Bericht über die Veranstaltung „Berufsverbände im Gespräch“
Die Veranstaltung hatte das Thema „Welche Rolle übernehmen die Gesundheits- und Sozialberufe in der „Gesundheitsgesellschaft“? Berufspolitische Positionsbestimmungen für die Kooperation der Gesundheits- und Sozialberufe im Bereich der Gesundheitsförderung und Prävention“.
In der Gesprächsrunde waren die folgenden Verbände vertreten:
- Berufsverband Gesundheitsförderung (www.gesundheitswirte.de )
Herr Ronny Kretzschmar und Frau Anja Ziegenspeck - Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) und Deutsche Vereinigung für Sozialarbeit im Gesundheitswesen (www.dbsh.de )
Frau Sibylle Kraus - Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) (www.dgvt.de )
Herr Prof. Dr. Armin Kuhr - Berufs- und Fachverband Heilpädagogik (www.bhponline.de )
Frau Dagmar Gumbert - Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen (www.bds-soz.de )
Dr. Wolfram Breger - Verband der Präventologinnen und Präventologen (www.praeventologe.de )
Dr. Ellis Huber
Die Moderation hatte Prof. Dr. Eberhard Göpel, Hochschule Magdeburg-Stendal (FH), übernommen.
In einer ersten Vorstellungsrunde wurde der spezifische Zugang zum Gesundheitsthema aus der Sicht der Beteiligten und der von ihnen vertretenen Verbände skizziert.
Übereinstimmung wurde dabei geschildert, dass die Zielsetzungen der Gesundheitsförderung im Sinne der Ottawa-Charta der WHO eine hohe aktuelle Relevanz haben und das angesichts der Neuorientierung öffentlicher Gesundheitspolitik und der forcierten Entwicklung einer „Gesundheitswirtschaft“ die unterschiedlichen Berufe ihre gesellschaftliche Funktion und Rolle neu bestimmen bzw. neu akzentuieren müssen und wollen.
Dabei können einzelne Verbände wie die DGVT an alte Konzepte der Gemeindepsychologie anknüpfen, während neuere Verbände wie der BHP oder Berufsverband Gesundheitsförderung sich in der Rolle eines Fachverbandes neu gefordert fühlen.
Für den Berufsverband Deutscher Soziologinnen und Soziologen entsteht dabei eine Chance, sozialwissenschaftliche Kompetenzen für neue Praxisentwicklungen nutzbar zu machen, was insbesondere seitens des DBSH begrüßt wurde.
Als eine aktuelle Herausforderung wurde es angesehen, sich in neuen Vermarktungsformen von Gesundheitskompetenzen zu positionieren, wie sie im Rahmen einer „Gesundheitswirtschaft“ gegenwärtig propagiert und angeboten werden.
Hier berichtete Dr. Huber über das wirtschaftliche Potential (Der Umsetzung des „Zweiten Gesundheitsmarkt“ wird für Deutschland auf mehr als € 50 Milliarden pro Jahr geschätzt) und das Interesse der Mitglieder seines Verbandes, in diesem Bereich eine verantwortliche Rolle zu übernehmen. Hingewiesen wurde von ihm auf die entsprechende Berufsordnung, in der explizit ethische Maßstäbe für das berufliche Handeln formuliert wurden.
In einer zweiten Gesprächsrunde wurde das Interesse an anregenden Ergänzungen und Erweiterungen der aktuellen beruflichen Praxis durch Informations- und Erfahrungsaustausch und durch Diskussionen neuer Entwicklungen betont.
Genannt wurde das Interesse an einer wirkungsvolleren Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis, das sich vor allem an die Hochschulen richtete sowie Interesse an berufsübergreifenden Kooperationen und Diskussionen, das durch gemeinsame Foren und Projekte der Verbände realisiert werden könnte.
In einer zusammenfassenden Runde wurden Themen und Aktivitäten benannt, die sich auf weiterführende Initiativen beziehen können:
- Konzepte der Gesunderhaltung und der Gesundheitsförderung im Alltag
- Sozialwissenschaftliche und politische Fundierungen (z.B. soziale Chancengleichheit)
- Alltagspraktische Fundierungen (z.B. settingorientierte Gesundheitsförderung
- Neue sozialstrukturelle Fundierungen (z.B. Mehrgenerationen-Häuser, Eltern-Kind-Zentren, Lern-Häuser)
- Konzepte gesundheitsfördernder, partizipationsorientierter Berufspraxis und korrespondierender Kompetenzen und Qualifizierungsmöglichkeiten.
