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Bericht über die 17. Tagung Friedenspsychologie in Marburg vom 18.-20.6.2004

01. Februar 2007

Die 17. Tagung Friedenspsychologie �??Konflikte zwischen Gruppen und Perspektiven für nachhaltige Lösungen�?? wurde eröffnet mit dem gut besuchten öffentlichen Vortrag von Professor Daniel Bar-Tal von der Universität Tel Aviv:

 

Psychological obstacles to the peace process in the Middle East and solutions to overcome them. Bar-Tal ist ein renommierter Experte der Friedenspsychologie. Er hat in vielen Publikationen den israelisch-palästinensischen Konflikt behandelt und sich zudem politisch immer wieder in diesen Konflikt eingemischt.
Bar-Tal betonte die große Bedeutung der politischen Führer und Medien für die derzeit wenig ermutigende politische Stimmung in Israel. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung sei zwar für eine Lösung des Israel-Palästina-Konflikts, unterstütze aber gleichzeitig die Gewalt der eigenen Seite sowie den Bau der Mauer. Bar-Tal sieht drei wesentliche psychologische Hindernisse für einen Frieden auf der Seite der Israelis: (1) eigene Furcht; (2) Delegitimierung und Dehumanisierung der Palästinenser; (3) eine kollektive Selbstwahrnehmung als Opfer. Dementsprechend betonte er die folgenden Schritte als mögliche Beiträge zur Deeskalation des Konflikts: Legitimierung der Palästinenser; Anerkennung als gleichwertige Partner; Differenzierung unterschiedlicher Gruppen anstelle des allgemeinen Feindbildes sowie Personalisierung der Palästinenser. Da die Grundzüge für einen Friedensvertrag unstrittig seien, seien die wesentlichen Hindernisse dafür psychologischer Art. Bei der jetzigen israelischen Regierung sieht Bar-Tal wenig echte Handlungsbereitschaft. Diese könne evtl. durch Druck aus den USA oder der Europäischen Union erhöht werden.
In seiner Begrüßung ging der 1. Vorsitzende des Forum Friedenspsychologie (FFP), Gert Sommer, u.a. auf die Folterungen im irakischen US-Militärgefängnis Abu Ghraib ein. Er widersprach der These, dass dies lediglich als Fehlverhalten einiger weniger SoldatInnen zu bewerten sei (vgl. den Kommentar in Wissenschaft & Frieden, 3/2004). Dabei verwies er u.a. auf den generellen Umgang der USA mit Folterungen, auf das gesellschaftlich-politische Umfeld in den USA unter der Bush-Regierung und auf die Institutionen Militär und Krieg. Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (1948), die Genfer Konvention zur Behandlung von Gefangenen (1949) und die Antifolter-Konvention der Vereinten Nationen (1984) dagegen sind eindeutig in ihrem Verbot von Folter und der Verpflichtung von Staaten zur Verhinderung und strafrechtlichen Verfolgung von Folter.
Die Tagung wurde in zwei Parallel-Blöcken durchgeführt, einer davon wurde in englischer Sprache abgehalten.
Im Folgenden nennen wir die Titel der verschiedenen Gruppen, die ReferentInnen und deren Themen.
The impact of national and European identity: K. Boehnke (National identity and European identity as risk factors and protection factors for ethnocentrism of youth), D. Fuß (The role of the "ethnos-principle" in the relationship between regional, national and European identitiy) und J. Ullrich, E. Schlüter, & O. Christ (Merging on Mayday: Germans' attitudes toward people from the new member countries of the European Union as a function of national and European identification, and threat).

Authoritarianism, antisemitism and prejudice: W. Frindte, J. Jirschitzka & S. Petzold (Old and new anti-semitic attitudes in the context of authoritarianism and social dominance orientation - two studies in Germany), J. Stellmacher (Possibilities to reduce authoritarianism: The meaning of tight social networks), S. Rippl (Antisemtism and xenophobia - a comparative analysis), C. Wolf, U. Wagner, O. Christ, T.F. Pettigrew & J. Stellmacher (Prejudice and minority proportion: Threat vs. contact effects), O. Christ, U. Wagner & P. Schmidt (Ingroup evaluation and outgroup derogation - a longitudinal study on the influence of nationalism and patriotism on ethnic outgrup rejection).

Intergroup conflicts: E. Schlüter (Participation in voluntary organizations and tolerance for minorities: Testing the effects of education, contact and group culture), M. Gezici (Immigrant identity and conflict in Germany: The case of Turkish immigrants), L. Schmitt (From rags to riches ??? A conflict between groups within a person? On the analysis and mediation of social conflicts as "Conflicts of Habitus").

Friedensjournalismus: S. Jaeger (Frankreich im Spiegel der deutschen Nachkriegspresse - Inhaltsanalytische Untersuchung von Zeitungstexten in der Zeit von 1946 bis 1970), B. Bläsi (Das Aufgaben- und Rollenverständnis von Auslandsredakteuren, Korrespondenten und Krisenreportern und dessen Bedeutung für die Implementierung konstruktiver Konfliktberichterstattung), R. Dittmann & M. Spohrs (Rezeption und Akzeptanz konstruktiver Berichterstattung beim Publikum - Gibt es einen Markt für Friedensjournalismus?).

Gewalt und Delinquenz: U. Wagner (Ein Rahmenmodell für Gruppenbezogene Gewalt), A. Hadjar (Patriarchalische Strukturen, Traditionelle Geschlechterrollen und geschlechtsspezifische Jugenddelinquenz - Eine Anwendung der Power-Control-Theory), D. Baier (Abweichendes Verhältnis im Jugendalter. Ein empirischer Vergleich verschiedener Erklärungsansätze).

Friedenspsychologie (Teil 1): G. Sommer, J. Stellmacher & E. Brähler (Menschenrechte in Deutschland: Ergebnisse einer zweiten repräsentativen Befragung), E. Rohrmann (Institutioneller Einschluss ist keine Antwort auf sozialen Auschluß! Wider die murale Entsorgung sozialer Probleme in Deutschland).

Friedenspsychologie (Teil 2): A. Fuchs (Weltfrieden durch ein globales Ethos? Weg mit den Waffen - Für den Frieden!), G. Brücher (Frieden als psychische und soziale Form. Zu den Konstitutionsbedingungen des Selbst).

Die TeilnehmerInnen der Tagung bedankten sich für die Vorbereitung und sehr gelungene Durchführung bei den Veranstaltern U. Wagner, J. Stellmacher und G. Sommer.
Der FFP-Vorstand bedankt sich bei der DGVT und beim Ursula-Kuhlmann-Fonds (Marburger Universitätsbund) für die finanzielle Unterstützung der Tagung.

Gez. Wagner, Stellmacher & Sommer

Forum Friedenspsychologie
c/o Prof. Gert Sommer
Fachbereich Psychologie
Gutenbergstr. 18
35032 Marburg
e-mail:  sommerg@mailer.uni-marburg.de
Tel: 06421-2823666 FAX: -2824281
http://www.friedenspsychologie.de