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Gesundheitspolitik  • VPP 3/2006

Gründung von FACT - Frauen aktiv contra Tabak e.V.

24. April 2007

Um tabakbedingte Lungenkrebs- und Herzkreislauferkrankungen bei Frauen zu bekämpfen, gründen sieben Expertinnen aus Forschung und Praxis den ersten deutschen gemeinnützigen Verein von Frauen gegen Tabak.

 

Alarmierende Situation in Deutschland

Während immer weniger Männer rauchen, greifen immer mehr Frauen zur Zigarette (Lampert & Burger, 2004). Rund ein Drittel (31%) der erwachsenen Frauen rauchen. Besonders besorgniserregend sind die hohen Raucherinnenquoten bei jungen Frauen: ungefähr die Hälfte aller jungen Frauen zwischen 18-25 Jahren rauchen regelmäßig (42% in den alten, 51% in den neuen Bundesländern) (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2004). Höchste Raucherinnenquoten wurden bei allein erziehenden Müttern mit Hauptschulabschluss verzeichnet (56,2%) (Robert Koch-Institut, 2005a). Neueste Zahlen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestätigen weiterhin, dass 2004 rund ein Viertel aller Mädchen zwischen 12-17 Jahren rauchten (23%) (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, 2004).

Diese Veränderungen im weiblichen Rauchverhalten schlagen sich bereits in einem drastischen Anstieg von Lungenkrebsfällen bei Frauen nieder! Denn keine Krebsart nimmt so rasant zu wie Lungenkrebs bei Frauen, wohingegen die Rate bei Männern sogar leicht zurückgeht (Junge, 1998;(Robert Koch-Institut, 2005b). Es ist erwiesen, dass Rauchen bei Frauen zudem mit einem erhöhten Risiko für Lungenkrebs, kardiovaskuläre Erkrankungen und pulmonare Erkrankungen sowie mit spezifischen Risiken für Osteoporose, Zervikalkrebs, frühe Menopause, verminderte Fertilität und Komplikationen während der Schwangerschaft verbunden ist (U.S. Department of Health and Human Services, 2001).

Entwöhnung ist für Frauen schwerer

Frauen haben größere Schwierigkeiten als Männer mit dem Rauchen aufzuhören: Zwar versuchten mit 33% und 35% vergleichbar viele weibliche und männliche Befragte des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 im Jahr zuvor mit dem Rauchen aufzuhören (Junge & Nagel, 1999). Die Aussteigerquoten jedoch waren bei den Frauen (36%) geringer als bei den Männern (43%). Überdies bestätigen (Interventions-)Studien geringere Abstinenz- und höhere Rückfallraten bei Frauen als bei Männern (Ward, Klesges, Zbikowski, Bliss & Garvey, 1997; Wetter et al., 1999).

 

Frauen ahnen oder wissen durchaus, dass Rauchen ungesund ist, unterschätzen allerdings häufig ihr persönliches Erkrankungsrisiko. Ausreichendes Wissen allein geht aber selten schon mit entsprechenden Lebensgewohnheiten (d.h. Aufhören) einher. Vielmehr spielen hier zusätzlich (frauentypische) Motive sowie Barrieren eine zentrale Rolle, die am besten durch gesellschaftlich geprägte Geschlechterrollenerwartungen erklärt werden können. Eine aktuelle Studie an der Charité untersucht, wie diese Geschlechterrollenerwartungen das Rauchverhalten bzw. das Aufhören bei Frauen beeinflussen und wie aus dieser Sicht Interventionen Erfolg versprechend auf Frauen zugeschnitten werden können.

Handeln ist notwendig

„Wir müssen alles tun, um diese Katastrophe zu vermeiden", sagt Sibylle Fleitmann, die Vereinsvorsitzende. „Wir werden uns mit FACT aktiv und ganz konkret für die Förderung des Nichtrauchens und des Gesundheitsschutzes vor Tabakrauch bei Mädchen und Frauen einsetzen. Wir werden Aktivitäten und Maßnahmen der Gesundheitsförderung, der gesundheitlichen Aufklärung, der Gesundheitsbildung und Prävention anregen, koordinieren, unterstützen oder selbst durchführen."

