Glücksspielstaatsvertrag - DGVT fordert stärkere Restriktionen
Das Ringen um den neuen Glücksspielstaatsvertrag geht weiter. Wie bereits mehrfach berichtet, sind die Bundesländer vom Europäischen Gerichtshof aufgefordert worden, eine neue Regelung zu schaffen. Aus psychotherapeutischer Sicht sollte alles drangesetzt werden, die grassierende Spielsucht einzudämmen. Am 25. Mai findet in Magdeburg eine Anhörung zum vorgelegten Glücksspielsstaatsvertragsentwurf statt. Die DGVT versteht sich als „Anwalt der Patienten“ und hat dazu eine Stellungnahme eingereicht.
Alle Experten sind sich einig, dass Glücksspiele ein enormes Suchtpotenzial aufweisen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, geht von rund 400.000 Spielsüchtigen bundesweit aus. Die vage Aussicht auf schnelles Geld lockt vor allem männliche Migranten. Mit der Spielsucht sind großes individuelles Leid, soziale Isolation, gravierende wirtschaftliche Probleme und nicht selten ein Abrutschen in die Kriminalität verbunden. Um Suchtgefahren wirksam zu vermeiden, muss der Zugang zu Glückspielen aller Art eingeschränkt werden. Ein Vergleich mit der Schweiz beispielsweise zeigt, dass sich bei entsprechenden gesetzlichen Vorgaben die Inanspruchnahme von Glücksspielen deutlich reduzieren lässt.
Bekämpfung der Spielsucht – dieses Ziel steht zwar auch im Glücksspielstaatsvertragsentwurf. Wie es jedoch erreicht werden soll angesichts der Tatsache, dass das Glücksspielangebot durch Konzessionen für bislang illegale Anbieter ausgeweitet und Werbung für Glücksspiele (Sportwetten) erlaubt wird, ist unklar. Die Psychotherapie kann Spielsüchtigen zwar helfen, im Vordergrund muss aber die Prävention stehen: Das Ziel muss immer sein, die schwere Störung gar nicht erst entstehen zu lassen.
Spielsüchtige zu therapieren und an ihren Platz in der Gesellschaft zurückzuführen, ist eine enorme und auch kostenintensive Aufgabe, die der Sozialstaat zu schultern hat. Kostensparend und gesundheitspolitisch vernünftig wären stattdessen klare gesetzliche Regelungen, die den Glücksspielmarkt in all seinen Facetten eindämmen. Doch die Aussicht auf viele Millionen Steuereinnahmen durch die Glücksspiele verstellt offenbar den Blick aufs Wesentliche.
Angela Baer