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DGVT  • VPP 2/2023

GESUNDHEITSPOLITISCHE NOTITZEN

12. Mai 2023
 

GESUNDHEITSPOLITISCHE NOTIZEN

DAK-Präventionsradar 2022

Der Präventionsradar der DAK soll zu den gesundheitlichen Folgen der COVID-19-Pandemie für Kinder wichtige Bausteine des Erkenntnisgewinns liefern. Die Studie zur Kinder- und Jugendgesundheit wird seit dem Schuljahr 2016/2017 jährlich an deutschen Schulen durchgeführt und soll somit einen Vergleich der Situation vor und während der Pandemie ermöglichen. Ein Ergebnis aus der Studie: „84 Prozent haben Einsamkeit während der COVID-19-Pandemie erlebt. Von diesen berichten rund 39 Prozent, dass sie sich aufgrund der Pandemie häufiger einsam gefühlt haben, insbesondere Mädchen (48 Prozent) und ältere Jugendliche (45 Prozent) und diejenigen mit einem niedrigem subjektiven sozialen Status (52 Prozent).“ 

 

2022 höchster Krankenstand seit 25 Jahren – verantwortlich vor allem Atemwegserkrankungen

Die Fehlzeiten der 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten der DAK waren noch nie so hoch wie im vergangenen Jahr. Das ist der höchste Wert seit dem Start der Analysen im Jahr 1997. Der Krankenstand lag mit 5.5 Prozent um 1,5 Punkte über dem Vorjahresniveau. Das meldete die DAK-Gesundheit Mitte Januar 2023. Im Durchschnitt fehlten die Beschäftigten fast zwanzig Tage mit einer Krankschreibung bei ihrer Arbeitsstelle – ein Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verantwortlich für das starke Plus sind vor allem Atemwegserkrankungen, die um 172 Prozent zugelegt haben.

 

Zahl junger Raucher*innen gestiegen

Die Zahl der 14- bis 17-jährigen Raucher*innen in Deutschland ist 2022 sprunghaft gestiegen. Bei den Tabakraucher*innen verdoppelte sich der Anteil nahezu von 8,7 Prozent auf 15,9 Prozent. Der Anteil der E-Zigarettennutzer*innen verfünffachte sich sogar von 0,5 auf 2,5 Prozent. Das geht aus der Deutschen Befragung zum Rauchverhalten (Debra) hervor, an der Rund 2000 Jugendliche zwischen 14 und 24 Jahren alle zwei Monate teilnehmen. Bei den 18- bis 24- jährigen stieg der Anteil der Tabakraucher*innen auf 40,8 Prozent (2021: 36,1 Prozent) und der E-Zigaretten-Nutzer*innen auf vier Prozent (2021: 2,4 Prozent). Laut einer Umfrage des Deutschen Krebsforschungszentrum wünschen 77 Prozent der Befragten, dass der Gebrauch von E-Zigaretten und Tabakerhitzern in Nichtraucherbereichen verboten wird. In Deutschland sind – außer in Hessen – weder E-Zigaretten noch Tabakerhitzer von Nichtraucherschutzgesetzen erfasst. Ohnehin hat Deutschland beim Nichtraucherschutz offenbar Nachholbedarf: In der aktuelle „Tabakkontrollskala“ belegt die Bundesrepublik Platz 34 von 37 und rangiert damit hinter Ländern wie Zypern, Kroatien und der Ukraine (www.debra-study.info).

