Bericht vom 10. Deutschen Psychotherapeutentag am 12. Mai 2007 in Berlin
"Wir werden gehört": in dem Bericht des Vorstands nannte der amtierende Präsident Rainer Richter eine breite Palette von Aktivitäten, die vor allem auch zum Ziel hatten, die Position der Psychotherapeuten zu stärken. 30.000 Psychotherapeuten leisten einen unverzichtbaren Beitrag in der Versorgung von psychisch kranken Menschen. Der Präsident griff aus dem vorliegenden schriftlichen Bericht einige Schwerpunkte heraus wie die Einflussnahmen auf das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz gemeinsam mit den Landespsychotherapeutenkammern und den Berufs- und Fachverbänden, die Anpassung der Psychotherapierichtlinien (Versorgungsrelevanz), die Stellungnahmen zur Gesprächspsychotherapie, die zukünftige Zusammenarbeit zwischen dem wissenschaftlichen Beirat und dem Gemeinsamen Bundesausschuss sowie die Mitarbeit der BPtK bei der Entwicklung Nationaler Versorgungsleitlinien, aktuell im Bereich Depression. Die Ergebnisse des Bundesgesundheitssurveys sprechen eine deutliche Sprache, jährlich erkranken über 16 Millionen erwachsene Menschen an einer Depression, nur ein sehr kleiner Teil erhält eine psychotherapeutische Behandlung. Dies steht in großem Widerspruch zu den Befunden wissenschaftlicher Untersuchungen, wonach bei leichten und mittelschweren Depressionen Psychotherapie gleich effektiv wie eine medikamentöse antidepressive Behandlung ist. Bei schweren, chronisch-rezidivierenden Depressionen wird eine Kombination empfohlen. Wichtig sei es nun, so Richter, dass verstärkt Bemühungen unternommen werden, diese Erkenntnisse in die Versorgungsrealität zu integrieren.
Abschließend dankte er der Geschäftsführung und den anderen Vorstandsmitgliedern für die produktive Arbeitsatmosphäre der vergangenen Amtsperiode. In der Aussprache wurde die Arbeit des Vorstands von verschiedenen Delegierten gewürdigt.
Die schon in dem Bericht angesprochene geplante engere Zusammenarbeit des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie nach & 11 PsychThG (WBP) mit dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) in Form eines Vertrags wurde auf Antrag als zusätzlicher Punkt in die Tagesordnung aufgenommen. Dabei ist geplant, dass im Sinne eines Dienstleistungsauftrags die grundlegenden Literaturrecherchen für die Beurteilung von Verfahren durch den G-BA vorgenommen werden soll, der wissenschaftlicher Beirat aber die Suchkriterien vorgibt, nach den Worten des Präsidenten die "Maschengröße beim Fischen". Das von dem wissenschaftlichen Beirat verfasste Methodenpapier zur Begutachtung psychotherapeutischer Verfahren und Methoden (http://www.wbpsychotherapie.de) hat dabei viel Resonanz erhalten. Einige Delegierte äußerten die Befürchtung, dass der wissenschaftliche Beirat mit dem vorgesehenen Vertrag mit dem G-BA seine Unabhängigkeit einbüße. Es lag ein Antrag vor, der sich gegen eine Zusammenarbeit von wissenschaftlichem Beirat und G-BA aussprach. Der Präsident wies entschieden darauf hin, dass auf gar keinen Fall die Autonomie des Beirats gefährdet werden dürfe und die wissenschaftliche Unabhängigkeit gewährleistet sein müsse. Der G-BA sei aufgrund der sozialrechtlichen Fragestellung dem Nutzen verpflichtet ("Effizienz"), der wissenschaftliche Beirat wegen der berufsrechtlichen Fragestellung der Effektivität der Verfahren. Das Methodenpapier wird zurzeit erneut diskutiert, und es bestehe die Chance, dass es in absehbarer Zeit verabschiedet wird. Richter rief die Delegierten auf, aus dieser Frage keine politische Diskussion zu machen und betonte nochmals, dass die BPtK nicht in den wissenschaftlichen Beirat hineinregiere. Er äußerte die Befürchtung, dass dies genau dann geschehe, wenn die von dem wissenschaftlichen Beirat gewünschte Kooperation mit dem G-BA durch einen Beschluss verhindert werden würde. Dies hätte nach seiner Meinung eine verheerende Wirkung auf die Zusammenarbeit zwischen der BPtK und dem wissenschaftlichen Beirat. Nach dem Austausch der Positionen wurde ein Antrag auf Nichtbefassung gestellt, für den sich die deutliche Mehrheit der Delegierten aussprach.
