Dr. Kirsten Kappert-Gonther, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Fachärztin:
„Es ist nicht zumutbar, dass viele Menschen in einer psychischen Krise monatelang auf therapeutische Hilfe warten müssen. Wer in seelischer Not ist und Hilfe braucht, muss diese schnell und passgenau bekommen. Wir wollen zusätzliche ambulante Psychotherapieplätze durch mehr Kassenzulassungen von Psychotherapeut*innen schaffen. Die durch den GBA festgelegte Erhöhung der Zulassungen war überfällig, deckt aber immer noch nicht den aktuellen Bedarf. Zudem ist in Folge der Corona-Pandemie mit einer weiteren Zunahme von seelischen Erkrankungen und somit mit einem erneut steigenden Psychotherapiebedarf zu rechnen. Bei der unzureichenden Reform der Psychotherapie-Ausbildung muss nachgebessert werden, unter anderem damit angehende Psychotherapeut*innen endlich unter guten Bedingungen ausgebildet werden.
Zusätzlich zu der Erhöhung der ambulanten Psychotherapiekapazitäten, braucht es eine Verbesserung der gemeindenahen und personenzentrierten Hilfsangebote und eine verbesserte, sektorübergreifende Zusammenarbeit. Dabei müssen auch die Besonderheiten der Versorgung von Kindern und Jugendlichen, von LSBTIQ*, geflüchteten und traumatisierten Menschen, sowie von Frauen, die von Gewalt betroffen sind, berücksichtigt werden. Behandlungen unter Zwang müssen auf ein unumgängliches Mindestmaß reduziert werden. Dafür braucht es eine systematische Dokumentation und die konsequente Patient*innenorientierung des therapeutischen Angebots. Hilfsangebote zwischen ambulanter und stationärer Behandlung müssen flexibler werden und die verschiedenen Berufsgruppen im Team eine miteinander abgestimmte Behandlung übernehmen können.“