Bericht zur Versammlung der DGVT-Ausbildungsakademie
Vom 25. bis zum 26.5.2016 tagte der Kreis der AusbildungsleiterInnen der dgvt-Ausbildungsakademie in Campanet auf Mallorca. Insgesamt 30 Verantwortliche aus 18 Ausbildungszentren berieten zusammen mit den VertreterInnen des DGVT-Vorstandes organisatorische und inhaltliche Themen rund um die Psychotherapieausbildung.
Günter Ruggaber eröffnete die Sitzung mit einem Blick auf die finanzielle Situation der Akademie. Ihm wurde für seine Geschäftsführung durch die Gesellschafter einstimmig Entlastung erteilt.
Am ersten Tag nahm dann die Auswertung der DGVT-Mitgliederversammlung während des Kongresses im Februar 2016 mit der Neuwahl des Vorstandes größeren Raum in der kollegialen Diskussion ein. Die Vorstellung neuer Materialien zur Verdeutlichung der Zielsetzungen und Gremien der DGVT durch Waltraud Deubert wurde seitens der TeilnehmerInnen der Tagung zum Anlass genommen, auf die bisherige Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Gremien der DGVT zurückzuschauen und Überlegungen vorzunehmen, wie die engagierte Arbeit der vielen Vereinsmitglieder auf unterschiedlichen Ebenen noch besser untereinander kommuniziert werden kann. In Anbetracht der in der letzten Jahren kontinuierlich und stark gewachsenen Zahl von Mitgliedern, die hauptsächlich auf das Engagements des Vereins im Bereich Psychotherapieausbildung zurückzuführen ist, müssen Ziele und aktuelle Aktivitäten zu deren Umsetzung noch besser als bisher bis an die Basis verbreitet werden. Als erste Idee hierzu beschloss die Versammlung, der Vereinszeitschrift künftig nach jeder Akademieversammlung einen inhaltlichen Bericht vorzulegen, aus dem sich die Mitglieder über Diskussionsthemen und -ergebnisse der in der Ausbildung tätigen KollegInnen informieren können.
Traditionell bildet der Austausch über Neuigkeiten in den einzelnen Ausbildungszentren den eigentlichen Auftakt der Akademietreffen. Beispielsweise konnte das Ausbildungszentrum Berlin über die erfolgreich begonnene Gruppenarbeit mit Geflüchteten berichten. Leider muss diese Arbeit alleine auf ehrenamtlicher Basis stattfinden. Immerhin kann den AusbildungsteilnehmerInnen die Möglichkeit eröffnet werden, die Abrechnungsgenehmigung Gruppentherapie mittels der Durchführung supervidierter Gruppen so zu erlangen.
Ein erster inhaltlicher Schwerpunkt der Versammlung galt anschließend dem Thema Ausbildungsreform bzw. Novellierung des Psychotherapeutengesetzes. Günter Ruggaber unterrichtete die Anwesenden zum aktuellen Stand entsprechend den Beschlüssen des letzten Bundespsychotherapeutentages und anhand der vorgelegten Entwürfe der BPTK. Diese stellen eine Zuarbeit für das BMG dar, von dem noch in diesem Jahr ein Arbeitspapier zur Reform des Gesetzes erwartet wird.
Die BPTK schlägt für diesen Fall vor, die Psychotherapieausbildung künftig auf der Basis eines insgesamt 11semestrigen Studiums aufzubauen, in dem mehrere Praktikumszeiten und ein Praxissemester am Ende eingebaut sind. Dieses Studium sollte nach gegenwärtiger Mehrheitsmeinung, die nicht dem Meinungsbild innerhalb der Akademieversammlung entsprach, nur an Hochschulen mit Promotionsrecht möglich sein. Die Hochschulen, die künftige Psychotherapiestudiengänge einrichten, sollen eine Hochschulambulanz vorhalten, in der mindestens zwei der gegenwärtig vier sozialrechtlich anerkannten psychotherapeutischen Richtlinienverfahren praktiziert werden. Die Inhalte des Studiums sind eher vage auf der Basis von Kompetenzzielen beschrieben. Ein Übergang von einem pädagogischen Grundstudium in ein späteres psychologisches Studienfach sollte evtl. möglich sein. Die Hochschulen sollen mit Weiterbildungsinstituten kooperieren, sofern sie selbst nicht in der Lage wären, die vorgesehenen Selbsterfahrungsanteile, Fallarbeit und ähnliches anzubieten.
An das psychotherapeutische Grundstudium, welches mit einem Staatsexamen und der Möglichkeit der Approbation abgeschlossen werden soll, soll sich eine fünfjährige Weiterbildungszeit, ähnlich der fachärztlichen Weiterbildung, anschließen. Es sollen Gebietsweiterbildungen getrennt für die Behandlungsgruppen Kinder/Jugendliche einerseits, Erwachsene andererseits angeboten werden. Diese können dann in den jeweiligen Richtlinienverfahren erfolgen.