Ein weiterer wichtiger Punkt war ein Antrag des Vorstands auf Beschlussfassung zu einer Erhöhung der Mitgliedsbeiträge der BPtK ab 2008. In der Begründung wurde auf die vielfältigen und wachsenden Aufgaben verwiesen. Es wurde darauf hingewiesen, dass die abgestimmte Vorgehensweise von Landes- und Bundesebene, Kammern sowie Berufs- und Fachverbänden einen wesentlichen Faktor des Erfolgs der vergangenen Jahre darstellt. Die Anhörungsrechte der BPtK beim Gemeinsamen Bundesausschuss wurden beispielsweise ausgebaut. Das zukünftige Aufgabenportfolio fordere zusätzliche Ressourcen. Dazu gehöre beispielsweise Europa als Zukunftsthema, die Veränderung gewohnter Versorgungsstrukturen, die Kooperation zwischen den Professionen, Sektoren und Kostenträgern. Die BPtK will sich hier in die anstehenden Gesetzgebungsvorhaben einbringen. Es geht auch um neue Versorgungsformen; weiterhin ist geplant, sich wie schon ausgeführt noch stärker für die Integration des wissenschaftlichen Fortschritts in den Versorgungsalltag einzusetzen. Weitere Aufgabenbereiche stellen die Ausbildung und der Heilberufsausweis dar. Geplant ist, mit den Mitteln zwei zusätzliche Referenten- und eine weitere halbe Sekretariatsstelle einzurichten. Diese Erhöhung stellt für die Landeskammern eine deutliche Belastung dar, sie ließen sich aber von den Zielen überzeugen und sandten mit ihrer Zustimmung zum Antrag ein deutliches Zeichen der Unterstützung in Richtung des neu zu wählenden Vorstands. Sie stimmten weiterhin einem Antrag zu, einen Teil der Mittel für die Belange der Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in Institutionen einzusetzen.
Im Mittelpunkt der Versammlung standen die Wahlen des Vorstands. Aufgrund des Umfangs der Tagesordnung wurde ein Teil der Punkte auf den 11. DPT in Mainz vertagt, dazu gehörten auch die Wahlen für die Ausschüsse. Rainer Richter wurde mit einer großen Mehrheit in seinem Amt bestätigt und mit einem anhaltenden Beifall als neuer Präsident begrüßt. Die Delegierten sandten durch ihre Stimmen deutliche Zeichen der Unterstützung der Kammerarbeit auf Bundesebene. Als Vizepräsidentin wurde Monika Konitzer gewählt, als weiterer Vizepräsident Dr. Dietrich Munz, als Beisitzer Peter Lehndorfer (KJP) und Andrea Mrazek. In dem Vorstand ist die Verhaltenstherapie somit mit 2 Personen vertreten (Frau Konitzer und Frau Mrazek), die Psychoanalyse/Tiefenpsychologie mit 3 Personen. Mit Frau Mrazek ist eine Vertreterin der OPK im Vorstand. Die Position des ersten Vizepräsidenten nimmt mit Herrn Munz ein Angestellter ein.
PiA-Vertretung: auf Antrag von Heiner Vogel wurde dieser TOP vorgezogen. Die anwesenden PiAs setzten sich für eine eigene Vertretung in der BPtK ein. Aus Zeitgründen konnte keine inhaltliche Diskussion der verschiedenen Anträge erfolgen, sondern der Vorstand wurde beauftragt, eine Arbeitsgruppe einzurichten, die auf der Grundlage der vorliegenden Anträge konsensfähige Vorschläge zur Einbindung von PiA-Interessen erarbeitet soll.
Abschließend wurden zwei Resolutionen verabschiedet: eine kritische Stellungnahme zur geplanten Elektronischen Gesundheitskarte und ein Stellungnahme zur Verbesserung der Gesundheit von Kindern.
Nach acht Stunden Sitzungszeit und einem halben Tag vorbereitender Sitzungen und Beratungen am Vortag (zwischen und innerhalb der Landeskammern und der Verbände) konnte der DPT dann pünktlich beendet werden. Er fand in einer insgesamt konstruktiven und wohlwollenden Atmosphäre statt, wenngleich manch einer sich erneut fragte, welch ein Kostenaufwand notwendig ist[1], damit eine demokratisch konstruierte Kammerstruktur funktioniert. Die Zeit, die für wirkliche inhaltliche Beratungen und Entscheidungsprozesse genutzt wurden, war doch recht bescheiden im Vergleich zu den (vermutlich unvermeidlichen) Zeiten, die für Formalia, Rechenschaftsbericht und Wahlen aufgewendet werden müssen.
[1] vgl. Liebeck, H. (2005). 5. Deutscher Psychotherapeutentag, 23. April 2005 in München – ein subjektiver Erfahrungsbericht. In Rosa Beilage 2, S35f (Supplement zu Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 37, 2)