Skip to main content
 
Wolfgang Schreck, Hattingen

Bundespsychotherapeutenkammer gegründet - endlich am Ziel, doch der Weg geht weiter und ist noch lang

22. Januar 2007

Am 17. Mai 2003 wurde die Bundespsychotherapeutenkammer, Arbeitsgemeinschaft der Landeskammern der Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychologischen Psychotherapeuten und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten⿿ in Berlin gegründet.

 

Damit fand eine scheinbar endlose Geschichte um das Psychotherapeutengesetz, das Entstehen zweier neuer Heilberufe, die Errichtung von Landeskammern etc. einen ersten historischen Abschluss, um nunmehr neue Geschichten zu schreiben und Kapitel aufzuschlagen.

Das Grußwort hielt, da die Bundesgesundheitsministerin verhindert war, Staatssekretär Dr. Theo Schröder, der die Gelegenheit nutzte, die Zielsetzung der Bundesregierung hinsichtlich des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes zu erläutern. Er betonte den hohen Stellenwert von Psychotherapie als Teil notwendiger Behandlungen und die Gleichstellung der neuen therapeutischen Berufe mit denen der Ärzte. Ob das Erstzugangsrecht zu therapeutischen Leistungen aufrechterhalten bleibt, lieÿ er offen, bot jedoch Gesprächsbereitschaft an. Er schloss mit dem Hinweis, dass das Ansehen und der Ruf unserer neuen Berufe in seinem Ministerium besser sei, als man üblicherweise annehme.

Bei diesem 1. Deutschen Psychotherapeutentag waren mit ihren stimmberechtigten Delegierten neun Landeskammern vertreten:

BundeslandAnzahl der MitgliederAnzahl der Delegierten
Baden-Württemberg3.85111
Bayern4.63313
Berlin3.0069
Bremen4143
Hamburg1.2505
Hessen2.8159
Niedersachsen2.6188
Nordrhein-Westfalen6.64818
Rheinland-Pfalz1.1154
26.35080

VertreterInnen der neuen Bundesländer, die noch keine Kammern errichtet haben, waren als Gäste vertreten und berichteten, dass sie planen, eine gemeinsame Kammer für die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu errichten. Als weitere Gäste nahmen VertreterInnen vom Errichtungsausschuss der Kammer des Saarlandes teil, die wie der Errichtungsausschuss von Schleswig-Holstein (deren Vertreterinnen waren kurzfristig erkrankt) der Bundespsychotherapeutenkammer noch nicht beitreten konnten.

Der vorliegende Satzungsentwurf wurde mit geringen, eher marginalen Veränderungen verabschiedet. Aufgenommen wurde die Einrichtung eines Strukturbeauftragten, der auf Vorschlag der noch nicht in der Bundespsychotherapeutenkammer vertretenen neuen Bundesländern dem Vorstand zugeordnet sein und ihnen die Möglichkeit eröffnen soll, direkt informiert zu sein und mit beratender Stimme ihre Anliegen einzubringen. Darüber hinaus können die noch nicht vertretenen Kammern an den Sitzungen des Finanzausschusses mit beratender Stimme teilnehmen.

Der aus 5 Personen bestehende Vorstand wurde gewählt. Detlev Kommer (Baden-Württemberg; DPTV), wurde mit 56 Ja-Stimmen zum ersten Präsidenten der Bundespsychotherapeutenkammer gewählt. Dr. Lothar Wittmann (Niedersachsen; Vereinigung) wurde mit 63 Ja-Stimmen zum Vizepräsidenten, Monika Konitzer (NRW; DPTV) mit 50 Ja-Stimmen zu Vizepräsidentin gewählt. Gegen Monika Konitzer kandidierte Heinrich Bertram (Berlin; VPP im BDP), der von 25 Delegierten gewählt wurde.

Als 1. Beisitzer gewählt wurde mit 56 Stimmen Hermann Schürmann, Angestellter und Landesvorsitzender DGPT NRW, als 2. Beisitzer und Vertreter der KJP wurde Peter Lehndorfer (Bayern; VAKJP) mit 55 Stimmen gewählt.