Quelle: Gesundheit und Gesellschaft, Ausgabe 1/2023, 26. Jahrgang, S. 10

 

Statistik: Gewalt in Partnerschaften geht leicht zurück

Die Zahl der erfassten Fälle von Gewalt in Partnerschaften ist in Deutschland leicht zurück gegangen. 2021 wurden laut einer Auswertung der Statistik des Bundeskriminalamts (BKA) 143.604 Opfer von Gewalt in einer bestehenden oder ehemaligen Partnerschaft registriert. Das sind drei Prozent weniger als im Vorjahr, als die Zahlen einen bisherigen Höchststand erreicht hatten. Nach der Statistik wurden 2021 insgesamt 113 Frauen und 14 Männer durch die/den Partner*in oder Ex-Partner*in getötet. Am häufigsten ist mit knapp 60 Prozent der angezeigten Fälle die Körperverletzung. Jeder vierte registrierte Fall bezieht sich auf Bedrohung, Stalking oder Nötigung. Vier von fünf Betroffene sind demnach Frauen. Bei den Tatverdächtigten waren es ebenso viele Männer. Die Gewalt geht der Auswertung zufolge in etwa 60 Prozent der Fälle von der/dem Partner*in aus, in den anderen Fällen von einer/einem Ex-Partner*in. Da manche gemeldeten Fälle sich auf mehrere Taten und dieselben Betroffenen beziehen, ist laut Angaben des BKA keine exakte Zahl der Opfer zu benennen. Ebenso seien nur die gemeldeten Fälle in der Statistik erfasst. Das lasse daher keine Beurteilung der tatsächlichen Lage im Dunkelfeld zu. Laut Statistik war mehr als jede/r dritte Tatverdächtige zwischen 30 und 40 Jahren alt. Etwa jeder vierte tatverdächtige Mann stand demnach zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss, bei Frauen etwa jede fünfte. Zwei von drei Tatverdächtigen häuslicher Gewalt waren deutsche Staatsangehörige. Unter häuslicher Gewalt werden alle Formen körperlicher, sexueller und psychischer Gewalt im Umfeld der Familie oder Lebensgemeinschaft zusammengefasst (https://www.bka.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/JahresberichteUndLagebilder/Partnerschaftsgewalt/Partnerschaftsgewalt_2021.html?nn=63476).

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Ausgabe 1/2023, 170. Jahrgang, S. 38

 

Ein Viertel aller jungen Menschen ist armutsgefährdet

In Deutschland ist etwa ein Viertel aller jungen Menschen unter 25 Jahren armutsgefährdet. Dadurch hätten die jungen Menschen schlechtere Entwicklungs- und Teilhabechancen, heißt es in der Untersuchung der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit (BAG KJS). Die Studie trägt den Titel „Monitor Jugendarmut in Deutschland 2022“. Die Zahlen stammen unter anderem aus Angaben des Statistischen Bundesamts, der Trendstudie Jugend und einer Bertelsmann-Studie. Laut Definition der EU gilt derjenige als armutsgefährdet, dessen verfügbaren Einkommen weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung in dem betreffenden EU-Mitgliedsstaat beträgt. In Deutschland lag dieser Schwellenwert laut Statistischem Bundesamt für eine alleinlebende Person im vergangenen Jahr bei 15.009 Euro netto im Jahr bzw. 1.251 Euro im Monat. 68 Prozent der befragten jungen Menschen sorgten sich laut Studie, angesichts der aktuellen Entwicklungen, mit ihren Familien in Armut leben zu müssen, sich Wohnen und die Lebensunterhaltungskosten nicht mehr leisten zu können. Weiter machten sich laut Monitor 46 Prozent der jungen Menschen wegen der Corona-Pandemie Sorgen um ihre psychische Gesundheit, rund ein Drittel um den Lebensstandard, jeweils rund ein Viertel sorgten sich um ihre finanzielle Situation und um ihre berufliche Perspektive. Wegen der Inflation glaubten rund 37 Prozent, dass ihre Zukunft in drei Jahren schlechter aussieht. Der Monitor Jugendarmut soll nach einigen Angaben einen grafisch aufbereiteten Überblick über aktuelle Statistiken und Studien bieten, die sich mit den Lebensverhältnissen junger Menschen zwischen 14 und 27 Jahren befassen. Die BAG KJS wolle damit auf die ganz besondere Situation „junger armutsbetroffener Menschen aufmerksam machen – und auf ihr Recht, ihr Leben nach eigenen Vorstellungen zu gestalten“. Der aktuelle Monitor untersucht die Auswirkungen der Inflation, die Verfügbarkeit von Ausbildungsplätzen, den Wohnungsmarkt, die mangelnde soziale Teilhabe sowie die Auswirkung der Corona-Pandemie auf die Perspektiven Benachteiligter Jugendlicher. Die BAG KJS vertritt nach eigenen Angaben die Interessen junger Menschen in der Kirche, Staat, Politik, Wirtschaft und Verbänden. Zentrales Thema ist die gerechte Teilhabe für alle jungen Menschen und die Bekämpfung von Jugendarmut (https://www.bagkjs.de/monitor-jugendarmut-2022/).