FACT verlangt eine dringende Bestandsaufnahme zum Thema Frauen und Rauchen in Deutschland, die Entwicklung von frauenzentrierten Präventions- und Informationskampagnen sowie von Entwöhnungsprogrammen, die den Bedürfnissen und Lebensumständen von Frauen und Mädchen gerecht werden. Immer noch gibt es große Forschungslücken, die dringend geschlossen werden müssen, z.B. frauenspezifische Forschung zu physischer und psychischer Abhängigkeit, zu psychologischen und sozialen Einflüssen auf das Rauchverhalten, einschließlich sozialer Ungleichheit.

Nicht zuletzt ist das Passivrauchen ein wesentlicher Faktor für die Mortalität bei Frauen, so sterben jedes Jahr mehr als 3300 Menschen an den Folgen des Passivrauchens in Deutschland. 70% davon sind Frauen! FACT setzt sich für die Einführung von gesetzlichen Maßnahmen zur Schaffung rauchfreier öffentlicher Einrichtungen und rauchfreier Arbeitsplätze (einschließlich rauchfreier Restaurants und Gaststätten) ein, für die Umsetzung eines umfassenden Werbeverbots (einschließlich Sponsoring und Produkt Placement in Film und Fernsehen) sowie die effektive Regulierung und Kontrolle der Herstellung von Tabakprodukten aller Art.

„Frauen haben andere Sorgen und Schwierigkeiten hinsichtlich eines Rauchstopps und werden häufiger rückfällig als Männer", berichtet Dr. Edith Weiß-Gerlach, stellvertretende Vorsitzende, aus ihrer praktischen und forschenden Tätigkeit an der Charité in Berlin. „Daher brauchen wir gendersensible Konzepte und Strategien zum Thema Frauen und Rauchen.

Informationen und Kontakt:

FACT – Frauen aktiv contra Tabak e.V.
Union Gewerbehof
Huckarderstr. 10-12
D-4147 Dortmund

Vorsitzende
Sibylle Fleitmann
Tel: 0231/7255964 Handy: 0160 9913 5265
E-mail: s.fleitmann@gmx.de

Stellvertretende Vorsitzende
Dr. Edith Weiß-Gerlach
Tel: 030/450 531 144
E-mail: edith.weiss-gerlach@charite.de
Internet: http://www.fact-antitabak.de/

 


 

Literatur:

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. (2004). Die Drogenaffinität Jugendlicher in der Bundesrepublik Deutschland 2004. Eine Wiederholungsbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Köln: Eigenverlag.

Junge, B. (1998). Rauchen und Lungenkrebs bei Frauen: Werden die Männer überholt? Bundesgesundheitsblatt, 41, 474–477.

Junge, B. & Nagel, M. (1999). Das Rauchverhalten in Deutschland. Gesundheitswesen, 61 Spec No, 121-125.

Lampert, T. & Burger, M. (2004). Rauchgewohnheiten in Deutschland - Ergebnisse des telefonischen Bundes-Gesundheitssurveys 2003. Gesundheitswesen, 66(8-9), 511-517.

Robert Koch-Institut. (2005a). Beiträge zur Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit. Expertise des Robert Koch-Instituts zum 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung. Berlin: Robert Koch Institut.

Robert Koch-Institut. (2005b). Schwerpunktbericht der Gesundheitsberichterstattung des Bundes. Gesundheit von Frauen und Männern im mittleren Lebensalter. Berlin: Robert Koch Institut.

U.S. Department of Health and Human Services. (2001). Women and Smoking. A Report of the Surgeon General. Atlanta, GA: Department of Health and Human Services, Centers for Disease Control and Prevention, National Center for Chronic Disease Prevention and Health Promotion, Office on Smoking and Health.

Ward, K. D., Klesges, R. C., Zbikowski, S. M., Bliss, R. E. & Garvey, A. J. (1997). Gender differences in the outcome of an unaided smoking cessation attempt. Addict Behav, 22(4), 521-533.

Wetter, D. W., Kenford, S. L., Smith, S. S., Fiore, M. C., Jorenby, D. E. & Baker, T. B. (1999). Gender differences in smoking cessation. Journal of Consulting & Clinical Psychology, 67(4), 555-562.