Für die Ausbildungsinstitute würde eine Reform in diesem Sinne Anlass zu erheblichen Umstrukturierungen sein. Die Regelung und Kontrolle der Weiterbildung würde weg von den bisherigen staatlichen Prüfbehörden, den Landesprüfungsämtern, hin zu den Landespsychotherapeutenkammern übergehen. Die Kammern wären dann befugt, Institute auf der Basis ihrer Infrastruktur, ihrer Kooperationen und der Qualifikation ihrer Leiter für die Weiterbildung zuzulassen.
Aus Sicht der Ausbildungsakademie kann als Erfolg verbucht werden, dass die Bundespsychotherapeutenkammer sich klar festgelegt hat: eine Reform im Sinne dieser Ideen sollte nur dann zum Gesetz werden, sofern die Finanzierung in allen Bereichen – von den Klinikpraktika bis zu den künftig am Institut angestellten Weiterbildungsassistenten – gesichert ist. Es scheint sich also ein Konsens abzuzeichnen, dass ohne eine klar geregelte Finanzierung eines neuen Modells der Status quo immer noch besser wäre.
Als zweiten inhaltlichen Schwerpunkt hatten sich die AusbildungsleiterInnen Fragen rund um die Organisation der Ausbildungsambulanzen vorgenommen. Steffen Fliegel referierte eingangs die Ergebnisse einer Vorabbefragung zu Gegebenheiten in den einzelnen Ausbildungsambulanzen in unserem DGVT-Ausbildungsverbund. Dies reichte von Raumanzahl und Ausstattung über die Form der Einführung in die Patiententätigkeit bis hin zu Dokumentation, Aktenführung und Archivierung. In Kleingruppen wurden dann zu fünf Themenkreisen zahlreiche vertiefende Fragen erarbeitet und diskutiert.
Zwei Beispiele seien zur Information der LeserInnen herausgegriffen:
- Um Patientenbehandlung im Sinne des Medizinrechts im Facharztstandard durchzuführen, müssen die Institute selbstverständlich gewährleisten, dass Behandlungen nur unter Aufsicht approbierter KollegInnen stattfinden. Andererseits sollen AusbildungsteilnehmerInnen auch lernen, selbstständig Erstgespräche durchzuführen. Begrüßenswert erscheint in diesem Zusammenhang, dass künftig in der DGVT-Geschäftsstelle eine weitere Juristenstelle eingerichtet werden soll, die zu einem Teil aus Geldern der Akademie finanziert werden kann.
- Institute sind schon per Gesetz verpflichtet, eine Fachbibliothek vorzuhalten. Für die Ambulanztätigkeit müssen wesentliche Fachbücher und Manuale vorhanden sein. Um eine unbürokratische und wenig personalintensive Ausleihroutine zu etablieren, lohnt es sich, sich mit Online-Systemen wie Zotero auseinanderzusetzen. Andererseits verweisen einige Institute auch darauf, dass viel Fachliteratur an den jeweiligen Universitätsbibliotheken erhältlich ist und die Institute nicht gewährleisten können, alle Neuerscheinungen zu beschaffen. Zudem kann es sein, dass die jüngere Generation die Lesegewohnheiten ohnehin stärker auf Onlinebestände umstellt oder notwendige Manuale für den Eigengebrauch beschafft werden.
Am Vormittag des zweiten Sitzungstages stellte Ulrike Willutzki Ergebnisse der Therapieevaluation von insgesamt 670 abgeschlossenen Ausbildungstherapien an fünf Ausbildungstandorten vor. Erstmals konnten die hier erhobenenen psychodiagnostischen Ergebnisse ausnahmslos dem in einer Reihe von Ausbildungszentren inzwischen gut etablierten Ambulanzverwaltungsprogramm AMBOS entnommen werden. Erfreulicherweise ließen sich aus der wissenschaftlichen Literatur bekannte Ergebnisse ähnlicher Studien hier replizieren. Demnach führen die AusbildungsteilnehmerInnen im Ausbildungsverbund der DGVT Behandlungen durch, bei denen sehr gute Effektstärken – hier gemessen an BSI, BDI und BVB 2000 – nachgewiesen werden können. Es zeigt sich aber auch: erfolgreich sind Therapien offenbar gerade dann, wenn alle vorgesehenen Prä-, Peri- und Postmessungen wie vorgesehen durchgeführt werden. Dies unterstreicht, dass die standardisierte Anwendung der Messinstrumente nicht einem versteckten und für die pure Ausbildungsorganisation unerheblich erscheinendem Forschungsinteresse folgt, sondern der Patientenversorgung dient.
Eine Publikation der Ergebnisse erfolgt demnächst in einem Fachorgan.
