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Förderung der Integration nutzt allen

10. September 2014

Umfang und Qualität der Beratung für MigrantInnen muss der

wachsenden Zuwanderung angepasst werden.

Stellungnahme der Deutschen Gesellschaft für Verhaltenstherapie (DGVT) e. V. zum Aktionstag der Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer (MBE) am 15. September 2014

 

Die Zuwanderung nach Deutschland wächst: Der Wanderungssaldo für das Jahr 2013 beträgt 437.000 Personen und ist damit dreimal so hoch wie noch im Jahr 2010. Eine wichtige Anlaufstelle für MigrantInnen ist die Migrationsberatung für Erwachsene (MBE), die vor zehn Jahren aus den Bundesprogrammen „Soziale Beratung und Betreuung von Aussiedlern“ und „Ausländersozialberatung“ hervorgegangen ist. In Trägerschaft der Freien Wohlfahrtspflege und des Bundes der Vertriebenen (BdV) wird die Beratung vor Ort organisiert.

Die Beratungszahlen der MBE sind seit 2011 um 57 Prozent auf mehr als 158.000 Fälle im Jahr 2013 gestiegen. Ratsuchende aus der Europäischen Union stellen mit 25 Prozent zurzeit den größten Anteil, gefolgt von den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion mit insgesamt 22 Prozent. Frauen machen fast 60 Prozent der Ratsuchenden aus. Neben der Zahl der Beratungen ist auch deren Komplexität gewachsen: Flüchtlinge, die einen auf Dauer angelegten Aufenthaltsstatus haben, darunter insbesondere Flüchtlinge aus Syrien aus den Aufnahmeprogrammen von Bund und Ländern, stellen eine kontinuierlich größer werdende Gruppe in der MBE-Beratung dar. Dadurch, aber auch wegen neuer gesetzlicher Grundlagen, sind die Beratungsanfragen komplizierter und aufwendiger geworden.

Laut Koalitionsvertrag der Bundesregierung soll jede Neuzuwanderin und jeder Neuzuwanderer „die Gelegenheit zu einem Erstberatungsgespräch über Angebote zur Integration bekommen. Integrations- und Beratungsangebote sollen besser aufeinander abgestimmt und vernetzt werden.“ Zudem sollen Integrationsvereinbarungen eine Verbindlichkeit über die weiteren Schritte gewährleisten.

Für diesen Ansatz gibt es gute Gründe: Im Mittelpunkt des bundesweiten Beratungsangebots steht die sozialpädagogische Beratung und Begleitung von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte. Sie führt zu einer schnelleren und besseren Integration der MigrantInnen und öffnet Zugänge zu wichtigen Informationen über Netzwerke und Strukturen. Die Erfolge sind auch volkswirtschaftlich messbar. Bei den abgeschlossenen Fällen für das Jahr 2013 ist der Anteil der Ratsuchenden, die bei Beratungsbeginn Transferleistungen erhalten hatten, zum Beratungsende von knapp 60 Prozent auf 53,2 Prozent gesunken. Noch stärker ist der Bezug von ALG II-Leistungen zurückgegangen: Der Anteil der Ratsuchenden, die zu Beginn der Beratung ALG II-Leistungen bezogen hatten, verminderte sich von 46,3 Prozent auf 32,8 Prozent zum Beratungsende.

Um die erfolgreiche Arbeit fortführen zu können, muss die MBE finanziell bedarfsgerecht ausgestattet werden. Die Bundesförderung für die MBE ist seit Beginn im Jahr 2005 bis heute von 27 Mio. auf 26,2 Mio. Euro gesunken. Die tatsächlichen Personal- und Sachkosten betragen jedoch laut der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege rund 34 Mio. Euro. Deshalb besteht die Gefahr, dass Beratungsstellen geschlossen werden müssen und das nahezu flächendeckende Angebot nicht erhalten werden kann. Um auf diese Situation aufmerksam zu machen, haben die Verbände zum MBE-Aktionstag am 15. September 2014 aufgerufen.

Die Deutsche Gesellschaft für Verhaltenstherapie e.V. (DGVT) unterstützt das Anliegen der MBE bezüglich deren finanziellen Absicherung nachdrücklich. „Die Arbeit der MBE ist nicht nur unverzichtbar für eine Anerkennungs- und Willkommenskultur gegenüber MigrantInnen“, sagt DGVT-Vorstandsmitglied Wolfgang Schreck. „Gerade Flüchtlinge haben häufig traumatisierende Erfahrungen in ihrem Herkunftsland und auf der Flucht gemacht“, so Schreck weiter, „die MBE tragen durch ihre Vernetzung und ihre Schnittstellen- und Mittlerfunktion auch dazu bei, dass deren gesundheitliche und psychosoziale Versorgung frühzeitig und richtig auf den Weg gebracht werden kann.“

Tübingen, September 2014