„Bringing Cultures Together“
Alle drei Jahre findet der Verhaltenstherapie-Weltkongress statt – nach gelungenen und gut besuchten Veranstaltungen in Barcelona (2007) und Boston (2010) fand der diesjährige Kongress erstmals in Südamerika statt: der Veranstaltungsort war Lima, das Motto des Kongresses: „Bringing Cultures Together for a Better Quality Life“. Die Austragung in Lima kann insofern als voller Erfolg bezeichnet werden, da es den Veranstaltern gelungen war, kognitiv-behavioral orientierte Kolleginnen und Kollegen aus fast allen Ländern mittel- und Südamerikas zu mobilisieren. Viele Veranstaltungen fanden in spanischer oder portugiesischer Sprache statt oder wurden simultan übersetzt. Aufgrund der großen Teilnehmerzahl war der Kongress auf eine Reihe von Tagungshotels im Stadtteil Miraflores verteilt.
Die Tagung begann mit einer Reihe von Pre-Congress-Workshops, die u.a. von Ron Rapee („The Nature and Treatment of Anxiety Disorders in Children and Adolescents“, Robert Leahy (“Emotion Regulation Strategies in Cognitive-Behavioral Therapy”) und Patricia Resick (“Cognitive Processing Therapy for PTSD”) angeboten wurden. Ein weiteres, bisher eher ungewöhnliches Veranstaltungsformat waren die “Master Clinician Seminars”, deren Hauptanliegen praktische Hinweise in schwierigen Situationen waren: bezeichnenderweise trug das Seminar von Philipp Kendall deshalb den Titel „Tips from the Trenches: The clinical side of CBT for anxious youth“.
Die Kongresseröffnung beinhaltete neben fachlichen Inhalten auch eine fundierte Einführung in peruanische Folklore und eine Video-Botschaft von Aaron T. Beck, dem „Vater“ der Kognitiven Verhaltenstherapie. Das wissenschaftliche Programm des Kongresses wurde mit der üblichen Kombination aus Hauptvorträgen, wissenschaftlichen Symposien, „Clinical Round Tables“ und Poster-Präsentationen fortgesetzt. Neben Inhalten, die bereits aus anderen Kontexten hinreichend bekannt sind, fanden sich auch spannende Neuentwicklungen, etwa die Keynote von Steven Hayes, der eine evolutionäre Perspektive auf Kognition und Psychotherapie vortrug. Ebenfalls hoch aktuell war das von Pim Cuijpers organisierte Symposium zu neuen Entwicklungen bei der Erstellung von Metaanalysen kognitiv-behavioraler Interventionen bei psychischen Störungen. Unter den vergleichsweise dünn gesäten deutschen Beiträgen ist der von Winfried Rief gehaltene Hauptvortrag zur Verhaltensmedizin („New Developments of Applying Psychology to Physical Problems“) hervorzuheben: seine aktuellen Forschungen zu Placebo- und Nocebowirkungen sind weit über das Feld der Psychologie hinaus von großem Interesse ebenso wie Arbeiten zur Reduktion von Schonverhalten bei Rückenschmerzen.
Thomas Heidenreich gab in seinem Hauptvortrag eine Übersicht zur Diagnostik in der Verhaltenstherapie und plädierte insbesondere dafür, bewährte verhaltenstherapeutische Analysemethoden wie die horizontale Verhaltensanalyse weiter zu kultivieren und gleichzeitig offen für neue Entwicklungen, insbesondere aus dem Bereich der psychologischen Methodenentwicklung, zu sein. Ebenfalls erwähnenswert sind die Beiträge von Tanja Lincoln zum Bereich der Psychosen: sie beschäftigte sich u.a. mit Stereotypen, die Menschen mit psychotischen Störungen entgegengebracht werden.
Spannende Dinge werfen ihre Schatten voraus, deshalb soll bereits jetzt auf den 8. Weltkongress für Verhaltenstherapie hingewiesen werden: er findet vom 22. bis 25. Juni 2016 in Melbourne statt. Symposien, runde Tische und Poster können ab dem 22. Juni 2015 angemeldet werden, die Deadline für Symposien ist der 16.10.2015, Poster können bis zum 6. November 2015 angemeldet werden. Die Website www.wcbct2016.com.au wird in den kommenden Monaten kontinuierlich aufgebaut.
Thomas Heidenreich und Andreas Veith
Die Autoren sind die Europa-Delegierten der DGVT und in dieser Funktion auch die Vertreter der DGVT beim Weltkongress für Verhaltenstherapie.