- Foren berufsübergreifender Diskussionen
- Erweiterungen der Berufsrollen
- gemeinsame Fort- und Weiterbildungsangebote
- Konzepte gesundheits- und sozialpolitischer Initiativen
- Gemeinsames strategisches Handeln im Berufsfeld
- Wirksame Öffentlichkeitsarbeit und Vermittlung in den Bereichen der Politik
- Workshops und Tagungen zu Zukunftsentwicklungen und Praxis-Innovationen
Hervorgehoben wurde das Interesse, gegen eine Tendenz zur Parzellierung und warenförmigen Aufbereitung von Gesundheitsmotive durch die Gesundheitswirtschaft ein ganzheitliches, alltagstaugliches Gesundheitsverständnis in der jeweiligen Berufspraxis zu verankern und dieses mit den Zielstellungen des Empowerments der Beteiligten zu verknüpfen.
Wie diese Zielsetzung auf der Mikro-Ebene gesundheitsbezogener Kommunikation und beruflicher Aktivität der Meso-Ebene settingorientierter Gesundheitsförderung und lokaler Gesundheitskonferenzen sowie der Makro-Ebene öffentlicher Gesundheits- und Sozialpolitik konkretisiert werden kann, soll zunächst in den einzelnen Berufsverbänden weiter diskutiert werden.
Verabredet wurde ein weiterführender Kontakt- und Informationsaustausch sowie eine Fortsetzung des Gesprächs im Rahmen von Workshops und Forumstagungen, die von den beteiligten Verbänden zu initiieren sind.
Für die Veranstalter der SommerAkademie wies Prof. E. Göpel auf die folgenden Unterstützungen hin:
- Die nächste SommerAkademie im Juli 2009 kann einen Rahmen für eine gemeinsame Positionsbestimmung bieten, die durch vorherige Diskussionen in den Berufsverbänden vorbereitet werden kann. Dokumentationen der diesjährigen Beiträge sind auf der Webseite www.sgw.hs-magdeburg.de/sommerakademie einsehbar und nutzbar.
- Das vierteljährlich erscheinende Internet-Journal „Gesundheitswissenschaften und Gesundheitsförderung“ (www.i-jogg.info ) kann als gemeinsames Kommunikationsmedium genutzt werden. Redaktionelle Beiträge zur nächsten Ausgabe sind bis zum 15.09. an info@i-jogg-info.de erbeten.
- Berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeiten sind für den Bereich „Gemeindebezogene Gesundheitsförderung“ und „Gesundheitsförderung und –management in Europa“ (www.sgw.hs-magdeburg.de/ggf ) und www.sgw.hs-magdeburg.de/eumahp ) sowie über die „Offene Hochschule für Gesundheit“ (www.hochges.de ) für alle Berufsverbände zugänglich.
Die Gesprächsrunde der Berufsverbände wurde trotz der späten Stunde von den Beteiligten in vielerlei Hinsicht als anregend erlebt.
Nun geht es im nächsten Schritt darum diesen Impuls in den Berufsverbänden zu verbreiten und zu Beteiligungen an gemeinsamen Entwicklungs-Diskussionen einzuladen.
Eine „Gesundheitsgesellschaft“ kann in den nächsten Jahren vielfältige Ausprägungen entwickeln. Sich daran aktiv zu beteiligen, dass die Leitvorstellungen einer nachhaltigen sozialökologischen Lebenskultur sowie soziale Gerechtigkeit, Anteilnahme und Solidarität im Alltag einen festen Bestandteil einer künftigen „Gesundheitsgesellschaft“ bilden können, wird zu einer gesellschaftlichen Herausforderung für alle werden, die sich in diesem Bereich beruflich betätigen.
Die Berufsverbände und ihre Mitglieder sind dabei verstärkt gefordert, Position zu beziehen.
Kontaktadresse:
Prof. Dr. Eberhard Göpel
Hochschulen für Gesundheit e.V.
c/o Hochschule Magdeburg-Stendal (FH)
Breitscheidstr. 2
39114 Magdeburg