Fachtagung FrauenGesundheit - FrauenLeben - FrauenArbeit
Anlässlich der Veröffentlichung des 1. Berichts zur gesundheitlichen Situation von Frauen in Deutschland wurde die Tagung vom BMFSFJ organisiert. Der Frauengesundheitsbericht des Bundes beschreibt erstmals umfassend Krankheitsbilder im Zusammenhang mit den Lebensweisen von Frauen. Einige Ergebnisse:
- Mütter können von einer Berufstätigkeit gesundheitlich profitieren, wenn sie beide Lebensbereiche, Beruf und Familie, vereinbaren. Die Studie zeigt: In beiden Lebensbereichen aktiv zu sein, macht Frauen zufriedener mit ihrem Leben und somit weniger krankheitsanfällig. 63% aller Mütter in Deutschland sind berufstätig.
- Frauen erliegen entgegen der gängigen Meinung häufiger als Männer einem Herzinfarkt, denn sie versterben häufiger kurz vor oder nach Erreichen einer Klinik als Männer. Ein Herzinfarkt wird bei Frauen häufiger falsch diagnostiziert oder nicht entdeckt, weil Frauen andere Krankheitssymptome beim Herzinfarkt zeigen als Männer.
- Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung (26,4%) und -todesursache (17,9%) bei Frauen und während die Sterblichkeitsrate sinkt, steigt die Neuerkrankungsrate, insbesondere bei den unter 50-Jährigen.
- Wie notwendig eine ganzheitliche Medizin ist, zeigt die hohe Zahl der seelischen Erkrankungen, die Grundlage massiver Störungen sind: So sind 95 Prozent aller Essgestörten Mädchen und junge Frauen. Die Erkrankten werden immer jünger, die Zahlen steigen.
- Etwa 70 Prozent aller Medikamentenabhängigen in Deutschland sind Frauen, darunter ein Großteil ältere Frauen.
- Vier Millionen Frauen leiden an Knochenschwund, fünfmal so viele wie Männer.
- Es rauchen mehr Männer als Frauen (1995: ein Drittel der Männer und ein Fünftel der Frauen über 15 Jahre), doch der Anteil der Raucherinnen steigt kontinuierlich, und das Einstiegsalter sinkt. Sozial schlechter gestellte Frauen rauchen häufiger, und Frauen mit Kindern rauchen häufiger als kinderlose. Rauchende Frauen haben ein größeres Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken als Männer.
In der Vorstellung des Berichts wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dieser große Lücken aufweist, weil die Datenlage in vielen Bereichen der Medizin keine geschlechtsspezifischen Auswertungen zulässt bzw. diese von den Forschergruppen nicht durchgeführt worden sind. Insofern wird an dem Bericht weiter geschrieben, es wird immer wieder Ergänzungen geben.
Neben Vorträgen von namhaften Expertinnen wie Prof. Maschewski-Schneider, Prof. Helfferich, Dr. Brandrup-Lukanow (WHO) und Prof. Hagemann-White und deren Diskussion im Plenum wurden Arbeitsgruppen zu verschiedenen Themen gebildet:
- Erwerbsarbeit von Frauen - Belastung oder Ressource?
- Reproduktive Gesundheit
- Gewalt als Gesundheitsproblem
- Sucht und Essstörungen, geschlechtersensible Prävention
- Qualitätssicherung in der gesundheitlichen Versorgung von Frauen
- Gender mainstreaming in der Gesundheitsforschung.
Die Ergebnisse dieser Arbeitsgruppen werden demnächst vom Bundesministerium veröffentlicht. Weitere Tagungen zu diesen Themen sollen folgen, und eine "Koordinierungsstelle Frauengesundheit" soll eingerichtet werden. Sie soll dem "Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V." (AKF) angegliedert und drei Jahre lang vom Ministerium finanziert werden.
Andrea Benecke, Würzburg