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Ausgabe 1/2023, 170. Jahrgang, S. 38

 

Studie: Deutsche sehr eingeschränkt für Suizidassistenz

Deutsche befürworten einen assistierten Suizid nur sehr eingeschränkt. Der repräsentativen Untersuchung des Meinungsforschungsinstitut Infas zufolge sprechen sich eine Mehrheit der Deutschen nur dann für die Beihilfe zur Selbsttötung aus, wenn es sich um schwerst- und tödlich erkrankte Menschen handelt. Für gesunde Menschen jeglichen Lebensalters werde der assistierte Suizid mit einer eindeutigen Mehrheit abgelehnt. Die Ergebnisse legten nahe, „dass die vom Bundesverfassungsgericht eröffnete Möglichkeit des assistierten Suizids für nicht sterbende Menschen von der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung nicht befürwortet wird“, sagten die Studienautor*innen. Studienautor Georg Fiedler von der Deutschen Akademie für Suizidprävention sagte, das Bundesverfassungsgericht sei mit seinem Urteil vom 26. Februar 2020 weit über Regelungen in vielen anderen Ländern hinausgegangen. Das Karlsruher Urteil billige jedem Menschen, unabhängig von der Schwere einer Erkrankung, Motiv oder Lebensalter, das Recht auf eine assistierte Selbsttötung zu. Voraussetzung sei, dass man sich freiwillig für einen Suizid entscheide. Die Autor*innen der Studie erklärten weiter, in der öffentlichen Diskussion über die anstehende gesetzliche Regelung in Deutschland werde der Fokus vor allem auf die Situation alter, schwer kranker oder sterbende Menschen gelegt. Für Menschen in Lebenskrisen falle laut der Umfrage die Befürwortung einer Suizidassistenz sehr gering aus – und steige mit dem Alter der Person nur leicht an: von 2,7 Prozent bei Jüngeren über 4,1 Prozent bei Menschen im mittleren Lebensalter bis zu 10,3 Prozent bei Älteren. Das bedeute, dass 90 Prozent der Deutschen es ablehnten, für alte gesunde Menschen die assistierte Selbsttötung zu ermöglichen, sagte Studienautor Arno Drinkmann, der auch Psychologie-Professor an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt ist.

Quelle: Blätter der Wohlfahrtspflege, Ausgabe 1/2023, 170. Jahrgang, S. 34

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Soziale Kontakte verringern Demenz

Regelmäßige soziale Kontakte und Aktivitäten wirken sich positiv auf Demenzsymptome aus. Das ist das Fazit einer Studie des Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), die die Wirkung psychosozialer Aspekte auf Menschen mit Demenz untersuchten. Die Forschenden stellten fest, dass betroffene Menschen, die in ihrem gewohnten Umfeld betreut werden und sozial eingebunden sind, bessere Krankheitsverläufe aufwiesen. Es sei daher wichtig, Modellprojekte zu initiieren die „positive soziale Kontakte von Menschen mit Demenz“ stärken. Bedarf bestehe auch an gesellschaftlicher Aufklärung sowie an Unterstützung der Angehörigen. In der Praxis scheiterten allerdings viele Ansätze an Mangel an geschultem Personal und weiteren Entfernungen. 

Quelle: Gesundheit und Gesellschaft, Ausgabe 2/2023, 26. Jahrgang, S. 10