Intergremientreffen am 29. November 2014 in Würzburg
Einmal im Jahr kommen VertreterInnen des gesamten DGVT-Verbunds – Fachverband mit Fort- und Weiterbildung und Verlag sowie AusbildungsAkademie und des DGVT-Berufsverbands – zusammen, um sich über die aktuellen Entwicklungen auszutauschen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Das sogenannte Intergremientreffen fand am 29. November 2014 in Würzburg statt.
Zunächst berichteten Waltraud Deubert und Kerstin Burgdorf von der Bundesgeschäftsstelle über Mitgliederentwicklung, Finanzen und Stellungnahmen, mit denen sich DGVT und DGVT-BV im Jahr 2015 zu gesundheits- und sozialpolitischen bzw. berufspolitischen Themen positioniert haben. Alle Einzelheiten sind nachzulesen in den Rechenschaftsberichten des Vorstands von DGVT und DGVT-Berufsverband; beide Berichte werden in der VPP 2/15 abgedruckt.
Einen Überblick über die Entwicklung derAusbildungsAkademie im Jahr 2014 und einen Ausblick auf 2015 gab Geschäftsführer Günter Ruggaber. Die Anzahl der DGVT-getragenen Institute beträgt 19, davon 11 PP-Institute und 8 KJP-Institute. Die vier Kooperationsinstitute bieten allesamt PP-Ausbildung und KJP-Ausbildung an.
Was den Kontakt zu den Hochschulen anbelangt, ist die AusbildungsAkademie Träger eines An-Instituts in Konstanz, deren Geschäftsführer ebenfalls Günter Ruggaber ist. Das Bodensee-Institut hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Berufswunsch Psychotherapeut mit der wissenschaftlichen Weiterentwicklung des Fachs zu verbinden. Der Promotionsstudiengang ‚Klinische Psychologie, Neuropsychologie und Psychotherapie‘ an der Universität Konstanz unterstützt in strukturierter Form die Verwirklichung klinisch-psychologischer Promotionsvorhaben. Zugleich besteht die Möglichkeit einer parallelen Psychotherapieausbildung im Bodensee-Institut der DGVT.
Das zweite größere Projekt in diesem Zusammenhang ist die Möglichkeit für die AusbildungsteilnehmerInnen der DGVT an dem sechssemestrigen Weiterbildungsstudiengang in Kooperation mit der Universität Bern teilzunehmen. Durch die Teilnahme am „Master of advanced studies - Psychotherapie mit Schwerpunkt Verhaltenstherapie“ (MAS PTVT) erhalten die Studierenden gleichzeitig einen europäischen Abschluss in Form eines zweiten Masters.
Darüber hinaus gibt es eine Kooperation des Ausbildungsinstituts PP in Berlin mit der Freien Universität zu Berlin und weitere regionale Zusammenarbeiten zwischen Universitäten und DGVT-Instituten.
Anschließend wurden die Beschlüsse des 25. Deutschen Psychotherapeutentages (DPT) am14. und 15. November 2014 in München zur Reform der Psychotherapie-Ausbildung diskutiert und bewertet. Mehrheitlich wurde beim DPT ein Modell verabschiedet, das anstelle der bisherigen postgradualen Ausbildung die Einrichtung eines Psychotherapie-Hochschulstudiums vorsieht, das mit einem Staatsexamen mit Approbation abschließt. Dieser Abschluss soll dann die Voraussetzung für den Zugang zu anschließenden Weiterbildungen darstellen, die als sogenannte „Qualifizierungsphase II“ Vertiefungen in wissenschaftlichen Psychotherapieverfahren und -methoden sowie Schwerpunktsetzungen für die psychotherapeutische Behandlung von Kindern und Jugendlichen beziehungsweise von Erwachsenen ermöglichen. Diese als „Basale Direktausbildung“ bezeichnete Variante soll nach dem Beschluss des DPT noch in dieser Legislaturperiode von den politisch Verantwortlichen auf den Weg gebracht werden. DGVT und DGVT-AusbildungsAkademie haben nach wie vor Vorbehalte gegen diese Form der Direktausbildung, die sich vor allem auf die besonders umstrittene Frage des Zeitpunkts der Approbation beziehen (siehe hierzu Stellungnahme in der Rosa Beilage 4/14). Wichtig ist, dass die Novellierung der Psychotherapieausbildung nicht zu einem Qualitätsverlust in der beruflichen Qualifikation der PsychotherapeutInnen und damit in der PatientInnenversorgung führt.
Das Intergremientreffen beschließt, dass DGVT und DGVT-AusbildungsAkademie die weiteren Entwicklungen und Entscheidungen in Sachen Ausbildungsreform intensiv, konstruktiv und kritisch begleiten werden. Dazu gehört insbesondere auch die Umsetzung eines weiteren wesentlichen Aspekts des getroffenen Beschlusses. Noch vor einer umfassenden Ausbildungsreform muss als Sofortregelung sichergestellt werden, dass „nur Studiengänge mit Diplom- oder Masterabschluss den Zugang zu einer postgradualen Psychotherapieausbildung ermöglichen“, heißt es dort. Eine entsprechende Initiative aus einer vom Bundesministerium für Gesundheit eingesetzten Forschergruppe heraus war von mehr als 5.000 PsychotherapeutInnen in einer Online-Aktion unterstützt worden.
Ein weiteres Thema des Intergremientreffens war die Onlinetherapie; in diesem Zusammenhang wurden Fragen wie Qualitätskriterien für TherapeutInnen, Berufsordnung, Bezahlung, technische Standards, Bereitstellung eines gesicherten Datenraums, Datenschutz und Indikationen. DGVT und DGVT-Berufsverband haben hierzu eine Expertise in Auftrag gegeben.
Zum Abschluss des Treffens diskutierten die Gremien, was den „Markenkern“ von DGVT und DGVT-Berufsverband ausmacht. In der Diskussion wird deutlich, dass das psychosoziale Engagement der DGVT mit Fokus auf Patientenorientierung im Mittelpunkt stehen sollte. Dieses Ziel steht aber – so manchmal die Wahrnehmung – nicht mehr so zentral im Mittelpunkt, aufgrund der notwendigen berufspoliltischen Aktivitäten, die sich u. a. auch in der Gründung eines Berufsverbandes gewollt niedergeschlagen haben. Andererseits besteht durch die Berufsverbandsgründung die Möglichkeit, die alten DGVT-Ziele einer Patientenorientierung mit berufspolitischen Aspekten der PsychotherapeutInnen zu verbinden. Dieser Anspruch wurde auch bei der Berufsverbandsgründung in die Satzung aufgenommen. Diese Diskussion wird in einem Workshop im März in Tübingen weitergeführt werden.
Waltraud Deubert