In den Länderrat wurden als Vertreterinnen der Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen Marion Schwarz (Hessen; BKJ - Vertreterin Veronika Mähler-Dienstuhl, NRW, DGVT) und Martin Klett (Baden-Württemberg; BVVP/VAKJP - Vertreterin Helga Planz, Hessen, BVVP/VAKJP) gewählt.

Ausführlich wurden über die Beiträge und Kosten der Bundespsychotherapeutenkammer diskutiert. Für 2003 und 2004 wird jede Landeskammer pro Mitglied und Jahr 30 Euro an Beitrag überweisen müssen. Es besteht Einigkeit darüber, dass eine professionelle Arbeit ermöglicht werden muss. Andere Beiträge sind aber z. Z. nicht durchsetzbar, auch aufgrund der unterschiedlichen Finanzstärke der Landeskammern.

Als Versammlungsleitung für die nächsten vier Jahre wurden gewählt: Friederike Wetzorke, Niedersachsen, KJP und BKJ, die sich gegen Gisela Borgmann, GwG, Präsidentin der Berliner Kammer, durchsetzte. Als Vertreter wurden Wolfgang Schreck (NRW, DGVT) und Jürgen Hardt, Präsident der Kammer Hessen, DGPT, gewählt.

Neben der notwendigen Arbeit an Satzung, Geschäftsordnung, Sitz der Kammer (Berlin), Beiträgen und vorläufiger Haushaltsaufstellung wurde vom neuen Vorstand ein Eckpunktepapier als inhaltliche Orientierung für die weitere politische Arbeit der Bundespsychotherapeutenkammer eingebracht, das mit wenigen Anmerkungen einhellig verabschiedet wurde. Es umfasst acht Punkte (nachfolgend die Überschriften, das Papier selbst ist über die Homepages der Psychotherapeutenkammern einsehbar):

  1. Gesundheit und Krankheit lassen sich nicht auf eine biologische Dimension verkürzen
  2. Der direkte Erstzugang zu einer bedarfsorientierten psychotherapeutischen Versorgung muss erhalten bleiben
  3. Bedarfsplanung (es muss eine eigene Bedarfsplanung für den Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie geben; der regionale Versorgungsbedarf mit Neuzulassungen soll versorgungsorientiert und nicht berufsgruppenspezifisch erfolgen (siehe ⿿Bestandsschutz⿿ für psychotherapeutisch tätige Ärzte)
  4. Weiterentwicklung einer integrierten psychotherapeutischen Versorgungskette (Einrichtung psychotherapeutischer Akutstationen, Einweisungsbefugnis, Belegpsychotherapeutische Funktionen)
  5. Gleichberechtigte Einbeziehung der PP und KJP in strukturierte Behandlungsprogramme für chronische Erkrankungen und integrierte Versorgungssysteme
  6. Mehr Mitwirkungsrecht für Psychotherapeuten in der Selbstverwaltung (3-Säulen-Modell bestehend aus einer hausärztlichen, einer fachärztlichen und einer psychotherapeutischen Versorgungsebene)
  7. Angemessene Vergütung für psychotherapeutische Leistungen
  8. Berufsrechtliche Änderungsnotwendigkeiten (Einbezug präventiver und rehabilitativer Handlungsfelder für PP und KJP, Verbesserung der Weiterentwicklungsmöglichkeiten für Psychotherapie über die Zulassung von Heilversuchen, Anpassung der Aus-, Fortund Weiterbildung).

Der zweitägige 1. Deutsche Psychotherapeutentag verlief in einer sehr disziplinierten und ruhigen Arbeitsatmosphäre, war aber insgesamt durchaus anstrengend (am Samstag wurde bis 22.30 Uhr getagt). Nunmehr gilt es, die Kammer mit Leben zu erfüllen und die damit verbundenen Möglichkeiten zur verbesserten Interessenvertretung der PsychotherapeutInnen in der Gesundheitsversorgung engagiert zu nutzen.