Die Versammlung beauftragte die Forschergruppe, die Messinstrumente weiter zu standardisieren, so dass möglichst viele vergleichbare Datensätze in allen Ausbildungsinstituten erhoben werden können, die AMBOS in Verwendung haben.
Vorschläge für anzuwendende Instrumente, getrennt für die Bereich PP und KJP, liegen bereits vor.
Zur Einleitung des folgenden Tagesordnungspunktes aus dem Bereich Qualitätssicherung stellte Günter Ruggaber wissenschaftstheoretische Überlegungen zum Thema „Kundenzufriedenheit in der Psychotherapieausbildung“ vor. Dies leitete über zu Anja Dresenkamps Darstellung erster Ergebnisse aus der neu eingeführten Post-Befragung zur Zufriedenheit von AusbildungsteilnehmerInnen. Die AbsolventInnen des Jahres 2015 haben gemeinsam mit dem DGVT-Zertifikat über die erfolgreich abgeschlossene Ausbildung eine Einladung zur Online-Teilnahme an der Befragung erhalten. Der Rücklauf war – erwartungsgemäß – mit ca. 25% deutlich niedriger als bei den während der Ausbildung in Papierform regelmäßig jährlich erhobenen Zufriedenheitsevaluationen. Die Zufriedenheit mit der Ausbildung und ihren verschiedenen Teilen liegt auch nach Abschluss der Ausbildung auf einem guten Niveau, wobei sich wegen der noch geringen Zahlen noch keine Rückschlüsse auf einzelne Ausbildungsstandorte ziehen lassen. Hier sind weitere Befragungen nötig. Besonders wertvoll erscheinen aber einige qualitative Anmerkungen hinsichtlich Verbesserungsmöglichkeiten. Insbesondere wird eine bessere Begleitung nach der Prüfung für den Berufsstart gewünscht.
Günter Ruggaber wies ergänzend darauf hin, dass Zufriedenheit natürlich an sich nicht ausreiche, um Aussagen über die Qualität der Ausbildung zu treffen. Hierzu müssten als weitere Dimensionen Lernerfolg, Transfererfolg und Resultate der Ausbildung hinsichtlich einer Verbesserung der psychosozialen Versorgung einbezogen werden. Die Runde tauschte sich darüber aus, in welcher Form Erwartungen an die Ausbildung künftig schon bei Beginn systematisch abgefragt werden könnten. Mehrere KollegInnen wiesen jedoch darauf hin, dass sich Erwartungen der Ausbildungsteilnehmer an die Ausbildung im Zeitverlauf stark verändern und die Ausbildung sich auch aus methodischen Gründen nicht zum Erfüllungsgehilfen anfänglicher Erwartungen machen dürfe.
Als besonderes, in der Landschaft der deutschen Psychotherapieausbildungszentren wohl einzigartiges Qualitätsmerkmal sichert die DGVT-Ausbildungsakademie seit vielen Jahren die Durchsicht und Rückmeldung der zwei ausführlichen Falldokumentationen, die zur Abschlussprüfung vorgelegt werden müssen, durch externe Experten mit Supervisorenqualifikation ab. Dies erfolgt deutschlandweit über alle Ausbildungszentren hinweg. In der Akademieversammlung wurden nun kritische Anmerkungen von AusbildungsteilnehmerInnen zu den Rückmeldungen der externen Gutachter ausgewertet und Vorschläge zu einer weiteren Verbesserung gesammelt. Die Qualitätssicherungskommission der DGVT wurde beauftragt, den Gutachtern einen neuen Fragenkatalog vorzulegen, damit möglichst einheitliche Standards bei diesem Verfahren hergestellt werden. Mehrere Ausbildungsleiter betonten, dass die Qualität der Fallberichte in den letzten Jahren immer weiter gestiegen sei.
Alfred Luttermann informierte das Plenum über die gemeinsamen Anstrengungen der Berliner Ausbildungsinstitute, die Verhandlungen mit den Kassen zur Umsetzung der jüngsten Beschlüsse zur Honorarerhöhung zu koordinieren. Leider zeichnet sich hinsichtlich der Gewährung des Strukturzuschlags für die Institutsambulanzen eine Blockadehaltung der Krankenkassen ab, so dass sich die diesbezüglichen Forderungen wohl nur im Rahmen eines langwierigen Rechtsstreites werden einholen lassen. Auch bei diesem Punkt war der Austausch aller Beteiligter über die Entwicklungen in den unterschiedlichen Bundesländern mit jeweils anderen Ansprechpartnern bei Kassen und KV wesentlich.
Die nächste Versammlung der DGVT-Ausbildungsakademie findet am 9. und 10.11. im ABZ Magdeburg statt. Hier ist auch ein Treffen zwischen den SprecherInnen der DGVT-PiA-AG und den AusbildungsleiterInnen geplant.
(Wolfgang Pilz, ABZ Magdeburg)