher grundlegende Alternativen zumindest zu denken sind - dies alles macht es notwendig, eine eigene Mehrheit in der Kammerversammlung zu haben. Die Frage der KollegInnen von der Angestellten-Liste, ob eben darum im Errichtungsausschuss politische Auseinandersetzungen stattgefunden haben, mussten wir verneinen. Bedauerlicherweise ist nicht erst seit den Wahlen eine deutliche Spaltung der Kammermitglieder in zwei gegnerische Lager festzustellen (was sich in solchen gruppendynamischen Maßen wie Interaktionshäufigkeit und -leichtigkeit ausdrückt, oder einfach in den beiden weit voneinander entfernten Tischgruppen jeweils nach dem offiziellen Teil unserer Zusammentreffen in dem Café nahe dem Standort der Psychotherapeutenkammer), die alle Beteiligten spüren, für die aber niemand verantwortlich sein will bzw. die sich angeblich niemand so recht zu erklären vermag (Two camps without a cause, um den Titel eines Kultfilms der fünfziger Jahre mit James Dean zu variieren?).
Dass man die Lagerbildung überwinden müsse, darüber waren wir mit den Kolleginnen von der Angestelltenliste natürlich einig, nur nicht darüber, dass dies mit ein bisschen gutem Willen mühelos geschehen könne. Zwar ist die Warnung einer Angestellten-Kollegin mit langjähriger politischer Erfahrung in einer der etablierten Parteien auf Bundes- und Länderebene berechtigt, dass der Versuch, das andere Lager zu dominieren und von Einflussmöglichkeiten abzuschneiden, sich immer bitter rächen wird, weswegen man eine Art �??Große Koalition�?? anstreben sollte, doch kommt es dann auf die sorgfältige Ausarbeitung verschiedener konkreter personeller Modelle und auf entsprechende Absprachen für die Vorstandswahlen an. Es kommt vor allem darauf an, mit wem man sich zusammentut, um all dies strategisch zu steuern. Man wird dabei jedenfalls realistisch von einer klaren Einschätzung der derzeitige Szenerie im Hinterkopf ausgehen müssen, ob man diese nun gut findet oder nicht! Die Taktik der Gegenseite indessen, so wurde ebenfalls rasch deutlich, ist es zum einen natürlich auch, die "Angestellten" auf ihre Seite zu ziehen, zum anderen aber ebenso, die sich bisher einigen und gut harmonierenden Listen 1, 2, 3 und 6 durch exklusive Gesprächsangebote an die Liste 3 ("MQI-Methodenvielfalt") auseinanderzudividieren. Obgleich das wohl kaum gelingen wird, ist doch die Absicht des Wahlbündnisses Psychotherapie Saarland erkennbar, die konsequenten Vertreter der Linie "Profilierung und Identitätsbildung der Psychologischen PsychotherapeutInnen und KJP", also unter anderem auch uns, die "Verhaltenstherapie", zu isolieren und auszugrenzen. Als eine "kleine", unangenehme Überraschung kam hinzu, dass die KJP-Liste offenbar in "konzertierter Aktion" den nämlichen Winkelzug vollführte, so dass man daraus folgern kann, ja, muss, dass sie sich mit Liste 5 bereits einig geworden ist.
Nun denn, es bleibt in jedem Fall noch einiges zu regeln und zu klären bis Anfang Februar, wenn die Vertreterversammlung zu ihrer ersten Sitzung zusammentreten und ihre Organe wählen wird. Aktuelles zu diesen Ergebnissen können sie dann über die Homepage www.ptk-saar.de erfahren.
[1] Die Wahlbeteiligung: 330 von 368 Stimmberechtigten insgesamt; Verhältnis der gültigen zu den ungültigen Wahlbriefen bei den PPs: 86,75% zu 13,25%, bei den 47 von 51 sich an der Wahl beteiligenden KJPs 100% zu 0%.